Ausgabe 
16.7.1868
 
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im gemeinsamen Intreresse sein soll. Fürst Hohen⸗ lohe ist von hier nach Karlsruhe abgereist.

Für die Infanterie ist eine sechswöchige Sommerbeurlaubung vom 14. Juli bis 18. August angeordnet. Sie trifft sämmtliche gut prädicirte Mannschaften des Jahres 1866, für besonders dringliche Falle abwechselnd auch solche von 1867, und gleichzeitig werden die Unterossiziere abtheilungs⸗ weise in Erholungsurlaub entlassen werden.

Baden. Karlsruhe. Der Gesandte der Vereinigten Staaten, Hr. Bancroft, ist hier an- gekommen, um, wie in München und Stuttgart, auch mit der badischen Regierung einen die Na⸗ turalisation der Ausgewanderten betreffenden Ver trag abzuschließen.

Oesterreich. Wien. Der Wiener Ge⸗ meinderath hat, um das Schulwesen zu fördern, das doppelte Mittel ergriffen: er sendet Schullehrer nach den thüringischen Staaten, um von den dortigen tüchtigen Lehranstalten und der Lehr methode in denselben Kenntniß zu nehmen und hat ein Pädagogium zur Fortbildung junger Schulamtstandidaten unter der Leitung des be⸗ rühmten Pädagogen Dr. Dittes gegründet. Be⸗ kanntlich kostete es viele Mühe für diese Anstalt, die ministerielle Genehmigung zu erringen und nun hat schon das Kriegsministerium in der Absicht, in der Militärgrenze(die unter militärischer Verwaltung steht) eine Foribildungsschule für Lehrer zu gründen, sich den Plan des Wiener Pädagogiums zum Muster genommen, während es früher jene Anstalt zurückwies.

Die ungarischen Bischöfe haben in ihrer letzten Conferenz in Ofen beschlossen, ihre Stimmen für das Concordat nicht zu erheben, obgleich das Organ des Cardinals Rauscher vor Kur⸗ zem hervorgehoben hat, daß das Concordat im Jahre 1856 auch von den ungarischen Bischöfen gutgebeißen, unterzeichnet und beschworen worden sei. Die Erklärung der Regierungs- und Reichstagsorgane, daß das Concordat in Ungarn niemals Gesetzeskrast erlangt habe, ist also doch nicht ohne Wirkung geblieben.

Triest, 14. Juli. Vergangene Nacht fanden vor dem Cafe Chioggia tumultuarische Auftritte statt. Die einschreitende Polizeiwache wurde mit Revolvern beschossen; nach Verhaftung der Rädels⸗ führer war der Tumult beendigt. Durch die Revolverschüsse wurde ein Mann getödtet und zwei verwundet.

O Frankreich. Paris. Das päpstliche Ausschreiben bezüglich des in Rom abzuhaltenden Contils ist der Gegenstand mehrfacher Erörterungen geworden. Zwei Umstände sind es, die dabei besonders beachtet werden, einmal, daß die Fassung des Passus, welcher die Theilnahme der dazu berechtigten Laien, der Fürsten, ziemlich unbestimmt gehalten ist, und dann, daß bei der Einladung an die Bischöfe die weltliche Sou⸗ veränetät ganz umgangen ist, und man sich im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, wo die Einladung zuerst den Kurfürsten und durch diese den Bischösen zugegangen sei, heute direkt an letztere wende und dieselben durch das einfache Factum der Veröffentlichung der Bulle für ge⸗ bunden erkläre. Der Gegenstand ist im gesetz⸗ gebenden Körper zur Sprache gebracht worden. Eine mit allgemeiner Zustimmung vernommene Auslassung des Cultusministers versichert, der sranzösische Clerus sei den Institutionen des Landes ergeben und gut französisch, und deutet an, die französische Regierung werde die Fragen, die auf dem Concil sich entwickeln werden, mit Aufmerksamkeit verfolgen.

