Ausgabe 
21.7.1868
 
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Preußen. Berlin. Mit Rücksicht auf wiederholte Unglücksfälle, welche sich bei Versen⸗ dung von Zündpillen zu Salen⸗Pistolen, s. g. Amorces, zugetragen haben, macht das General- Postamt neuerdings dringend darauf aufmerksam, daß bestimmungsmäßig solche Gegenstände zur Beförderung mit der Post nicht aufgegeben werden dürfen, deren Versendung mit Gefahr verbunden ist, namenttich alle durch Reibung, Luftzudrang oder Druck und sonst leicht entzündliche Sachen. Zu diesen von der Versendung durch die Post unbedingt ausgeschlossenen Gegenständen sind die Amorces sowohl wegen ihrer leichten Entzündlich⸗ keit als wegen der sehr beträchtlichen explosiven Wirkungen, welche durch sie hervorgebracht werden, in hervorragender Weise zu zählen, und ist die Auflieferung derselben auch dann nicht gestattet, wenn die Sendung äußerlich durch Anbringung eines Glaszeichens oder eines ähnlichen Vermerkes einer erhöhten Vorsicht bei der Behandlung em⸗ pfohlen sein sollte.

Bei dem Bundeskanzleramte ist kürzlich in einem Schreiben, unterzeichnetein Schwabe, mit dem Poststempel Stuttgart, eine Summe von 100 Thlrn. alsBeitrag zu den Kosten des norddeutschen Bundes eingegangen. Wenn nur 7080000 schwäbische Brüder diesem Beispiel folgten, so wäre der Ausfall schon gedeckt.

Wie dieVolkeztg. hört, hat die hiesige Theatercensur die von den süddeutschen Hofschau⸗ spielern im Victoriatheater beabsichtigte Aufführung desMartin Luther von Zacharias Werner ver⸗ boten. Wie wir hören, wird wegen Freö'gebung des Stückes noch unterhandelt. Die Aufrecht haltung des Verbots würde eine hübsche Nachfeier zur Entbüllung des Lutherdenkmals abgeben.

In Folge eines gewaltsamen Angriffs auf einen Militärposten in der Hasenhaide ist jetzt die Ordre ertheilt, daß sämmtliche Schildwachen da selbst und auf dem Pionierexerzierplatze mit gela⸗ denem Gewehr aufziehen und Befehl haben, auf jeden Vorübergehenden sofort Feuer zu geben, der nicht auf den ersten Anruf stille steht und Antwort gibt.

Ems. Der König hat am 17. d. eine Depu⸗ tation des Frankfurter Magistrats, an deren Spitze der Bürgermeister Mumm sich befand, empfangen. Vor seiner Abreise von hier wird sich der König auf einige Tage nach Wiesbaden begeben.

Bad Schwalbach. Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Großfürstin Marie von Rußland ist gestern Nachmittag hier eingetroffen und gedenkt, wie verlautet, auf 3 bis 4 Wochen zum Kurge⸗ brauch hier zu verweilen.

Wiesbaden. Von derKemeler Haide schreibt man derMittelrh. Ztg.:Wie wir in Erfahrung brachten, wird aus dem Amte Wehen eine Deputation, aus Bauern bestehend, dem Könige ihre Auswartung in Ems machen und vortragen,wie wir in Nassau regiert werden.

fehlen, weil in ihrem Vorbringen nichts Studirtes vorherrschen wird.

Sachsen. Meiningen. Gegenüber einer Mittheilung in derDeutschen Lehrerzeitung, daß im Herzogthum Meiningen noch geheime Con- duitenlisten über die Lehrer eingereicht würden, hat der meiningen'sche Ministerial- und Ober- schulrath Dr. Weidemann eine Zuschrift an die genannte Zeitung gerichtet, in welcher es heißt, daß dergleichen Listen, in welcher Form sie auch gedacht werden mögen, im diesseitigen Herzogthum seit mehr als 25 Jahten nicht mehr bestehen.

Dresden. Der Selbstmord des Oberst⸗ Lieutenants Noszky, welcher sich in diesen Tagen wegen erfolgter Zurücksetzung erschossen, macht viel von sich reden. Derselbe war bis vor Kurzem noch Commandant des 1. Bataillons des 4. Inf. Regiments(Nr. 103), wurde aber plötzlich zum Commandanten des Freiberger Landwehrbataillons ernannt.

