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— Gutem Vernehmen nach tritt der Landtag der preußischen Monarchie am 4. November d. J. zusammen.

Frankfurt. Aus dem Jahresbericht der hiesigen Handelskammer entnehmen wir folgende Angaben: Das Jahr 1867 ist noch ungünstiger, als selbst das Kriegsjahr 1866. Der Export nach Amerika ist 1866 um 10 Prozent gegen 1865, 1867 um 50 Prozent gegen 1866 gefallen. Baubescheide wurden 1865 285, 1866 153, 1867 53 ertheilt. Der Besitzwechsel des Gemeinde— eigenthums sank von 17½ Millionen in 1865 auf 9½ in 1866 und auf 3½ in 1867. Han- delsfirmen wurden 175 eingetragen, dagegen 196 gelöscht. An Mehl, Brod, Backwagren, Graupen und Gries wurden 1867 gegen 10,000 Centner weniger versteuert, als im Vorjahr. An frischem Fleisch wurde eingeführt 9215 Centner gegen 12,009 in 1866, an geräuchertem Fleisch und Wurst 3971 Centner gegen 2152 Centner in 1866, an Schlachtvieh 81,606 Stück gegen 86,224 Stück in 1866, der Fleischconsum ist von 1865 auf 1866 um 5 Prozent, von 1866 auf 1867 um weitere 5 Prozent gefallen. An vereinsländischen Weinen wurden 1146 Ohm, an eusländischen Weinen 322 Centner, an Aepfel- wein 1934 Ohm, an Kochsalz gegen 400 Centner in 1867 weniger verbraucht als 1866.

Bayern. München. Die Schlußsitzung der Militärconferenz hat am 10. d. stattgefunden und wurden in derselben die Urkunden über die getroffenen Vereinbarungen unterzeichnet.

— Das am 10. ds. erschienene„Central— polizeiblatt“ fordert alle Gerichtsbehörden auf, den zur Festungsstrafe verurtheilten flüchtigen („Volksboten“-) Redakteur Zander im Betretungs⸗ falle nach der Festung Passau abzuliefern.

Würtemberg. Stuttgart. Der„St.- Anz.“, den Abschluß eines Vertrages bezüglich der Niedersetzͤͤfig einer süddeutschen Festungs— Commission meldend, fügt hinzu, daß zugleich ein Vertrag abgeschlossen worden sei, nach welchem die abgebrochene Liquidation des beweglichen Festungs⸗Vermögens in Bälde wieder aufgenommen werde Der Ort des Zusammentritts sei noch unbekannt.

— Dem„Schwäb. M.“ wird vom Bodensee geschrieben:„Wir haben in den letzten Tagen die Ueberschwemmung des Rheinthales auf Grund gener Anschauungen zu schildern gesucht. Heute führen wir den Leser in einen Ort und in Wohnungen ein, welche nun zum größeren Theile vom Wasser befreit sind. Die Häuser sind zum Theil versunken, voll Schlamm und üblem Geruch in Folge eingetretener Gährung verschiedener Lebensmittel, zum Theil ist es kaum mehr möglich, nur Haus und Zimmerihüren zu öffnen, die irdenen Oefen sind zerrissen oder aufgelöst, in- zwischen hahen Kröten, Eidechsen, Ottern in den; selben Schutz gegen Wasser und Kälte gesucht und diese Wohnungen sollen nun, da der Winter vor der Thüre ist, bezogen werden.“

Baden. Heidelberg. Dr. Simon, Pro- sesc der Chirurgie an der hiesigen Universität, hat den an ihn ergangenen sehr vortheilhaften Ruf nach Greifswalde abgelehnt und bleibt der Universität Heidelberg erhalten. Die badische Regierung hat alle zum Besten der Hochschule von ihm als Bedingung seines Bleibens gestellten Anforderungen bewilligt.

Oesierreich. Wien. Der Kaiser ist nach Wien zurückgekehrt und wird 10 bis 14 Tage hier verweilen, um erstens die Sanktion ver⸗ schiedener Landtagsbeschlüsse vorzunehmen und zweitens der Eröffnung des Reichsraths beizuwohnen.

— Der oberßsterreichische Landtag hat in seiner letzten Sitzung den löblichen Beschluß gefaßt, daß der Landesausschuß in der nächsten Session einen Gesetzentwurf über die Verbesserung der materiellen Stellung der Volksschullehrer vorzu legen habe.

