Ausgabe 
10.10.1868
 
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Truppenübungen stattgefundenen Reductionen in dem Friedensstande und sagt u. A.: Wir können dazu noch bemerken, daß dieselben ganz bedeutend sind, indem durch diese militärischen Maßnahmen der gegenwärtige Dienststand ungefähr 4700 Mann geringer als der normale ist. Die dadurch an dem Budget des Kriegsministeriums erzielten Er⸗ sparnisse werden immerhin einige hunderttausend Gulden betragen.

Baden-Baden. Am 6. d. wurde dahier die Conferenz der Bevollmächtigten des deutsch⸗ österreichischen Telegraphenvereins zum endgültigen Abschlusse eines neuen Vertrages zwischen den be theiligten Regierungen durch den Vorstand des badischen Handelsministeriums, Hrn. v. Dusch, eröffnet.

Oesterreich. Wien. DerBohemia wird von bier telegraphirt: Eine kaiserliche Er- klärung, daß das parlamentarische Ministerium das volle Vertrauen des Monarchen genieße, sowie die Ernennung des Ministerpräsidenten aus einer der ersten Familien des Reiches steht nahe bevor.

Prag. Beim Meeting in Pankratz waren 5000 Personen anwesend. Eine Escadron Husaren und drei Bataillone Infanterie hatten mit der Zerstreuung der Massen vollauf zu thun. Das Militär wurde mit Steinwürfen empfangen. Die Menge verhöhnte die Behörden und pfiff fortwährend denHerbst- undBeust⸗Marsch.

Das dem niederösterreichischen Landtag vorgelegte Schulrathsgesetz erkannte der Geistlich⸗ keit das Recht zu, in den Schulraths⸗Collegien Sitz und Stimme zu haben, ohne daß eine Wahl von Seiten der Schulgemeinden dazu erforderlich wärt. Der Landtag aber strich jene Paragraphen und setzte dafür die Bestimmung, daß Geistliche nur dann in die Ortsschulräthe eintreten dürfen, wenn ihnen die gesttzlichen Vertreter der Gemeinde durch freie Wahl ihr Vertrauen bezeugt haben. Es fragt sich nun, ob das Ministerium die Drohung nicht verwirklicht, das so amendirte Gesetz dem Kalser nicht zur Genehmigung vorlegen zu wollen.

Die Nationalen suchen seit dem Schlusse der Landtagssession ihre Zeit wieder mit den bereits bekannten Demonstrationen auszufüllen. Das Programm bleibt stereotyp und umfaßt drei Punkte: 1) Ein großer Pöbelhaufen rottet sich mit oder ohne polizeiliche Bewilligung auf einem freien Platz zusammen; 2) der Regierungscommissär erhält den Hut angetrieben und eint Tracht Prügel; 3) deim Erscheinen der Militärmacht zerstreut sich der Haufe unter Absingen patriotischer Lieder.

Teletzraphischen Nachrichten derN. fr. Pr. zufolge wird hier eine Fortsetzung der iumultuarischen Austritte befürchtet. Die Truppen sind confignirt. Angeblich soll dießmal die Juden stadt der Zielpunkt der Excesse sein. Der Stadt rath beräth eine Proklawation, in welcher die Bevölkerunz zur Ruhe ermahnt und die am 7. d. veröffentlicht werden sollte. Statthalter ⸗Stellver⸗ treter Henniger wies die Schuldirekteren an, ihren Schülern die Theilnahmne an Meetings strengstens zu untersagen, widrigenfalls energische Regierungs- maßregeln ergriffen werden sollen. Wenn das nächste Sonntags⸗Meeting ähnlich dem am 4. d. stürmisch verläuft, soll der Belagerungszuftand proklamirt werden.

Der niederösterreichische Landtag dankte Hrn. Friedrich v. Perko, dem Stifter eines Landes · schulfonds von 100,000 Gulden, durch Erhebung von den Sitzen. Je selterer solche Handlungen des Gemeinsinne in Oesterreich sind, desto mehr Anerkennung verdienen sie.

Innsbruck. In Folge sechsunddreißig⸗ stündigen Regengusses ist das ganze Etschthal überschwemmt. Die Vorstädte und der Bahn9vof in Trient stehen unter Wasser. Die Etsch stett 17 Schuh über Rull. Viele Straßenstrecken, Dämme und Brücken im Hauptthale und in den Nebenthälern, besonders im Nonsberge gegen Riva und Tione zu, sind zerstört. Das Wetter scheint sich zu basern.

Die Kellersperg⸗Herbst'schen Differenzen sollen geschlichtet sein. Man sagt, der Statthalter von Böhmen habe dem Justizminister eineEhren-

erklärung gegeben. Bekanntlich hatte der erstere öffentlich geäußert:In ein Ministerium, in welchem ein Herbst sitzt, tritt ein Kellersperg nicht.