Serbien. Belgrad. Der Reichstag des norddeutschen Bundes hat sich, entgegen den schleppenden Verhandlungen und langathmigen Redeübungen mancher Kammern bislang einer an's Bedenkliche grenzenden Kürze bei Erledigung seiner Geschäfte befleißigt. Einzig und unerreicht in diesem Punkte aber steht die Skuptschina in Serbien da. Nachdem der junge Milan zum Fürsten gewählt worden, galt es auch die Regent⸗ schaft zu ernennen Die Abgeordneten, im malerischen Nationalcostüm, sind versammelt. Präsident: Die Wahl der Regenten ist an der Tagesordnung.

(Zustimmung.) Der Abgeordnete Lukitsch, ein Kaufmann aus Belgrad, tritt auf, weist in einigen Worten auf die Bedeutung dieses Aktes hin und fährt dann fort: Ich schlage als erstes Mitglied der Regentschaft Milivoj Blasnaratz vor. Er hatte das Vertrauen unseres unvergeßlichen Fürsten und ist geschickt in der Kriegswissenschaft und energievoll. Wir können ihn brauchen. Sämmt⸗ liche Abgeordneten: Wir wollen ihn! Zivio! Lukitsch: Zum zweiten Mitglied schlage ich Jowan Ristitsch vor. Er ist diplomatischer Fachmann und zuverlässig. Skuptschina: Wir wollen ihn! Er lebe hoch! Der Redner: Als drittes Mit- glied möchte ich den Senator Jovan Gabrilowilsch vorschlagen: Er wird mit den beiden andern sich gut vertragen. Präsident: Stimmt Ihr Alle bei, Brüder? Alle: Ja! Ein Abgeordneter: Ich nicht; lieber sollen die Zwei einen Dritten wählen! Doch er dringt nicht durch. Wir bleiben bei der Wahl! schallt es von allen Seiten. Die große Angelegenheit ist glücklich zu Ende geführt.

Der Fürst Alexander Karageorgiewitsch ist als Mitschuldiger an der Verschwörung zur Ermordung des Fürsten Michael auf den 21. d. vor das Belgrader Stadtgericht geladen.

Rußland. Warschau, 13. Juli. Die Kaiserin von Rußland ist Abends hier eingetroffen und im Belvedere abgestiegen. Die Stadt war illuminirt.

Amerika. Ueber die Zustände und Aus- sichten im Süden der Vereinigten Staaten gibt ein Correspondent der LondonerPallmall Gazette interessante Mittheilungen, aus denen wir das Wesentliche hervorheben: Die farbige Bevölkerung ist in verschiedenen Gegenden des Südens von ganz verschiedenem Charakter. So gibt es Distrikte, in welchen sie ihre kürzlich erlangten Rechte bereits nach allen Seiten mißbraucht haben, in anderen hingegen sind sie die einzigen Arbeiter der Gemeinde, und sie arbeiten gut und aus⸗ dauernd. Täglich widerlegen sich die Berichte von ihrer Unfähigkeit für anhaltende Arbeit, wenn fie nicht von der Sclavenpeitsche bedroht sind; sie zeigen sich im Gegentheil eben so arbeitsam, wie die weiße Landbevölkerung manches europäischen Landstriches.

Vor wenigen Tagen geschah es in der Nähe von Vicksburg, daß von vier des Mordes angeklagten und dort in Haft gehaltenen Negern zwei aus dem Kerker geschleppt und am Schand⸗ pfahl verbrannt wurden, und zwar, wie ein Bericht sagt, durch dieNotabeln der Gegend. Allerdings schiebt ein Gegenbericht die grausige That den Negern selbst in die Schuhe. Der wahren Vollführer solcher Grausamkeiten gibt es glücklicherweise nur wenige, aber desto mehr, die mit ihnen sympathisiren und ihren Rücken von der politischen und socialen Zuchtruthe freizuhalten wissen.

