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techntsche Schule nach Darmstadt! Man verwende einen Theil jener angeforderten Summe zur Auf⸗ besserung der übrigen höheren Anstalten, Gymnasien und Realschulen, und man erweist dadurch dem ganzen Lande eine Wohlthat, während mit der Bewilligung obiger Summe nur ein in der Ge⸗ burt schon sehlgeschlagener Versuch gemacht würde, einer im Verhältniß der Größe unseres Landes schon allzu bevorzugten Stadt auf Kosten des Landes neuen Glanz zu verleihen!
1 Friedberg, 26. März. Heute Morgen traf die Ernennung des seitherigen zweiten Bei— geordneten Herrn Foucar zum Bürgermeister biesiger Stadt ein.
S. Gießen. Auch hier ist nunmehr der Fleckentyphus eingeschleppt und zwar durch zwei Mausefallenhändler, welche krank in die hiesige Klinik gebracht wurden; die Einführung geschah also auf gleiche Weise wie in Marburg, denn auch dort waren es zwei Mausefallenhändler und nicht, wie früher berichtet wurde, Handwerksbursche. Im Ganzen sind hier fünf Personen erkrankt, worunter zwei Studenten der Medizin, welche auf der Klinik beschäftigt waren; auch die fünfte Kranke ist nicht in der Stadt selbst, sondern auf der Klinik, wo sie in ihrem Dienst als Kranken- wärterin angesteckt wurde. Todesfälle sind bis jetzt noch keine erfolgt.
Preußen. Berlin. In Abgeordneten- kreisen wird versichert, sobald das Spielbankauf— hebungsgesetz perfekt geworden, werden die Hom- burger Spielbankpächter nochmals aufgefordert werden, sich nunmehr den Forderungen der Re— gierung zu fügen, widrigenfalls die Bank durch eine königliche Verordnung in kürzester Frist geschlossen werden wird. Für den letzteren Fall soll die Wiesbadener Spielbankgesellschaft vorge⸗ schlagen haben, die von der Regierung geforderten 800,000 Thaler für Homburg zur Unterhaltung der Anlagen zu bezahlen, wofern der Wiesbadener Spielbankgesellschaft erlaubt werde, das Spiel in Homburg während fünf Jahren fortzusetzen.
— Die Justizcommission des Abgeordneten- hauses stellt den Antrag, die von der Staats- anwaltschaft durch den Justizminister nachgzesuchte Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung der hier erscheinenden Zeitung„Die Zukunft“ wegen des Leitartikels in der Nummer vom 25. Jan. c. nicht zu ertheilen.
— Am 23. d. hatte der König eine lange Unterredung mit dem General Beyer, welcher am folgenden Morgen nach Karlsruhe abgereist ist, um dort den ihm übertragenen Posten eines badischen Kriegsministers anzutreten.— Der nordamerikanische Gesandte Bancroft über⸗ reichte am 24. d. dem Könige sein Beglaubigungs⸗ schreiben beim norddeutschen Bunde.
— Der„Staatsanzeiger“ bringt eine königl. Verordnung, wonach der Bundesrath des Zoll— vereins am 2. März unter dem Vorfitz des Grafen Bismarck zusammentreten wird, sowie ferner eine k. Verordnung, welche die Provinzial landtage auf März einberuft.
— Wie die„Zeidl. Corresp.“ erfährt, sind zu Bevollmächtigten zum Bundesrathe des Zoll“ vereins außer den bisherigen Mitgliedern des gewöhnlichen Bundesrathes Seitens der süddeut⸗ schen Staaten ernannt worden: für Bayern: der Staatsminister des Handels und der öffentlichen Arbeiten v. Schlör, der Staatsrath v. Weber und der Oberzollrath Gerbich; für Württemberg: der hiesige Gesandte v. Spitzemberg, der Ober⸗ Regierungsrath v. Bitzer und der Ober ⸗Finanz⸗ rath Riecke; für Baden: der hiesige Gesandte Frhr. v. Türckheim und der Ministerialrath Kilian; für Hessen: neben dem Geh. Legationsrath Hoff⸗ mann noch der Geh. Obersteuerrath Ewald.
— Die preußische Regierung hat sämmtlichen zum norddeutschen Bunde gehörigen Staaten den Entwurf einer Gewerbeordnung für den nord— deutschen Bund zugestellt. Derselbe enthält fol- gende Abtheilungen: 1) Allgemeine Bestimmungen, polizeiliche Zulässigkeit, Beschränkungen, Erlaubniß; 2) stehender Gewerbsbetrieb, allgemeine Erforder⸗ nisse, polizeiliche Genehmigung ꝛc.; 3) Gewerbe. betrieb im Umherziehen; 4) Marktverkehr; 5)
Taxen; 6) Innungen; 7) Gehülfen, Gesellen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter; 8) gewerbliche Hülfs⸗ kassen; 9) Ortsstatuten; 10) Verbrechen und Vergehen der Gewerbtreibenden.
