Ausgabe 
23.7.1868
 
Einzelbild herunterladen

hiervon eine Verarmung des ganzen Schlitzeramtes. Schwierigkeiten bietet der Bau über bier auch gar keine, im Gegentheil, das Terrain ist bereits von allen Technikern als das günstigste bezeichnet worden.

Preußen. Berlin. Ein Privattelegramm derFr. Ztg. von hier meldet, das Plenum des Zollbundesraths habe am 16. d. beschlossen, dem Bamberger'schen Antrag bezüglich der Wein⸗ steuer im Großherzogthum Hessen keine Folge zu geben.

Laut einer Cabinetsordre werden jetzt die Douceurgelder für die in dem Kriege von 1886 eroberten Beschütze und Fahnen an die betreffenden Regimenter vertheilt. Jedes Geschütz wird mit 00, jede Fahne mit 40 Ducaten bezahlt. Im Ganzen beläust sich die Summe auf 8920 Ducaten.

DerStaats- Anzeiger bringt folgende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staats schulden in Berlin:Die Zinscoupons der vor- mals hannover'schen, nassauischen, kurhessischen, hessen⸗homburgischen und schleswig⸗holsteinischen Obligationen werden von jetzt ab in gleicher Weise wie bieher schon die Coupone der preuß. Staatsanleihen durch die Staatsschuldentilgungs⸗ cosse in Berlin, die Regierungshauptcassen, Haupt⸗ steuer⸗ und Zollämter und die Kreis- und Steuer⸗ cassen in den alten und neuen Landestheilen, die gekündigten Obligationen aber von der Staats- schuldentilgungscasse hierselbst, den Regierungs- hauptcassen und den Bezirkshauptcassen eingelöst werden.

Hamburg. Die Vollzugs Commission des Zollbundesraths, welche unsere Zollgrenze zu ge⸗ nehmigen hat, wird nun zu Ende dieser Woche hier erwartet. Es ist zu hoffen, daß die nöthigen Vorkehrungen noch vor Eintritt des Winters ge⸗ troffen werden können.

Hannover. König Georg hat den Theil⸗ nehmern an der silbernen Hochzeit eine Erinnerungs- medaille zugesandt, welche auf der einen Seite die Brustbilrer des Königs und seiner Gemahlin, auf der andern die Wortezur Erinnerung an die Feier Unserer silbernen Hochzeit. Hietzing, 10. Februar 1868 trägt.

Ems. Die am 17. d. von König Wilhelm empfangene Deputation des Frankfurter Magistrats hat, sicherem Vernebmen nach, das Gutachten eines Heidelberger Professors über die Auseinandersetzung des staatlichen und städtischen Vermögens der Stadt Frankfurt überreicht.

Wiesbaden. Die definitive Auflösung der Consistorien in Fran'furt am Main steht schon in der nächsten Zeit bevor. Für die Zukunft sollen die Verhältnisse nach Angabe aus sonst gut prientirter Quelle wie solgt geordnet werden: die Consistorien werden aufgehoben und die Stadt Frankfart mit ihren Kirchen und Schulverhält⸗ nissen dem Consistorium in Wiesbaden untergeord⸗ net. Die Geistlichkeit der ehemals freien Stadt wird dem Dekanate Saulberg bei Homburg ein gereiht. Uebrigens soll Frankfurt in dem Wies⸗ dadener Consistorium eine Vertretung, wahrschein⸗ lich durch Ernennung eines Consistorialraths, erhalten.

Bayern. München. Am 28. d. wird das Herz des Königs Ludwig I. nach Altötting, einem berühmten Wallfahrtsorte, durch eine königl. Hofcommission, an deren Spitze der Generallieutenant Frhr. v. La Roche steht, übertragen. Eben wurde das Programm zu dieser Trauerfeierlichkeit aus gegeben, das sich in keinem Punkte von den bei früheren derartigen Vorkommnissen üblichen unter scheidet. Bei uns in Bayern ist es nämlich Sitte, daß, wenn ein König gestorben, sein Herz nach Altötting verbracht wird.

Oesterreich. Wien. Die Verhandlungen der Minister über die Abänderungen des Wehr⸗ gesetzentwurfs sind beendet. Die Beseitigung der Bestimmung, welche die Stärke der ungarischen Landwehr auf 100,000 Mann beschränkte, und eine größere Unabhängigkeit derselben von dem Obercommando der Linienarmee sollen das Resultat der ministeriellen Berathungen sein.