Schweiz. Bern. Die Kantone werden am 12. Oktober dahier eine Conferenz abhalten, um zur Linderung der durch die Flußüberschwem⸗ mungen in Graubünden, St. Gallen, Wallis und Tessin entstandenen Noth geeignete Maßregeln zu treffen.

Frankreich. Paris. Wie man ver⸗ nimmt, kam es dem Hofe zu Biarritz nicht ganz gelegen, in der Prolestation der Königin Isabella alserhabener Alliirter zu figuriren. Es will diese Bezeichnung nicht ganz passen zu der neutralen Stellung, die Frankreich den spanischen Ereignissen gegenüber einzunehmen für gut findet, und soll es der vertriebenen Bourbonin bereits auf vertrauliche Weise nahe gelegt worden sein, das den spanischen Gränzen so nahe liegende Pau sei nicht der geeig- netste Aufenthalt für sie; Rom möchte sich viel besser dazu schicken.

DerGaulois rechnet es Bismarck als ein Verdienst an, das er sich um Frankreich er⸗ worben, wenn er wirklich bei der spanischen Er- hebung die Hand im Spiele gehabt. Frankreich hätte durch die spanische Allianz sich verleiten lessen können, Rom gegen die Italiener zu halten und ein zweites Montana zu verbrechen. Eine solche Thorheit sei durch die spanische Revolution unmöglich gemacht; ehe man einen Kanonenschuß am Rhein werde abfeuern können, werde man Rom und Italien sich selbst überlassen müssen. Aber das Besmarck'sche Verdienst(wenn er durch⸗ aus dabei betheiligt sein solle) ginge noch weiter. Wenn des Nachbars Haus brenne, so lasse man aus Vorsicht seinen eigenen Kamin fegen. Es wäre wohl möglich, daß Napoleon beim Anblick des spanischen Brandes eine ähnliche Vorsicht für geralhen hatte, und der Schornsteinfeger, der für Frankreich nöthig sei, hieße die Freiheit.

Dasselbe Blatt meldet: Serrano hat das Ministerium aus folgenden Persönlichkeiten zu⸗ sammengesetzt: Progressisten: Prim, Krieg; Zorilla, Inneres; Sagasta, Arbeiten; Aguirre, Justiz. Unionisten: Lorenzana, Aeußeres; Apale, Colonienz Topete, Marine. Das Finanzministerium wurde Figuerola übertragen, welcher der dimokratischen Partei angehört.

Der Infant Don Juan hat seinen Rechten auf die spanische Krone zu Gunsten seines Sohnes Carlos entsagt.

DerGaulois meldet unter Vorbehalt, daß sich die Havanna erhoben und unabhängig erklärt habe. DerFigaro erwähnt eines ähnlichen Gerüchtes.

Großbritannien. London. DieTimes verbreitet sich über den Feldzug der Engländer gegen die Hochlandsrebellen in Ostindien. Sie warnt daror', daß hinter denselben Afghanistan und dahinter wieder Rußland stehe und macht darauf aufmerksam, sb es nicht zweckdienlich sei, eine btfestigte britische Gränzvorschiebung gegen Afgbanistan zu errichten.

Ein Kabeltelegramm derTimes aus Philadelphia vom 6. Oct. meldet: Die amerika⸗ nische Regierung hat die spanische Centraljunta als die faktische Regierung anerkannt. Es ist eine Annektirung Cubas durch Nordamerika im Gange.

Spanien. Madrid. Sehr erfreulich ist, daß die provisorische Regierung in Spanien auch für die Befreiung der Neger in den Colonien bereits Einleitung getroffen hat. Sie wird näm⸗ lich die Kinder der Neger in den Colonien für frei erklären in der Erwartung der völligen Emancipation der Schwarzen.(Nach einer Meldung derLiberte betraf diese Maßregel vorerst nur die seit dem 28. Sept. geborenen Neger, sollte aber nach der ersten Berathung an die eonstituirenden Cortes verwiesen werden.)

Die Junta hat sich am H. d. definitiv constituirt. DieGaceta publicirt den Protest der Königin, der mit den Worten beginnt: Isabella richtet dies Manifest an die Spanier. Die Junta sagt über den Protest:Die Nation

hat die Thaten der Königin gerichtet, sie wird auch ihre Worte richten.

