Ausgabe 
30.4.1868
 
Einzelbild herunterladen

veränderungen. f 5 f v. Hesse, bisher Adjutant des Divistonärs, bereits zum Chef des Divisionsstabs ernannt.

Preußen. Berlin. Der König hat am 27. d. Mittags 1 Uhr das Zollparlament mit folgender Thronrede eröffnet:Geehrte Herren vom deutschen Zollparlamente! Vierzig Jahre sind verflossen seit der Begründung des Vereins, welcher heute in eine bedeutungsvolle Epoche seiner Entwickelung eintritt. Von kleinen Anfängen ausgehend, aber getragen von dem Bedürfnisse des deutschen Volkes nach der Freiheit inneren Verkehrs, hat der Zoll verein sich allmälig durch die Macht des nationalen Gedankens, welchem er Ausdruck gab, über den größten Theil Deutschlands ausgedehnt. Er hat zwischen seinen Gliedern eine Gemeinsamkeit der Interessen geschaffen, welche ihn schwere Proben siegreich hat bestehen lassen, und im Weltverkehr nimmt er eine Stellung ein, auf welche jeder Deutsche mit Befriedigung blickt. Die ihm bei seiner Gründung gegebenen Einrichtungen haben im Laufe der Zeit durch die Sorgfalt der Ver einsregierungen einen hohen Grad der Ausbildung erhalten. Sie vermochten jedoch auf die Dauer weder den Anforderungen zu genügen, welche die rasche Entwickelung und die zunehmende Viel seitigkeit des Verkehrs an die Gesetzgebung stellt, noch dem berechtigten Verlangen des deutschen Volkes nach einer wirksamen Theilnahme an dieser Gesetzgebung zu entsprechen. Die Verän derungen, welche das wirtbschaftliche und politische Leben Deutschlands erfahren hat, erheischten die Fortbildung der dem Zollverein bei seiner Grün dung gegebenen Organe und es ist die Frucht einer naturgemäßen Entwickelung, wenn heute Vertreter der ganzen Nation sich zur Berathung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen Deutschlands vereinigen. Diese Berathung wird sich auf fast alle Gebiete der nach dem Vertrage vom 8. Juli v. J. gemeinschaftlichen Gesetzgebung erstrecken und kann dabei die Ausdehnung des Vereins auf Mecklenburg und Lübeck als nahe bevorstehend ins Auge fassen. Sie wird zunächst die dauernde Regelung der Verkehrsbeziehungen zu einem Nachbarlande zum Gegenstande haben, welches durch Stammesverwandtschaft und die mannigfaltigsten materiellen Interessen eng mit Deutschland verbunden ist. Der mit Oesterreich am 9. März d. J. abgeschlossene Handels und Zollvertrag wird den gegenseitigen Verkehr um- fassende, seit Jahren angestrebte Erleichterungen gewähren und Anknüpfungspunkte zu weiterer Fortbildung darbieten. Ein Gesetz über Abänderung der Zolloro nung soll durch Beseitigung der mit den Formen des Verkehrs nicht mehr verträglichen Formen des Zollverfahrens die Grundlage für eine allgemeine Revision der Zollgesetzgebung ftst- stellen. Eine gleichmäßige Besteuerung des Tabaks und eine durchgreifende Abänderung des Zoll⸗ tarifs sind dazu bestimmt, die Freiheit des Ver⸗ kehrs im Innern des Vereins und mit dem Aus⸗ lande zu fördern und den finanziellen Interessen der Veteinsstaaten gerecht zu werden. Ein Handels und Schifffahrtsvertrag mit Spanien ergänzt die Reihe der Verträge, durch welche der Zollverein im Laufe der letzten Jahre die Rechte der meistbegünstigten Nationen erworben und zu- gestanden hat. Ich bin gewiß, daß Sie, geehrte Herren, an die Lösung dieser wichtigen Fragen mit demselben Geiste herantreten werden, welcher die Regierungen beseelte, als sie sich über den Vertrag vereinigten, auf Grund dessen Ihre Be- rufung erfolgt ist, und welcher seither die Be rathungen des Bundesrathes geleitet hat. Halten Sie das gemeinsame deutsche Interesse fest im Auge, vermitteln Sie von diesem Gesichtspunkte aus die Einzel⸗Interessen, und ein Erfolg, der Ihnen den Dank der Nation gewinnt, wird Ihre Anstrengungen krönen. Die fteundschastlichen

Beziehungen, welche die deutschen Regierungen mit allen auswärtigen Mächten unterhalten, berech tigen zu dem Vertrauen, daß der Entwicklung nationaler Wohlfahrt, deren Pflege heute die Vertreter der deutschen Stämme vereinigt, die Segnungen des Friedens gesichert bleiben, zu deren Beschützung die deutschen Staaten sich

Wie verlautet, wäre Hauptmann

untereinander verbündet haben, und mit Gottes Beistand jederzeit auf die geeinte Kraft des deutschen Volkes werden zählen können.

