Ausgabe 
29.10.1868
 
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stand in Friedenszeiten ist dabei auf 255,000 Mann veranschlagt.

Am 22. d. fand auf dem Johannisberge bei Trautenau die Einweihung des Preußendenkmals statt. Dasselbe besteht in einem Obelisken, den die Offiziere des 6. ostpreußischen Infanterie- regiments ihren am 27. Juni 1866 auf dieser Höhe im Kampfe gegen die Oesterreicher gefallenen Kameraden haben errichten lassen. Der Oberst des Regiments empfahl das Denkmal dem Schutz der Bürger von Trautenau.

DiePresse und dasTagblatt melden, daß Baron v. Beust in der Sitzung vom 26. d. des Wehrausschusses eine bedeutungsvolle Rede zur Motivirung der Regierungsforderung von 800,000 Mann gehalten habe. Die höchst wich tigen Mittheilungen Beust's, einen Hinblick auf die allgemeine Weltlage enthaltend, bestimmte die Abgeordneten, welche die Regierungsforderung anfänglich bestritten hatten, dieselbe vollständig mit großer Majorität anzunehmen. Nach den genannten Blättern schildert Beust die allgemeine Weltlage als eine solche, welche unbedingt ver lange, daß Oesterreich stark sei, um nicht unvor bereitet dazustehen, wenn auch eine Bedrohung des Friedens gegenwärtig nicht vorliege.

Aus Südtyrol kommen fortwährend Klagen über die Noth, welche durch die surcht⸗ baren Ueberschwemmungen der Etsch zwischen Bozen und Trient verursacht wurde. Der Kaiser hat zur Linderung des Elends 10,000 fl. gespendet und der Statthalter Baron Lasser hat die Stätten des Unglücks in Augenschein genommen.

Prag. In einem patriotischen Marktflecken wurde ein Strohmann, mit Frack und Cylinder angethan, welche nach neuhussttischen Begriffen die deutsche Natienaltracht repräsentiren, in einem Schinderkarren auf den benachbarten Galgenberg transportirt, erst aufgehängt und dann verbrannt. Während der befrackteDeutsche in den böhmischen Flammen loderte, sang ein tschechischer und gut katholischer Caplan das Miserere.

In Reichenberg in Böhmen hat am 21. d. die feierliche Einweihung einer neuen evangelischen Kirche stattgefunden. Der Reichskanzler Freiherr v. Beust, welcher seine Theilnahme an der Feier zugesagt hatte, war nicht erschienen und hatte sein Ausbleiben damit entschuldigt, daß die Reichs- rathssession seine Anwesenheit in Wien erfordere. Außerordentlich zahlreiche Gäste hatten sich ein- gefunden, darunter gegen 100 evangelische Geist- liche im Ornat, die Mehrzahl aus Sachsen.

Aus Reichenberg wird gemeldet:Nach authentischen Berichten gab die Verhinderung der Tschechen⸗Meetings durch die energischen Regierungs- maßregeln in der Nähe der preußischen Gränze am letzten Sonntag zu einer eigenthümlicher Demonstration Anlaß. Die tschechischen Demon⸗ stranten zogen nämlich schaarenweise über die Gränze, brachten auf preußischem Boden Slavas auf die Tschechenrechte aus und kehrten sodann wieder heim.

Schweiz. Bern. Neben der großen Thätig⸗ keit, die in Militärangelegenheiten für die Be⸗ waffnung mit Hinterladungsgewehren und Kanonen, die neue Uniformirung, für die Correction der Juragewässer, des Rheins und der Rhone, die Hebung der Pferdezucht, die Vichschauen, die Abhülfe der Noth ꝛc. weiter entfaltet wird, herrscht auch noch eine starke Bewegung für die Reform der Cantonalverfassungen im Sinne einer größeren Betheiligung des Volkes an der Gesetzgebung.

Der Regierungsrath von Obwalden hat eine Verordnung erlassen, wonach das Tabak⸗ rauchen und Schnupfen allen Minderjährigen (unter 18 Jahren) bei Geldstrafe und im Fall der Insolvenz Gefängnißstrafe verboten wird.

Der Postdienst in Tessin ist nach der Liberta auf allen Linien wieder hergestellt. Nur auf der Gotthardroute, zwischen Airolo und Bellinzona, ist für den Personentransport vor⸗ läufig noch der Nachtcours ausstehend.

Frankreich. Paris. DieFrance gibt bereits ihren Commentar zu der Dumaine'schen Karte:Territorial ist das Frankreich von 1868 größer als das Frankreich von 1815 und 1851.

