Ausgabe 
9.5.1868
 
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in den Hörern ein lebendiges Staatsgefühl erweckte. Der Redner schließt:Stimmen Sie für eine Adresse, so stimmen Sie mit denjenigen Süd⸗ deutschen, welche aufrichtig Ihre Freunde sind. Der Antrag des bayerischen Abgeordneten don Aretin auf einfache Tagesordnung wird mit 186 gegen 150 Stimmen angenommen. Hiermit ist die Adreßdebatte erledigt.

Wie aus Gumbinnen gemeldet wird, haben die russischen Behörden in Kowno den aus der Provinz Posen gebürtigen, mit einem Passe ver⸗ sehenen Königsberger Arzt Dr. Borna, angeblich weil er sich früher unter falscher Legitimation in Polen aufgehalten haben soll, verhaftet. Der Vorfall ist dem Bundeskanzler angezeigt worden und werden darauf bezügliche Weisungen erwartet. Die schon oft wiederholten Klagen in den östlichen Gränzbezirken Preußens über Fälle von Gränz⸗ verletzungen und Vergewaltigung preuß. Staats angehörigen Seitens russischer Behörden haben sich letzter Zeit in verstärkter Weise vernehmen lassen. Ob nun die bei der norddeutschen Central⸗ Behörde erhobenen Reklamationen von nachhalti⸗ gerem Erfolge begleitet sein werden, als frühere Versuche preußischer Behörden, bleibt abzuwarten.

Der König von Preußen hat für die in Frankreich internirten hannover'schen Legionäre folgende Amnestie erlassen:Auf Mir erstatteten Bericht genehmige Ich, daß bis zu einem Termine, welchen Ich später bestimmen werde, freie Rückkehr in ihre Heimath gewährt werden soll an alle in aktivem Militärdienste oder in Urlaud befindlichen Personen aus der Provinz Hannover, welche sich ihrer Militärpflicht entzogen, ohne sonstige Handlungen, welche das Gesetz bestraft, begangen zu haben. Die gegenwärtige Amnestie bezieht sich jedoch weder auf die Militär- personen, welche aus dem aktiven Dienste desertirt sind, noch auf die vormaligen hannover'schen Offiziere und Unteroffiziere, welche sich an im Auslande organisirten militärischen Verbindungen betheiligt haben. Ich beauftrage Sie demgemäß, die nöthigen Maßregeln zu treffen. Die Minister des Krieges, des Innern, der Justiz, so wie der commandirende General des 10. Armeecorps sind von dem Vorstehenden in Kenntniß gesetzt.

Aus Köln und Düsseldorf werden Sol- datenunfuge gemeldet. In ersterer Stadt wurde ein Bürger von einem Offiziere auf der Straße mit gezogenem Degen bedroht. Dem Bürger gelang es dem Offizier die Wafft abzunehmen und sich mit derselben zu entfernen. Erst am folgenden Tage gab er den Degen an die Polizei und den Commandanten zurück. In Düsseldorf konnten ruhige Bürger nur durch die Flucht sich vor den blanken Waffen lärmender und betrunkener Soldaten retten.

Bonn. Am 3. August begeht Bonn die 50jährige Jubiläumsfeier der Gründung, bezw. Hierherverlegung der hiesigen rhein. Universität, die sich einer fortwährend im Steigen begriffenen Frequenz erfreut. Das Fest dürfte ein großartiges und erinnerungsreiches werden. Zur Bestreitung der Kosten sind vorläufig aus dem Staatssäckel 8000 Thlr. bewilligt worden. Die Stadt selbst wendet dem Vernehmen nach 10,000 Thlr. zu demselben Zwecke auf. Der geräumige Schloßhof des nahen Poppelsdorfer Schlosses ist zum Festplatz ausersehen.

Wiesbaden. Aus dem hiesigen Regierungs- bezirke ist eine Beschwerde zahlreicher Gewerbtrei⸗ bender nach Berlin abgegangen gegen das von der hessischen Regierung in Bezug auf den Brücken zoll in Mainz beobachtete Verfahren. Nach dem zwischen dem norddeutschen Bunde und Hessen⸗ Darmstadt am 7. Juli 1867 abgeschlossenen Zoll- und Handelsvertrage darf inner halb des Zollgebietes von Niemanden mehr Brückengeld erhoben werden, als die Unterhaltungs- und Herstellungskosten er⸗ fordern. Das Brückengeld wirft aber einen jähr⸗ lichen Ueberschuß von 20 30,000 fl. ab.

