Bavern. München. Am 20. d. begann
vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlung gegen die 33 Bursche, welche bei der Control⸗ versammlung zu Trauastein am 28. März die bekannten Excesse vollführten. Unter ihnen sehen wir auch den Dienstknecht Johann Wernels hammer, der dem zufallig mit einer Dienstmütze des Weges gebenden königl. Reviersörster Fr. Knacher mit einem in beiden Händen gehaltenen Stuhlfuß einen so gewaltigen Schlag über den Kopf ver⸗ setzte, daß der Verletzte acht Tage darauf starb. Die Vursche leugnen, sie wollen nichts gesehen, noch weniger aber etwas Unrechtes gethan haben, höchstens gesteht hie und da Einer, er habe in Traunstein nicht schwören wollen, weil er nur dem König vo“ Bayern, nicht aber dem König von Preußen dienen wollte. Die Rohheit spielt hier wieder einmal eine traurige Rolle und liefert ihre Opfer vor das Criminalgericht. Nicht selten bricht diese Rohheit auch hier noch durch, und es geschieht zum Oefteren, daß einer der Angeklagten mit wüthendem Tone seine widersprechenden Aus⸗ sagen darlegt. Die Zeugenvernehmungen bringen auch nichts Neues. Drei Tage soll die Verhand⸗ lung in Anspruch nehmen.
Nürnberg. Brezäglich des Unterrichts in den Nachmittagestunden während der heißen Jabres⸗ zeit hat die königl. bayerische Regierung von Ober⸗ franken unter dem 18. Juni d. J. nachfolgende Enischließung an die Reitoren und Inspectoren der sämmtlichen ihr unterstellten Unterrichts⸗An⸗ stalten erlassen:„Um dem schädlichen Einflusse zu begegnen, welchen während der heißen Jahreszeit die drückende Hitze der Nachmittagsstunden in den oft sehr beschränkten Schulzimmern auf die Gesund⸗ heit der Schüler und Schültrinnen üben kann, wird zufolge höchster Entschließung des königl. Staats ⸗Ministeriums des Inneren für Kirchen⸗ und Schul ⸗Angelegenheiten vom 24. d. den In⸗ spektoren und Vorständen der öffentlichen und Privat⸗Anterrichts⸗ und Erziehungs⸗Anstalten unter genauer Berücksichtigung der örtlichen und sonstigen desonderen Berhältnisse die Beschränkung des Unterrichts auf die Vormittagszeit in den Falle gestattet, wenn die Tagestemperatur 22 Grad RNeaumur im Schatten erreicht.
Oesterreich. Wie n. Bezüglich der Civil ⸗ standsregister wird gemeldet, daß im Ministerium soiben an einem Gesetze über die Civilstands⸗ register gearbeitet wird. Der Gedanke, sie den Schullehrern zu übergeben, wurde fallen gelassen, und es sollen die Bürgermeister die Register führen, eventuell mit Unterstützung der politischen Behörden, und die Schullehrer werden die Schreibgeschäfte besorgen, damit ihnen ein Ersatz für die ihnen aus der Lostrennung des Meßnerdienstes ent⸗ gehenden Beträge gewährt werde.
— Die Adreßbewegung, welche die päpstliche Allocution und die Hirtenbriese hervorgerufen, dauert noch an. Aus allen Theilen des Reiches treffen noch immer Berichte ein, welche von der tiefen Erregung der Gemüther Zeugniß ablegen. Es ist begreiflich, daß alle diese Kundgebungen den gemeinsamen Impuls, aus welchem sie hervor⸗ gegangen, auch in Form und Inhalt nicht verläugnen.
