Ausgabe 
18.8.1868
 
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nämlich von 4 aus, daß der Gebrauch der polnischen Sprache verboten sei: im amtlichen Verkehr, in der Kirche, im Theater und auf der Straße, in Hotels, Einkehrhäusern, Spazierorten, Läden, überhaupt an allen Orten, wo Menschen

verkehren. Selbst auf Privathäuser erstreckt sich das Verbot, sobald sich mehr als zwei nicht dem Familienkreise angehörige Personen daselbst zu⸗ sammenfinden. Nur zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern und zwischen Geschwistern ist es gestattet, polnisch zu sprechen. Die Geldstrafen für die Zuwiderhandelnden sollen so bemessen werden, daß sie als wahre Strafe von den Schuldigen(I) empfunden würden. Allgemein nimmt man an, der menschenfreundliche Kaiser, der die Leibeigenschaft in seinem Reiche aufgehoben, könne von dieser Verordnung keine Kunde haben.

Preußen. Berlin. Der Fall des Generals Vogel v. Falkenstein wird theilweise als eine rein militärische Maßregel gedeutet, theilweise erblickt man in dem Wiederauftreten seines Nachfolgers, des Generals von Manteuffel, Symptome, die eine kleine Wandlung in den Anschauungen der maßgebenden Kreise in Berlin bedeuten möchten. Es ist ein offenes Geheimniß, daß seiner Zeit Bismarck Alles aufbot, um Herrn v. Manteuffel nicht mehr neben sich zu haben. Der große Einfluß des Generals wurde dem Minister mehr als unbequem, weil der Letztere völlig andere politische Zwecke verfolgte als der Chef des Militär⸗ cabinets. Der Krieg gegen Oesterreich wurde noch zu einer Zeit unmöglich zu machen gesucht, als die Armee längst schlagfertig war. General v. Manteuffel war und ist ein beredter Verthei⸗ diger der preußisch⸗ österreichischen Waffenbrüder⸗ schaft. Kam es darauf an, sich mit dem Wiener Cabinet über wichtige Fragen ins Einvernehmen zu setzen, so ging jedesmal Manteuffel in geheimer Mission nach Oesterreich. Manteuffel war mehr Diplomat als Soldat, wozu ihn sein hoher Posten im Militärcabinet befähigte. In seine frühere Stellung tritt er so lange gewiß nicht zurück, als Bismarck noch Minister und Bundes⸗ kanzler ist.

Der PariserTemps, erhält aus Berlin vom 12. August folgende Mittheilung:In unseren politischen Kreisen legt man der Zusammenkunft, welche der König Wilhelm heute und morgen mit dem Kaiser aller Reussen haben wird und welcher der eilends von Baden nach Wiesbaden kommende Fürst Gortschakoff beiwohnen wird, eine große Wichtigkeit bei. Sie wissen ohne Zweifel, daß in Abwesenheit des Herrn v. Bismarck der König Wilhelm von Herrn v. Abecken, dem rechten Arm des berühmten Ministers, begleitet ist. Man spricht mehr als je von einer Offensiv⸗ und Defensiv⸗ Allianz zwischen Preußen und Rußland. Man sieht keine drohende Wolke am politischen Horizont. Keine bedenkliche Frage wird in diesem Augenblick zwischen den Mächten verhandelt und kein Grund

zu Conflikten scheint zu existiren; trotzdem glaubt man offenbar hier an eine Explosion für einen nahen Zeitpunkt.

Preußen hat jetzt auch seine Kugelspritze, und zwar, wenn die Berichte nicht übertreiben, eine ganz nette Kugelspritze, welche 220 Kugeln in der Minute spritzt, von denen, bei 800 Schritt Entfernung, etwa 15 treffen sollen. Natürlich hofft man die Trefffähigkeit noch zu steigern, so daß man es vielleicht auf 50 Prozent Treffer bringt, d. h. auf 110 treffende Kugeln in der Minute. Ein Mann kann also 110 seiner Mit⸗ menschen in einer Minute todtschießen. Man sieht, wir kommen allmählich zu einer ziemlichen Vir⸗ tuosität im Vernichten unserer Mitmenschen, und vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo man auf die gewaltigen Naturereignisse der Vergangen⸗ heit, wie z. B. auf die Verschüttung von Herkulanum und Pompeji, oder auf das Erdbeben von Lissabon, und Aehnliches mit einer gewissen Verachtung herabsieht, wenigstens was die Zahl der Opfer anbetrifft.