überein, daß die Revue vom 3. October und der Einzug Serrano's in Madrid eines der groß⸗ artigsten Schauspielt boten, welches die spanische Hauptstadt jemals gesehen hat. An der ersteren nahmen über 50,000 Mann Theil. Um 5 Uhr erschien der Sieger von Alcolea auf der Puerta del Sol. Eine ungeheure Bürgerkrone wurde ihm vorangetragen, der Pöbel drängte sich um ihn und bedeckte seine Hand mit Küssen. Auch an einer komischen Seite fehlte es diesem Einzuge nicht. Man hatte Serrano den Galawagen der Cortes mit Lakaien in rotbher Livree entgegen- geschickt. Statt seiner aber hatten Leute aus dem Volle in dieser Staatskutsche und auf den Tritten Platz genommen.

Am 7. d. Nachmittags um 2 Uhr ist Prim hier angekommen und wurde von der Be⸗ völkerung mit enthustastischem Jubel empfangen. Niemals hat man hier eine solche allgemeine Be⸗ geisterung erlebt. Prim hat vom Balcon des Ministerialgebäudes eine Anrede an das Volk gehalten, worin er sagte: seinerseits intim mit Serrano verbunden, müsse dahin gestrebt werden, alle Liberalen zu einigen und Einigkeit zwischen vem Volk und der Armee zu erhalten, denn man verdanke den Sieg der Revolution der Marine, dem General Serrano und den verbannt gewesenen Generalen.

Ein Madrider Blatt, derUniversal, weist die Ersparnisse nach, welche die Revolution in Spanien ipse facto an dem Staatsbudget be⸗

wirkt hat. Es sind dieß folgende: Realen. Civilliste der Königin Isabella. 34,000,000 ihres Bemahls. 2,400,000 des Prinzen Alfons. 2,450,000 der Gräfin von Girgenti 2,000,000

der Herzogin von Montpensier 2,000,000 der Königin Marie Christine 3,000,000 Summa 45,850,000 oder 11,402,500 Francs. Amerika. New⸗Nork. Aus dem Innern kommen wieder gräßliche Berichte über Indianer⸗ überfälle. So wird gemeldet, daß 700 Indianer den Obristen Forsyth sammt 50 Mann über⸗ rumpelten, daß Forspth und drei Offiziere fielen, die Mannschaft gefangen und wahrscheinlich meist scalpirt wurde. Der National Labour Congres in New⸗ Aork, welcher von Delegirten beinahe sämmtlicher Staaten besucht war, hat in Form einer Reso⸗ lution sich gegen das Frauenstimmrecht erklärt und will die Bildung einer politischen Partei im Interesse der arbeitenden Classen fördern.

Darmstadt. Der landwirihschasiliche Bezirksverein für den Kreis Darmstadt beschlossen hat, für diejenigen Viehzüchter oder Händler, welche den ersten am 13. und 14. d. M. dahier staufindenden Viehmarkt mit der größten Anzahl werthvoller Thiere beschicken, einen Ehrenpreis beslehend in einem silbernen Pokale, und zwel Geldpreise im Betrage von 100 fl. auszusetzen.

% Ein kriegerisches Programm. Unbegreif⸗ lich! Während die Besigesiunten aller Nationen schon seit Jahren bemüht sind, Frieden und Freuncschaft unter einander anzubahnen, um die Geißel und Schande der menschlichen Gesellschaft, den Krieg, aus der Welt zu bannen, während in Bern die Friedens⸗Liga ihre humani⸗ stischen Conferenzen abhält, untersängt sich ein Schul⸗ meiflerlein unsererWeltstabt in dem eben erschienenen Programm seincr Anstalt der Jugend auseinander zu setzen, daß der Krieg eine Fundamental⸗Institutien des Staates, wie das Gesetz, sei, daß alle Insti⸗ iutionen des Staates von dieser Grundbedingung durch⸗ drungen seien. Der Krieg sei zwischen Staaten der natür⸗ liche Zustand. Erst im Kriege erlange der Staat das rechte Bewußtsein von sich selbst, erlange der Bürger das rechte Bewußtsein seiner Zugehörigkeit zum Staaie. Wet den Krieg beseitigen wolle, erschüttere die Fundamente aller Siitlichkeit.Das eiserne Zeitalter verlangt ein eisernes Geschlecht. Unsere Jugend, ruft er kalegorisch aus, ist bestimmt, kriegerisch ausgebildet zu werden, um zur rechten Zeit kriegerische Tugend zu bewähren: unsere Männer sind Rrieger gewesen oder sind es noch. Die Jugend über diese Seile ihrer Bildung und ihres Berufes zu belehren, ist meine Absicht, darin die Beistimmung der Männer zu finden, meine Hoffnung, Horribile auditu. So schreidt ein Schulmeister des neunzehnten Jahrhunderts? Solche Themata behandelt man in demJahresbericht einer Berliner Realschule? Ist dle Spree plötzlich zum Eurslas und die gepriesene Stadt der Intelligenz zu

einem harten Lacedämon geworden? Unerhört?

Alle Berichte aus Madrid stimmen darin

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