Frankreich. Paris. Dem„Journal des Debats“ wird aus Nom geschrieben:„Ich weiß nicht, welche Wirkung die Einberufungsbullt des ökumenischen Ceneils in der ganzen Welt gemacht hat. Was ich aber versichern kann, das ist, daß sie von den Römern mit äußerster Gleich⸗ gültigkeit aufgenommen worden ist. Die Spaltung zwischen der Regierung und ihren Unterthanen ist so groß, daß diese den Acten jener gar keine Aufmerksamkeit schenken, wobei sie zwischen der geistlichen Autorität und der Staatsregierung keinen Unterschied machen.
— In der gesetzgebenden Kammer stellt der Abgeordnete Chagot bei den Budget⸗Berathungen ein vielseitig unterstütztes Amendement dahin gehend, daß in neun bis zehn Jahren für Fluß⸗ und Canalbauten, Straßen und Brücken, Seehäfen ze. 317 Mill. Fr. ausgegeben werden sollen.„Wir dachten,“ sügt Chagot am Ende seiner Darlegung bei,„daß ein auf die neue Bewaffnung unsrer
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begleitet sein müßte, welche auch die inkustrielle Ausrüstung des Landes sichern würden. Besinden sich unsere Gewerbe nicht in einem Kampfe, den man einen förmlichen Krieg nennen könnte 7 und wenn dieser Krieg auch kein Blut vergießt, so kann er doch an vielen Thränen und großem Elend Schuld sein. Die Macht eines Landes bemißt sich nicht allein nach der Zahl und der Bewaffnung seiner Soldaten, sondern noch viel⸗ mehr nach seiner industriellen und commerciellen Krast, die allein die Flotten und die Armee er⸗ halten und besolden kann. Die Macht und der außergewöhnliche Credit Englands beruhen auf seiner industriellen Arbeit, und ich möchte mein Land ebenso stark sehen. Darum meine Herren, dringe ich so sehr auf die Ausführung unserer öffentlichen Arbeiten und auf die finanziellen Maß⸗ regeln, welche diese Ausführung sicher stellen können.“ Dem Manne könnte in Wahrheit jenes Wort gesagt werden:„Deine Sache ist wohl gut, aber du wirst nicht gehört, kannst gar nicht gebört werden. Es ist heidenmäßig schwer, noch Geld aufzutreiben, und was noch aufgetrieben werden kann, das braucht man aber für das Heer. Wohin das fübren wird, das wissen freilich die Götter, aber dafür läßt man auch die Götter sorgen.“
— Die„Union“ erbebt sich mit edlem Zorne gegen die Abhängigkeit, in welche der sranzösische Unterricht sich in der letzten Zeit dem deutschen Geiste gegenüber begeben habe. Frankreich müsse eine nationale Erziehung haben, der fremde Ein⸗ fluß verfälsche nicht nur, er erniedrige auch das französische Wesen! Das Ganze ist nur ein Aus⸗ bruch des Hasses der Klerikalen gegen den Minister Duruy, welcher bekanntlich den Unterricht der deutschen Sprache in allen Militärschulen und Gymnasien als obligatorischen Lehrgegenstand anordnete.
— Herr Monnier, der frühere Lehrer des kaiserlichen Prinzen, dessen Ausscheiden aus dem Dienste der kaiserlichen Familie ein ziemliches Aussehen erregt hatte, ist, wie der„Moniteur“ anzeigt, zum Professor der französischen Literatur an der Fakultät von Poitiers ernannt worden.
— Die öffentlichen Blätter sprechen wieder⸗ holt von einer Zolleinigung zwischen Frankreich, Belgien und Holland. Von Paris aus wird die Sache entschieden in Abrede gestellt. So bemüht sich die„Patrie“, die Schwierigkeiten aufzudecken, die einer solchen Zolleinigung im Wege stehen würden. Sie findet solche in der Weinbesteuerung in Belgien und in dem Umstande, daß die Tabaks⸗ fabrikation in Frankreich Staatsmonopol, in Bel⸗ gien freie Industrie sei.
