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Erzeugnisse des Landbaues kaum zurückwünschen. Damit soll aber bei Leib nicht gesagt sein, daß die heutigen Preise Angesichts des reichen Ernte⸗ segens, mit dessen Heimbringung wir eben be— schäftigt sind, als normal zu betrach en seien, im Gegentheil darf wohl mit Sicherheit auf billigere Lebensmittelpreise für die nächste Zukunft gerechnet werden, wenn— die Herren Franzosen sich nicht als ungebetene Göste bei uns zu Tische laden.
Aus Oberhessen. Man ist eben mit Ab⸗ steckung der definitiven Eisenbahnlinien eifrig be— schäftigt, die Landerwerbung wird somit baldigst stattfinden können und darauf der Bahnbau be⸗ ginnen. Man hofft auf eine Vollendung der ganzen Linien in zwei Jahren. Auch mit dem Aufpflanzen der Telegraphenstangen ist der Anfang gemacht worden, und es wird somit auch unsere Provinz bald aller Mittel des Verkehrs theil- hastig werden.
Preußen. Berlin. Die„Prov.⸗Corr.“ theilt mit, daß das russische Kaiserpaar sich nach Beendigung seines Kuraufenthalts in Kissingen nach Jugenheim bei Darmstadt begeben werde. Gegen Ende September werde dasselbe auf seiner Rückreise nach Petersburg zum Besuche des preuß. Hofes in Berlin erwartet.
— Auf Anregung des Dekans der thtologischen Fakultät, Prof. Semich, hat der Senat der Berliner Universität einstimmig einge aclademische Jubelfeier des 100 jährigen Geburtstages Schleier— machers beschlossen. Dem Vernehmen nach ist eine gleiche Feier auch vom dortigen Magistrat in Aussicht genommen.
Köln. Die von der holländischen Militär- behörde verfügte Arretirung der beiden Trompeter vom 8. Cürassier⸗Regiment dürfte wohl keinen weiteren Conflikt mit der preußischen Regierung nach sich ziehen, da das Recht sich hier offenbar auf Seiten Hollands befindet. Die beiden In⸗ haftirten, zwei junge Leute aus Schwarzburg⸗ Rudolstadt, von denen der eine als ein musikalisches Genie gerühmt wird, werden möglicherwtise in eine holländische Straf⸗Section nach Ostindien wandern müssen, denn sie hatten sich beim 7. holl Infanterie Regiment zu zehnjähriger Dienstzeit verpflichtet, das Regiment aber schon nach zwei⸗ jährigem Dienst verlassen. Da sie also wirkliche Deserteure sind, so wird sich gegen die Bestrafung derselben schwerlich etwas machen lassen.
Ems. Am 16. Juli ist die unerwartete telegr. Nachricht von Paris eingetroffen, daß der Vice⸗ lönig von Egypten, für den zu einem längeren Badeaufenthalt ein großer Theil des Gasthauses „Zu den vier Thürmen“ in Miethe genommen war, nicht hierher kommen wird. Unsere Saison verliert hiedurch jedenfalls einen ihrer interessan⸗ testen Anziehungspunkte.
Wiesbaden. Bezüglich der dieser Tage vorgekommenen gröblichen Insultirung des türki⸗ schen Gesandten durch einen herzogl. Diener im Schloßgarten zu Biebrich wird jetzt zur Ergän⸗
zung mitgetheilt, daß die hiesigen Behörden sich das Kirchenregiment, die Bewohnerschaft der
sofort personlich zu dem Gesandten Aristarchi Bey begeben und demselben das tiefste Bedauern über den Vorfall ausgesprochen haben. Die Plakate der herzogl. Hofverwaltung sind zu gleicher Zeit aus dem Garten entfernt und ist die Ausübung der Polizei den herzogl. Dienern untersagt worden. In dem beregten Fall handelte es sich um das Uebertreten des Rauchverbots, dessen sich der türkische Gesandte hatte zu Schulden kommen lassen. Dieses Verbot ist nun auch aufgehoben.
Bayern. München. In Folge der Excesse bei der Landwehrcontrolversammlung in Traunstein sind 33 Individuen wegen Ausstands und Körper- verletzung zur Aburtheilung vor das Schwurgericht verwiesen worden. Die Verhandlung, zu welcher gegen 70 Zeugen geladen werden, wird am 20., 21. und 22. d. stattfinden, und am folgenden Tag die Anklage gegen den Redakteur des„Volks- boten“, Hrn. Zander, wegen„Beleidigung eines auswärtigen Staatsoberhaupts(des Herzogs von Coburg) und Verleumdung mittelst der Presse“, zur Verhandlung kommen.