In Folge zahlreicher brieflicher Interpel⸗ ationen aus Süddeutschland hat sich das Schützen

festcomite veranlaßt gefunden, eine offiziöse Er llärung über die weit verbreiteten Gerüchte von einer Beschränkung der Redefreiheit in der Fest⸗ halle abzugeken. Der unangenehme Eindruck, welchen jene Gerüchte allenthalben gemacht haben. hat die Verfasser der Erklärung bewogen, die Mittheilungen über die Errichtung eines Censur⸗ comite's als gänzlich unbegründet zu bezeichnen. Das ist jedoch nur ein Streit um Worte. In einer weitern Erklärung vom 19. d. wird eingestanden, doß es sich zwar nicht um Präventiv;, oder um Repressivmaßregeln handelt. Die be. schlosseneControlirung der Rednerbühne hat den Zweck, Ausfälle gegen den norddeutschen Bundeskanzler ꝛc. zu unterdrücken, damit nicht Oesterreichcompromittirt oderverantwortlich gemacht würde.(1)

Das deuische Bundesschießen in Wien wird voraussichtlich aus allen Theilen Deutsch⸗ lands, vorzugsweise aus den westlichen und süd⸗ lichen, sebr zahlreich besucht werden und rechnet man auf 15,000 Theilnehmer.

In einem unter Vorsitz des Kaisers ab⸗ gehaltenen Ministerrathe soll die Frage der Titulatur des Staates, welche durch die dualistische Gestal⸗ tung bedingt wird, entschieden worden sein, und wird es fortan heißen:Orsterreichisch-ungarische Monarchie.

Innsbruck. Reichskanzler Frhr. v. Beust wurde bei seiner Durchreise auf den festlich ge⸗ schmückten Bahnhöfen in Kufstein und Wörgl unter großem Enthusiasmus der Bevölkerung und geist⸗ lichen und weltlichen Vertretern der Ortschasten empfangen. Der Reichskanzler drückte in einer Ansprache seine außerordentliche Ueberraschung über die Stimmung der Bevölkerung aus.

Prag. Ein von dem Fürst⸗Erzbischose und den Landesbischöfen gefertigtes Pastoralschreiben ist am 17. d. erschienen; seine Sprache ist schroff, der Ton ein erbitterter. Es enthält eine voll fländige Verdammung der confessionellen Gesetze.

Aus Pest wird von dem räthselhaften Ver⸗ schwinden des Präses des Honved⸗Centralausschusses Ludwig Beniezly gemeldet, das unter den ver⸗ dächtigsten Umständen am 16. d. erfolgt ist. Es ist um so weniger zweifelhaft, daß derselbe er · mordet worden, als ein anonymer Drobbrief an ein anderts Mitglied des Ausschusses dies geradezu ausspricht. Veniczky war durch ein anonhmes Schreiben, das ihn an das Sterbelager eines Honved berief, der ihm Documente zu übergeben wünschte, von Hause fortgelockt worden.

ueber das Schicksal des vermißten Obristen und Präses des Honvedeentralausschusses Ludwig Beniczly ist noch nichts Positives ermittelt. Ge⸗ rüchtweise theilen die Wiener Morgenblätter mit, daß seine Leiche mit durchstochener Brust bei Neu⸗ Pest aufgesunden worden sei.

Frankreich. Paris. DerMoniteur erwähnt der Concessions⸗Ertheilung für ein trans⸗ atlantisches Kabel zwischen Frankreich und Amerika an die Herren Reuter und v. Erlanger und theilt mit, daß sich das Patronagecomite für dies nationale Unternehmen unter dem Vorsitz von Drouyn de Lhuys gebildet habe. Das Kabel geht von Brest nach Miquelon(bei Neufundland).

DieFrance schreibt: Wir können die Nachricht, daß die französische Regierung dit spanische auf die Spur der Intriguen des Her⸗ jogs von Montpensier gebracht habe, auf das allerbestimmteste dementiren. Nicht nur hat die Regierung des Kaisers von den angeblichen In⸗ triguen des Herzogs nichts gewußt, es sind ibt auch die Maßregeln, welche die spanische Regie⸗ rung anordnen wollte, vollständig unbekannt ge blieben.

Ein allgemeiner Freimaurer ⸗Congreß, zu dem alle sranzösischen und ausländischen Logen eingeladen werden sollen, wird in Havre am 18. und 19. September stattfinden.

Italien. Rom. Der Handels und Schifffahrtsvertrag zwischen der päpstlichen Re⸗ gierung und dem norddeutschen Bunde vom 8. Mai wurde publicirt. Er enthält einen Artikel,

welcher die gegenseitige Auslieferung von De⸗ serteuren sestsetzt. Der Exkönig von Neapel

besuchte das Lager von Rotta di Papa. Das Räuberwesen ist wieder sehr lebhaft und finden täglich Kämpfe zwischen den Truppen und den Räubern statt.

