Ausgabe 
9.1.1868
 
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zu durchgreifender Hülfe, die Privatwohlthaͤtigkeit muß deßhalb ohne Zögern unterstützend und mit helsend beispringen. Jener Nothschrei, welcher aus ven ostpreußischen Laͤndesthellen ertönt, wird all- gewaltig in die Herzen des deutschen Volkes dringen und aller Orten opferwillige Menschen- freunde zu dem gemeinsamen Werke der Nächsten⸗ liebe vereinen, um die Noth dieser deutschen Brüder nach Kräften zu lindern. Tem Beispiele anderer Städte folgend, will man auch in unserer Stadt bei den Sammlungen für die hungernden Bewohner Ostpreußens nicht zurückstehen und hat sich deßhalb der biesige Hülfeverein, wie aus einem in dem Inseratentheile befindlichen Aufrufe ersichtlich, zur Leitung dieser Sammlung bereit erklärt, nachdem auch von anderer Seite zur Bildung eines Comités schon einleitende Schritte geschehen waren. Wir empfehlen allen Lesern dieses Blattes den erwähnten Aufruf zur thalkrästigsten Beherzigung und wünschen nur, daß derselbe überall so die Herzen wie die Hände offen finden möge zu reichlicher Spende.

K Friedberg. Zu einer in diesen Blättern kürzlich gebrachten Mittheilung bezüglich der Er nennung von Bataillons-Commandeuren der neu zu bildenden Landwehr ist ergänzend und berich- tigend zu bemerken, daß die dort genannten Herren für die erwähnten Chargen noch nicht definitiv ernannt, sondern vorläufig nur für dieselben be- zeichnet sind, wie dieß auch hinsichtlich der Regi- ments-Commandeure geschehen, als welche nämlich die Oberstlieutenants Klingelhöffer und Weber ausersehen sein sollen. Diese sämmtlichen Herren, sowie mehrere zu Adjutanten in der Landwehr bestimmte Offiziere der Linie, werden in den nächsten Tagen in Darmstadt zusammen- treten, um unter Leitung eines preußischen Stabs- ossziers von dem Landwehrwesen vollständige Kenntniß sich anzueignen. Auch die zu Bezirks- feldwebeln und Bataillonsschreibern ausersehenen Unteroffiziere wurden zu gleichem Zwecke aus den verschiedenen Regimentern nach Darmstadt beordert. Die vollständige Organisirung der Landwehr wird demnach erst in einigen Wochen geschehen können.

* Friedberg. Am 31. Dezember v. J. wurden die Sträflinge aus dem Gebiete der freien Stadt Frankfurt, welche in dem Landes- zuchthaus Marienschloß die ihnen zuerkannten Strafen zu verbüßen hatten, nach Dietz verbracht. Es waren 31; die weiblichen Sträflinge sind in Eberbach untergebracht worden. Zur Verpflegung und Haft der Sträflinge hatte Frankfurt bekannt- lich mit dem Großherzogthum einen Vertrag ab⸗ geschlossen, der demnach von Preußen nicht er⸗ neuert worden ift.

* Friedberg. Am 7. d. sind die Herren Oberstudienrath Wagner und Oberconsistorial- rath Göring dahier eingetroffen, um, wie man vernimmt, die für den dreijährigen Cursus im großherzoglichen Schullehrer⸗Seminar erforderlichen

Preußen. Berlin. Die Organtsation des Bundesheeres macht neue Fortschritte. Je nach dem Ausfälle der Anfang Dezember erfolg- ten Volkszählung werden mit Beginn des neuen Jahres nunmehr auch die bisher noch sistirten militärischen Maßregeln in Ausführung treten. Es sind dies die Errichtung der drei Infanterle Regimenter Nr. 97, 98 und 99, wie die je eines Festungs-Artillerie-Regiments beim 10. und 11. Armeecorps und die Erweiterung der beim 9. und 12.(sächsischen) Armeecorps bereits bestehen den Festungs-Arlillerie-Abtheilungen zu Regimen tern von je 8 Compagnien. Eben so sollen bei diesen vier Armeecorps die Feld- und Festungs Artillerie-Regimenter zu je einer Artilleriebrigade vereinigt werden. Die ebenfalls noch projektirte Errichtung von 4 neuen Cavallerie- Regimentern, davon 3 bei den Contingentsstaaten, wird dagegen erst mit der Steigerung des Beitrags dieser letz; teren in mehreren Jahren erfolgen. Eben so steht bis zum nächsten Frühjahre hin eine dem für 1868 in Aussicht befindlichen Zuwachse der nord deutschen Marine um vier große Schlachtschiffe, davon drei, derKönig Wilhelm, derKron prinz undPrinz Friedrich Karl, ersten Ranges, entsprechende Steigerung des Mannschaftsstandes der Flotte, wie auch der Marine-Infanterie und Artillerie zu gewärtigen.