Bremen. Der dritte deutsche Protestanten⸗ tag wird in der Pfingstwoche am 3. und 4. Juni hier stattfinden. Tagesordnung: 1) Verhandlung

über das Verhältniß des modernen Staats zur Religion, insbesondere zum Christenthum. Referent:

Geh. Rath Dr. Bluntschli von Heidelberg. 2) Ueber die Autorität der Bibel. Referent: Prof. Dr. Hanne

von Greifswald. Eröffnungsprediger: Prediger Dr. Sydow von Berlin. Die ankommenden Gäste melden sich im Gewerbehaus(Ansgari⸗ kirchhof.) Die Verhandlungen sind in der Ans⸗ garikirche. Wünsche wegen Wohnungen möge man an Herrn Dr. Joh. Wilckens, Advokat in Bremen(Landstr. 1 P. V.) adressiren.

Sachsen. Leipzig. Eine hier statt⸗ gehabte Versammlung genehmigte eine von 18 Firmen vorgelegte Petition an den Bundesrath und den Reichstag des norddeutschen Bundes auf Umwandlung des Papiergeldes der einzelnen Staaten in Bundes⸗Papiergeld und auf Anhaltung der einzelnen Privatbanken zur Errichtung von Einwechselungsstellen in Berlin, Leipzig und Frankfurt a. M.

Oesterreich. Wien. Der Reichskanzler Baron v. Beust ist bedenklich erkrankt.

DieAbendpost vom 6. d. meldet über das Unwohlsein Folgendes: Freiherr v. Beust wurde gestern Nachmittag von einem heftigen Anfall von Darmkolik mit Gallerbrechungen be⸗ troffen. Um Mitternacht trat eine wesentliche Erleichterung ein, heute haben wir die beruhigende Gewißheit, daß das Unwohlsein keine ernste B deutung hat.

Der in München in Haft befindliche 6 Chorinski erhielt dieser Tage, ohne dar. nachgesucht zu haben, seine Entlassung aus de österreichischen Heeresverband.

Frankreich. Paris. Bemerkungen derKreuzzeitung, welche bei An- kündigung der preußischen Heeresverminderungen die Hoffnung ausspricht, daß die anderen Mächte dieses Beispiel nachahmen werden, weist der Armee-Moniteur nach, daß Frankreich die Initiative ergriffen habe, indem es 14,000 Mann entließ und zwar schon seit Ende März Die preußischen Reduktionen seien also später gekommen und hätten eine geringere Ausdehnung.

In Folge der Ermordung der zwölf französischen Matrosen in Japan haben die Fran⸗ zosen vierzig Leute und die Schiffe des Fürsten Tosa, auf dessen Gebiet die Gräuelthat vorgefallen ist, in ihre Gewalt gebracht und drohen mit energischen Maßregeln, wenn die Schuldigen nicht ausgeliefert würden. Als die Nachricht in Nan⸗ gasaki bekannt ward, ging das britische Kriegsschiff Forfait unter Dampf, um kein japanisches Schiff aus dem Hafen herauszulassen; die Ausländer wagten sich nur bewaffnet auf die Straße. Die Behörden gestanden selbst zu, daß die Mordthat kalten Blutes verübt worden und exemplarisch bestraft werden müsse. Neuesten Depeschen zufolge hat der französische Gesandte bereits Genugthuung erhalten; zwanzig Japaner waren enthauptet und eine Entschädigung von 750,000 Fr. bezahlt worden. Aus Nokuhama hört man zugleich, daß der wegen seines Angriffes auf die fremde An⸗ siedlung in Kobe zur Rechenschaft gezogene Beamte des Fürsten von Bizen am 2. März in Gegenwart je eines Vertreters der auswärtigen Gesandtschaften hingerichtet worden ist.

