Ausgabe 
27.6.1868
 
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Das Fischerpförtchen Luthers ist illuminirt. Das Wetter ist heute Abend besser und verspricht dauernd gut zu werden. Morgen Vormittag findet ein gemeinsames Frühstück der Fürsten in dem Hause des Zollparlamentsdeputirten Pfannebecker statt, bei welchem der König von Preußen Absteige⸗ quartier nehmen wird.

25. Juni. An der Vorfeier in der Fest⸗ halle nahmen gestern Abend ungefähr 3000 Per- sonen Theil. Die Stimmung war tine sehr gehobene. Dr. Eich von hier begrüßte die Gäste mit einer Ansprache. Es sprachen dann Schlott⸗ mann Namens der Hallischen, Professor Schenkel Namens der Heidelberger Theologen. Heute acht Uhr Morgens ist der König von Württemberg hier eingetroffen. Gestern Nachmittag ist der Vertreter des Königs von Sachsen, Staatsminister v. Falckenstein, hier angelangt. Um 12½ Uhr traf die Spitze des Festzuges auf dem Festplatze ein. Voran gingen zahlreiche Gesangvereine mit ihren Emblemen, es folgten weißgekleidete Jung frauen mit Kränzen, die Schuljugend, 2000 Geist- liche, dann zahlreiche Deputationen von Städten und Fakultäten, die auf der Tribüne Platz nahmen. Den Festplatz füllten eirca 15,000 Menschen, in der Stadt sind 80 90,000 Fremde. Die Ein- leitungsrede des Predigers Oppermann aus Zittau gab eine Geschichte des Denkmals, mit Beziehungen auf die Gegenwart. Decan Keim von hier be⸗ grüßte zunächst die Fürsten, nannte den König von Preußen denSchirmherrn der evangelischen Kirche in und außer Deutschland, das Fest sei ein universal-evangelisches. Um 2 Uhr Nachmit tags fiel unter Kanonendonner und tausend⸗ stimmigem Jubelrufe die Hülle, welche das Denk⸗ mal umgab. Ein nicht endenwollender Sturm des Beifalls erhob sich und der aus 20,000 Kehlen ertönende ChoralEin feste Burg ist unser Gott brauste wie ein gewaltiger Organ dahin. Der Eindruck des Kunstwerks ist ein gewaltiger. Es folgte hierauf die Nachrede und die Uebergabe des Denkmals an die Stadt Worms durch den Prälat Dr. Zimmermann aus Darmstadt. Der Bürgermeister von Worms, Brück, ein Katholik, hob die Verdienste Luthers um die Menschheit hervor, pries seinen fittlichen Werth und seine Verdienste um die deutsche Sprache und nannte Lutherden Ehrenbürger von Worms. Ein allgemeiner Gesang schloß die Feier um 3 Uhr, welche trotz des ungeheueren Volksandranges in bester Ordnung und gehobenster Stimmung verlief.

Ss Nauheim. Bei der Wahl eines Land- tags Abgeordneten an Stelle des kürzlich dahier verstorbenen Hrn. Bürgermeister Rie ß, bisherigen Vertreters des aus den neu zum Großherzogthum gekommenen Landestheilen gebildeten Wahlbezirkes, wurde Hr. Hofgerichts⸗Advokat Curtman in Friedberg mit 14 gegen 4 Stimmen gewählt.

Gießen. Nach dem amtlichen Personalbestande studiren im laufenden Sommersemester an der hiesigen Universität: Theologie 38, Rechtswissen⸗ schaft 54, Medicin 68, Thierarzneikunde 13, Ca-

sollte.

meralwissenschaft 20, Architectur 29, Forstwissen⸗ schaft 15, Philosophie und Philologie 55, Pharmacie und Chemie 22, im Ganzen 314, gegen 332 im Wintersemester.

Preußen. Berlin. Die von verschiedenen Blättern gemeldete Nachricht, wonach die von dem General Moltke gehaltene Reichstagsrede Interpellation von Seiten zweier Cabinette bei der hiesigen Regierung veranlaßt habe, wird von unterrichteter Seite als erfunden bezeichnet. Das Stadtgericht hat am 23. d. den Apotheker Cöhn wegen verschiedener im Feldzuge von 1866 verübter Fälschungen zu fuͤnfjähriger Gefängniß⸗ strafe, sechsjährigem Ehrenverlust und 1000 Thlrn. Geldstrafe verurtheilt und die Gewerbeconkesston dem Angeklagten für immer aberkannt.

Herborn. Das evangelisch⸗theologische Seminar dahier soll, wie verlautet, auf die Pro⸗ vinzen Rheinland und Westphalen, so wie Hessen ausgedehnt und das Schloß der Art eingerichtet werden, daß circa 30 Candidaten darin Unterkunft finden(Internat) und außerdem die Direktor⸗ und Hausmeisterwohnung in dasselbe verlegt werden können. Zu den nöthigen baulichen Ver⸗ änderungen will der Staat 10,000 fl. zuschießen, die übrigen Kosten soll die Stadt übernehmen.