Bei dem gegenwärtig stattfind enden Um tausch der alten Briefmarken kommt zu Tage, welch ein beträchtliches Kapital unverzinslicher Anleihe in Form dieser Werthzeichen im Publikum umläuft. So sollen nach derRhein. Ztg. bei der bedeutendsten der 38 Berliner Postexpeditionen am ersten Tage der Convertirung für nicht weniger als 10,000 Thaler an Marken und Couverte zur Umwechselung gekommen sein.

Nach dem neu herausgegebenen Zeitungs- Preiscourant von 1868 beträgt die Gesammtzahl der Deutschen Zeitungen 2566, darunter 761 politische, 947 nicht politische steuerpflichtige und 858 nicht politische steuerfreie, während im vorigen Jahre die Gesammtzahl 2297 betrug, darunter 687 politischen, 813 steuerpflichtige nicht politischen und 797 steuerfreie nicht politischen Inhalts.

Württemberg. Stuttgart. Eine von der Volkspartei zusammenberufene Landesversamm⸗ lung sprach sich einstimmig gegen das Militär- gesetz, sowie den Regierungsentwurf über die Berfassungs- und Verwaltungsreform und mit großer Mehrheit gegen die Wahlen ins Zoll⸗ parlament aus.

Desterreich. Wie n. Diepresse schreibt: Zwischen Frankreich und Italien stehe Berständigung bevor. Schon nächster Tage solle eine neue Convention, welche die Beziehungen Italiens zum Papstthum auf neuen Grundlagen regele, abgeschlossen und sodann einer europälschen Conferenz als Berathungegrundlage vorgelegt werden. Italien erkläre sich aus schließlich der

Einrichtungen anzuordnen.

greisen in europaͤlsche Fragen vermelden zu wollen, wogegen Frankreich seine Truppen aus dem Kirchenstaate zurückziehen werde.

Frankreich. Paris. Dem Senate llegt eine Petition vor, welche beantragt, gemeinschaft liche Maßregeln der einzelnen europälschen Staaten gegen das Umsichgreifen der Rinderpest durch eine internationale Commission berathen und ergreifen zu lassen. Die Regierung ist mit der Ueberweisung dieser Petition an die betreffenden Ministerien einverstanden und der Senat erledigt in diesem Sinne die Angelegenheit.

Bei der Austheilung der Belohnungen für die landwirthschaftliche Ausstellung erhielten drei große Preise: die Kaiser von Rußland und Oesterreich wegen der Verbesserung der Pferdezucht, der Kaiser der Franzosen wegen seiner Schöpfungen und Verbesserungen auf dem Gebiete des Acker- baues. Goldene Medaillen erhielten: Die Preußen Kouznetroff, Graf Mielzynski und Werner, ferner der Dr. Rau aus Baden. Zu Rittern der Ehren- legion wurden ernannt: Architekt Meper und Herr Wittmark, preußische Mitglieder der Jurp.

Der Bischof von Algier hat an die France ein Schreiben gerichtet, worin er auf⸗ fordert, dem schrecklichen Nothstand, der Algerien durch den Hunger beimsucht, durch schleunige Bei⸗ steuern abzuhelfen. Die Araber, schreibt er, leben fast nur noch von Blättern und Gras.

Großbritannien. London. Der pariser Berichterstatter desNord will wissen, daß das Hauptquartier der Fenier nicht in Dublin, New⸗ Aork oder London, sondern in der französischen Hauptstadt existire, von wo die Befehle an die Untergebenen diesseits des Kanals ertheilt werden. Wichtige fenierische Schriftstücke seien durch die kaiserliche Polizei in einem Hause des Faubourg du Temple aufgefunden und der englischen Regie⸗ rung als Neujahrs-Angebinde übersandt worden.

Italien. Florenz. Das neue Ministerium ist gebildet. Menabrea: Präsident und auswär⸗ tige Angelegenheiten; Senator Cadorno: Inneres; Cambray Digny: Finanzen; Berthole Viale: Krieg; Deputirte Filippo: Justiz; Broglio: Un- terricht und Handel; Cantelli: öffentliche Arbeiten; Ribotti: Marine.