Italien. Florenz. Ueber die in der Sitzung der Deputirtenkammer vom 21. Juli gestellte Interpellation Lamarmora's werden fol⸗ gende Details mitgetheilt. Auf die Frage des Generals, ob Minabrea bereit sei, die Interpellation betreffs des preußischen Generalstabsberichts ent⸗ gegenzunehmen, erklärt derselbe: er kenne die edle Gesinnung, welche Lamarmora zu der Interpellation veranlasse; er bemerke jedoch, daß die einzige Thatsache, daß die italienische Armee 190,000 Mann Oesterreicher in dem Festungsviereck be⸗ schäftigt habe, hinlänglich irgend welche Unter⸗ schätzung der Wirksamkeit der italienischen Allianz widerlege. Menabhrea wies ferner darauf hin, daß die französische Uebersetzung des preußischen Berichtes ungenau sei. Sobald die preußische Regierung von Lamarmora's Interpellation Kennt; niß erhalten, habe dieselbe der italienischen Re⸗ gierung eine Depesche übermittelt, welche erkläre, General v. Molike lönne die Führung der ita⸗ lienischen Armee nur rühmen. Die der italienischen Regierung vorgehaltenen Ausdrücke entstammten nicht dem preußischen Berichte, sondern seien der ungenauen Uebertragung der analytischen Instruk⸗ tionen zuzuschreiben. Menabrea schließt: Sollte man bei genauerer Prüsung finden, daß der preußische Bericht für die italienische Armee oder die Regierung Nachtheiliges enthalte, so sei es leicht, sich Aufklärung zu verschaffen, ohne die delicate Sache zum Gegenstande parlamendarischer
[Verhandlung zu machen. Die Interpellation sei
Soldaten sich stützendes Anleihen von Maßregeln deßhalb überflüssig und inopportun. Lamarmora
erkennt die Ungenauigkeit ver französischen Ueber⸗ setzung an, doch sei er auch nach der Letlüre des deutschen Originals nicht so leicht befriedigt als Menabrta. Aus Achtung vor dem Wunsche Me⸗ nabrea's wolle er auf der Interpellation nicht bestehen und bitte um Veröffentlichung des voll⸗ ständigen Berichts des italienischen Generalstabs über den Krieg von 1866, Menabrea sagt ihm die Erfüllung seiner Bitte zu.
— Ueber die päpstliche Armee schreibt Ritt⸗ meister v. Kodolitsch, der auf dem Rückwege von Abessinien, das Lager bei Frascati besuchte, im Kamerad:„Der Typus der Truppe, so wie deren Ad justirung, Reglements ꝛc. sind ganz französisch. Die Elite⸗Truppe sind jedoch die Zuavidel Papa, eirca 4000 Mann stark, in der gegen 2000 Edel⸗ leute aus den besten französischen, belgischen und holländischen Familien größtentheils als gemeine Soldaten dienen. Die Offiziere sind circa zwei Theile Franzosen, ein Theil Römer, ein Theil Deutsche und andere Nationen.“
Amerika. New⸗Nork. Die Gebühren für Depeschen von und nach Amerika sind vom 1. September an auf 3½ Pfd. St. per einfache Depesche von 10 Worten herabgesetzt.
— Die letzten Nachrichten aus Mexiko melden, daß die Empörung gegen Juarez sehr große Ausdehnung annimmt. Die Insurgenten haben mehr als 6000 Mann auf den Beinen und sind Herren eines grogen Theiles des Gebietes. Es fehlt ihnen nur an der Einheit und an einer festen Fahne.