Württemberg. Stuttgart. Die Ver⸗ handlungen unter den Südstacten wegen einer Militärcommission haben folgende Basis: Jeder Staat ernennt ein Mitglied. Der Sitz der Com- mission soll München werden. Bayern führt den Vorsitz. Die unbedingte Majorität beschließt Der Hauptzweck des Bundes ist die Herstellung eines mit dem Nordbunde harmonirenden süd⸗ deutschen Defensivsystemo. Eine Commisson ver⸗ waltet die süddeutschen Festungen und ist auch Consulationsbehörde für alle Militärfragen. Der Zusammentritt fand am 15. Juli statt.
Oesterreich. Wien. In dem gewaltigen inperen Kampfe, der gegenwärtig in Oesterreich zwischen Kirche und Staat entbrannt ist, fluthet's und ebbet's hin und her, und die Chancen für den einen oder andern Theil steigen und fallen. Offenbar waren durch die einmüthige Entschie⸗ denheit des Ministeriums und die imposante Haltung des Reichstags Rom und die Freunde des Concordats Anfangs betroffen und unschlüssig. Aber man sammelte sich, man sondirte das Terrain, und die Bischöfe erachteten es für angezeigt, mit geharnischten Erklärungen gegen die neue Ordnung der Dinge vorzugehen. Nunmehr mehren sich wieder die Kundgebungen zu Gunsten der Staats⸗ gesetze. Man wird nie die Hand bieten zu Ein⸗ griffen der Staatsgewalt in die Freiheit der Kirche auf ihrem Gebiet, aber man betrachtet jede Einmischung geistlicher Autoritäten des In⸗ und Auslandes in die Gesetzgebung als einen mit allen gesetzlichen Mitteln abzuwehrenden Uebergriff. In diesem Sinn wurden Resolutionen und Adressen an das Ministerium beschlossen in Wien, Brünn, Salzburg, Stainz ꝛc., sogar in Bozen. Die Sachen werden sich schließlich dem Anschein nach so stellen: Die Landbevölkerung vorherrschend für
Städte für die Staalsgewalt.
— Wiederholt ist in den öffentlichen Blättern die Rede von einem in Triest stattgehabten großen Tumult. Man würde übrigens irren, wenn man dem Vorgang bestimmte planmäßige Absichten unterlegen wollte. Der Spectakel nahm seinen Ausgangspunkt vom Saale des Stad traths, von dem man eine Kundgebung gegen Rom erwartete. Da aber von den Vätern der Stadt so viele durch ihre Abwesenheit glänzten, daß an der beschluß⸗ fähigen Zahl von 28 einige fehlten und darum keine Sitzung gehalten werden konnte, drängte man zur Namensverlesung, wobei die Namen der abwesenden Herrn von den gefüllten Galerien aus mit allerlei Schmeichelnamen begleitet wurden, wie: „Hund, Esel!“ Nach dieser höllischen Litanei machte sich der Pöbel in den Straßen Luft durch solenne Katzenmusiken vor dem Statthalterei⸗ Gebäude, sowie vor dem römischen Consulat. Rufe wie: Nieder mit Bach!(Statthalter) und: Nieder mit Rom! mischten sich in naiver Weise mit: Oesterreich hoch! Italien hoch! und: Gari⸗ baldi soll leben! Ein Besuch im Kapuzinerkloster wurde vereitelt durch eine kleine Schaar alter Weiber, die den anrückenden Haufen mit Stein- würfen empfing.
— Die„Wiener Abendpost“ widerruft die Mittheilung des„Univers,“ daß Minister Giskra durch ein geheimes Circular die Statthalter auf⸗ gefordert habe, die Gemeindevertretungen zu Adressen gegen die päpstliche Allocution zu veran⸗ lassen.— Heute hat die Unterzeichnung des Post · vertrags zwischen Oesterreich und der Schweiz stattgefunden. Der Vertrag tritt voraussichtlich schon am 1. August in Wirlsamkeit.
Baden Karlsruhe. Bei den Truppen⸗ theilen der Infanterie und Cavallerie wurde eine Beurlaubung von 20 Mann in jeder Compagnie, und von 10 Mann in jeder Escadron vom 12. d. M. bis zum 10. k. M. angeordnet. Eine entsprechende Beurlaubung ist bei den Truppen ⸗ tbeilen der Artillerie voraussichtlich vom 20. d. M. an, in bestimmte Aussicht genommen.