DasFr. J. schreibt: DemMovimento vom 2. Januar zufolge ist in den römischen Ge⸗ fängnissen urplötzlich eine mysteriöse Krankheit zum Ausbruch gekommen, welche unter der Menge junger und kräftiger Gefangenen, die in denselben zusammengedrängt find, schreckliche Verheerungen anrichtet. Die Regierung behauptet, es sei weder Cholera noch Typhus. Sie fürchtet, daß man ihr die Schuld gebe, weil die Gefangenen ohne jegliche Vorsichtsmaßregel in unreinen und un⸗ gesunden Räumen angehäuft sind. Die Aerzte bleiben stumm und die Bevölkerung gibt sich Con⸗ jekturen hin, die der Regierung keineswegs

inneren Reorganisation widmen und jedes Ein⸗

günstig find.

dem Süden wartete, glaubte er seine Zeit am besten auszufüllen, indem er die von Osten kommenden Zuflüsse des Nil näher erforschte Der Band seiner Reisebeschreibung, welcher diese Nebenreise schildert, ist noch nicht erschienen). Einstweilen hat Baker die Gewässer Abessiniens in Folgendem dargestellt:

Zwei Ströme, der Atbara und der Blaue Nil, führen dem Haupt- strom Nil die sämmtlichen Gewässer Abessiniens(also vom Osten her) zu. Beide kommen nur zur Regenzeit in Betracht. Der Atbara hat vom März bis zum Juni gar kein fließendes Wasser, und bildet in dieser Zeit einen Theil der Wüste, die er durchschneidet. An den tiefsten Stellen bleiben Wasserlachen stehen, in welche die flußbewohnenden Thiere sich zurückziehen. Diese Stellen beherbergen dann Massen von Krokodilen, Nilpferden, Fischen und großen Schildkröten, die erst bei dem Beginne der Regenzeit durch das zuströmende Wasser wieder in Freiheit gesetzt werden. Der Blaue Nil versiegt zwar nicht in dizser Weise, allein er hat während der trocknen Jahreszeit so wenig Wasser, daß selbst die kleinen Schiffe ihre Fahrten einstellen müssen. Dann aber ist das Wasser schön klar, und nimmt, da es den wolkenlosen Himmel widerstrahlt, die blaue Farbe an, welche dem Fluß seinen Namen verschafft hat. Dies Wasser ist auch gut zum Trinken, und nicht schlammig, wie das im Weißen Nil. Die ersien abessinischen Regen fallen im Mai; aber der Boden ist dann so ausgedörrt, daß er alle Nässe begierig aufsaugt, und

) Durch den Feldzug der Engländer gegen den bald frcisinnigen, bald grausamen Kaiser Theodorus von Abessinien ist jetzt bie Aufmerksamkeit Europas auf das Land Abessinien(Habesch) gerichtet.

daß die Flüsse sich erst in der Mitte des Juni füllen. Nun wird jede Schlucht zum Bergstrom, der Atbara und der Blaue Nil zu gewaltigen Strömen, welche Bäume und Thiere, sogar Büffel und Elephanten mit fortreißen. Vereinigt mit dem Weißen Nil überschwemmen dann die abessinischen Gewässer Aegypten, und geben ihm seine bekannte Fruchtbarkeit.

r. Alte Geschichten, so heiter zu lesen

1623. Den 14. Juni sind etliche Soldaten von dier nach Dornassenheim gegangen, in willens gewesen, Schase zu fehlen, die Bauern aber solches vernommen, und Haufenweis hinzugelausen zu den Soldaten. Einer aber mit Namen Dür(7) Becker, welcher allein aus Vorwitz zu ihnen(den Bauern) unter den Haufen geschossen, einen Bauern getroffen. Die Bauern derohalben nicht faul, es hauete einer mit einer Sense auf den gemeldeten Becker, und trifft ihn so wohl, daß er drei Löcher im Kopf gehabt, daß man ihm das Hirn gesehen, die Hand ist auch bald(fast, beinahe) ab gewesen. Man hat ihn auf einem Karch(Karren) gebracht. Ist hernach den 20. Juni gestorben und von den Soldaten begraben worden..

Den 24. August hat ein Reuter, Jung, welcher allhier, zum Hirsch genannt, gelegen, seinem Herrn oder Corporal eine gute Summe Geld genommen, und sich zum Thor hinaus gemacht, und haben ihn in dem Roßbacher Wald bekommen, ihn zwischen zwei Pferden in die Stadt gebracht, worauf er am 16. Sept. mit Ruthen der Usergaß durch den Henker gepeitscht worden.(Sehr praktisch!)

Den 28. August hat man binter der Burg eine Wasserweiung(7) gehalten, und ist ein großer Pfahl geschlagen worden. Nachdem solches verrichtet, haben die Schüler gesungen, darnach man einem jeglichen eine rothe Nestel(alideulsch: nestila Schnürlitze am Hut der Hechzeitsgäste) und einen Groschen zum Gebächtnus gegeben.

1624. Den 25. Januar hat ein Bauer zu Naubeim, mit Namen Friedrich Becker, mit einer geladenen Flinte seiner Frau gegenüber gestanden und damit feritet, als wollt er schießen, sobalb ist die Flint losgangen, und die Frau erschossen, darnach ist er entlaufen.

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