Friedberg, 23. Juli. Nachdem erst vor Kurzem hier ein Brand vorgekommen, wurden die Bewohner Fried⸗ bertzs heute Nachmittag abermals durch Feuerruf und Sturmlänten in Schrecken versetzt. Es brannte in der Scheuer des Hru. Gerbermeisters Philippi. Da schon ein Theil der Getreideernte eingefahren war, und das Gebäude außerdem noch mancherlei, zur Gerberei gehörige leicht feuersan gende Stoffe enthielt, so konnte es sich bei der ungeheuren Hitze nicht fehlen, daß dasselbe in wenigen Minuten in bellen Flammen stand, die mit gieriger Wah weiter um sich zu greisen drohten. Nur dem Umistand, daß das Wasser nahe wir, und der angzestrengtesten Tyätigkeit der zur Hülfe Perbeijeeilten ist es zu verdanken, daß das en ifesselte Element auf seinen ursprünglichen Heerd beschränkt blieb und das in unmittelbarer Näe steyende Wohnhaus, sowie die benachbarten Gebäude ge⸗ rettet wurd n. Der Eifer und die völlig sich selbst ver⸗ gessende Hingebnng, womit Alt und Jung zu helfen sich destrebten, verdient alle Anerkennung. Insbesondert ist es die freiwillige Feuerwehr, die sich, wacker unierstützt von den übri zen Löschmannschaften, durch energisches Vorgehen, durch taktvolle Wihl der Angriff punkte und durch ge⸗ wandtes, der Gefahr kühn in's Auge schauendes Besteigen der bedrohten Gebäude auszeichnete. Auch die Spritzen der benachbarten Gemeinden waren alsbald am Orte der Gefahr.— Freilich weiß man bei der eigenthümlichen Lage der Stadt und dem meistens hier herrschenden Wassermangel auch recht gut, worum sich's handelt, wenn der Feuerruf ertönt. Angesichts der wilthenden Flamme, die, wäle ihr nur eine weitere Viertelstunde Zeit gelassen worden, in ihrem zerstö tenden Lauf so leicht nicht zu hemmen gewesen wäre, sagte Eins dem Andern mit blei⸗ chem Enssetzen: Wie, wenn dieses Feuer droben in der Stadt wäre, und es erhübe sich ein Sturm, oder wir wäten in dainkler Nacht, was bäue aus uns werden sellen? Wir Friedeedger haben wahrlich doppelt und dreifach Ur⸗ sache, auf der Hut zu sein und uns zu wappnen gegen Feuersgefahr, und darum mögen auh einize Wünsche, die bezüglich unsers Löschwesens bei dieser Gelegenbeit laut geworden sind, hier eine Stelle finden. Es sind dies folg nde: 1) Daß mehrere Schlüssel zum Spritzenhaus angeferüigt und in der Nachbarschast vertheilt werden möchten, damit niemais der fall eintrete, daß das Her⸗ ausbeingen der Spritzen sich auch nur um eine Minette verzögerte. 2) Daß die Einrichiung getroffen werde, daß abwechselnd eine der Spritzen beständig mit Wasser gefüllt dastände. 3) Daß auf der Brandstätte beim Ausst len und Zusammenwirken der einzelnen Spritzen noch größere Präcision erzielt werden möchte. Mögen diese Wünsche so freundlich aufgenommen werden, als sie gulgemeint ausgesprochen und harmlos niedergeschrieben wu den. Feuersgefahr ist eine ichieckliche Gefahr; jede Anregung zur allenfallsi jen Vervollkommnung unseres Löschwesens hat darum Anspruch auf unsere Beachtung.
Darmstadt. Das Musikjfest des mittelrheinischen Sängerbundes wird den 27. und 28. Sept. c. dahier abge⸗ halten und zwar in den Räumen des Zeughaufes. Das Programm ist folgendes: 1. Tag; Samson, Oratorium von Hänol. 2. Tag; erste Abheilung: Sympponze in A-dur von Beethoven; Selovornäge; Lob, Dank und Preis. Moleite von S. Bach; zweite Abtheilung: Ouverture und 2. Theil aus dem Oratorium„Frithof“ von C. A. Mangold. Die Haupiprobe findet am 26. Sepiemver statt. Herr Hofmusik⸗Dircctor Mangold wird sämmtliche Auf⸗ sühcungen dirigiren.
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