Ausgabe 
20.8.1868
 
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denRedestrom des Wiener Schützenfestes pro iestirt wird, deracht Tage lang ungehindert für Großgermanien sich ergoß, ohne alle Rücksicht auf Ungarn. Es wird ferner erklärt:Wir Deakisten wollen keinen Krieg gegen, Preußen. Das Haupt organ der Deakpartei, derPesti Naplo, sagt in einem zweiten Manifest über die Stellung Ungarns und Deutsch⸗Oesterreichs zur deutschen Frage, die durch den Prager Frieden bezeichnete Abwendung Oesterreichs von Deutschland und die Richtung nach dem Orient sei die allein practische Politik. Mit Preußen müsse Frieden gehalten werden, so lange es die Gränzen Oesterreichs respektire; das Schicksal Süddeutschlands gehe Ungarn nichts an. Wenn Preußen aber den Versuch mache, Deutsch⸗-Oesterreich zu annectiren, so müßten die Oesterreicher und Ungarn im Bunde mit den Franzosen einen solchen Versuch vereiteln.

Die neueste europäische Cultur dringt sogar zu den ungarischen Räuberbanden vor; leider ist es nur die Cultur von Dreyse, Chassepot und Wänzel. DieBetyaren haben sich nämlich mit Hinterladern bewaffnet und sind dadurch viel gefährlicher geworden. Schon weigern sich an vielen Orten dieGemeindepanduren, die Wächter der öffentlichen Sicherheit, ihr Amt weiter ze versehen, wenn sie nicht mit ebenbürtigen Waffen ausgerüstet werden.

Schweiz. Bern. Der Bundesrath hat offiziell erklärt, er werde sowohl eine militärische als eine commercielle Allianz mit Frankreich ab- lehnen, im Falle solche beantragt würden.

Frankreich. Paris. Französische Blätter bringen die Mittheilung, daß eine enge Verschmel⸗ zung zwischen der legitimistischen und orleanistischen Partei nahe bevorsteht. Wie dies schon seit einigen Jahren beabsichtigt war, wird nun bestimmt der Graf von Chambord, der bekanntlich keine Kinder hat, den ältesten Sohn des Grafen von Paris adoptiren. Diese Thatsache wird sich noch zu rechter Zeit vollziehen, um den allgemeinen Neuwahlen für den gesetzgebenden Körper die beiden bisher getrennten Parteien als ein geschlossenes Ganze hinzustellen.

Daß man dem Napoleonstage mit einiger Besorgniß entgegen sah, geht daraus hervor, daß während der ganzen Dauer der Revue zwei völlig ausgerüstete Artillerie ⸗Batterieen bereit gehalten waren, und daß gewisse Infanterie Regimenter zwei freie und ein geschlossenes Paket Palronen in ihren Patronentaschen hatten. Auch blieb nicht unbemerkt, daß gewisse Bataillone von National- garden eine ganze Schaar von Polizei⸗Sergeanten hinter sich her hatten. Um so größer ist nun bei Hofe die Freude, daß alles so ruhig abgelaufen ist und fast gar keine Ruhestörungen vorkamen; nur im Quartier Latin wurden einige Verhaftungen vorgenommen.

Bei der Preisvertheilung im katholischen Seminar von Versailles ließ der dortige Bischof folgende Andeutungen über die Aufgaben bes be⸗ vorstehenden Concils fallen:Gewisse Geister, gewisse Schulen stellen, wie wir gern annehmen wollen, in löblicher Absicht eine ebenso falsche als gefährliche Lehre auf, indem sie die Allianz der liberalen und der christlichen Idee predigen. Es ist dringend nöthig, daß eine leuchtende Kundgebung, ein Richterspruch ohne Appell sie ent⸗ täusche und ihnen endlich einmal darüber die Augen öffne, daß sie den Interessen der Kirche einen schlechten Dienst leisten. Das Concil wird keine Mühe haben, den Grundsatz aufzustellen, daß die Geschlechter und die Regierungen, welche sich den Freigeistern und dem Genius der Revo⸗ lution überlassen, dem Abgrund entgegeneilen.

Großbritannien. London. Die hiesigen Blätter beschäftigen sich im Augenblick fast aus schließlich mit Frankreich. DieSaturday Review sagt:Die mürrische Haltung der französischen Regierung Preußen gegenüber ist das schlimmste Zeichen der Zeit, und wenn Napoleon die Welt beruhigen will, so gibt es bloß einen Weg, daß er nämlich öffentlich die Absicht erklärt, sich in deutsche Angelegenheiten nicht einmischen zu wollen. Gegenwärtig ist das Kaiserreich nicht der Friede,

sondern der stets bevorstehende und auf unbestimmte Zeit verschobene Krieg.

DieTimes erwartet einen Friedensab⸗ schluß zwischen Brasilien und Paraguay, in Folge der Principien des neuen brasilianischen Premier⸗ ministers. Derselbe sei vor einem halben Jahre in England gewesen, wo er als ausgezeichneter Finanzmann gelte.