— Wie das„Allg. Volksblatt“ berichtet, ist die Regierung ernstlich mit Schritten gegen die provokatorische Haltung des Exkönigs von Han⸗ nover beschäftigt.
— Sicherm Vernehmen nach ist am 22. ds. zwischen Preußen und Nordamerika ein Vertrag unterzeichnet worden, welcher die Militärpflicht der Ausgewanderten regelt. Der Vertrag bestimmt, daß alle aus dem norddeutschen Bunde ausgewan⸗ derten jungen Leute, welche das Bürgerrecht in den Vereinigten Staaten erlangt und 5 Jahre dort gelebt haben, vom diesseitigen Militärdienste befreit sind; ausgenommen sollen nur solche sein, welche sich widergesetzlich dem Miltärdienst ent⸗ zogen haben und heimlich ausgewandert sind.
— Das General-Bundespostamt in Berlin hat einen wichtigen Schritt gethan, um die Post— Unterbeamten im Bereiche des ganzen Norddeut— schen Bundes zur Begründung einer Versorgung ihrer dereinstigen Hinterbleibenden mittels der Lebens-Versicherung zu bestimmen. Es leistet jedem dieser Beamten, der sein Leben bei einer der dazu von dem General-Postamte ausersehenen Anstalten zu Gunsten der Hinterbleibenden ver— sichert, gegen Deponirung der Police nicht nur einen baaren, jährlichen Zuschuß zur Prämie von 17 Prozent, sondern übernimmt auch die Mühe, die Prämie unmittelbar an die Versicherungs— Anstalt abzuführen und sie in monatlichen, gleichen Raten an dem Gehalte des Beamten abzuziehen. Die für dieses Incasso der Postbehörde von der Versicherungs-Anstalt zu gewährende Provision läßt sie ebenfalls dem Versicherten zu Gute gehen, wodurch für diesen eine weitere Ermäßigung des Beitrages eintritt.
Königsberg. Die Hiobsposten aus der Provinz über die zunehmende schreckliche Typhus ⸗ pest nehmen kein Ende. In letzter Woche starben hier neun kleine Tente am Typhus. Daß sie auch die großen Leute nicht verschont, beweist der Tod der Gräfin Stollberg in Berlin nach ihrer aufopfernden Reise durch unsere Provinz, und am 17. Februar starb der Oberst des 43. Jufant.⸗ Reg., von Treskow, allhier, auch am Typhus.
Hannover. Der Tag der Feier der silbernen Hochzeit Königs Georg ist hier im Ganzen ruhig vorübergegangen, wenn auch eine gewisse Auf⸗ regung in den untern Volksklassen nicht zu ver⸗ kennen war. Die bekannten Demonstrationen mit gelbweißem Sande oder Papierschnitzeln vor den Hausthüren, das Aufstellen von Büsten oder Photographien der früheren Königsfamilie wurden, wenn auch nur in beschränktem Umfang, wieder- holt, frühere hannover'sche Soldaten zeigten sich mit ihren Langensalza⸗Medaillen, Droschkenkutscher und Milchfahrer mit gelbweißen Blumen, Kinder und einige ältere Frauenzimmer mit gelbweißen Bändern u. dgl. Abends war in den Straßen ein lebhaftes Treiben. Die Polizei hatte An- weisung, sich so weit es anging, jedes Einschreitens zu enthalten, und so ließ man denn auch die Lebehochrufe auf König Georg, das Lied:„Lustige Hannoveraner seien wir“ ungehindert ertönen. Nur in einer der Hauptverkehrsstraßen entstand ein Auflauf von Gesellen und Arbeitern, welcher ein Einschreiten der Schutzmannschaft zur Folge hatte und Verhaftungen veranlaßtt.
Bayern. München. Die neuesten ans Nizza eingetroffenen Nachrichten über den Gesund⸗ heitszustand des Königs Ludwig lauten wieder bedenklicher und zwar dahin, daß die Entzündung zugenommen habe und mit Delirium verbundenes Fieber eingetreten sei. Das Leiden habe einen sehr ernsten Charakter angenommen.
Baden. Karlsruhe. Die„Karlsr. Z.“ bestätigt die Nachricht von der Ernennung des Generals v. Beyer zum badischen Kriegsminister. Derselbe tritt als Generallieutenant und General- adjutant ins badische Armeecorps ein
— Der Ausfall der Wahlen zum Zoll- parlament in Baden ist ein unerwarteter und über raschender. Von den 14 Abgeordneten des
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Landes sind 6 Nationalliberale und 5 Ultramon⸗
tane. Bei den drei andern stattgefundenen Wahlen ist eine Nachwahl erforderlich.