Weimar. Gegenstände der Tagesordnung für den am 20. und 21. l. M. zusammentreten⸗ den Turntag sind: Bericht über die Wadlen zum Turntage, Geschäftsbericht des Ausschußgeschäfis⸗ führers Dr. Götz aus Lindenau, Cassebericht des selben, Bericht über die Jahn-Stiftung von Dr. Lion aus Leipzig, Anträge zur Verfassung der deutschen Turnerschaft im Allgemeinen, Organisation der deutschen Turnkreise, Neuwahl des Arsschusses der deutschen Turnvereire, Aufnahme einer neuen Statistik, Mittheilung über das Jahn Denkmal in der Hasenhaide bei Berlin, Antrag über die Stellung der Turnlehrer nach der norddeutschen Gewerbe⸗Ordnung.

Bayern. Aschaffenburg. Am 14. d. geschah die feierliche Uebergabe des den gefallenen Oesterreichern errichteten Denkmals an die Stadt Aschaffenburg, wozu sich aus näherer und fernerer Umgegend eine Menge von Festgästen eingefunden hatte. Oesterreich selbst war durch eine Deputation von Offizieren vertreten. Um halb 10 Ühe ver⸗ sammelte ein solennes Hochamt die Festtheilnehmer in der sehr geschmackvoll decorirten Pfarrkirche zu St. Agatha, nach dessen Beendigung sich der Zug gegen den Feseplatz in Bewegung setzte. Die Festredner waren Bezirksgerichts ⸗Dicektor Dr. Kurz, Bürgermeister Will von Aschaffenburg. Auch fand sich eine Deputation preuß. Milnärs ein, um ihren gefallenen Kameraden an diesem Ehrentage den Tribut ibrer Hochachtung darzu⸗ bringen. Sie besuchte den gemeinsamen Leichen⸗ hügel derselben auf dem Friedhofe und legte dort einen Lorbeerkranz nieder.

Oesterreich. Wien. Am 16. Juli war Johannes Ronge mit einer Deputation des Vor⸗ standes der freien christlichen Gemeinde von Wien beim Cultueminister. Die Deputation überreichte das Gemeindestatut und suchte auf Grund des neuen Gesetzes die Genehmigung für Abhaltung des Privatgottesdienstes nach, indem dabei bemerkt

Wir hoffen, das wird seinen Eindruck nicht ver⸗

von J. Ronge gegründete sei. Der Minister sprach sich sefort dahin aus, daß nach dem Gesetze der Gemeinde nichts im Wege stehe.

Am 16. Juli, Abends, verließ die öster⸗ reichische Expedition zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniß am 18. August d. J. Wien, um sich an ihren Bestimmungsort Aden zu beheben. Sie besteht aus den Herren Dr. Edmund Weiß, Adjunct der hiesigen Sternwarte, Joseph Riha, Marineoffizier, und Dr. Th. Oppolzer, Sohn des bekannten Klinikers.

Bceachtenswerth ist ein Artikel derN. Fr. Pr. über die Möglichkeit eines österreichisch⸗ preußischen Bündnisses. Preußen, heißt es darin, habe kein gemeinsames Interesse mit Rußland, wohl aber mit Oesterreich, das sein natürlicher Bundesgenosse sei. Um dies zu zeigen, wird auf die Verhältnisse an der unteren Donau hinge- wiesen. Die Vortheile Oesterreichs seien da auch die Vortheile Preußens, dessen Schützling, Fürst Karl von Rumänien, durch die Annexionsgelüste Rußlands bedroht sei, während Oesterreich ihm ein guter Nachbar sein könne. So möchte die orientalische Frage verbinden, was die deutsche getrennt habe. Als Vertreter dieser Anschauungen am Berliner Hofe wird der Freiherr v. Moltke genannt. Unsere Staatsmänner aber, fährt das Blatt fort, mögen Preußens Freundschaft, falls dieselbe offen und ehrlich, ohne Hintergedanken, angeboten wird, gern und willig annehmen. Sie mögen sich in der Stunde der Enischeidung daran erinnern, daß zwischen Wien und Berlin nicht nur Königgrätz, sondern auch Leipzig liegt, während wir auf dem Wege zwischen Wien und Paris Villafranca und doch auch Königgrätz finden.

Schweiz. Bern. Der Ständerath trat dem Beschluß des Nationalrathes, betreffend Ein⸗ führung des metrischen Maßes und Gewichtes, bei. Zugleich ertheilte er den Postverträgen mit dem norddeutschen Bund, Bayern, Württemberg und Baden, mit Holland und Italien die Rati⸗ ficationen. Die Einheitstaxe für alle deutschen Staaten von und nach der Schweiz ist auf 25 Cts. für den einfachen Brief 15 Grammes und 50 Cts. für den doppelten Brief festgesetzt. Die Taxe für nicht frankirte Briefe ist verdoppelt. Von den Einkünften fallen ¼ ä auf Deutschland, / auf die Schweiz. Das Maximum des Post⸗ mandats(Pestanweisungen) ist auf 50 Thaler = 187 Frcs. 50 Cts. erhöht.