Frankfurt. Am Morgen des 17. d. ereignete sich zwischen Vilbel und Bonames ein höchst selten vorkom⸗ mendes Eisenbahnunglück, das glücklicher Weise kein Menschenleben forderte. Es brach nämlich ein Theil des Bodens eines besetzten Personenwagens während der Fahrt heraus und fiel zwischen das Geleise.

Offenbach. Das Offiziercorps des hier seither gar⸗ nisonirenden 1. Balaillon des 2. Inf.-Regts., welches in aller Kürze nach Gießen verlegt wird, hat am 11. d. seinen Kameraden, welche in Frankfart garnisoniren, in dem Gartensaal der Schlosser'schen Liegenschaften, ein Abschiedsdiner gegeben. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den General v. Wittich.

Darmstadt. Am 15. d. verschied zu Bingen in Folge eines Schlaganfalles der Großherzogliche Baurath Balthasar Harres, wohin derselbe, schon längere Zeit lei⸗ dend, im Interesse seiner Gesundheit sich begeben hatte. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 62 Jahren.

In Berlin wurde kürzlich eine Wette gewonnen, die fast unglaublich erscheint. Ein Artillerie-Offtzier, sehr ge⸗ wandter Schwimmer, hatte mit dem Grafen S. gewettet, die Spree am Unterbaum auf dem Rücken liegend zu durchschwimmen, während er auf dem Leibe ein Brett trüge, auf dem zwei volle Flaschen, sechs Eier in einer Schüssel und vier Gläser ständen. Sobald einer dieser Gegenstände fiele, wäre die Wette verloren. Der kühne Schwimmer hat in der That auch die Wette gewonnen.

% Anhaltische Cassenscheine. Die Staats⸗ schuldenverwaltung zu Dessau hat, nachdem die Einziehung der noch im Umlaufe befindlichen 200,000 Thaler An⸗ haltische Staats⸗Cassenscheine in Appoints zu 10 Thaler der Emission vom 1. October 1855 angeordnet und zum größten Theile auch bereils bewirkt ist, für die Einziehung des noch coursirenden Restbetrages der qu. Cassenscheine eine Präclusivfrist bis zum 31. December d. J. festgesetzt, dergestalt, daß alle Inhaber dieser Cassenscheine dieselben innerhald der gedachten Frist bei der Casse der herzoglichen Staatsschuldenverwaltung zur Einlösung zu bringen haben, nach Ablauf derselben aber alle nicht eingelösten Staats- Cassenscheine der bezeichneten Art ihre Gültigkeit verlieren und alle Ansprüche wegen derselben an die her⸗ zoglichen Cassen erlöschen.

2 Schulze ⸗Delitzsch und Lassalle.

Die socialen Bestrebungen der Neuzeit in Deutschland beruhen hauptsächlich auf den Theorien zweier Männer, von denen der eine noch inmitten einer vielumfassenden, gesegneten Thätigkeit lebt, während es dem andern nicht vergönnt war, lange für seine Ideen zu wirken. Schulze ⸗Delitzsch und Lassalle sind damit gemeint. Bei der Wich- tigkeit der von ihnen vertretenen Fragen wird es nicht unersprießlich sein, zur Orientirung des Lesers in Nachfolgendem einige Notizen über ihr Leben und Wirken zu geben.

Hermann Schulze wurde 1808 zu Delitzsch geboren, daher sein zusammengesetzter Name, wohl zur Unterscheidung, da der NameSchulze in Norddeutschland unmäßig oft vorkommt. Nach- dem er seine juristischen Studien auf der Univer⸗ sität Leipzig beendigt hatte, trat er in den preuß. Staatsdienst, war dann eint Reihe von Jahren Patrimonialrichter in seiner Vaterstadt, fand hier⸗ auf abermals Verwendung in preuß. Diensten an einem Kreisgericht in Posen und nahm schließlich seine Entlaffung, um seine Kräfte ausschließlich denjenigen Bestrebungen zu widmen, die er als seine Lebensaufgabe erkannt hatte. Schon in den 40er Jabren gewann er durch genaue Bekannt- schaft mit der Lage und den Bedürfnissen der kleineren Gewerbtreibenden seiner Vaterstadt und hauptsächlich durch seine Thätigkeit als Ausschuß⸗ mitglied zur Untersuchung des Nothstandes der arbeitenden Klassen in der Nationalversammlung zu Berlin im Jahre 48 die Ueberzeugung, daß weder von der Rückkehr zum Zunftmonopol, noch von dem Eingehen auf die Systeme der damaligen socialistischen Vorsprecher Abhülfe zu erwarten, sondern die Hebung der Kleingewerbe lediglich, mit Schonung der bestehenden gesellschaftlichen Grundlagen, wiewohl unter Beseitigung aller Fesseln des Verkehrslebens, durch die Beschaffung von Kapital und andern Mitteln des Großbetriebs im Wege der Association zu vollziehen sei. So