Kassel, 13. Aug. Die Rabbinenversamm⸗ lung hat heute ihre Sitzungen geschlossen. Sie hat sich nur mehr als eine Vorversammlung be

Versammlung zu entscheidenden Beschlüssen die nöthigen Vorlagen machen soll. Zu diesem Zwecke sind Kommissionen ernannt für Kultus, Ehe Schul- und Ritualsachen. Der Charakter der Versammlung war ein fortschrittlicher, auf Ab- schaffung von Veraltetem und Läuterung des Gottesdienstes abzielender, wobei die deutsche Sprache mehr Berücksichtigung finden soll. Hersfeld. Der mhsteribse franz. Offizier ist hier immer noch der Gegenstand des Tages gesprächs. Einer aus Kassel erhaltenen Weisung gemäß wurde ihm vom Landrath das schriftliche Ehrenwort abgenommen, sofort nach Frankreich zurückzukehren. Seine Papiere enthielten, wie man versichert, Skizzen von der Stadt, ihren Umgebungen, sogar genaue Notizen über die Häuser der Stadt und deren Einquartierungslast, wobei eine genaue Vertheilung von Infanterie und Kavallerie vorgesehen sei. Der Offizier heißt Leroi und nennt sich Kapitän im französischen Generalstab. Man fragt billig nach der außer- ordentlichen Wichtigkeit von Hersfeld und seiner Umgebung für einen franz. Feldzugsplan. Die Sache erscheint zu naiv, und dürfte sich schließlich dahin auflösen, daß der franz. Offizier eben ob- jektiver Studien wegen in Hersfeld verweilte, wofür auch der Umstand spricht, daß seine Papiere viele Geschichtsauszüge aus dem siebenjährigen Krieg enthalten, für welchen die Umgebung von Hersfeld von Wichtigkeit war.

Frankfurt. DieDem. Corr. bringt die Mittheilung, daß zum 19. k. M. also drei Tage vor dem Berner Friedenscongresse von dem in Bamberg am 21. December v. J. er- wählten geschäftsleitenden Ausschusse der Volks⸗ parlei eine Delegirtenversammlung zur Organisation derselben und zum Entwurf eines Programms berufen werden soll.

Wiesbaden, 14. August. Die heutige Beilage zumIntelligenzblatt für Nassau enthält folgende Bekanntmachung:In Folge der von verschiedenen Seiten gestellten Anträge um frühere Eröffnung der niederen Jagd haben wir auf Grund der Bestimmungen in§. 30 des Gesetzes vom 6. Januar 1860 über Bestrafung der Forst⸗, Jagd- und Fischerei⸗Vergehen in dem ehemaligen Herzogthum Nassau beschlossen, die Eröffnung der Jagd in dem Regierungs⸗Bezirk Wiesbaden mit Ausschluß der ehemals großherzoglich hessen homburgischen und Frankfurter Gebietstheile, be⸗ züglich deren gesetzliche Bestimmungen entgegenstehen, mit Rücksicht auf die diesjährige frühzeitige Ernte auf den 17. August l. J. zu bestimmen, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Wiesbaden, den 10. August 1868. Kgl. Regierung, Abtheilung des Innern. v. Diest.

Der König bat die städtische Deputation freundlichst empfangen und versprochen, die Kur⸗ fondsfrage und die Theaterfrage in einer der Würde der Regierung und dem Wohl der Stadt entsprechenden Weise zu lösen.

Oesterreich. Wien. Die jüngsten das Vereins und Versammlungsrecht beschränkenden Maßregeln des Ministeriums Giskra haben in allen unabhängigen Kreisen einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht. DieMorgenpost, das ver⸗ breitetste der Wiener Volksblätter, bisher entschie · den regierungsfreundlich, sagt unterm 13. d.: Die öffentliche Stimmung darf nicht durch Bagatellsachen erbittert werden. Die Regierung muß sich von großen Anschauungen getragen zeigen, wenn sie imponiren will; sie muß die Stimme der Wahrheit mehr lieben, als die der servilen Schmeichelei. Wußte das Ministerium Auersperg; Giskra die Klippen zu vermeiden an denen so viele Regierungen gescheitert sind? Findet die Wohldienerei kein Ohr bei diesem Ministerium? Unsere Minister zeigen sich leider sehr geneigt, auf die überschwänglichen Lobreden hin, die ihnen von unsern auswärtigen Gästen beim Schützenfeste allzu reichlich gespendet wurden, sorglos gegen die Freiheit zu sündigen, als deren Vorkämpfer sie gepriesen wurden.

Nach einem Telegramm derNeuen freien Presse, datirt aus Agram, hat in Scutari ein

trachtet, welche einer künftigeren kompetenteren

blutiger Zusammenstoß zwischen Chrisse d

Türken stattgefunden, verursacht durch die Be⸗ drückungen der ersteren. Das türkische Militär schritt ein; es gab viele Todte und Verwundete.

