Ausgabe 
15.8.1868
 
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1868.

Samstag den 15. August.

N 96.

nzeiger für Oberhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Jutelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Betreffend Neues Controlebuch für die Gemeinde Pohl-⸗Göns.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Unterm 11. Juli d. J. wurde ein Controlebuch für die Gemeinde Pohl-Göns von uns abgesendet, was daselbst nicht eingelangt sein

soll. hierher berichtlich anzeigen wollen.

Betreffend: Den Audienztag bei Großherzoglichem Kreisamt.

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Friedberg am 12. August 1868.

Sehen Sie nach ob dasselbe irrthümlich an eine von Ihnen gelangt ist, in welchem Falle Sie es nach Pohl-Göns absenden und dies

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Friedberg den 13. August 1868. 2 n.

f Obgleich wir Ihnen schon me hrfach haben aufgetragen, in Ihrer Bürgermeisterei öffentlich bekannt machen zu lassen, daß nur der Dienstag in jeder Woche, sehr eilende und dringende Fälle ausgenommen, für diejenigen Angelegenheiten, in Ansehung welcher eine persönliche Verhandlung und Besprechung von den Kreisangehörigen für nöthig erachtet wird, als Audienztag bestimmt ist, und sie nur an diesem Tage darauf rechnen können, daß sie sich nicht vergeblich an den Sitz der Kreisverwaltung begeben, so werden wir doch täglich mit persönlichen, durchaus nicht eilenden Anfragen, Gesuchen und dergleichen belästigt und in der übrigen Arbeit gestört, daß dies in der seitherigen Weise nicht mehr zugelassen werden kann. Veröffentlichen Sie daher wiederholt das Vorstehende mit dem Anfügen, daß an andern Tagen als dem Dienstag, nur von 11 bis 12 Uhr Vormittags in dringenden Fällen persönliche Anfragen zugelassen werden.

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Hessen. Darmstadt. Das Großherzog liche Regierungsblatt Nr. 44 enthält:

I. Bekanntmachung der Großherzoglichen Ministerien des Innern und des Kriegs, die Einführung Preußischer Militär⸗Gesetze und Verordnungen(über Vorspannleistung, Unterstützung der bedürftigen Familien zum Dienste ein⸗ berufener Reserve⸗ und Landwehrmannschaften, Kriegs⸗ leistungen und deren Entschädigung) im Großherzogthum detreffend.

II. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Verkehr mit Spielkarten im Zollverein de treffend.

III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Erhebung der Uebergangssteuer von Branntwein, Bier und Malz im Königreich Würtiemberg betreffend. Im Königreich Württemberg ist angeordnet worden, daß vom 1. Juli d. J. an den Uebergangssteuern von Bier, Malz und Branntwein ¼80ů ihres bisherigen Betrags bei der Erhebung zuzulegen und daß ebenso bei dem Nachlaß oder der Rückvergütung dieser Steuern zu verfahren ist.

IV. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriumse der Finanzen, die Aufhebung der Großherzoglichen Direction der Main⸗Weserbahn zu Gießen betreffend. Nach Art. 2 des zwischen der Großherzoglichen Regierung und der Königlich Preußischen Regierung abgeschlossenen Staato⸗ vertrags vom 30. Mai l. J. über die Abtretung der Verwaltung und des Betriebes der im Großherzoglichen Gebiete belegenen Strecke der Main-Weserbahn an die Königlich Preußische Regierung hat die Großherzogliche Direction der Main⸗Weserbahn zu Gießen am 31. v. M. ihre Functionen eingestellt und sind am 1. l. M. die Functionen dieser Behörde an die Könichlich Preußische Direckion der Main⸗Weserbahn zu Kassel übergegangen.

V. Abwesenheitserklärung. In dem auf Abwesenheits⸗ erklärung des Wilhelm Haas aus Mainz eingeleiteten Versabren ist durch Urtheil Großherzoglichen Bezirksge⸗ richts Mainz vom 8. Mai 1868 Beweisverfahren ange⸗ ordnet worden.

VI. Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu verleihen geruht: am 2. Juli dem Fabrikanten Cornelius Wilhelm Heyl in Worms das Ritterkreuz 1. Kl. des Philipps⸗Ordens; am 3. Juli dem Bauaufseher bei dem Kreisbauamt Worms Adam Köhler, in Rücksicht auf seine geleisteten 50jährigen neuen Dieuste, das allgemeine Ehrenzeichen mit der In⸗ schrift:Für 50jährige treue Diensse?; am 4. Juli dem Landgerichtsdiener bei dem Landgericht Zwingenberg Friebrich Heilmann, in Rücksicht auf seine geleisteten 50jährigen treuen Dienste, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrist:Für 50jährige treue Dienste!; am 31. Juli dem Distrietseinnehmer ber Districtseinnehmerei Butzbach II. Caspar Schaarmann, mit Rüchsicht auf seine 50jährigen treuen Dienste, das Ritterkreuz zweiter Klasse des Philipps⸗Ordens.

VII. Ermächtigung zur Annahme eines fremden Orbens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnätigst geruht: am 22. Juli dem Commerzienrath Dranz Anton Pro bst zu Mainz die Erlaubniß zur An nabme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät bem Könige von Preußen verliehenen rothen Adlerordens vierter Klasse zu ertheilen.