Aus Thüringen. In Coburg, Hildburg⸗ hausen und Meiningen hat sich ein angeblicher Professor aus Petersburg damit befaßt, die höheren Schulanstalten zu besuchen, wozu er von der rus sischen Regierung Auftrag zu haben vorgab, dabei jedoch auch Geld zu erborgen versuchte. Der Eberhardt'schePolizeianzeiger hat über diese Art des Schwindels die nöthige Aufklärung ge geben.

Oesterreich. Wien. In der Unterhaus- situng vom 24. d. beantwortete Ministerpräsident Fürst Auersperg die Interpellation Sturm in Betreff der Kundgebungen der Bischöfe über die confessionellen Gesetze: Der Regierung liege die Durchführung der sanctionirten Gesetze ob, sie bereite die nöthige Ausführungs verordnung vor. Sollte den Gesetzen die gebührende Achtung und Befolgung verweigert werden, so werde die Re⸗ gierung das Geeignete veranlassen, um denselben ungeschmälerte Geltung zu verschaffen. Der Minister⸗ Präsident gibt hierauf Kenntniß von den kaiserl. Entschließungen, wodurch der Reichsrath vorläufig bis 1. Sept. vertagt wird.

Der Erzbischof von Olmütz, Landgraf Friedrich von Fürstenberg, hat sein Verdammungs⸗ urtheil über die drei confessionellen Gesetze in einem Rundschreiben an seinen Clerus verkündet. Wer eine Civilehe eingeht, soll als im Concubinat lebend betrachtet und von allen Sacramenten ausgeschlossen werden; auch das kirchliche Begräb⸗ niß ist ihm zu versagen. Eine solche Civilehe ist null und nichtig und kann von einem reuigen Ehegatten nach kirchlichem Rechte aufgelöst werden, wenn auch der andere Theil sich auf sein aus dem weltlichen Gesetz abgeleitetes Recht berufen

Dagegen sind alle nach kirchlichem Recht

abgeschlossenen Ehen gültig, auch wenn staatliche

Hinderniffe vorhanden sein sollten. Die geistlichen Ehegerichte bestehen fort. Misch⸗Ehen sind un⸗ gültig, wenn sie ohne Mitwirkung eines katholischen Pfarrers abgeschlossen wurden. Eine solche Mit⸗ wirkung kann aber nur dann erfolgen, wenn vor⸗ her dem katholischen Geistlichen von dem katholischen und von dem protestantischen Theil einformeller und legaler Contract über die Erziehung aller Kinder im katholischen Glauben eingehängt worden ist. Der Erzbischof von Olmütz weist den Klerus in diesem, wie in allen übrigen Punkten an, die Gläubigen besonders im Beichtstuhl auf die zu den Todsünden führenden Gefahren aufmerksam zu machen, welche die Befolgung der concordats⸗ widrigen Gesetzesbestimmungen für die Seele herbeiführen müßten.

Ein Privattelegramm derAbendpost aus Rom meldet: Die Allocution des Papstes verurtheilt die österreichischen confessionellen Gesetze als den Lehren und Rechten der Kirche und dem Concardate zuwider, erinnert die katholischen Ab⸗ geordneten, welche die Gesetze beantragten, oder ihnen zustimmten, an die Kirchenstrafen, belobt die Bischöfe, welche für das Concordat kämpften, und fordert die magyarischen Bischöfe auf, dem Bei⸗ spiele ihrer Amtsbrüder zu folgen.

Oberursel. Nach der erdrückenden Schwüle der letzten Tage hatten wir am 22. d. dahier ein starkes Gewitter mit surchtbarem Regenguß. Ein Strahl entlud sich in das hiesige Telegraphenbureau, schlug den Blitz⸗ ableiter ein, schmolz die Leitungsdrähte, verletzte die messingenen Metallplatten des Apparats, durchbrach die Gasröhre an einer Stelle, so daß das ausströmende Gas in heller Flamme brannte. Das Personal flüchtete sich außerhalb des Lokals, behielt jedoch Geistesgegenwart genug, die entstandene Flamme sogleich zu löschen. Es ist dies bereits der dritte Einschlag des Blitzes in das hiesige Telegraphenbureau. Im Jahre 1863 wurde der Beamte derart verletzt, daß er heute noch die Spuren davon an sich trägt. Der heutige Strahl wurde durch die Ableitung in das Wasserhaus geführt und erschreckte die dort anwesenden Waschfrauen durch die Bewegung des Wassers aufs Höchste.