entstanden unter seinem Einfluß in Delitzsch und an anderen Orten Genossenschaften zur billigeren Beschaffung von Rohstoffen und Lebensmitteln, und sog. Volksbänken. Die Einrichtung der Letzteren ist den Lesern durch unsere Vorschuß⸗ und Creditvereine bekannt. Ihr Zweck besteht darin, aus fortgesetzten Beiträgen der Mitglieder, sowie aus aufgenommenen Darlehen diesen Geld- vorschüsse zu gewähren, deren etwas höhere Ver zinsung der ganzen Gemeinschaft wieder zu Gute kommt. Die Vorschußvereine gewannen Vertrauen, das Kapital wandte sich ihnen mehr und mehr zu, ihre Thätigkeit erweiterte sich, und der von Schulze-Delitzsch, dem Anwalt der deutschen Genossenschaften, herausgegebene Rechen- schaftsbericht für 1866 weis't bereits 1047 deutsche Vorschußvereine nach mit einem Kapitalumschlag von weit über 100 Mill Thlrn., und im Besitz von gegen 40 Mill. Thlrn. fremder Darlehen. So hat Schulze⸗Delitzsch einen Fundamentalabsatz aller materiellen Wohlfahrt des Einzelnen wie ganzer Gemeinschaften auf die praktischste Weise in den Vordergrund gestellt: Du mußt sparen, du mußt von deinem Verdienst, auch dem geringen, für Zeiten der Verlegenheit Etwas zurücklegen, und mußt dies fortgesetzt und nachhaltig thun. Wer mehr ausgibt als er einnimmt, der ist und bleibt entweder schon besitzlos, oder er ist auf dem sicheren Weg, dahin zu gelangen. Damit stellt sich Schulze⸗Delitzsch als Apostel der Volks⸗ wohlfahrt der unläugbar herrschenden Zeitrichtung entgegen, allen Verdienst durch augenblicklichen Genuß wieder aufgehen zu lassen und unbeküm⸗ mert um die Zukunft in den Tag hinein zu leben, und dies allein schon würde sein Verdienst begrün⸗ den. Aber die Sparsamkeit des Einzelnen, falls sie isolirt bleibt, ist nicht wirksam genug, sie ver⸗ mag vor Allem nicht die Mittel zu beschaffen, ein Geschäft mit dem nöthigen Schwung zu be⸗ treiben oder über eine augenblickliche Krisis hinweg⸗ zuhelfen. Du verfällst dem Wucher, der dich er⸗ barmungslos immer tiefer in seine Netze zieht, um dich auszusaugen, und verlierst endlich das Vertrauen und den Muth dagegen anzukämpfen, und deine Thatkraft, dein Glück und dein Friede sind dahin.Schließ an ein Ganzes dich an! Die Genossenschaften bieten dir dies Ganze. Sie nehmen deine Ersparnisse entgegen und vermehren sie, durch ihre Vermittlung und Garantie wird fremdes Geld im Augenblick der Noth für dich flüssig; sie halten sich aber auf der andern Seite mit Strenge an deine eingegangenen Verpflich⸗ tungen und zwingen dich, Ordnung und Reellität in deine Wirthschaftsführung zu bringen. Dadurch wirst du aufgerüttelt, zur Thatkraft angespornt, und zu einer Geschäftsführung gleichsam erzogen, die gleichweit entfernt ist von schwindeliger Ge⸗ spreiztheit als von nichtsnutziger Gedanken wund Energielosigkeit. So ist Schulze ⸗Delitzsch groß, nicht blos als volkswirthschaftlicher Lehrer, sonder n als Organisator. Er begnügt sich nicht damit zu sagen: Auf diesem Wege ist dem Uebergewicht des seine eigenen Wege gehenden Kapitals und der zunehmenden Verarmung vorzubeugen, nein, sein großes organisatorisches Talent ordnet als⸗ bald an, gibt weitere Verhaltungsmaßregeln und überwacht. Und indem er selbst einrichtet und organisirt und dazu anleitet, vollzieht sich in seinen Vereinen eine Erziehungsarbeit, deren Folgen sich erst später zeigen werden, die Erziehung zur Fähigkeit der kleineren Leute, sich zusammenzuthun, wohldisciplinirte Vereine zu gründen und zu erhalten. Die Wege, die Schulze gehen heißt, haben nichts Glänzendes, nichts Verlockendes, sie zeigen keine mühelos zu erringende goldene Berge, sie reizen nicht Genußsucht und Habsucht; sie nehmen den Fleiß und die Sparsamkeit in An⸗ spruch und erfordern Intelligenz und Hingebung an ein Ganzes. Sie führen sicher zum Ziele und begründen und pflegen ächte Bürgertugend.

Als ungestümer Gegner des Schulze'schen Systems trat Lassalle auf. Lassalle ist der Sohn eines jüdischen Kaufmanns zu Breslau, wo er 1825 geboren wurde. Er widmete sich gelehrten Studien, wurde 1846 durch sein Auftreten für die mit ihrem Gemahl im Scheidungsprozesse

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