Wir haben als Mehrbesitz Algerien, wir haben Nizza und Savohen erworben. Strategisch haben wir uns gestärkt: im Mittelmeer durch alle Häfen der afrikanischen Küste, welche Toulon gegenüber dieses große Meer beherrschen; gegen Italien durch die Wiederherstellung unserer Alpengrenzen und gegen Deutschland durch die Räumung und Schleifung der Festung Luxemburg.

DieSemaine financière schreibt:Es war in den letzten zwei Tagen viel davon die Rede, daß der Marschall Niel in Folge der geringen Uebereinstimmung, welche seiner Ansicht nach zwischen der activen Haltung des Kriegs- ministeriums und der Thatlosigkeit des Ministeriums des Aeußeren bestünde, zurücktreten solle. Wie sehr auch diese Gerüchte an Bestand gewonnen, so halten wir sie kaum für begründet.

DieEpoque meldet:Der Herzog und die Herzogin von Montpensier sind nach Sevilla zurückgekehrt und von der Bevölkerung anständig, aber kalt empfangen worden. Don Carlos hat allen Regierungen die Abdankung seines Vaters zu seinen Gunsten notificirt.

Etendard sagt, die dänische Regierung redigire augenblicklich eine Depesche an das Ber liner Kabinet, welche die direkte Reklamation um Ausführung des Prager Friedens bezüglich Schleswig's enthalte. Neuere Nachrichten be⸗ zeichnen diese Mittheilung als grundlos.

Der Kaiser soll auf der Jagd von Saint⸗ Germain einer Lebensgefahr entgangen sein. Ein Gewehr sei einem der-Diener losgegangen und habe einen der in der Nähe des Kaisers befind- lichen hohen Jagdgäste leicht verletzt. Die Sache wurde natürlich gleich wieder zu einem Attentat gestempelt.

DasJournal de Paris zeigt an, daß bei Dentu eine anonyme Broschüre erscheinen wird, welche den Titel führt:Kurhessen, seine Annexion und seine Restauration, vom französischen Standpunkt aus beleuchtet. Der anonyme Ver- fasser beweist, sagt das genannte Blatt, die nur zu wahre Wahrheit, daß es schlimm für Frank⸗ reich ist, daß Preußen das Kurfürstenthum Hessen und Mainz besitzt.

Eine Note desConstitutionnel sagt: DieOpinion nationale entnahm derTimes einen Bericht über eine Unterhaltung in einem offiziellen Kreise, worin die Kaiserin sich lebhaft für den Infanten Don Carlos als Candidaten des spanischen Thrones ausgesprochen hätte. Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß dieser Bericht, sowie die daran geknüpften Bemerkungen der Opinion nationale gänzlich der Wahrheit ent- behren.

Großbritannien. London. Gladstone berührte am 21. Oct. in seiner Rede vor feinen Wählern auch die Arbeiterfrage. Er sagte unter Anderm:Die Frage über die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit werde von Manchem für eine der größten, oder gar für die allergrößte Schwierigkeit angesehen, die, einer Wolke gleich, über der Zukunft Englands hange. Ich gestehe, daß ich nicht dieser Reinung bin(hört, hört!).

Ich habe so großes Vertrauen in den Verstandi

meiner Landsleute aus allen Ständen und nament⸗ lich aus den beiden zunächst betheiligten, um mich nicht der Ueberzeugung hinzugeben, daß sie ohne allgemeine und hoffnungslose Hindernisse ihren Weg aus dem Labyrinthe dieser Frage zu einer befriedigenden Lösung finden werden. Und nach⸗ dem Gladstone diese seine Ansicht ausgesprochen, sagte er weiter, daß er in den Consumvereinen ein wichtiges Element für die Erreichung des an⸗ zustrebenden Zieles erblicke, indem sie dem Arbeiter einige von den Gefühlen und Interessen der Ca⸗ pitalisten einflößen, ohne ihn der Arbeiterklasse zu entrücken(hört, hört!). Was anderseits die Productivgenossenschaften betrifft, deren Wichtigkeit er nicht geringe schätzen möchte, bemerkt der Redner, daß die Gefahren und die Verantwortlichkeit solcher Unternehmungen jederzeit sehr ernster Natur seien Desto wärmer spricht Gladstone von solchen Etablissements, die den Arbeiter am Geschäfts⸗

gewinne betheiligen, und meint, daß eine Erwei⸗

mit zu den vorzüglichsten Methoden zur Lösung der Arbeiterfrage gehöre.