VIII. Versetzungen in den Ruhestand. Seine König⸗ liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

am 25. Juli den Kassier bei der Verwaltung Heidelberg der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn Heinrich Schleuning in den Ruhestand zu versetzen.

IX. Concuitenz für: die evangelische Pfarrstelle zu Wendelsheim mit einem Gehalte von 1505 fl. 50 kr.

Friedberg.Preußen ist zu klein für die Uebungen seiner Artillerie, hat unlängst ein Blatt gesagt. Die Sache verhält sich richtig, denn es wird schwer sein, eine so menschenleert Gegend aufzufinden, daß nicht die dringende Ge fahr vorhanden ist, die weit treibenden Geschosse schlagen unvermuthet in sehr entfernten Orten ein und richten Verheerungen an. Aus allen Landes- theilen, wo in der letzten Zeit Schießübungen statt⸗ gefunden haben, laufen Nachrichten ein von dem Schrecken, den weit über die angenommene Tragweite hinaus vagabondirende Kugeln verursacht haben. Nur wie ein Wunder muß es erscheinen, daß bis jetzt kein Menschenleben auf diese Weise verloren gegangen ist, und ob zuverlässige Vorsichtsmaß⸗ regeln getroffen werden können, erscheint bei der weiten Flugbahn und der Gewalt der Kugeln Manchem zweifelhaft. So wäre durch einen vorher unbeachtet gebliebenen Umstand auch hier dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Friedberg. Interessant ist eine Vergleichung der Urtheile der französischen und englischen Presse über den Verlauf des Wiener Schützenfestes.

Die französischen Blätter, so verschieden sonst ihre Stellung ist, sind ziemlich einig in der Freude über die dort manifestirten großdeutschen und anti⸗ preugischen Gesinnungen und gaudiren sich über den Aerger einiger norddeutschen Blätter darüber. Die Bewegung, sagt derSidele, die sich jenseits des Rheins kundgibt, beweist, daß wir weise handelten, wenn wir nun schon seit zwei Jahren der französischen Regierung anriethen, durch etwaige Versuche, sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands zu mischen, Herrn v. Bismarck nicht die Unterstügung des germanischen National- gefühls zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen Pläne zu verschaffen.

Die englischen Zeitungen drücken vorzugsweise ihre Befriedigung aus über die Rede des Herrn v. Beust, die den Frieden, die Versöhnung und Nichteinmischung in deutsche Angelegenheiten ver kündete. Selbst die eigentliche Kriegspartei müßte sich dem gegenüber für geschlagen bekennen. Herr v. Beust, sagt dieTimes, verdient Anerkennung für seine Beständigkeit, womit er an dem Programm gut österreichisch zu sein, ohne aufzuhören gut

deutsch zu bleiben festhält. Sein alter Plan, aus Preußen und Oesterreich und den übrigen deutschen Staaten ein gemeinsames Vaterland zu machen, scheint ihm heute noch ausführbar.

Das englische Blatt hatte freilich, als es diese Worte schrieb, noch keine Kenntniß von den grollenden Kundgebungen der Ungarn und anderer österreichischen Nationalitäten; gleichwohl aber hat Deutschland Ursache, dem österreichischen Reichs⸗ kanzler dankbar zu sein für seine Gesinnung. Die Rache ist süß, ihr zu entsagen ist edel, und die Geschichte wird es dem österreichischen Minister hoch anrechnen, wenn er auf seiner Zurückweisung des französischen Bündnisses beharrt. Wir hegen alle Freundschaft für die Franzosen, ein Angriff Deutschlands auf Frankreich ist gegenstandlos, da wir keineRheinlinie zu erobern haben; dagegen mögen sie aufhören, die Schutzwächter deutscher Wohlfahrt sein zu wollen. Die Deutschösterreicher fühlen sich als Deutsche, das nationale Band zwischen ihnen und dem Mutterland ist neu gekräftigt, die österreichische Regierung entsagt feierlich jeder feindseligen Tendenz gegen Preußen und Deutschland, selbst Preußen hat alle Ursache, damit zufrieden zu sein.

Preußen. Am 11. August ist endlich die Zollgränze zwischen dem Zollverein und Mecklen⸗ burg gefallen. Abgeseben von den wirthschaft⸗ lichen Vortheilen, die davon zu erhoffen sind, glauben wir auch, daß, im Verein mit der Ge⸗ werbefreiheit und der Freizügigkeit, mag man letztere in Mecklenburg auch noch so beschränkt zur Geltung kommen lassen, das wirthschaftliche Leben in Mecklenburg einen Aufschwung nehmen wird, welcher bald ein ferneres Festhalten an der alten Feudal⸗Verfassung zur Unmöglichkeit machen muß. Es wird sich hier zeigen, wie ein gesundes wirthschaftliches Leben mit Nothwendigkeit auch zu einer freien Staatsverfassung führt, denn man kann nicht mit dem einen Fuß in dem Mittelalter und mit dem andern in der Neuzeit stehen.

DieProvinzial-Correspondenz spricht sich sehr anerkennend über die Rede Beust's beim Schützenfeste aus, besonders wegen der darin ausgesprochenen Erkenntniß, daß innerhalb des Kaiserstaates das deutsche Element keine maß- gebende Stelle einnehme und daß Oesterreich weder als deutscher Staat noch als berufen gelten könne, auf Deutschlands Geschicke einen leitenden Einfluß auszuüben. Preußen werde die innere Entwicke⸗ lung Oesterreichs nicht stören und gern Freund-

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