Frankreich. Paris. Die Polizei hat für das Napoleonsfest die Anfertigung von Lampions mit dem Porträt Rocheforts oder mit der InschriftLa Lanterne untersagt. Es heißt hier, die Regierung wolle die Beschlagnahme der in Belgien nachgedrucktenLanterne in Brüssel verlangen. Da dem Verfasser Beleidigung der Person des Kaisers vorgeworfen wird, hat dieses Begehren der französischen Regierung Aussicht auf Erfolg. DerGaulois behauptet, zu wissen, daß zwischen Herrn v. Beust und seinem Souveräne die Meinungsverschiedenheit in Be treff der auswärtigen Politik immer größer werde. Herr v. Beust sei für den Frieden um jeden Preis, und namentlich bis die Reorganisation Oesterreichs vollendet sei. Der Kaiser dagegen, aufgestachelt von der Kriegspartei unter den Erz⸗ herzögen Albrecht und Rainer und der Reaction, deren Stütze die Erzherzogin Sophie, wünschen für Oesterreich einen entschiedeneren Einfluß auf die Geschicke Europa's und besonders Deutsch⸗ lands. Der Bericht des Finanzministers Magne über das Anlehen besagt Folgendes: Mehr als 781,000 Personen haben mehr als 660 Millionen Rente, d. h. ein Capital von 15 Millarden ge⸗ zeichnet. Mehr als 3 Millionen Rente sind nicht reducirbar, 657 Millionen werden reducirt. Die als Garantie eingezahlte Summe übersteigt 660 Millionen.

Italien. Die italienische Kriegsmarine hat Stoff zu einem zweiten Skandalprozeß geliefert. Im Mai d. J. wurde Contre⸗ Admiral Anguis⸗ ciola, ein Neapolitaner, und als solcher s. Z. der Erste, der sein Schiff an Garibaldi auslieferte, mit dem KriegsdampferCavour und 480 Mann zur Ablösung des Contre-Admirals Ricasoli nach Montevideo geschickt. Ungefähr 200 Seemeilen von dieser Stadt lief der Dampfer auf eine Sandbank, worüber der tapfere Contre- Admiral so in Schreck gerieth, daß er trotz aller Vor⸗ stellungen und Bitten des wackeren Schiffscom⸗ mandanten Sivori das sauve qui peut ausrief und mit dem größten Theil der Bemannung auf Booten das Schiff verließ. Sivori, empört über diese Feigheit seines Obern, erklärte, so lange eine Planke seines Schiffes halte, werde er dasselbe nicht verlassen, und es gelang ihm auch mit einigen Offizieren und circa 40 Wackern der Bemannung, nach riesigen Anstrengungen das Schiff wieder flott zu machen. Nachdem alle Gefahr vorüber war, kehrte der Admiral mit einem Theil der Mannschaft an Bord zurück, der Rest hatte sich verlaufen. In Montevideo an⸗ gekommen, wollte der Contre⸗ Admiral ganz un⸗ genirt das Commando des Geschwaders über⸗ nehmen; die Offiziere desselben protestirten jedoch dagegen und er wurde nach Europa zurückgeschickt. Dieser Tage trat nun, vom Marineminister berufen, der Admiralitätsrath in Florenz zusammen und beschloß, daß Contre⸗Admiral Anguisciola wegen des Verbrechens der Feigheit vor das Militär⸗ gericht gestellt werden solle. So ist es denn, auch geschehen und ein neuer Scandalprozeß steht bevor, dessen Ergebniß jedenfalls den Beweis liefern wird, daß mit solchen Elementen in der italienischen Kriegsmarine sich Niemand über den Verlust der Schlacht von Lissa wundern darf, und daß Persano bloß den Sündenbock für viele allgemeine Sünden abgab.

Rom. An dem Festtage Mariä Himmelfahrt wohnte der Papst der Messe bei und ertheilte dem Volke den Segen. Der französische Botschafter war nebst den übrigen Gesandten bei demTe Deum für das Napoleonsfest anwesend. Dieselbe Ceremonie fand in Civitavecchia im Beisein des Generals Dumont statt. Der Papst übersandte dem franzö⸗ sischen Botschafter Glückwünsche für den Kaiser, die kaiserliche Familie und Frankreich.

Frankfurt. Fast um dieselbe Stunde, in welcher gerade vor einem Jahre unser Dom abbrannte, brach in der in Sachsenhausen an der Offenbacher Landstraße ge⸗ legenen Kunstwollefabrik der Herren Math. Stirn Söhne

ein Feuer aus, das in kurzer Zeit einen Theil der Fabrik⸗

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