Ausgabe 
17.10.1868
 
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Zusammentritt des Landtages am 4. November stattfinden wird. Dieser Mittheilung fügt genanntes Blatt die Bemerkung hinzu: die Staatsregierung erwarte, daß in Folge des fast frühesten ver⸗ fassungsmäßigen Termins zum Beginn der Session der Landtag den Staats haushaltsetat, welcher bei Eröffnung sofort vorgelegt werden wird, rechtzeitig feststellen werde.

In offiziösen Veröffentlichungen wurde viel Aufhebens davon gemacht, daß in den 15 Jahren, von 1852 bis 1866, in Preußen 989,364 Thlr. für Verbesserungen der Lehrerbesoldungen aus- gegeben wurden. Zum Leidwesen verstehen aber die Lehrer das Rechnen besser, als den Behörden lied ist; sie weisen in derNordd. Schulztg. nach, daß von dieser Summe 911,473 Thlr. von den Gemeinden, vom Staate aber nur 77,891 Thaler bezablt wurden, was, auf die 36,157 Lehrer und Lehrerinnen vertheilt, einer Jahres- aufbesserung jeder Stelle im Betrage von 4 Sgr. und 3 Pf. gleichkommt, während der Gesammt⸗ betrag der Besoldungsverbesserung für jeden Lehrer jährlich 1 Thlr. 24 Sgr. beträgt. Das Herz im Leibe kehrt sich um vor Entrüstung, wenn man gegenüber solcher Armselizkeiten an die Hun⸗ derte von Millionen denkt, die während gleicher Zeit dem Kriegsminister zur Verfügung gestellt wurden.

Biedenkopf. In der Sitzung des Kreis- tages wurde einstimmig beschlossen, bei der Regie⸗ rung die Lostrennung des Kreises Biedenkopf vom Regierungsbezirk Wiesbaden und Zutheilung zum Regierungsbezirk Kassel zu beantragen.

Sachseu. Dresden. Am 14. fand da⸗ hier ein Aufruhr der Dienstmänner der Altstadt statt, weil der Handarbeiter-Genossenschast die Concession verweigert wurde. Die von der Polizei Verhafteten wurden vom Volke immer wieder befreit. Nach Mitternacht erst gelang es der auf⸗ gebotenen Kavallerie, die Zusammenrottungen zu zerstreuen.

Bayern. München, 12. Oct. Heute wurde in feierlicher Weise die städtische Handels schule eröffnet. Ueberhaupt macht München manche anerkennenswerthe Anstrengungen, mit der Bildung seiner Bewohner vorwärts zu kommen. Es würden oder werden in diesem Jahr noch eröffnet: zwei Fröbel'sche Kindergärten, eine neubegründete Kunst⸗ sckule für Frauen und Mädchen, worin dieselben tüchtige Anleitung zum Zeichnen und Malen er⸗ balten, um sich selbst ihr Brod verdienen zu können, eine Kunstgewerksschule, ein Kursus für Turnlehrer, eine Industrieschale und eine poly⸗ technische Hochschule. Zu einem großen Schul⸗ haus wurde der Grundstein gelegt, ein anderes, ein wahrer Palast, ist in diesem Monat seiner Beflimmung über wiesen worden.

Am 15. October tritt in Petersburg eine europäische Commission zusammen, welche die ein⸗ zelnen Explosionsgeschosse zu prüfen und deren Zulässigkeit im Kriege festzustellen hat.

Kempten. DieKemptener Zeitung er. zählt, daß mehrere Soldaten des in Kempten garnisonirenden 1. Jägerbatailions, die wegen wundgegangener Füße von den Aerzten des Ba⸗ taillons diensifrei erklärt wurden, von Seiten des Bataillons commandos wegenunmänulicher und unsoldatischer Verweichlichung mit ein⸗ bis zwei⸗ tägigem Arrest, Kostentziehung, Einsperrung am Sonntag und Urlaubsverweigerung bestraft wurden.

Baden Von Karlsruhe aus wird be⸗ richtet, daß i so viel man erfahren habe, die Revision der WMfer Uebereinkunft vom 22. August 1864 in Betreff der Verbesserung des Looses der Verwundeten im Kriege auf die Ausdehnung der betreffenden Bestimmungen auf die Marine beschränkt habe. Bemerkenswerth ist, daß Frankreich den Congreß nicht beschickt hat, weil dasselbe eher eine Beschränkung der enen gewünscht hätte, als eine noch weitere Ausdehnung derselben.

