Ausgabe 
15.8.1868
 
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schaft mit demselben halten, wenn Oesterreichs Politik den aufgestellten GrundsätzenFriede und VBersöhnung treu bleibe. Der König wird Ende August nach Potsdam zurückkommen und im Laufe des Septembers mit der Königin die Elbberzogthümer besuchen.

Der vierte deutsche Handelstag wird vom 20. bis 23. October hier tagen. Der Land- tag wird, sicherem Vernehmen nach, schon im October zusammentreten.

Kassel. Die hier tagende Rabbinen⸗Ver⸗ sammlung(an 20 Mitglieder) ward am 11. d. von dem diesigen Landrabbinen Dr. Adler mit einer Ansprache eröffnet, in der er den Zweck derselben dahin erläuterte, daß die Versammlung nur deßhalb zusammengetreten sei, um das religiöse Leben, nicht aber hierarchische Bestre⸗ bungen zu fördern und den Gemeinden behülflich zu sein, ihre Autonomie wieder zu erlangen, welche ihnen der Büreaukratismus entzogen habe.

Schlüchtern, 11. Aug. DerFrankf. Ztg. wird berichtet:Heute Morgen wurde hier auf Anordnung der Hanauer Behörden ein höherer französischer Offizier(capitaine major) verhaftet. Derselbe trug Civilkleidung und führte verschiedene Zeichnungen der hiesigen Gegend, sowie viele Landkarten bei sich. Dem Landrathe erwiederte er bei seinem Verhöre, daß er zum Vergnügen reise und aus demselben Grunde sich auch dieser Beschäftigung unterziehe; hierauf wurde sofort nach Kassel und von da nach Berlin telegraphirt, von wo heute Nachmittag um 5 Uhr die Nachricht eintraf, den Verhafteten zu entlassen, was auch sofort geschah, jedoch nur, nachdem derselbe sein Ehrenwort gegeben hatte, sofort seine Rückreise anzutreten.

Wiesbaden. Wie wir erfahren, soll man übereingekommen sein, gegen jede Union der hiesigen Kirchengemeinden, sei es nach preußischem oder nassauischem Muster, Protest einzulegen. Man wird sich nich: allein auf die königl. Proclamation bei der Besitzergreifung Frankfurts, sondern auch auf die wohlerworbenen Rechte der hiesigen Kirchengemeinden berufen und jeden Eingriff in die inneren Angelegenheiten auf Grund der pro testantischen Gewissensfreibeit zurückweisen. Nament⸗ lich soll die französisch ⸗reformirte Gemeinde ent⸗ schlossen sein, den passiven Widerstand consequent bis zur Schließung ihrer Kirche durchzuführen; zu diesem Ende würde man den Gottes dienst dann in Offenbach halten, gerade so wie man früher nach Bockenheim ging, als der lutherische Senat dieser Stadt im vorigen Jahrhundert den Reformirten die Ausübung ihree Glaubens in einer Kirche nicht gestattete. Erst 1787 wurde diese Intoleranz beseitigt. Auf die Entwicklung dieser Angelegen⸗ heit darf nicht allein Frankfurt, sondern, wie uns dünkt, die ganze protestantische Kirche sehr ge⸗ spannt sein.

Die Frage der Rheincorrection ist in ein neues Stadium getreten. Herr Strombaudirector Nobiling in Koblenz hat den Auftrag erhalten, den Plan zu einer anderweitigen Regulirung der betreffenden Flußstrecke unter thunlichster Berück⸗ sichtigung der Beschwerden des Rbeingaues zu entwerfen.

Frankfurt. DieWeser⸗Zeitung ist jetzt in der Lage, den Inhalt des in der Sitzung des Bundesraths vom 31. v. M. über den Antrag des Bundeskanzlers betreffs der Deckung des Desicits gefaßten Beschlusses näher zu präcistren. Hiernach lautet derselbe wie folgt:1) daß vom 1. Juli d. J. an mit der Einzahlung der Matri⸗ kularbeiträge in monatlichen Raten an die Bundes⸗ kasse, so wie mit Einsendung der monatlichen Cassenübersichten der nach Art. 38 der Verfassung in die Bundescasse fließenden Zoll- und Steuer- einnahmen, so wie der für Rechnung des Bundes geleisteten Ausgaben sortzufahren sei; 2) daß die Bundesmilitär⸗Verwaltung in den letzten sechs Monaten des Jahres, auch im Laufe jedes einzelnen Quartals, auf die bei den Landescassen einge- gangenen Zölle und gemeinschaftlichen Verbrauchs⸗ steuern Anweisungen solle erlassen können, und diese Anweisungen auf die Cassen derjenigen

Staaten, welche verhältnißmäßig größere Ein⸗

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nahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern haben, in stärkerem Maße erfolgen dürfen; 3) daß in Betreff des weiteren Antrags die Beschlußfassung auszusetzen sei, da zur Zeit ein fester Anhalt für die Höhe des durch Beiträge der einzelnen Bun- desstaaten zu deckenden Ausfalls und für die Ver theilung desselben auf die Post- und Zoll- und Steuer⸗Einnahmen nicht vorhanden und eine Ver⸗ legenheit für die Bundescasse in den nächsten Monaten nicht zu erwarten sei.

