gehen der Summen nicht spricht, so ist im nächsten Etat der Ausfall abermals da. Und was dann thun zu Abwehr eines neuen, ja möglicherweise dauernden Desicits? Das Hauptverdienst der Kammer wird darin zu bestehen haben, daß sie den Etat nach jeder Richtung hin klar legt. Einen entscheidenden Einfluß hat sie nicht mehr, seitdem die Beschlüsse über den Militäretat, bei welchem allein Ersparnisse möglich wären, vor das Forum des Reichstags gehören.
Aachen. Herr Henri Rochefort, der Autor der„Lanterne“, hat seit Kurzem hierselbst eine Wohnung gemiethet.
Kassel. Die Eröffnung der letzten Strecke der Bebra⸗Fulda⸗Hanauer Eisenbahn, der Strecke Neuhof⸗Steinau, wird wahrscheinlich am 1. Dec. stattfinden, so daß also mit Beginn des Jahres 1869 jedenfalls die Bahn in ihrer ganzen Länge dem Verkehr übergeben sein wird.
— Wie man der„Hess. V.⸗Z.“ schreibt, geht man damit um, die Denkschrift des Kurfürsten von Hessen auch noch in anderer Weise, als durch Confiscation seines Vermögens, zu beantworten. Es soll nämlich eine Entgegnung folgen, doch soll man bis jetzt vergeblich nach gewissen Documenten suchen, die hierbei nothwendig wären und die sich bei dem Archiv des kurfürstlichen Ministeriums des Aeußern in Kassel befunden haben müssen. Als designirter Autor der Gegenschrift wird Herr Braun genannt.
Hanau. Die„Hanauer Zeitung“ berichtet: „Wie wir hören, ist bereits mit Bezug auf den Gesetzentwurf wegen Beschlagnahme des Ver⸗ mögens des Kurfürsten die Weisung eingetroffen, zu verhindern, daß Werihgegenstände aus den im Hanauer Kreise belegenen Schlössern entfernt werden. Vor das hiesige Schloß ist zu dem Behufe ein zweiter Wachtposten gestellt und die
verschiedenen Castellane sind mit Instruction versehen.“ Bayern. München. Die englische
Regierung soll es nicht mehr für nöthig finden, an den verschiedenen deutschen Höfen einen Ge⸗ sandten zu halten und deßhalb mit dem Gedanken umgehen, dieselben zum größten Theil zurückzu- ziehen. Auf diese Weise würden z. B. aus Karlsruhe, Stuttgart u. a. O. die englischen Gesandten abberufen und die Vertretung der englischen Interessen in Baden und Württemberg dem englischen Gesandten in München übertragen. In Norddeutschland würde die Sache in ähn⸗ licher Weise arrangirt werden.
Oesterreich. 1 Wien. Während die Majotität des Wehrausschusses die Annahme der Regierungsvorlage mit wenigen Abänderungen beantragt, kündigt Rechbauer Namens der Aus- schußminorität für die Specialdebatte verschiedene Anträge an, die eine Herabsetzung der Dauer der Dienstpflicht und eine Feststellung der Heeres ⸗ stärke auf 600,000 Mann bezwecken. Alle Welt würde es freudig begrüßen, wenn diese Anträge angenommen würden. Zwar die Sorge, wohin es mit der österreichischen Finanzverwaltung in aller Welt kommen soll, wenn sich dieselbe auf 10 Jahre hinaus die Unterhaltung eines Heer⸗ körpers von weit über eine Million auflädt, ist nicht unsere Sache, obwohl diese Frage Angesichts des schlimmen Standes der österreichischen Finanzen sich Jedem aufdrängen muß; nichis destoweniger finden wir das Vorgehen der österreichischen Re⸗ gierung beklagenswerth. Vor allen Dingen um der österreichischen Völker selbst willen, denen da⸗ mit unerschwingliche Lasten aufgebürdet werden. Außerdem aber muß es als ein europäisches Un⸗ glück detralfset werden, daß Beschlüsse, wie sie von der Majorität des Wehrvereins beabsichtigt worden, Veranlassung und Vorwand geben werden zu weiterer Steigerung der enormen Militärlasten, unter denen Europa seufzt, Lasten, die unaufhalt⸗ sam die Staaten dem Abgrunde entgegenführen. Daß diese Richtung gerade von Oesterreich, das bei jeder Gelegenheit seine Friedensliebe betheuert und eben erst einen Anlauf zu gesunderer Ent⸗ wickelung genommen hat, eingeschlagen wird und
einer baldigen, wenigstens theilweisen Abrüstung glauben zu dürfen meint, ist auffallend genug. Doch nein, Oesterreich hat nicht blos eine Scharte auszuwetzen, es ist, sagt sein Kanzler, sogar in seiner Existenz bedroht. Es muß 1 Million auf die Beine stellen, um vor Preußen und Rußland sich zu wahren, der Norddeutsche Bund hält 1 Million unter den Waffen, um vor Oesterreich und Frankreich sicher zu sein, Frankreich braucht mindestens noch etwas mebr, um, wenn nicht die Rheingränze, doch das militärische Uebergewicht, das es einmal besessen, zurückzuerobern. Europa starrt von Waffen— und der Friede ist gesichert. Nur schade, daß die Millionen, die Nichts pro- duciren, gewaltig verzehren, per Mann 225 Thlr., und daß die Steuerkräfte der Völker auf's höchste angespannt und die Staatsschulden allenthalben ungeheuerlich sind.