27. April. Zollparlament. Der Alters- präsident Frankenberg⸗Ludwigsdorf ruft zuerst allen süddeutschen Abgeordneten ein freundliches Will⸗ kommen zu(Bravo!), und fügt bei: Der Ver trag vom 8. Juli hat unsere Competenz festgestellt. Dem Vorbilde des Reichstags folgend, werden wir die Vorlagen gründlich prüfen und unsere Bemühungen unablässig auf ein großes Ziel richten: das einige Deutschland!(Lebhaftes Bravo.) Das Parlament genehmigte hierauf provisorisch die Geschäftsordnung des Reichstags. Hierauf folgte die Verloosung der Abtheilungen. Eingetreten sind 210 Reichstagsmitglieder und 73 Süddeutsche. Auf der Tagesordnung für morgen stehen Wahlprüfungen und Präsidenten⸗ wahl. Der König empfing im Laufe des Nach- mittags den Fürsten Hohenlohe.

28. April. Zollparlament. Sim son wurde zum Präsidenten, der bayerische Minister⸗ präsident Fürst Hohenlohe zum ersten Vice präsidenten gewählt. Bei der Erwählung des zweiten Vicepräsidenten fand eine engere Wahl statt und erhielt der Herzog von Ujest eine Majorität von 152 Stimmen. Auf Freiherrn v. Roggenbach waren nur 137 Stimmen gefallen. Simson, in seiner Dankrede auf das erste Par lament in Frankfurt anspielend, sagte, er erkenne in der heutigen Wahl eine wohlwollende Erinnerung, Seitens Vieler aus längst verflossenen Tagen. Er hoffe, daß die Versammlung einen vollgültigen Beweis ablegen werde für die Stärke und Un⸗ trennbarkeit des Bandes, welches das deutsche Volk trotz aller Unterschiede umschlinge. Fürst Hohenlohe sagte, er erkenne in seiner Wahl eine Rücksicht auf die Süddeutschen, deren Eigenart hier wohlwollende Berücksichtigung finden werde. Er wünscht zuvörderst patriotische Eintracht und Hingebung aller an die Kösung der gestellten Aufgaben.

DieNordd. Allg. Ztg. meldet: In Folge des Votums des Reichstages vom 22. d., durch welches das Bundes-Schuldenwesen uner warteten Schwankungen unterworfen ist, hat die Staatsregierung die Sistirung der Arbeiten an geordnet, welche aus den bereits votirten Bundes- anleihen bestritten werden sollten. Die Arbeiten im Jahdebusen, in der Kieler Bucht und andern Küstenbefestigungen werden eingestellt, die in Dienst gestellten Kriegsschiffe werden zurückbeordert.

Frankfurt. Am 27. ds. wurde der bei Weitem größte Theil der Postexemplare des Hauptblattes von Nr. 118 desFrft. Journals polizeilich mit Beschlag belegt. Veranlassung dazu gab eine Stelle über die Freilassung Trabert's. Die Stelle des beanstandeten Artikels war in der zweiten Ausgabe erwähnter Nummer durch eine große Lücke bemerkbar.

Bayern. München. Die Abgeordneten⸗ kammer bewilligt das Militärbudget nur mit dem von Seiten des Ausschusses beantragten Abstrich von circa 800,000 Gulden.

Baden. Aus Philippsburg wird gemeldet, daß sich der großh. Kreisgerichtsrath v. Blitters⸗ dorff als Untersuchungsrichter daselbst eingefunden, um gegen den katholischen Pfarrer Hübsch von Huttenheim Untersuchung wegen eines Vergehens gegen die Sittlichkeit mit Kindern einzuleiten. Nach der Verhaftung machte jedoch der Pfarrer im Gefängniß in Philippsburg durch einen Pistolen- schuß seinem Leben ein Ende.

Oesterreich. In einer von Jul. Schwarz herausgegebenen Statistik des Unterrichts- wesens in Ungarn sind die wenig erfreulichen Angaben zu lesen, daß von 17,000 Dörfern mehr als 5000 noch gar keine Schulen haben, daß in 15,500 Gemeinden die Mädchen gar keinen Schulunterricht genießen, daß unter 100 Bräuten 85 ihren Namen nicht unterschreiben können und daß von der gesammten männlichen Jugend 52 Prozent keine Schulen besuchen.

Großbriannien. Der Telegraph bringt von verschiedenen Seiten die Nachricht über den

