Ausgabe 
16.7.1868
 
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Donnerstag den 16. Juli.

2 83.

zeiger für Oberhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. ö

Fticdberger Jutelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Beitreibung der Communalgelder für 1868.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Aus den eingelangten Handbuchsauszügen haben wir ersehen, daß bis jetzt zur Beitreibung der Communalgelder für 1868 fast nichts geschehen ist. Wir weisen Sie darum bei eigner Verantwortung an, den Gemeinde-Einnehmern die sofortige vorschrifts mäßige Beitreibung

aufzugeben und daß sie ihre Schuldigkeit thun

strenge zu überwachen.

Friedberg am 13. Juli 1868.

Bei Einlangung der Pfandbefehle werden wir in dieser Beziehung controliren, ob Sie Ihre Schuldigkeit gethan haben.

Betreffend: Die Klrchen⸗Voranschläge des Kreises Friedberg pro 1869 71.

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J. 5 d. Kritzler, Kreis-⸗Assessor.

Friedberg den 14. Juli 1868.

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Nach den Mittheilungen der betreffenden Dekanate stehen noch viele Voranschläge zurück. Wir erinnern die Saͤumigen die an so⸗ fortige Einsendung derselben und sehen Ihren Berichten entgegen, wann die Absendung erfolgt ist.

J. B. d. Kritzler, Kreis-Assessor.

Hessen. Man schreibt uns aus Darm- stadt, daß daselbst am 10. Juli Pfarrer Mitzenius von dort vor das Oberconsistorium geladen war, um sich wegen seiner SchriftLuther und die Kirche unserer Tage zu verantworten.

Die von Frankfurter Blättern gebrachte Nachricht von einer Combination hessischer mit preußischen Truppen zu Manövern in der Gegend von Limburg können wir als eine völlig irrige bezeichnen. Wie bereits mitgetheilt, finden die größeren Herbstübungen unserer Division im vorderen Odenwalde statt, wozu bereits alle Dispositionen getroffen und was die Verpflegung der Truppen betrifft, amtliche Erlasse publitirt worden sind. Ebenso entbehrt die von der Berliner Volkszeitung gemeldete Formation der Hessischen Infanterie auf drei Regimenter, und deren Bezeichnung mit den Nummern 97, 98 und 99 jeder Begründung. f

Bezüglich der Einkommensteuer hört man, daß das höchste in Darmstadt deklarirte Einkom · men sich auf 160,000 fl. beläuft. In Gießen, Worms und Mainz wurde je einmal der Maximal- satz 200,000 fl. declarirt.

Friedberg, 14. Juli. So eben sind die Einkommensteuerzettel in Begleitung eines Schrei⸗ beus des Vorsitzenden der Einschätzungs-Commission ausgegeben worden, das die nöthigen Erläuterungen gibt über die Höhe des betreff. Steuercapitals und über die Art und Weise, wie allenfallsige Keklamationen gegen die Festsetzungen der Com- mission können geltend gemacht werden. Wenn es wahr ist, daß ein Gut um so mehr geschätzt wird, je höher es zu stehen kommt, so werden beim Anblick dieser Steuerzettel dem Vaterland viel warme Verehrer erstehen, und Mancher wird den elegischen Seufzer lispeln: O du mein theures Vaterland!

Nichelstadt. Die Ingenieure der Ludwigs⸗ Eisenbahn-Gesellschaft, welche den Bau der Mümling⸗Eisenbahn übernommen hat, sind mit ihren Vermessungen und Terrainprüfungen jenseits der hiesigen Stadt bald fertig.

Mainz. Bei den durch die preußischen und hessischen Pionniere zu Castel ausgeführten Uebungen, welche sich auf alle im Felde vorkommende Dienst⸗ branchen erstrecken ist am 11. d. beim Pallisaden- sprengen ein Menschenleben zu Grunde gegangen. Der Mann, welcher einen Pulversack(mit 15 Pfd. Ladung) an eine Pallisade niedergelegt hatte, glaubte die Lunte nicht in Ordnung, aber in dem Augenblick, als er eine neue Zündung anlegen

wollte, erfolgte die Explosion. Verbrannt nieder- geworfen, lebte er nur noch kurze Zeit.

Preußen. Berlin. Die Universität zu Marburg hat eine neue Errungenschaft mehr. DerStaatsanzeiger enthält eine königliche Ordre, welche die Einsetzung eines Universitäts⸗ curatorsmit denjenigen Attributionen, welche den Curatoren der übrigen Universitäten beigelegt sind, verfügt. Der Universitätscurator ist eine Aufsichtsbehörde, welcher die Vermittlung zwischen den Universitätsbehörden und dem Unterrichts- ministerium sowie namentlich die Ueberwachung der akademischen Lehrer und Hörer obliegt eine Einrichtung, welche die Universitäten daran mahnt, daß sie nicht mehr wie in früheren Jahr⸗ hunderten freie Corporationen mit Selfgovernment, sondern staatliche Institute sind, bei welchen ein Conflikt der s. g.akademischen und derLehr- freiheit mit den ministeriellen Anschauungen nicht zu den Unmöglichkeiten gehört.