— Die„N. fr. Pr.“ erfährt als festseehend, daß gegenwärtig zwischen den Mächten Verhand⸗ lungen über eine diplomatische Intervention in Rumänien stattfinden. Die Pforte hält, in An⸗ betracht der Schwierigkeit einer im Pariser Ver- trage vorgesehenen gemeinsamen Intervention, eine Revision dieses Vertrages für nothwendig und zwar soll dieselbe dahingehen, daß sowohl den Nachbarstaaten der Donaufürstenthümer wie auch der Pforte die volle Freiheit völkerrechtlicher Action zurückgegeben werde.
Prag. Am verflossenen Samstag haben im Karthauser Strafhause 2 Sträflinge den Kerker⸗ meister, während er die Zellen visitirte, erdrosselt und dem Ermordeten mit dem Taschenmesser den Kopf abgeschnitten.
— Der Erzbischof von Olmütz hat infolge der neuerdings angedrohten Geldstrafe von 20,000 fl. endlich die Ehegerichtsacten ausgeliefert. Zu 17,000 fl. ist er bereits in zweiter Instanz verurtheilt.
Frankreich. Paris. Ueber die Baudin⸗ Angelegenheit schreibt der„Sidcle“: Der Zweifel ist nicht mehr gestattet. Gerichtliche Verfolgung ist gegen die Journale eingeleitet, welche ihre Spalten der Subscription für das Grabdenkmal Baudin's geöffnet haben. Was wir zu glauben uns gesträubt haben, verwirklicht sich. Schon der Schatten des in der Vertheidigung der Gesetze getödteten Volksrepräsentanten erschreckt die Re- gierung.
— Die„Patrie“ widerspricht der von ver⸗ schiedenen Blättern gebrachten Nachricht, daß die Actionspartei einen Einfluß auf die italienische Armee ausübe und die italienische Regierung die Zurückberufung der französischen Truppen verlange. Das genannte Blatt sagt ferner: Die italienische Politik sei immer zur Versöhnlichkeit und zu ver⸗ nünftiger Anschauung geneigt.
— Wie die„Patrie“ meldet, haben im öst⸗ lichen Frankreich die Telegraphenlinien durch den starken Schneefall viel gelitten, so daß die Ver⸗ bindung mit Italien, der Schweiz und Oester⸗ reich sehr erschwert worden ist. Zwischen Besangon und Döle ist der Schnee in solcher Menge ge⸗ fallen, daß die Drähte an mehr als 100 Puncten zerrissen worden sind.
— Von der oft und immer wieder genannten „Lanterne“ war in den letzten Tagen wieder häufiger die Rede. Von Belgien aus wurde be⸗ kanntlich eine große Anzahl von Exemplaren in Gypsbüsten des Kaisers eingeschmuggelt.
— Mit nicht geringer Verwunderung hat man Hrn. Marfori nur zwei Schritte weit von seiner früheren Herrin sein Absteigequartier nehmen sehen. Er wohnt„Hotel du Louvre“, sie im „Pavillon de Rohan“, nicht, wie irrthümlich ge⸗ meldet, im„Hotel du Palais Ropal“. Bis jetzt verhalten sich die spanischen Herrschaften ziemlich still.
Großbritannien. London. Der Ma⸗ drider Correspondent eines hiesigen Blattes hebt ebenfalls den steigenden Einfluß der Republikaner hervor, der sich trotz aller Intriguen zur Zer⸗ splitterung verselben in einem entschiedenen Drucke auf das Ministerium äußere. Letzteres finde sich durch seine Erklärung zu Gunsten der Monarchie
zwar zu einer Zeit, wo man wieder an die Er⸗ haltung des Friedens und an die Möglichkeit
nunmehr in einer falschen Position und Serrano wie Prim seien überzeugt, daß die Revolution
einer Vollendung in der Republik zutreibe. Man gehe deßhalb mit, dem Plane um, im Falle die Freunde der Republik in den Cortes die Ober⸗ hand gewinnen würden, vorderhand einen Com- promiß in Gestalt eines fünfjährigen Triumvirats vorzuschlagen, damit in der Zwischenzeit das Volk zu einer wirklichen und reinen Republik heran- gebildet werden könne.