glücklichen Ausgang der britischen Expedition nach

Abyssinien. So meldet ein offizielles Telegramm aus Alexandria vom 25. April: König Theodor ist bei Magdala geschlagen worden und hat sich alsdann unter Zurücklassung aller Gefangenen und Werkleute nach Magdala zurückgezogen. Magdala ist darauf erstürmt und Theodor geködtet worden. Die Engländer hatten nur geringe Verluste, 24,000 Abyssinier streckten die Waffen. Reuter's Office erhält folgende Nachrichten aus Zulla vom 18. d. M.: Magdala wurde am 13. April erstürmt. König Theodor wurde ge⸗ tödtet. Die Gefangenen sind ausgeliefert worden. 14,000 Mann der feindlichen Truppen haben die Waffen niedergelegt. Von den Engländern wurde nur 1 Offizier und 14 Mann verwundet. Der Verlust des Feindes betrug 500 Todte und 1500 Verwundete. Die englischen Truppen sind auf drei Monate verproviantirt. Dasselbe Bureau meldet von ebendaber vom 19. d.: Alle europäischen Gefangenen, Männer, Frauen und Kinder, 60 an der Zahl, sind an General Napier ausgeliefert worden und auf dem Wege nach Zulla. Theodor's ganze Armee ist getödtet, verwundet oder gefangen. Ob die englische Regierung, welche den Krieg als eine Repressalie im völkerrechtlichen Sinne unter⸗ nommen hat, nachdem durch die Befreiung der Gesangenen dieser angebliche Zweck vollständig erreicht ist, sich mit dem Erfolge, seinen alten Respekt unter den Völkern des Orients in un- zweifelhafter Weise hergestellt zu haben, begnügen wird, ist vor der Hand noch nicht abzusehen.

Frankfurt. Wie vorsichtig man mit jeder, auch ber kleinsten Schnittwunde sein soll, beweist folgender Fall. Ein hiesiger geachteter Bürger schnitt sich in die Hand, beachtete die Verletzung nicht, in Folge dessen eine Ent⸗ zündung und durch diese eine Blutvergiftung entstand, welche mit dem Tode des allgemein bedauerten Familien vaters endete.

Darmstadt. Am Samstag Abend wurde auf dem hiesigen Friedhof die Leiche eines wohlgekleideten Mannes aufgefunden, der seinem Leben durch Erhängen an einen auf einem Grabe stehenden Baum ein Ende gemacht hatte. Man will in der Leiche die Person des hier als Advokatenschreiber beschäftigten pensionirten Lehrers 8. früher in Z erkannt haben. Das Motiv des Selbstmorbs soll in mißlichen Verhältnissen zu suchen sein.

In Mainz wurde dieser Tage ein Ehepaar in Haft gebracht, welches im Verdacht steht, seine bei den Kinder, ein 16 und ein 17 Tage altes Mädchen(Zwillingspaar) ermordet zu haben. f

Worms. Die unter der Leitung Dr. Schneiders dahier bestehende hauswirthschaftliche Lehranstalt, welche die Ausbildung erwachsener Töchter, besonders solcher von Landwirthen, im Gartenbau, der Milchwirthschaft, Auf⸗ bewahrung⸗ und Einmachlehre, der Küchenführung, über⸗ haupt der Haushaltungskunde in ihrem ganzen Umfange, resp. die Heranbildung intelligenter, sparsamer und um⸗ sichtiger Hausfrauen bezweckt, beginnt am 4. Mai nächst⸗ bin ihr drittes Semester. Die practischen Uebungen er⸗ strecken sich: auf die verschiedenartigen Handarbeiten, als Kleider- und Weißzeugnähen, Stricken, Flicken, Waschen und Bügeln, dann mit Führung der Küche, Besorgung der Einmachungen, Pflege der Reinlichkeit und Ordnung im Hauswesen. Die Anstalt lehrt sonach denjenigen Theil der Landwirthschaft kennen, welcher der Fürsorge der Haus⸗ frau anvertraut ist und ohne dessen Kenntniß die Rein⸗ erträge der Wirthschaften nicht selten empfindlich geschmälert werden. Die Kosten für das fünfmonatliche Semester betragen für Unterricht, Kost, Wohnung und Wasche 195 Gulden..

% Der Herriedener Witterungsbeobachter schreibt unterm 20.: Allen Anzeichen nach scheint uns noch kein beständiges Wetter bevorzustehen. Das europäische Luft⸗ meer zeigt zwar nur geringe Differenzen, steht aber in den meisten Stationen unter dem Mittel. Die Kälte hat überall nachgelassen.

Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Bremer PostdampfschiffNew⸗ York, Capitän Dreyer, trat am 22. April als Extraboot wiederum eine Reise nach New-York an und hatte außer einer starken Brief⸗ und Packetpost 722 Passagiere und 300 Tons Ladung an Bord.

Das Hamburger PostdampfschiffAllemania, Capt. Bardua, trat am 22. April wiederum eine Reise vis Southampton nach New⸗York an und hatte außer einer starken Brief, und Packetpost 400 Tous Ladung, 53 Passagiere in der Cajüte und 788 im Zwischendeck an Bord.

Das Bremer PostdampfschiffHausa, Capt. Oteren⸗ dorp, welches am 9. April New⸗Jork verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen 11 Stunden wohlbehalten in Cowes angelangt und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich be⸗ stimmten Passagiere und Posten gelandet, unberzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt 80 Passa⸗ giere und 1200 Tous Ladung.

fu Auen* be aflbau g Naeh

für int 9

Da

22 0 die Au due gt fue d höchten ein Fra fie zut ö tine U! Ahnen sich mi mäßig is kei Grafe Statt Schlu rische Schla Ausb. erschei das Hen Eberg sie nic Verhas anzuln aber g. bekannt tingefül gitter schwerst tine Ju Gasthof die An täuschu