Oesterreich. Von Wien wird gemeldet, König Georg von Hannover habe sich durch seine welsischen Trinksprüche im Kursalon des Wlener Stadtparks das allerhöchste kaiserliche Mißfallen zugezogen. Der eigenhändige schriftliche Ausdruck des letzteren soll den schon öfter in Erwägung gezogenen Plan einer Asylveränderung der Reise zugeführt haben; doch wird, wie verlautet, am Hietzinger Hofe jetzt nicht mehr an eine Ueber⸗ siedelung nach Prag, sondern nach London gedacht.
Frankreich. Paris. Der Behauptung der„Spener'schen Zeitung“ gegenüber stellt die „Patrie“ in Abrede, daß der König von Hanno ver bezüglich der Aufnahme der hannover'schen Flüchtlinge in Frankreich eine Anfrage an die französische Regierung vorher gerichtet habe. Wenn eine derartige Eröffnung stattgefunden hätte — sagt die„Patrie“— so würde der König die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Aus- führung des Vorhabens der französischen Regi e⸗ rung sehr unangenehm sei.
— Seit einigen Tagen ist viel die Rede von einem Briefe des Prinzen Napoleon an den Kaiser, welcher auf letzteren einen tiefen Eindruck gemacht haben soll. Nach Mittheilung der Wiener„Presse“ soll dieser Brief lauten: Sire! Wiederholt habe ich, wie es meine Pflicht war, auf die Untauglichkeit und Unzuverläßlichkeit der Leute aufmerksam gemacht, die bei Ihnen Gehör finden. Es wäre unnütz, auf diesen Gegenstand heute wieder zurückzukommen. Was mich nach längerem Schweigen Eurer Majestät zu schreiben veranlaßt, ist die Wahrnehmung der außerordent⸗ lichen Anstrengungen, welche gemacht werden, um Ihre innere Politik, wie es mit der äußeren ge⸗ schehen ist, in den Augen der Nation herabzu⸗ bringen. Sie können das Versprechen vom 19. Jan. unmöglich zurückziehen ohne dadurch das Ansehen Ihres Geschlechtes zu schwächen und ihre Macht bloßzustellen. Wenn der gesetzgebende Körper das neue Preßgesetz verwirft, wird es keinen Menschen in Frankreich geben, der darüber im Zweifel sein könnte, daß Sie es so gewollt und angeordnet. Es ist ein Irrthum, zu glauben, daß man die öffentliche Meinunz verhindern könne, am lichten Tage zu sehen. Und wissen Sie, was die Fran⸗ zosen sagen werden, wenn Sie die kleine Erleich⸗ terung der Preßverhältnisse durch die fügsame Mehrheit der Abgeordneten hinwegstimmen lassen? Die Franzosen werden sagen: Frankreich, das die Vorhut der Civilisation gebildet, bleibt nun zurück, während Oesterreich, das weit, weit zurückgeblieben, nun voraneilt. Sire, in Oesterreich ist die Presse frei. Euer Majestät ꝛc.(Jerome) Napoleon.
— Die„Presse“ macht über die gegenwärtigen Unterhandlungen zwischen Florenz und Paris folgende Angaben: Die italienische Regierung habe sich bereit erklärt, bestimmte Verpflichtungen und Bürgschaften für die Achtung der päpstlichen Souveränität in ihren gegenwärtigen Gränzen zu übernehmen, unter der Bedingung, daß Frankreich seinerseits sich für den gegenwärtigen Bestand des Königreichs Italien verbürge. Frankreich würde den Zeitpunkt und den Modus der Rückberufung seiner Truppen aus den römischen Staaten frei bestimmen können. Ein Zollvertrag zwischen Italien und dem heil. Stuhl, über welchen Frankreich mit den beiden Parteien unterhandle, wie einst bei der Regelung der päpstlichen Schuld, wäre die Gelegenheit zu dieser neuen Vereinbarung und würde das Mittel zur Verwirklichung derselben bieten.
Belgien. Belgische Blätter glauben ver ⸗ sichern zu können, daß die dortige Regierung in Betreff der Schließung der Spielbank zu Spaa dem Beispiel Preußens folgen wird, nachdem sie bereits vor einigen Monaten die Initiative er⸗ griffen, indem sie jedenfalls für das Jahr 1872 die Bank für geschlossen erklärte.
Griechenland. Nackrichten aus Athen vom 15. Febr. melden: Zu Kissamos auf Kreta fand ein Gefecht zwischen den Türken und In⸗ surgenten statt. Letztere machten einen nächtlichen