Heidelberg. Bei den dahier stattgehabten Verhandlungen der Synode für die Diözese Heidelberg-Mannheim bildeten den Hauptgegen⸗ stand der Berathung die Anträge des Synodal⸗

ausschusses, die Einführung von Communalschulen

betreffend. Kirchenrath Schenkel stellte folgenden

Antrag, welcher mit 12 gegen 4 Stimmen an⸗ genommen wurde:Die gemischte Schule steht mit den Principien des Protestantismus in Ein⸗ klang, wenn auch die Einführung derselben nicht als eine dringende Nothwendigkeit erscheint. Die- selbe ist wünschenswerth 1) darum, weil die Schule nach unseren Landesgesetzen überhaupt eine Staatsanstalt ist; 2) darum, weil sie die gemein⸗ schädliche methodisch betriebene Schärfung der confessionellen Gegensätze beseitigt, die gemischte Schule eine Pflanzstätte der Toleranz zu werden verspricht; 3) darum, weil der oberste Schul- zweck überhaupt kein confessioneller, sondern ein humaner ist.

Mannheim. An 500 Bürger hatten sich am 14 d. im Saale desgrünen Hauses ver⸗ sammelt und sprachen sich einstimmig für Ver⸗ wandlung der hiesigen confessionellen Schulen in gemischte aus.

Oesterreich. Wien. Der Liberalismus des Kaisers Franz Joseph I. scheint noch nicht bis zu dem Punkte gediehen zu sein, daß er sich entschließen könnte, dem Erzherzog Ernst zu ver⸗ zeihen, daß er sich mit einerPerson(so sagt man in bocharistokratischen Kreisen) aus dem Bürgerstande verehelicht hat. Wie verlautet, wird der aus Oesterreich verbannte Erzherzog, welcher während des Sommers mit seiner Gemahlin die Villa Tivoli bei Luzern bewohnte, den nächsten Winter in Mailand zubringen. Die Armen der Stadt Luzern, denen die Erzherzogin viele Wohl thaten erwies, sollen dieselbe wie eine Heilige verehren.

In einer geheimen Sitzung der Stadt⸗ verordneten von Prag wurde nolificirt, daß die Funktionen der städtischen Polizei auf kaiserlichen Befehl der Staatspolizei übertragen worden sind. Bis jetzt hat keine neue Ruhestörung stattgefunden.

Am 12. d. erfolgte die feierliche Grund⸗ steinlegung zum Schubert⸗Denkmal im Wiener Stadtpark. Auch wurde die städtische Fortbil⸗ dungsanstalt für Volksschullehrer eröffnet. Der Gemeinderath Dr. Kolatschek bezeichnete als den Zweck der Anstalt:Fortbildung durch Selbst⸗ bildung im Geiste der Freiheit.

Der wegen angeblicher Mitschuld an der Ermordung des Kriegsministers Latour im Jahre 1848 iu contumaciam zum Tode durch den Strang verurtheilte Dr. Goldmark kehrte vor einigen Wochen aus Newyork nach Wien zurück, um seine Unschuld zu erweisen und seine Rehab'li⸗ tation zu verlangen. Der competente Gerichtshof hat nun, wie verlautet, beschlossen, die Wieder⸗ aufnahme des Prozesses wegen Mangels eines jeden strafbaren Thatbestandes einzustellen. Dr. Goldmark ist demnach sür schuldlos erklärt.

Prag. Die widerhaarigen Tschecher wollen nach der Verkündigung der Ausnahmsmaßrege lu erst recht Scandal machen. Am 11. d. M. zogen gegen 4000 tschechische Proletarier auf die Kaiser⸗ wiese der Vorstadt Schmichov, um zu zeigen, daß man durch das Versammlungsverbot nicht ein geschüchtert sei. Das anrückende Militär wurde mit Steinwürfen empfangen. Trotzdem gelang es der besonnenen Mäßigung des Commando's, die Menge zu zerstrtuen, ohne sonderlich von den Waffen Gebrauch zu machen.

Schweiz Bern. Die Gaben für die unglücklichen Wasserbeschädigten haben einen er⸗ freulichen Anfang genommen. DerBund zählt bereits gegen 100,000 Fr. auf, die gesteuert sind. Gemeinden und Peivaten wetteifern in Opser⸗ willigkeit. So hat der Gemeinderath von Bern 2000 Fr. notirt, obgleich dort eine Hauskollekte vcranstaltet ist, die eine bedeutende Summe auf⸗ bringen wird. Ein Bürger von Zürich zeichnete 3000 Fr., das Haus Berger und Comp. in Witten 1000 Fr. Da die Sammlungen eben

erst anfangen, sich zu organisiren, so kann man aus dem Vorstehenden auf den bedeutenden Erfolg schließen, den sie im Schweizerland haben werden. Trotzdem kann damit das Elend nicht getilgt werden; es ist zu groß, und darum sieht die Schweiz vertrauensvoll auch auf das benachbarte Möge man überall der namenlosen

Deutschland.