— Der Vertrag zwischen Großbritannien und Nordamerika in Bezug auf die Regulirung uner- ledigter Ansprüche ist unterzeichnet. Der Art. 4 stipulirt, die Commissarien sollen den Herrscher eines befreundeten Staates zum Schiedsrichter über die streitigen Ansprüche ernennen.
— In Cork hat wieder einmal eine fenische Demonstration stattgefunden. Gelegenheit hierzu bot das Leichenbegängniß eines gewissen James Mountain, welcher im Jahre 1848 eines polttischen Vergehens angeklagt war, vor fünf Jahren wegen Theilnahme an ernsten Raufereien bei Gelegenheit der Vermählung des Prinzen von Wales bestraft wurde, und zum dritten Male im Jahre 1865, des Fenierthums angeschuldigt, vor Gericht stand. Eine Prozession von etwa 4000 Personen, sämmt⸗ lich mit grünen Bändern geschmückt, begleitete den Leichenzug nach dem Kirchhofe. Die Ruhe blieb indeß ungestört.
1 Spanien. Die Aussichten für Besetzung des spanischen Thrones durch irgend einen Fürsten mindern sich nach den Auslassungen der„Times“ sichtlich. Dagegen gewinne der Republikanismus immer mehr Boden. Derselbe würde gleichwohl sich willig finden lassen, seine Stimme einem Thronkandidaten zu geben, wenn derselbe— Espartero wäre. Als Spanier, als ehrenhafter Soldat und Staatsmann, der vor vielen Jahren bereits factisch Herrscher des Landes war, würde er um so mehr geeignet sein, eine Einigung zwischen den Anhängern der Monarchie und den Republikanern herbeizuführen, als eintretenden Falls bei seinem Tode ein Uebergang zur Re— publik leicht zu bewerkstelligen wäre, da er alt und kinderlos ist.
— An allen Straßenecken von Madrid sind Anschläge angebracht, welche die Aufmerksamkeit der Neugierigen auf sich ziehen, da sie in großen Buchstaben die Inschrift tragen: Candidatur von Don Baldomero Espartero zum spanischen Thron.
— Zwei Dekrete publicirt die„Madrider Zeitung“. Durch das eine wird Prim in seiner Eigenschaft als Generaltapitän der Armee bestätigt; das andere ordnet an, daß die Domaine von Buen Retiro als Park für die Stadt Madrid verwandt werden soll. 5
— Ein interessantes Document veröffentlicht der„Diario de Barcelona“, das, wenn es historisch ist, geeignet sein dürfte, dem Gottes⸗ gnadenthum der spanischen Königsfamilie einen bedenklichen Stoß zu versetzen. Das fragliche Aktenstück ist eine„Beichte, welche Don Tomas Enriquez Cabrera, Graf von Melgua und Groß⸗ Admiral von Castilien, dem Papste Clemens dem XI. machte“.(So lautet nämlich der vollständige Titel.) In dieser Confession bekennt sich der Graf von Melgua schuldig, nach dem Tode Karls III. in Verbindung mit einigen Mitgliedern des königlichen Hauses das Testament des Ver⸗ storbenen in wesentlichen, auf die Nachfolge be⸗ züglichen Punkten gefälscht zu haben, und bittet Gott und die Manen Karls um Vergebung für dieses„aus Verblendung begangene, wahnsinnige Verbrechen“.
— Die„Gaceta“ publicirt das neue Wahl⸗ gesetz. Das allgemeine Wahlrecht wird ausgeübt durch alle Bürger im Alter von mehr als 25 Jahren, für die Wahlen der Munieipalröthe, der Provinzdeputirten und der Deputirten für die Cortes. Die allgemeinen Wahlen geschehen nach Provinzen, wenn dieselben bis 6 Deputirte zu ernennen haben, nach Wahlkreisen, wenn die Pro⸗ vinzen 6—10 Deputirte zu ernennen haben. Auf 45,000 Wähler kommt ein Deputirter.
Madrid. Der Gouverneur von Madrid, Herr Juan Moreno Benitez, kündigt durch ein bando vom 7. November 1868 an, daß das neue
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