Eine Mittheilung an die PariserCorre⸗ spondenz Havas sagt von der Beustischen Note an den päpstlichen Stuhl Folgendes:Herr von Beust mißt die Abschaffung des Concordats der Weigerung des heil. Stuhles bei, eine Revision dieses Actes auf praktischem Boden zu discutiren. Er bestreitet dem Papst nicht das Recht, von seinem Gesichtspunkte aus die neu erlassenen Ge⸗ setze zu charakterisiren, aber gleichzeitig beansprucht er für die österreichische Regierung das Recht, die mit der kaiserlichen Sanction ausgerüsteten Ver fügungen zur Geltung zu bringen, und er spricht seine formelle Absicht aus, sich den Kundgebungen des Episcopates zu widersetzen, dessen gesetzwidrige Haltung durch die Allocution vom 22. Juni er⸗ muntert worden sei. Oesterreich beharrt demnach, das Concordat als aufgehoben zu betrachten und der heil. Stuhl, es als verletzt zu betrachten.

Türkei. Das neue Gesetz, welches den Ausländern in der Türkei das Recht, Grund⸗ bisitz zu erwerben, zuspricht, wird, wie es in der zwischen Frankreich und der Hforte abgeschlossenen Convention ausdrücklich heißt,den durch die Verträge geheiligten Immunitäten keinen Abbruch thun und werdendiese nach wie vor die Person und das Mobiliarvermögen der Grundbesitzer ge⸗ wordenen Ausländer decken. Die französische Regierung hat sich zum Schutze ihrer Angebörigen ausbedungen, daß die Wohnung jedes auf türki⸗ schem Boden ansässigen Ausländers unverletzlich ist und von Agenten der Staatsgewalt nur in Begleitung des zuständigen Consuls oder dessen Beauftragten betreten werden darf, sofern sie vom Consularsitz nicht weiter als neun Stunden ent legen ist. Bei größerer Entfernung darf die türkische Behörde unter Zuziehung von drei Ge⸗ meindeältestcn in die Wohnung eindringen, aber nur, wenn ein Verbrechen(Mord, Mordversuch, Brandstiftung, Raub, Einbruch, Aufruhr in Waffen oder Falschmünzerei) vorliegt. Diese Bestim⸗ mungen gelten aber nur für die Wohnung, d. 9. Haus, Stallung, Hof, Garten und eingefriedigtes Zubehör. Außerhalb derselben hat die türkische Polizei ganz freie Hand, muß indessen die Immunitäten der Ausländer berücksichtigen. Bei jeder Haussuchung, welcher der Consul nicht bei⸗ wohnt, ist ein Protokoll aufzunehmen und dem Consul zu überschicken.

Griechenland. Athen. Die ministerielle Majorität der Kammer beschloß, die über Kandia handelnde Stelle der Thronrede dahin zu beaut⸗ worten, daß es als eine geheiligte Pflicht zu be⸗ trackten sei, dem Brudervolke Hülfe zu stwühren und zu geloben, daß seine Wünsche erfüllt würden.

metika. Newyork. Die Entscheidung der demokrat. Convention, Seymour als Präsident⸗ schaftscandidaten aufzustellen, ward von der ganzen demokratischen Partei enthusiastisch aufgenommen. Der Senat nahm eine Bill an, welche alle Re⸗ bellenstaaten, ausgenommen die durch das Recon⸗ structionsgesetz zum Congreß zugelassenen, von der Präsidentenwahl ausschließt.

Rio de Janeiro. Die Nachrichten dom Kriegsschauplatze sind unbedeutend. Die Paraguten ziehen in Humaita, Timbo und Tebieuarz Ver stärkungen an sich. Die Wahl Urquiza's zum Präsidenten der Argentinischen Republik wird als gesichert betrachtet. Der argentinische Congreß hat den geheimen Allianzvertrag mit Brasilien gemiß billigt.

Egypten. Die egyptische Regierung hat dem englischen Afrika⸗Reisenden Sir Samuel Baker das Anerbieten gestellt, die Organisation und Führung einer Expedition zu übernehmen, welche Handelsverbindungen zwischen den Seen in der Nähe des obern Nils und Unteregypten er⸗ öffnen soll. Eine Linie von Forts am obern Nil entlang soll dann die Grundlage zur Colonistrung des Landes bilven.

Friedberg den 22. Juli. Wir hatten gestern Abend hier ein recht trauriges Leichenbegängniß. Ein sonst durch⸗ aus braver, fleißiger und allgemein geachteter junger Mann