Worms. Am 11. d. M. Adends brachten sämmt⸗ liche Arbeiter der Cornelius Heyl'schen Fabriken, 6 bis 700 an der Zahl, ihrem Fabrikherrn, Herrn Cornelius Wilhelm Heyl, in einem geordneten Zuge von den Fabrik⸗ gebäuden aus bis in das Schlößchen, und von einem Musikcorps begleitet, ein Ständchen, um auf diese solenne Weise dem Herrn Heil und dessen Frau zwei mit sinnigen Inschriften versehene prachtvolle Fahnen zu überreichen. Diese Ovation von Seiten der Arbeiter war der Ausdruck des Dankes, weil Herr Heyl, ohne daß die Ersteren es beansprucht hatten, in anerkennender und gewiß sonst sehr seltener Art, ihnen den Arbeitslohn erhöhte. An diese Festlichkeit reihte sich ein Fackelzug und Feuerwerk, sewie ein Fesiessen in dem Metzgerschen Lokale in Hochheim, welches mit einem Balle schloß, der bis zum hellen Tage andauerte.(Rh. H.)

3 Aus Sachsenhausen haben wir einen hübschen Zug zu erzählen. Der Sohn einer Wituve, die Stütze seiner alten Mutter, lag schon geraume Zeit krank darnieder; das Feld konnte nalürlich nicht bestellt werden. Ver⸗ flossenen Samstag Abend, saßen mehrere junge Männer, Schulkameraden des Erkrankten, bei dem Glase, als einer von ihnen die Noth des Freundes vorbrachte. Einstinimig wurde erklärt. Morgen ist Sonntag. Wir wollen unseren Frühgottesdienst, wie unsere Väter hallen. Bei Tages⸗ grauen zogen nun 30 junge Sachsenhäuser Männer init Hacke und Schippe hinaus und bestellten das Feld. Jeder suchte seinen Stolz darin, sein Stück Arbeit am schönss en

zu machen. So bewährte sich auch hier der den Sachsen⸗ häusern eigene Sinn für festes Zusammenstehen.

Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Sper.⸗Agent.

Das Bremer Posidampfschiff New⸗York Capt. Dreyer, welches am 30. Juni New. Pork verließ, ist nach einer schnellen glücktichen Reise von 12 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es baselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt 266 Passagiere und volle Ladung.

Das Bremer Postdampsschiff Union Capt. Santen, welches am 2. Juli New⸗York verließ, ist nach einer seht schnellen glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es baselbst die für England und Frankreich bestimmtenPassagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen abu Dasselbe bringt 107 Passagiere und 1000 Tons

adung.

Das Hamburger Postdampfschiff Borussia Capitän Franzen, welches am 27. Juni von Hamburg vis Southampton abging, ist nach einer schnellen glücklichen Relse von 12 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Das Hamburger Postdampfschiff Hammonia Capt. Meier, welches am 1. Juli von Hamvurg vis Sout⸗ hampton abging, ist nach einer ausgezeichnet schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen wohlbehalten in New⸗Dork angekommen.

Schwurgericht der Provinz Oberhessen. III. Quartal 1868. Urtheile:

1) Am 10. Juli wurde Heinrich Hild aus Ortenberg, wegen ausgezeichneten Diebstahls, in eine geschärfte Cor⸗ reclionshausstrafe von Jahren verurtheilt. 2) Am 11. Juli wurde Marie, Daniel Walter's Ehefrau aus Freienseen, von der gegen sie wegen Meineids erhobenen Anklage, nachdem die Geschwornen dasNichtschuldig er⸗ klärt hatten, sreigesprochen.