Noth gedenken, in der Tausende unserer Brüder sich befinden.

Frankreich. Paris. DerGaulois glaubt zu wissen, daß Prim an den Peinzen Napoleon einen Brief gerichtet habe, der zur Mittheilung für den Kaiser bestimmt sei. Prim erkläre darin, die provisorische Regierung wünsche freundschafiliche Beziehungen mit Frankreich zu unterhalten. Dieselbe sei nicht voreingenommen für icgend einen Throncandidaten und werde sich bemühen, daß die Wahl auf einen Prinzen falle, welcher Europa im Allgemeinen, besonders aber Frankreich, genehm sei.

DieOpinion nationale begleitet das Schreiben des Generals Prim an die Redaction desGaulois mit folgender Bemerkung:Wir haben durchaus keine Einwendung zu machen gegen die Errichtung einer constitutionellen und liberalen Monarchie, wenn das der Wunsch der spanischen Nation ist; wir finden nur, daß General Prim sich etwas betitt, der souveränen Entschei⸗ dung der Cortes vorzugreifen, genau so, als ob er sie an der Spitze seines guten Schwertes von Toledo hielte. Bisher bestaad die Schwierigkeit darin, für diese constitutionelle Monarchie einen ernstlichen und annehmbaren Candidaten zu finden. Deßhalb auch erblickten eine gute Anzahl von Leuten keinen anderen Ausgang für die spanische Krisis, als die Errichtung der föderativen Republik. Aber es scheint, daß der Graf von Reus einen anderen in Vorschlag zu bringen hat.

DasEvdnennent meldet, daß die Mar quise v. Castillejos(die Gemählin Prim's), welche in der letzten Zeit Paris bewohnte, Anstalten trisst, um nach Spanien zurückzukehren.

DerStecle meldet:Eine gewisse An⸗ zahl von Demokraten des Nievre⸗ Departements, Herrn Ferdinand Gambon an ihrer Spitze, hat eine Sympathie und Beglückwünschungs⸗Adresse an die spanische Nation gerichtet.

DemGaulois wird aus Madrid, 12 Oct., geschrieben:Das Ereigniß des Tages

ist der von der fortgeschrittensten Frattion der

demokratischen Partei gefaßte Beschluß, die pro⸗ visorische Regierung zu unterstützen.

DasMemorial diplomatique versichert, daß nächstens 30,000 Soldaten der franzö sischen Armee einen halbjährigen Urlaub erhalten und auch in der Marine analoge Neductionen stait⸗ finden sollen.

Großbritannien. Times. Depesche aus Philadelphia vom 13. d. meldet, daß die Unionsregierung die Anerkennung der neuen spanischen Regierung durch den ameri⸗ kanischen Gesandten bestätigt. Ein Telegramm desStandard sagt, die Junta von Sevilla habe den Grundstein zu einer protestantischen Kirche gelegt.

Spauien. Madrid. Ein Dekret des Justizministers ordnet die Aufhebung des Jesuiten⸗ ordens auf der ganzen Halbinsel und den spanischen Inseln an; erklärt deren Güter für National⸗ eigenthum und bestimmt, daß ihre College und Einrichtungen binnen 3 Tagen geschlossen werden.

Die Junta schlägt der Regierung vor: Unterdrückung der religiösen, seit 1835 gegrün⸗ deten, Gemeinschaften, Aufhebung ihrer Privilegien, Berechtigung der Mitglieder anderer Corporationen in das bür zerliche Leben zurückzutreten.

Die Regierung bereitet ein Manifest vor, worin sie ihre Ansichten über die künftige Re⸗ gierung des Landes darlegen will und das sosort erscheinen wird.

Portugal. Lissabon. Mehrere Blätter tadeln das portugiesische Ministerium und werfen ihm vor, es begünstige die iberische Union.(Ver⸗ einigung von Spanien und Portugal.) Die Blatter bringen eine, wie sie behaupken, in Spanien verfaßte Proklamation, worin die iberische Union unter dem König Ludwig befürwortet wird.

Italien. Florenz. Man schreibt der Gazzetta die Genova von hier, daß in den letzten Tagen in dortiger Stadt Plakate angeheftet worden sind, welche die Italiener auffordern, dem Beispiel der Spanier zu folgen. Die Wächter der öffentlichen Sicherheit haben sich dieses

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