Frankreich. Paris. Eine Londoner Depesche, welche die Ankunft des Herrn Drouyn de Lhuys in der englischen Hauptstadt meldet, könnte zu irrthümlichen Auslegungen Anlaß geben. Herr Drouyn de Lhuys, welcher Präsident der französischen Ackerbau ⸗Gesellschaft ist, begibt sich nach Leicester zu einer landwirthschaftlichen Aus⸗ stellung.

Spanien. Madrid. Der Herzog und die Herzogin von Montpenster verweigerten es,

wurde, daß die Gemeinde die im Jahre 1848

den Anweisungen der Regierung zu gehorchen,

Die Sonnenfinsterniß am 18. August dieses Jahres.

(Schluß).

Der große William Herschel hat die Behauptung aufgestellt, daß wir nicht die wirkliche Oberfläche der Sonnenkugel, sondern nur Licht⸗ hüllen derselben sehen, die sie wie eine Sphäre umkleiden. Die dunklen Flecken, welche man sehr häufig in den veränderlichsten Formen auf der Sonnenkugel findet, hatten William Herschel auf die Vermuthung geführt, daß die Sonnenkugel, an sich ein dunkler Körper, umkleidet sei mit drei Lichtbüllen, die über einander gelagert seien, und in welchen trichter⸗ artige Lücken zeitweise entstehen, die uns bis auf den dunklen Grund des einbl Diese Ansicht wurde bis auf die neueste Zeit allgemein für richtig angenommen. Da traten deng im Jahre 1860 die deutschen Gelehrten Bunsen und Kirchhof in Heidelberg mit der glänzenden Entdeckung der Spektral⸗Analyse auf, welche es möglich macht, die allersernsten Himmelskörper in Bezug auf die Stoffe, welche in ihnen glühen und leuchten, mit vollster Sicherheit zu bestimmen. Kirchhof unternahm die Untersuchung des Sonnenlichtes und wies nach, daß Die eine Lichtquelle sei der glühende Sonnenkern selbst und die zweite Lichtquelle bestehe aus

einer zum Theil flüssigen zum Theil gasartigen glühenden Hülle, iu welcher von Zeit zu Zeit abgekühlte Stosse, wie Schlacken oder Wolken herum⸗ schwimmen und als dunkle Flecken erscheinen. Hiernach wäre die Herschel' sche Theorie von dunkeln Sonnenkörper eine irrige.

Sonnenkölpers hineinblicken lassen.

daß dies eine zwiefache Quelle habe.

schaffenheit der Sonne

In einer solchen

zu uns, die Finsterniß denn die einzig mögliche

bewiesen.

Gleichwohl ist die

ernsten Streitjrage herbeiführen.

Frage uͤber die Beschaffenbeit der Sonne noch keineswegs entschieden. Englische und französische Astronomen, welche die glänzenden Entdeckungen Kirchhof's ausbeuten und auch mit herrlichen neuen Forschungen er⸗ weitern, halten doch noch die ältere Ansicht über die physikalische Be⸗

aufrecht, während die unbefangene blos durch

Thatsachen unbestreitbarer Natur zu belehrende und zu bekehrende Wissen⸗ schaft längst erkannt hat, daß es nur Eine Gelegenheit gibt, den Streit zu entscheiden, und zwar eine große totale Sonner finsterniß!

verdeckt nämlich der dunkle Mond den Sonnen⸗

kern vollständig und nur das Licht der weiten Sonnenumhüllung dringt

mit mattem Schimmer erhellend. Hier hat man Gelegenheit, einmal das Licht der Sonnenhülle

allein und gesondert von dem Lichte des Sonnenkernes zu untersuchen. Ergiebt diese welche man die Spektral⸗Untersuchung nennt daß das Licht der Hülle allein anders ist als das gewöhnliche von Hülle und Kern herstammende Sonnenlicht, so ist Kicchhof's Ansicht unwiderleglich Zeigt sich dagegen kein solcher Unterschied zwischen reinem

Hüllen⸗Licht und gewöhnlichem Sonnenlicht, so ist zwar die Ansicht Kirch⸗ hof's noch damit nicht völlig beseitigt, wohl aber ließe sich dann noch die ältere Ansicht Herschel's aufrecht halten.

In England rüstet man nun auch nur deshalb die Expedition für die bevorstehende Sonnenfinsterniß mit den vorzüglichsten Apparaten der Spektral⸗Analyse aus, die möglicherweise eine glänzende Entscheidung der Die französischen Astronomen werden

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