Für die deutsche Nordpol⸗Expedition

haben beigetragen die Herren: Major Hoffmann 1 fl., Major Jäger 1 fl. 10 kr., Dr. Henkelmann 1 fl., Dr Schwabe 1 fl., Dir. Steinberger 30 kr., Bindernagel Schimpff 1 fl., Dr. Möller 1 fl., Dr. Schmid 24, Klein 24, Blickhahn 24, Rühl 24, Billasch 24, Heyland 24, Landau 24, Schneider 24, Born 30, Nebhuth 24 kr., Lindeck 1 fl., Dr. Diegel 1 fl., W. Fertsch 1 fl., Dr. A. Trapp 1 fl., B. Wahl 1 fl., Meyer 24, Tburn 30, Lind⸗ heimer 30, Schreiner 30, H. Walz II. 24, J. Bechstein 24, Foucar 20, G. Hanau 24. Ph. Werner 30, C. Görtz 30, Gonder 24, Kümmich 30, J. Steinhäusser 30, Dr. Pfeifer 30, G. Groß 30, Dr. Köhler 30, L. Weis 30 kr., Landr. Reitz 1 fl., Curtman 1 fl., Heyl 1 fl., Baur 1 fl., Sehrt 24 kr., Dr. Lorenz 30, Dr. Pilger 35, Dr Melchior 24, Zinser 24, H. Simon 18, 90 Roßbach 30, Theobald 30, Soldan 24, Dr. Schäfer 30, Ass. Steinberger 30, C. Scrira 30, Dr. Trapp 30, de Beauclair 30, J. Mai 1 fl., Orpenheimer 24, F. Hecht 30, Adam 30, Chr. Werner 30, M. Reis 1 fl. 10, S. Hirschhorn 30, Wagner 2⁴, Schulhof 24, Stahl 24, Bender 18, M. Hirsch 30, Sufft 30 kr., Prof. Roth 1 fl., Jöckel 30, H. Bechsiein 30, Ermus 24, Huber 30, Winbeim 24, H. Grödel 30, F. Reuß 18, C. F. Schleuning 24, Blum 12, Heidt 20, Kranz 36, Trapp IV. 48, Kempf 18, Bitsch 18 kr., Trapp II. 1 fl., Feiling 24, N. Engel 24, F. Reitz 36, Ph. Vog: 24, Velte 24, C. Frick 12 kr., Herpel 1 fl., Ph. Ritzel 12, Marchand 24, M. Philippi II. 24, A. Rausch 36, C. F. Walz 21, G. Steinhäusser 18, Haustädt 30, Dr. Steinhäusser 30, H. Horn 18, Dr. Weckerling 86, K. Preusser 18, A. Winkler 18, Dörr 18, G. Dieffen⸗ bach 18, G. Philippi 24, Dr. Dieffenbach 30, El. Mayer 24, Wiesenbach 15, H. Bek 12, G. Schwarz 18, Spamer 18, Ruths 30, Rauch 18, Eschborn 9, Ramspek 12, G. Hieronimus 30, Exp. Landau 24, Hill 30, P. Engels Wit. we 18 kr., Seyd 1 fl., J. Wörner in Nauheim 18 kr., Frl. Ch. Dilthey in Hanau 2 fl., Matthias 1 fl. 45 kr. Zusammen 68 fl. 56 kr. Diese Summe, deren Empfang ich dankbar bescheinige, habe ich heute, abzüglich der 3 fl. 27 kr. betragenden Erhebungskossen u. dgl., an Herrn Professor Dr. A. Petermann in Gotha abgesendet. Friedberg 12. Juli 1868. Dr. Matthias.

Frankfurt a. M. Laut des zur Zeit erschienenen sechslen Jahresberichtes der Dr. Steffan'schen Augenheil⸗ anstalt dahier betrug die Zahl der im letzten Jahre (1. April 1867 bis 1. April 1868) zur Behandlung ge⸗ kommenen Augenkranken 2514, d, h. nahe 400 mehr als im Vorjahre. Davon fanden 1085 vollkommen freie Be⸗ handlung und nach Erforderniß auch freie Verpflegung und Verköstigung. Operationen wurden 181 vorgenommen, und zwar 171 mit vollkommenem Erfolg, 7 mit Besserung und 3 ohne Erfolg. Die Einrichtung der Anstalt hat keinerlei Veränderung erfahren; sie zerfällt vor wie nach in 2 Theile:

1) Privat⸗Anstalt(Krögerstraße 8 in Frankfurt), woselbst täglich von 35 Uhr Nachmittags Sprechzeit ist, und Patienten, welche es nöthig haben, eine bequeme Unter⸗ kunft finden, und 2) Armen⸗Augenllinik(Dreilönigstraße in Sachsenhausen), woselbst jeder, der unentgeltlich behandelt zu werden wünscht, täglich ½12 ½½1 Uhr sich vorstellen kann, und unbemittelte Augenkranke jederzeit zu ermäßigtem Preise oder ganz unentgelilich aufgenommen werden. 1703