Tilsit. Als am 26. Juni Nachmittags die Mannschaften einer der hier garnisonirenden Dragonerescadrons beim Appell in der Kastanien⸗ straße die Trensen vorzeigen sollten, fand der betreffende Rittmeister eine davon nicht in der gewünschten Ordnung, entriß sie dem Dragoner, der sich aus dem Feldzug von 1866 das Erin- nerungskreuz mitgebracht, und schlug ihm damit auf offener Straße über den Kopf, bis das Blut über das Gesicht lief; der Arzt mußte später die die Wunden zusammennähen. Wir haben geglaubt, der Stock sei im preußischen Heere abgeschafft und die körperliche Züchtigung aufgehoben, aber freilich es war ja nur eine lederne Trense mit eisernem Mundstück, welche dem Manne begreiflich machen sollte, daß er sich versehen habe.

Köln. DieElb. Ztg. berichtet von einer Verhaftung preußischer Musiker in Holland. Das Musikcorps des in Deutz garnisonirenden rheinischen Cürassier⸗Regiments Nr. 8 trat vorgestern einen vierzehntägigen Urlaub nach Holland an, um dort in verschiedenen Städten Concerte zu veranstalten. Als dasselbe am 9. d. in Utrecht eintraf, wurden gleich zwei seiner Hautboisten als holländische Deberteure verhaftet. Diese Leute haben früher bei einem holländischen Regimente Dienst an- genommen, diesen aber später freiwillig verlassen, unn als Preußen hier ihrer Militärpflicht zu genügen. Obwohl sie von Bekannten in Holland gewarnt worden waren, sich dort nicht sehen zu

lassen, glaubten sie doch unter preußischer Uniform sich in Holland frei bewegen zu können und!

schlossen sich dem Corps an. Der Capellmeister, welcher seinem Regiments-Commando gleich von dem Vorfalle telegraphisch Meldung machte, erhielt telegraphisch den Befehl, sofort mit seiner Capelle zurückzukehren und kein Concert in Holland zu geben. Das Corps wurde schon heute Mittag auf Parade erwartet, war aber noch nicht ein⸗ getroffen.Man ist auf den Ausgang dieser Angelegenheit sehr gespannt, schreibt dieElb. Ztg.,da man annimmt, daß die preußische Re⸗ gierung ihre in Uniform und sogar im ganzen Corps beurlaubten Militärs nicht so mir nichts dir nichts werde inhaftiren lassen wollen. Selbst⸗ redend ist auch schon höheren Orts Anzeige da⸗ von gemacht worden.

Ems. Der König von Preußen ist am 12. d. um 11 Uhr angekommen und von den Civil- und Militärbehörden von Ems und Coblenz empfangen worden.

Sachsen. Leipzig. Der Kaiser von Rußland wird nächssen Samstag Nachmittag dier eintreffen und ohne Aufenthalt mittelst Extrazug über Berlin weiterreisen.

Bayern. München. Ein Kescript des Ministeriums des Innern an die Kreisbehörden fordert dieselben auf, ihr Verhältniß zu der Presse stets von dem Gesichtspunkte aufzufassen, daß sie der Presse für Besprechung und Aufdeckung öffent⸗ licher Mißstände und Schäden Dank schulden. Tendenziöbses eigenwilliges Verfahren bei Beschlag⸗ nahmen ist, als der Regierung unwürdig, zu unterlassen; gegen thatsächliche Ausschreitungen aber streng nach den Gesetzesbestimmungen stets im Sinne erfahrungs mäßiger Preßfreiheit.

DenMünchener Neuesten Depeschen zu⸗ folge ist die Ulmer Convention bereits ratificirt worden. Es erledigt sich sonach die Mittheilung verschiedener Blätter, daß die Ulmer Convention die Bildung der süddeutschen Militärcommission zur Voraussetzung gehabt und deßhalb von würt⸗ tembergischer Seite noch nicht ratificirt sei.

Württemberg. Stuttgart. Am 13. fanden hier zwischen Fürst Hohenlohe und Herrn v. Barnbüler Verhandlungen bezüglich der Ulmer Convention statt und wurden die Raltificationen derselben ausgetauscht. Als weiterer Gegenstand der Verhandlungen zwischen den beiden Ministern wird die Bildung und der baldige Zusammentritt einer Commission von Bevollmächtigten Württem- bergs, Bayerns und Badens bezeichnet, deren Aufgabe die Beaussichtigung der südd. Festungen