DerMoniteur zeigt an der Spitze seiner vermischten Nachrichten an, daß Fürst Metternich am 5. Mai Abends Paris in Urlaub verlassen hat, um der in Wien stattfindenden Hochzeit seines Bruders beizuwohnen. Die Abwesenheit des Fürsten Metternich, die einzig durch dieses Familien⸗ ereigniß verursacht ist, wird nicht länger als einige Tage dauern.

Friedberg. Die Braunkohlengrube Wilhelms⸗ hoffnung bei Dornassenheim ist durch Kauf in den Fürstlich Solms⸗Braunfels'schen Besitz übergegangen und wird mit der Verwaltung ber Weckesheimer Grube vereinigt.

Friedberg. Am 7. d. wurde in Frankfurt die Zucht⸗ und Fett⸗Vieh⸗Aussiellung mit dem Maschinen⸗ markt eröffnet und stellte sich alsbald zahlreicher Besuch ein, auch wurden schnell Käufe auf ausgestelltes Vieh ab⸗ geschlossen. Die Prämiirung, von dem schönsten Wetter begünstigt, zog eine große Menge Menschen an. Von den ausgesetzten Preisen siel eine verhältnißmäßig große An⸗ zahl Ausstellern aus unserer Gegend zu. Wir nennen unter denselben die Herren: Schönlau auf dem Kronauer Hof, Fürst zu Solms⸗Lich, Prinz Hermann zu Solms⸗

Lich, Bausch in Nieberwöllstabt, Blankie in Gießen, Traut in Büdesheim, v. Deines auf dem Salmerhof bei Bübingen, J. Jung in Kahlbach, ferner die Gräflich Solms⸗Laubachi⸗ schen Gutsverwaltungen auf dem Obernhofe, zu Ulphe, zu Münzenberg, zu Arnsburg und die Gräfl. Stollberg⸗ sche Gutsverwaltung in Ranstabt. Im Ganzen stehen 304 Stück Vieh, darunter namentlich monströses FJettwieh aus. Die Schweiz, Baden und Würftemberg sind äußerst zahlreich vertreten. Die Ordnung der ausgestellten Maschinen ist der Art übersichtlich, daß der Besucher leicht einen Ueberblick über das Ganze gewinnt. 75,000 Quadr., Fuß sind mit Maschinen bestellt. An den offenen Platz⸗ Bleichgarten, schließen sich drei große Hallen und ein Schuppen, in welchen die Maschinen und Geräthe, die nicht der Witterung ausgesetzt werden sollen, untergebracht sind. Der Katalog, welcher in erster Auflage 991 Num⸗ mern zählte, ist bedeutend durch einen Nachtrag erweitert, während außerdem noch viele Gegenstände vorhanden sind, welche, weil so spät angemeldet, nicht mehr im Katalog aufgeführt werden konnten.

Friedberg. Wie schon mehrfach veröffentlicht, beginnt am 1. October d. J. zu Berlin eine allgemeine Ausstellung von Erzeugnissen weiblicher Kunst und In⸗ dustrie, veranstaltet von dem Berliner Vereine zur För⸗ derung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts. Der in Darmstadt bestehende, unter dem Protektorat J. K. H. der Frau Prinzessin Ludwig thätige Verein zur Förderung der weiblichen Industrie fordert die hessischen Frauen und Jungfrauen zur Bethetligung an jener all⸗ gemeinen Berliner Ausstellung auf und übernimmt die Waarentransportkosten für die längstens bis zum 1. September d. J. nach Darmstadt abzuliefernden Gegen⸗ stände. Schriftliche Anmeldungen haben bis längstens zum 15. Juni d. J. an Fräulein Louise Büchner in