Widersprechenden Gerüchten gegenüber gibt derObserver eine ihm gewordene positive Mit⸗ theilung über eine Einigung Lord Stanley's mit dem amerikanischen Gesandien, wonach die aus der Rebellion der Südstaaten entspringenden An⸗ sprüche britischer Unterthanen und amerikanischer Bürger durch eine gemischte Commission, welche in London ihren Sitz haben wird, zu entscheiden sind. Es ist nur noch die Ratification der amerikanischen Regierung nöthig.

Der bekannte Mathematiker und Optiker Herr Thomas Cooke,der englische Fraunhofer, ist 62 Jahre alt in Jork gestorben.

Spanien. Madrid. Ein an die Nation gerichtetes Manifest der provisorischen Regierung wird in Kürze erscheinen. Die Gesandten von Frankreich, Portugal, England und Preußen haben an Lorenzana Noten ihrer Regierungen überreicht, welche die provisorische Regierung von Spanien anerkennen. Olozaga wird nach London und Paris in einer besonderen Mission seiner Regierung reisen.

DieGaceta veröffentlicht das erwähnte Manifest der prov. Regierung an die Nation, worin sie die Bürger auffordert über die wahren Be⸗ strebungen und positiven Bedürfnisse nachzudenken, welche demnächst befriedigt werden müssen. Sie faßt den Fall der Dynastie als den Probirstein der durch die Revolution eröffneten neuen Aera auf. Die Verwaltungsprincipien der künftigen Regierung werden auf die Freiheit im weitesten Sinne basirt sein. Am wichtigsten sei die, durch die neue politische Lage herbeigeführte religiöse Freiheit, sodann die Unterrichts-, Preß⸗ und Versammlungsfreiheit. Das Manifest sagt, die provisorische Regierung stimme für eine starke Monarchie, entwickelt die Gründe hierfür, versichert jedoch, die Rationalsouveränetät solle respektirt werden und schließt, indem es Vertrauen, Ordnung und den Beistand des Volkes fordert.

Die Junta von Sevilla hat vor ihrer Auflösung ein Manifest erlassen, welches so schließt: Nieder mit der direkten und indirekten Dynastie! Bei der statistischen Aufnahme der Nonnen; klöster, die 1860 erfolgte, zählte man 866 Klöster mit 12,990 Nonnen. Ihre Einkünfte beliefen sich auf 8,990,620 Realen jährlich. Die Mönchs⸗ klöster, 32 an der Zahl, enthielten 719 Mönche, aber in den letzten Jahren haben sich diese Ziffern vermehrt.

Amerika. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat in Folge eines bezüglichen Congreß⸗ beschlusses die Sammlung aller Kundgebungen des Beileids und der Sympathie, welche gelegent⸗ lich der Ermordung des Präsidenten Lincoln und des Mordversuches gegen den Staatssekretär Seward am 14. April 1865 von allen Seiten bei ihr eingegangen sind und welche einen Anhang zu der diplomatischen Correspondenz des Jahres 1865 bilden, in einer hinreichenden Anzahl von Exem⸗ plaren durch den Druck vervielfältigen lassen.

Die neuesten Nachrichten vom Kriegsschau⸗ platze in La Plata melden, daß die Verbündeten es keineswegs gewesen wären, die den Marschall Lopez zum Rückzuge gezwungen hätten. Sein Lager bei Tebicuari war sehr fest; er hätte sich lange darin vertheidigen können und doch verließ er es, ehe er vom Panzergeschwader und von der alliirten Armee angegriffen wurde, und zog sich nach Villeta, 10 Lieues von Assumpcion, zurück. Er besitzt noch 28 Bataillone Infanterie, 16 Re⸗ gimenter Cavallerie, 60 Stück Feld⸗Artillerie und eine ziemlich große Anzahl schwerer Geschütze.

Friedberg. Ein von Aschaffenburg kommender zu⸗ verlässiger Gewährsmann macht uns die Mittheilung, daß auf dortigem Markte das Hundert Krauthäupter zu 3 fl. 20 3 fl. 30 verkauft werde, was bei dem theil⸗ weisen Mangel besselben in unserer Gegend wohl beachtens⸗ werth sein möchte.

Aus dem Kreise Vilbel. In vergangener Woche

fanden Arbeuer in Holzhausen beim Fundamentgraben einer Scheuer etwa 5 Fuß tief einen Topf mit etwa 320 Stück Silbermünzen, worunter hauptsächlich kleinere spanische Münzen in der Größe eines Drei⸗ und Sechs⸗ bätzners; auch spanische, österreichische und kölnische Thaler

terung und Verallgemeinerung dieses Systems

befanden sich dabei, nebst mehreren kleineren polnischen