12. Aug. Die heute dahier stattgehabte Conferenz des Regierungsraths v. Prittwitz mit dem lutb. Consistorium und Kirchenvorstand hat ein verhältnißmäßig befriedigendes Resultat ergeben. Regierungsrath v. Prittwitz machte nämlich Hoff⸗ nung auf Fortbestand des Consistoriums, falls man dem Cultusministerium die drei Punkte ein- räume: 1) Bestätigung der gewählten Geistlichen, 2) Prüfung und Ordination der Candidaten, 3) Einholung einer Zustimmung des Cultus- ministeriums bei beabsichtigten Aenderungen der Liturgie. Man hielt die Zugestehung dieser drei Punkte für unbedenklich, da sie theils schon zu den Rechten des Senats gehört hatten, theils dem bisherigen confessionellen und presbpterialen Charakter der Kirche nichts vergeben. Auch die lutherischen Landgemeinden würden im alten Complex verbleiben. Ablehnender dagegen soll die Haltung der Presbyterien der französisch⸗ und deutsch reformirten Gemeinden den Erörterungen des preußischen Bevollmächtigten gegenüber ge wesen sein.

Bremen. Die neueste Ueberlandpost bringt die Nachricht, daß die bremische Schunerbark Lesmona südlich von Hainan von chinesischen Seeräubern überfallen und angebohrt wurde. Nachdem die Räuber die Mannschaft gezwungen, alles Wünschenswerthe auszuliefern, haben die Hallunken für gut befunden, die Besatzung und Passagiere wie Häringe in den kleinen Raum für die Ankerkette im Vorschiffe einzupferchen, die Luken mit allerlei schweren Gegenständen zu ver- barrikadiren und mit Eintritt der Nacht das Schiff anzubohren. Nach fast übermenschlichen Anstrengungen gelingt es den einem furchtbaren Tode Geweihten auszubrechen. Die Löcher des am wenigsten zerstörten Bootes werden mit Bett- zeug dicht gestopft, Decken drum genagelt und Todesangst erhält es flott. Die Hälfte der Mannschaft rudert, die andere Hälfte darf nicht aufhören, mit Eimern das Wasser fortwährend auszuösen, so, während 2 Tagen unter glühen der Tropensonne, 2 Nächten voller Regenböen schlagen sie sich nach Hainan durch, wo sie sofort von den Strandläufern wie von hungrigen Wölfen angefallen und ihres Zeuges vom Leibe beraubt werden. Von Brandblasen und eiternden Wunden bedeckt, werden sie endlich am fünften Tage im Hafen von Kiuchifu von cinem chinesischen Kano; nenboot aufgenommen, dessen Commandant, Fran- zose(Marcy heißt der Ehrenmann) von Geburt Gentleman every inch Alles Mögliche zur Erleichterung der Armen gethan und dieselben nach Hongkong gebracht hat.

Sachsen. Hirschberg. Zur Geschichte der Paßfreiheit innerhalb des norddeutschen Bun⸗ deslandes wird derBerliner Montags⸗Zeitung aus unserem Städtchen nachstehender Beitrag ge- liefert:Ein Staatsbürger und Mitglied des norddeutschen Bundes ist ohne Paß nach Berlin gereist, weil man ihm auf dem Landrathsamte bedeutet habe, daß der Paßzwang aufgehoben sei und er daher solchen nicht mehr brauche. Das vertrauensvolle Mitglied des norddeutschen Bundes aus unseremStadtdorfe Grunau wurde in Berlin, weil ohne Legitimation, aber eingesperrt. Das königl. Polizeipräsidium daselbst soll ihn zwar bald wieder entlassen, dabei aber ausgesprochen haben, daßauf Erfordern stets ein Paß vor⸗ gezeigt werden müsse.

Bayern. München. Fürst Hohenlohe ist am 13. August nach Kissingen abgereist. Das Bezirksgericht zu Traunstein hat den Beneficiaten Forstmayer wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Wehrverfassung zu zweimonatlicher

Festungsstrafe verurtheilt.