— Der Landtag von Triest hat die Ergän- zungswahlen für das österreichische Abgeordneten haus nur unter dem Vorbehalt vorgenommen, daß dadurch den historischen Rechten und Privi⸗ legien der Stadt nicht präjudieirt werde. Eine

gewisse Partei in Triest möchte nämlich die Ber- bindung mit Oesterreich auf eine bloße dynastische Personalunion reduciren; der Anschluß an das Königreich Italien würde sich dann später um so leichter bewerkstelligen lassen.

— In Berliner Blättern wurde berichtet, daß bei den letzten Excessen in Prag„preußen⸗ freundliche Rufe“ vernommen worden seien. Die tschechische Preußenfreundlichkeit beschränkt sich aber darauf, beim Herannahen österreichischer Jufanterie oder ungarischer Husaren, um diese zu ärgern, das Geschrei auszustoßen:„Königgrätz! Die Preußen kommen!“ Selbstverständlich gaben die tschechischen Patrioten sofort Fersengeld, um nicht für diese Rufe gezüchtigt zu werden.

— Das Ministerium hat nach Prag eine Verordnung expedirt, welche für die böhmische Hauptstadt und ihre nächste Umgebung auf un— bestimmte Zeit sowohl die Abhaltung von Ver— sammlungen und Aufzügen, als die Thätigkeit politischer Vereine, die Herausgabe und die Ver— breitung von Druckschriften dem Belieben der Polizeibehörde unterordnet. Gleichzeitig rückten daselbst Truppenverstärkungen ein, um befürchtete neue Tumulte niederzuhalten.

— Die Wiener„Abendpost“ meldet: Auf die von der österreichischen Vertretung zu Bukarest anläßlich der letzten Excesse gegen die Juden zu Galatz gethanen Schritte behufs Wahrung der Interessen der Unterthanen Oesterreichs, begab sich der rumänische Minister des Innern persönlich an Ort und Stelle. Derselbe setzte den Polizeiprä— fecten und den Chef der Nationalgarde ab und sicherte sofortige Erhebung des verursachten Scha— dens— unter Zuziehung eines österreichischen Delegirten— wie Vergütung desselben zu.

— Das„Tagblatt“ meldet: Der Reichs- kanzler, Baron v. Beust, soll ein Rundschreiben an die auswärtigen Vertreter Oesterreichs vor- bereiten, welches auf die letzten Vorgänge in Böhmen und auf die von der Regierung daselbst getroffenen Maßregeln sich beziehen soll. Das genannte Blatt meldet ferner: Das französische Kriegsministerium bewerkstelligt durch ein Con- sortium großartige Schlachtvieh-, Pferde- und Lederankäufe in Oesterreich.

Prag. Am 11. d. Nachmittags hat in der Vorstadt Smichow eine große Volksansammlung stattgefunden, welche erst durch das Einschreiten des Militärs zerstreut werden konnte, wobei mehrere Verwundungen vorkamen. Abends war die Ruhe wiederhergestellt.

Brünn. Nach einem Telegramm der„N. fr. Pr.“ hat der Olmützer Erzbischof die Ehe⸗ gerichtsacten nicht ausgeliefert, sondern einen Protest an das hiesige Ober⸗ Landesgericht ein⸗ gesendet, worin er sich zum Schutze gegen den Vorgang der Gerichte auf die Staatsgrundgesetze beruft.

Schweiz. Genf. Der hier tagende Sa⸗ nitätscongreß hat die Berathung über die Aus- dehnung des internationalen Sanitäts concordats auf die Marine beschleossen.

— Wie es mit den auch im uzernischen angeordneten geistlichen Exercitien gehalten wird, beweist, daß zur Leitung derselben der Pater Anizet, der bekannte Geisterbeschwörer und Teufels⸗ austreiber, ernannt wurde, der im Jahr 1848 die fromme Klosterfrau Maria Augusta Delphina in Stanz von 4 Teufeln befreit hat. Selbst der sehr fromme, seither verstorbene Probst Leu er- klärte diesen Pater als einen„verwahrlosten Kapuziner“ und„schmäblicher Täuschung und Betrügereien schuldig“. Es ist jedenfalls weit gekommen mit der bischöflichen Einsicht!

Bern. Eine Conferenz von Delegirten der Cantone unter dem Vorsitze des Chefs des eidge⸗ nössischen Departements des Innern, Herrn Bun- desrath Schenk, ist zusammengetreten, um die Mittel und Wege zu berathen, welche zu ergreifen und einzuschlagen sind, um der Noth, die durch die colossalen Ueberschwemmungen in den Cantonen Wallis, Graubünden, St. Gallen und Tessin her⸗ vorgerufen, zu steuern.— Der Bundesrath hat in England eine Anzahl englischer Halbblutpferde ankausen lassen, um die sehr im Argen liegende

54 Stuten und Hengste von ausgezeichneter Schönheit. Dieselben werden von den Kantonen übernommen und an Privatzüchter versteigert.