Wilna. Man ist hier einer großartigen Gaunerbande auf die Spur gekommen. Einige hervorragende Mitglieder dieser saubern Gesellschaft, darunter eine sichOberstin nennende Frauensperson, befinden sich bereits unter Schloß und Riegel. Die jüngst in Warschau gestohlenen Brillanten, wie verlautet im Werthe von 10,000 Rubel Silber, soll man bei derOberstin vorgefunden haben. Im Zu⸗ sammenhange damit stehen verschiedene Schwindelkäufe von Häusern und Grundstücken zu Fabdrikanlagen, Engagements von Geschästsführern, Comptoiristen u. s. w. zu glänzenden Gehältern. Die so Engagirten mußten aber alle einige Hundert Rubel Caution hinterlegen ꝛc. Als die Betrogenen in Wilna ankamen, fanden sie leere Wände und keinerlei Fabrikanlagen.

Aus Leschnitz meldet dieSchl. Ztg., daß am 17. d. von Morgens Uhr bis gegen Abend dort unge⸗ heure Massen Heuschrecken in der Höhe von circa 6 Juß über der Erde in der Richtung von Süden nach Nord⸗ osten vorüber zogen. Der Zug nahm eine so colossale Breite ein, daß wir diese in einer Stunde nicht zu durch⸗ schreiten im Stande waren. Glücklicher Weise ließen sich diese argen Feinde der Feldfrüchte nicht bei uns nieder, bis auf einzelne Marodeurs.

Menge dieser schwerfälligen und dummen Thiere erschlagen.

Das Fleisch

Der Dronte(Dudu).

Von Dr. Curtman.

Zu den in geschichtlicher Zeit ausgestorbenen Thieren gehört der Vogel Dronte. Im Jahr 1598 wurde ein holländisches Schiff an die Küste der zu Afrika gehörigen, im indischen Ocean gelegenen Insel Mauritius(Isle de France) geworfen. Als die hungrigen Matrosen in das Innere streiften, entdeckten sie einen Vogel von nie gesehener Plumpheit. Derselbe konnte nicht fliegen, sondern schleppte sich höchst mühsam auf seinen kurzen Beinen fort. Sein Kopf, auf einem kurzen, dicken Halse, war zum Theile nackt, zum Theile mit einem Wulste von schwarzem Flaume bedeckt, so daß es einer Caputze ähnlich sah. Der unverhältniß⸗ mäßig große Schnabel war noch obendrein mißgestaltet, und glich etwa zwei mit ihren hohlen Seiten zusammengeklappten Löffeln. Von den Nasenlöchern an bis an die Spitze hatte dieser Schnabel oben eine hell⸗ grüne, unten eine schwärzliche Farbe. Die großen schwarzen, traurig blickenden Augen waren von einem weißen Kreise umgeben. Flügel waren eigentlich nicht wirklich vorhanden, sondern nur durch zwei Büschel gelb⸗ licher Federn bezeichnet. Fünf Federn von derselben Farbe mit krausem,

unordentlichem Barte ersetzten den Schwanz. Der ganze, fast würfelförmige Körper war mit grauem Flaume bedeckt, und ruhte auf schwarzen plumpen Die Größe kam der eines Schwanes gleich, das Gewicht mochte Der Hunger ließ die Matrosen eine

Beinen. einen halben Centner betragen.

des Dronten hatte aber einen unangenehmen Geruch und einen so ab⸗ stoßenden Geschmack, daß die ganze Schiffsmannschaft nicht im Stande war, mehr als 2 Dronten auf einmal zu verzehren. Dennoch war das in dem ersten Hunger verübte Gemetzel dem Geschlechte des Dronten ver⸗ derblich. Schon 9 Jahre nach diesem Besuche von Mauritius hatte die Zahl der Dronten außerordentlich abgenemmen. Im Jahre 1681 ge⸗ schieht der Dronten als auf der Insel Mauritius lebend zum letzten Male Erwähnung. Seitdem ist das Thier von der Erde verschwunden.

Da kein Naturforscher die holländischen Schiffe, welche die Dronten lebend auf Mauritius fanden, begleitet hat, so fehlt uns manche wissens⸗ werthe Notiz über das ausgestorbene Thier. Außer den Beschreibungen und einem Bilde der ungelehrten Schiffsmannschaft war nur wenig übrig, woraus man sich die Gestalt des Vogels vergegenwärtigen konnte. Einen Schädel und eine Pfote bewahrten die Engländer in ihrem Landesmuseum. Aus allen Beschreibungen und Ueberresten haben Naturforscher und Zeichner Abbildungen zusammengestellt, welche sich in den meisten Lehrbüchern der Naturgeschichte finden. Da, im Oktober 1865 brachte ein glückliches Ohngefähr auf der Insel Mauritius unter anderen Thierknochen auch eine Anzahl Gerippe des verschwundenen Vogels aus einem Sumpfe zu Tage. Der Eigenthümer des Sumpflandes hat Alles ausgraben lassen, und nach London geschickt. Von dort aus haben viele europäische

Sammlungen sich mit Dronte⸗Gerippen bereichert.

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