Aus Anlaß deh

Darmstadt zu erfolgen. Hervorragende Arbeiten werden in Berlin burch Mabaillen ausgezeichnet. Bingen. Auf Station Bingerbrück ist man einer

hroßen Spitzbuberei auf die Spur gekommen. Das seit

ängerer Zeit Bingerbrück passirende Getreide in Säcken id Oesterreich, welches auf dieser Station in Wagen der heinischen Bahn überladen wurde, zeigte häufig einen Femhaften Manco, dessen Ursache man trotz aller Auf⸗ nksamkeit nicht ermitteln konnte, bis vor einigen Tagen der Stellvertreter des bei Seite gesetzten Nachtwächters einen Eisenbahn⸗Bediensteten mit einem Sack auf dem Rücken die Eisenbahnbrücke nach hier passiren sah, und daraufhin der hiesigen Polizei den Schlüssel zur Lösung dieser Sache geben konnte. Der Betreffende, ein bei der Ludwigsbahn hier beschäfligter Arbeiter von hier, ist bereits in Haft gebracht und die Untersuchung gegen ihn im Gange. Leider soll der Dieb für sein gestohlenes Gut hier willig Abnahme gefunden haben.

Worms. Herr Chemiker Lehmann hat kürzlich den dicsjäbrigen Cursus seiner Brauerschule eröffnet, und zwar unter noch immer wachsender Theilnahme. Besuchten im vorigen Sommer bereits einige 30 Herren diese in ihrer Ark in Deutschland nahezu einzig dastehende Anstalt, welche seit dem letzten Sommer durch bedeutende Neubauten und Einrichtungen wesentlich vergrößert und dadurch in ihrer Leistungsfähigkeit erhöht worden ist, so wurde die diesjährige Frequenz aus den verschiedensten Theilen Deulschlands, aus Holland, Frankreich u. s. w. eine noch stärkere; 42 Studirende sind bereits eingetroffen.

Katzweiler(bayerische Rheinpfalz). Auf dem Glockenthurm des katholischen Schulhauses dahier nistet schon seit 32 Jahren ein Storchenpaar, welches sich denn auch dieses Frühjahr wieder eingefunden hatte. Nun starb vor einigen Wochen der in diesem Schulhause seit derselben Zeit wohnende Lehrer und unmittelbar hierauf verließen die Thiere, welche schon zwei Eier hatten, unter Vertilgung derselben, ihr Nest und sind seitdem nicht wieder zurück⸗ gekehrt. Aehnliches kam auch vor mehreren Jahren in der nahen Gemeinde Stockborn vor, wo die Störche auf einer Scheune nisteten, dessen Besitzer gestorben. Dieses Vorkommniß gibt natürlich Anlaß zu mancherlei Betrach⸗ tungen und Nachdenken und es wird dabei der Wunsch geäußert, ob nicht die Wissenschaft über das Räthselhafte dieses Ereignisses sich aussprechen möchte.

Die neuen Reisepässe des nordddeutschen Bundes bilden ein kleines Buch von 16 Oktavblättchen in farbigem Umschlag; auf den ersten drei Seiten ist das Schema für Namen, Stand, Wohnort, Ziel der Reise, Signalement in lila Farbe gedruckt mit grauem Unter⸗ druck, die anderen dreizehn Seiten haben nur bunten Unterdruck, auf welchem circa 400 Mal in kleinster Schrift Norddeutscher Bund zu lesen ist. Für die Ausfertigung dieses Paßbüchelchens durch die Behörde ist nichts zu entrichten.

% Bei den neueren Versuchen, die einen Theil des Jahres hindurch eisfreie Region des Nordpols zu er⸗ reichen, werden bekanntlich drei Richtungen in's Auge gefaßt: deutschei Seits(Petermann) über Spitzbergen und durch das diese Inseln umgebende Meer; englischet Seits über Grönland und von den Franzosen durch die Beeringstraße des nördlichen Asien und über den Norden des amerikanischen Continents. Der französische Marine⸗ Offizier Gustav Lambert ist nach seinem dreimonallichen Aufenthalt am Bord eines Wallfischjägers nach Frankreich zurückgekehrt und mit der Bildung einer Gesellschaft be⸗ schäftigt, welche 600,000 Francs zu der von ihm vor⸗ geschlagenen Expedinon ausbringen soll. In dem Süd⸗ departemente haben sich bereits Comite's zu dem gedachten Zweck gebildet; ein solches, zu dem die Dollfus, Mieg, Lesobvre und andere bekannte Persönlichkeiten zählen, ist im Elsaß entstanden und ladet eben in derRue d'Elsace

zur Theilnahme ein.

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