Frankreich. Paris. Das Bulletin des „Moniteur“ sagt, der nordamerikanische Gesandte hätte die provisorische Regierung von Spanien anerkannt.

— Französische Blätter wollen wissen, der Kaiser beschäftige sich ernstlich mit der Verstim⸗ mung die auf Handel und Wandel drücke und habe sich entschlossen, den Gedanken einer euro— päischen Entwaffnung durch den Frieden und die Diplomatie, anstatt einer Entwaffnung als Folge eines Kriegs zum Durchbruch zu bringen.

— Die„Presse“ erwähnt des Gerüchtes, daß der preußische Gesandte in Madrid Befehl erhalten habe, die provisorische Regierung anzuerkennen und daß England diesem Beispiel rasch folgen werde.

— Ein Pariser Correspondent der Wiener „Presse“ schreibt diesem Blatte:„In Pau hat König Franz von Assist, wie es heißt, einen Versuch gemacht, sein Hausrecht zur Geltung zu bringen, indem er Marfori begreiflich machen wollte, daß er bei der jetzigen Reduction des bourbonistischen Hofstaates eines Intendanten nicht mehr bedürfe. Herr Marfori aber erklärte hierauf, seine Gegenwart sei unentbehrlich, da die in Sicherheit gebrachten königlichen Gelder auf seinen und seiner Freunde Namen ausständen. Für sich selbst hat dieser Herr es auch an Vor⸗ sorge nicht fehlen lassen, wenn es wahr ist, daß er im Geheimen durch Vermittlung des Herrn v. Rothschild das berühmte Weingut Chateau Lafitte für 4½ Mill. Francs angekauft hat.“

— Ein Brief von Prim an den„Baulois“ dankt demselben für seine Sympathie und Mit⸗ wirkung bei der spanischen Revolution. Prim erstaunt sich über die Ungeduld eines Theils der französischen Presse, welche findet, daß Spanien nicht rasch genug vorwärts schreitet:„Eine Ar- beit von acht Tagen“, sagt Prim,„hat uns ge⸗ nügt, eine dreihundertjährige Dynastie zu stürzen und eine provisorische Regierung zu errichten. Wir werden nicht zögern, jetzt unsere Lage im Verein mit einer gesetzgebenden Versammlung auf der Basis unseres Programmes, das Sie kennen, zu consolidiren. Alsdann werden wir dahin gelangen, das politische Ideal Spanien zu verkörpern, näm⸗ lich eine wahre constitutionelle Monarchie auf der breitesten liberalen Grundlage, welche diese Re⸗ gicrungsform verträgt.“— Die„Patri“ theilt mit, daß in Barcelona und anderen großen Städten Cataloniens Adressen circuliren, welche auf Prim den Titel und die Gewalt eines Dictators über⸗ tragen wissen wollen.— Aus Barcelona wird der „Patrie“ vom 9. geschrieben:„Die Stadt ist ruhig. Um das Volk zu beschäftigen, hat man die Schleifung der Citadelle in Angriff nehmen lassen und verfügt, daß eine alte Corvette, welche unter der letzten Regierung zum Transport der Verbannten nach den canarischen Inseln und nach den Philippinen gedient hatte, den Flammen überliesert werde.

Dänemark. Kopenhagen. Die von den Reichstags ⸗Fractionen vorbereitete Adresse auf die Thronrede berührt die Eintracht zwischen König und Volk bezüglich der Unterhandlungen wegen Nordschleswig, die in der Verwaltung stattgefundenen Ersparungen, und betont die Be⸗ deutung, welche die Verlobung des Kronprinzen von Dänemark mit einer schwedischen Prinzessin für ganz Scandinavien habe.

Großbritannien. London. Louis Blaue ist von Prim, mit dem er in London jederzeil freundschaftlichen Verkehr gepflogen hatte, tele⸗ graphisch eingeladen worden, nach Madrid zu kommen. Die revolutionäre Regierung würde ihm ohne Zweifel einen hohen Posten anvertrauen, wenn er sich entschließen wolle, von England bleibend nach Spanien zu übersiedeln. Louis Blanc ist in Madrid geboren, woselbst sein Vater unter Joseph Buonoparte Finanzinspector war, und spricht das Spanische mit großer Geläufigkeit. Er hat jedoch vorläufig die ergangene Einladung dankend abgelehnt.

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