Baden. Karlsruhe. In diesen Tagen findet auch die Prüfung der kleinen Schule statt, welche von dem Großherzog für den jungen, jetzt 11jährigen Erbgroßherzog gegründet wurde, und in welcher derselbe mit noch elf Altersgenossen aus verschiedenen Ständen von Lehrern hiestger Anstalten Unterricht erhält. Die erwartete Rütk⸗ kehr des Großherzogs aus St. Moritz hängt jeden⸗ falls auch mit dieser Prüfung zusammen.

Oesterreich. Wien. Der PesterLloyd drückt nicht nur seine vollständige Zustimmung zu dem Artikel desNaplo aus, sondern er nimmt auch keinen Anstand, unverhohlen zu erklären, daß die Spitze dieser Angriffe auf dasgros deutsche kraftlose Wollen sich gegen den Reichskanzler selber richte. Ihn intriguirt besonders das Wort von derFühlung Oesterreiche mit Deutschland. Dabei könne sich Jeder denken, was er wolle, aber einedeutsche Politik Oesterreichs bedeute jetzt entweder den unvermeidlichen rieg mit Preußen oder ein von Preußen ins Schlepptau genommenes Oesterreich. Ungarn nun werde mit allen Kräften gegen die Tendenz ankämpfen, Oesterreich die Oberherrschaft in Deutschland zurückerobern zu helfen; noch viel weniger aber trachte es nach jener Pariarolle, die seiner im Verbande mit einem von Preußen ins Schlepptau genommenen Oesterreich harren würde.

DieN. fr. Pr. läßt sich über ein Moment bei Gelegenheit des Bonner Jubiläums aus, das nicht sympathisch berührt hat: die Pro⸗ motionen. Sie schreibt:Die Universität am Rhein feierte dieser Tage das Jubiläum ihres fünfzigjährigen Bestandes. Herr Curator Beseler und der derzeitige Rector v. Sybel ermangelten natürlich nicht, den Bruderkrieg von 1866 zu verherrlichen. Wen überrascht dies! Aber daß man die Animosität gegen Oesterreich so weit trieb, bei den Ehren Promotionen nicht einen einzigen Oesterreicher zu berücksichtigen, ist wohl ein starkes Stück. Die Auszeichnungen wurden an Engländer, Franzosen, Russen verliehen, an Deutsch⸗Oester⸗ reicher keine. Auch nicht ein Mitglied einer einzigen Fakultät irgend einer österreichischen Hoch⸗ schule wurde für würdig befunden. Die Rokitauskpy, Hyrtl, Skoda, Hebra und andere Autoritäten existirten für die Bonner Magister nicht. Wie dann nur die auf preußischen Universitäten gra⸗ duirten Doctoren auf den Einfall kommen können, die Collegien dieser nichts bedeutenden Männer zu frequentiren und die weite Reise hierher zu machen, um sich die Zeugnisse ihrer Frequenz in Wien zu holen? Wir erinnern uns eines im Jahre 1865 begangenen 500jährigen Jubiläums der Wiener Universität und der dabei ängstlich beobachteten Rücksicht auf deutsche Gelehrte, unter denen die preußischen die meisten Auszeichnungen erhielten.

Der Vorschlag des Schützenfest⸗Comites, die Gemeinde Wien möge das Desicit übernehmen, ist bis jetzt von den Vertretern der letzteren be⸗ harrlich zurückgewiesen worden. Das Ausgabe Budget Wiens ist freilich ohnehin beträchtlich genug. Im Jahre 1867 belief es sich auf fast Millionen Gulden. Davon kam auf die städtischen Beamten über eine halbe Million; die Straßensäuberung u. Bespritzung kostete 427,000 fl., die Beleuchtung 368,000 fl., die sehr mangelhafte Localpolizei 288,563 fl., die Armenpflege 570,000 fl. Für Gymnasien und Realschulen gab die Stadt Wien im vorigen Jahre 146,611 fl. aus, für die Volksschulen 433,119 fl., für die Tur nschule 23,900 fl.

Frankreich. Paris, 10. Aug. Bei der heutigen Preisvertheilung weigerte sich der junge Cavaignac, Sohn des verstorbenen Präsidenten der Republik, den großen Preis, welcher ihm für griechische Uebersetzung zugesprochen wurde, aus den Händen des Prinzen entgegen zu nehmen und sich von demselben umarmen zu lassen. Darob großer Beifall unter den Studenten, später Händel mit der Polizei, Verhaftungen und große Auf- regung. Ferner haben Unruhen stattgefunden, die sich auf die Angelegenheit Rocheforts, des Redakteurs derLanterne, bezogen. Mehrere

Verhaftungen sollen vorgenommen worden sein.

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