Schweiz. Bern. Am 11. Juli genehmigte der Nationalrath den Postvertrag mit dem nord⸗ deutschen Bunde, Bayern, Württemberg und Baden. Das Porto für 1 frankirten Brief beträgt 7 kr., für einen unfrankirten das Doppelte.
Frankreich. Paris. Im gesetzgebenden Körper griff Jules Simon mit scharfen Worten das Institut der sog. Colportage⸗Commission an, auf deren Antrag die Verwaltung den neu er⸗ scheinenden Büchern die Erlaubniß, durch Hausiren auf öffentlicher Straße oder in den Bahnhöfen verkauft zu werden, bewilligt oder verweigert. Er wirft der Verwaltung vor, daß in vielen Fällen ein Buch nicht wegen seines Inhalts, son⸗ dern wegen des Namens seines Verfassers geächtet werde. Den schmutzigsten Roman lasse man passiren, das schönste Werk von Victor Hugo da⸗
Die Sonnenfinsterniß am 18. August dieses Jahres.
(Fortsetzung.)
Die totale Verfinsterung tritt kurz nach Sonnenaufgang auf der
lichen Station gewählt.
Auch der nordreutsche Bundesrath hat sich bereit
erklärt, die Kosten einer Expedition zu übernehmen.
um nun für die Größe der Opfer, welche die Wissenschaft zu bean ⸗ spruchen das Recht hat, einen ungefähren Maßstab zu geben, erlau den
Insel Perim und in Aden ein, durchzieht im Laufe des Vormittags Vorder⸗Indien, erreicht Mittags Tenasserim, wird Nachmittags in Annam, dann auf Borneo, Celebes und vielen Inseln aus der Gruppe der Molulkken sichtbar, und gelangt endlich gegen Abend nach Neu-Guinea. Wenn in methodischer Vertheilung wissenschaftliche Stationen auf den ge⸗ tigntten Punkten errichtet werden, so ist das Gesammtresultat als ein äußerst ergebnißreiches vorauszusehen
In der That ist gegenwärtig die Hoffnung auf eine methodische Vertheilung von Beobachtungs⸗Stationen in ernstlicher Verwirklichung begriffen. Die englischen Astronomen haben Indien zu ihrem Beobachtungs- bezirk gewählt, wohin bercits die wichtigsten Instrumente abgegangen sind. Nunmehr sind auch bereits die Instruktionen für die Beobachter ver⸗ öffentlicht, welche in musterhaftester Gründlichkeit das Vollgewicht der herr⸗ lichen Aufgabe bekunden. Von Seiten Frankreichs wird, wie eine Mit⸗ theilung Leverriers an die Pariser Akademie vom 3. Februar näher angiebt, das Augenmerk anf zwei Hauptstationen, die eine in Cambodje, die zweite in Malacca, gerichtet, und ist die französische Marine ange- wiesen, die geschütztesten und günstigsten Orte näher zu ermitteln. Oestreichische Astronomen haben Aden als Hauptpunkt ihrer wissenschaft⸗
wir uns den Umfang der Aufgaben in leichtem Umriß anzudeuten, welche das seltene Naturphänomen unserm Zeitalter stellt.
An der Spitze aller Aufgaben steht die der messenden Astronomie, deren Arbeiten für die Rechnungen der Himmelskunde wie für die Erd messung von größter Bedeutung sind. Totale Sonnenfinsternisse sind für diese deshalb von so großer Wichtigkeit, weil sie die korrekteste Otsbe⸗ stimmung der beiden Himmelsgestirne, Sonne und Mond, darbieten. Von der diesmaligen wird auch eine bessere Bestimmung des Sonnenhalb⸗ messers zu gewinnen sein.
Seit Anfang dieses Jahrhunderts sind ferner, neben diesen Messungen, die Untersuchungen über die Natur und das Wesen des räthselhaften Zodiakal-Lichtes bei solcher Gelegenheit stets auf's Neue aufgenommen worden, und werden auch diesmal— vielleicht mit günstigerem Erfolge — Beobachter in Anspruch nehmen.
Das Zodiakal-Licht ist nämlich ein heller Lichtdunst, der von den Sonne scheibenartig weit in den Weltraum hinein läuft und sich bis über die Erdbahn hinaus erstreckt. In dem Monat April sieht man dieses wunderbare Licht in den Zonen, wo jetzt die Sonnenfinsterniß beobachtet werden wird, des Abends nach Sonnenuntergaug und im Monat


