Ausgabe 
9.1.1868
 
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Anzeiger

ö

1868.

Donnerstag den 9. Januar.

M4.

für Oberhessen.

Eutbält die amtlichen Exlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Julelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

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Bestellungen auf denAnzeiger für Oberhessen werden noch fortwährend von allen Poststellen und der Verlagseppedition

für das

erste Halbjahr

angenommen

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Amtlicher Theil. ntlich e

Bekanntmachung.

Nach Beschluß der Generalversammlung des landwirthschaftl. Bezirks-Vereins des Kreises Friedberg vom 14. Dezember v. J. sind 100 fl. zur Unterstützung solcher jungen, unverheiratheten Leute, die in den in der Kürze in dem pomologischen Institute zu Reutlingen

beginnenden Lehrcurs für Obstbaumwärter eintreten wollen, aus der Kasse des Bezirks⸗Vereins zu verwenden.

Ich fordere daher Lusttragende

zur als baldigen schriftlichen Anmeldung bei mir unter dem Anfagen auf, daß den Anmeldungen Bescheinigurg über einige Uebung in der Baumcultur und besondere Liebe zur Erlernung der Obstbaumzucht so wie guter Ruf und Alter anliegen müssen Die Großherzoglichen Bürgermeiste reien wollen Vorstehendes in Ihren Gemeinden thunlichst bekannt machen und selbst auch geeignete

Personlichkeiten vorschlagen. Friedberg den 6. Januar 1868.

Der Director des landw. Bezirks⸗Vereins des Kreises Friedberg

Trapp.

Hessen. Darmstadt. Das Großherzogliche Kegierungsblatt Nr. 52 enthält: g

I. Bekanntmachung, das Reglement zu dem Gesetze über das Postwesen des Norddeulschen Bundes betreffend. Das genannte Reglement wird, unter Bezugnahme auf Axt. 3 des Postvertrags mit Preußen vom 19. Juli, sowie auf die Bekanntmachung vom 25. November 1867, die Einführung der Posigesetze des norddeutschen Bundes in den zu diesem Bunde nicht gebörigen Gebietstheilen des Greßberzogthums betreffend von Großherzoglichem Ministertum des Großherzoglichen Hauses und des Acußern mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß dasselbe für das gesammte Gebiet des Großherzogthums am 1. Januar 1868 in Wirksamkeit tritt und daß alle disher destandenen, mit dem Reglement nicht übereinstim menden Vorschristen als aufgehoben zu betrachten sind.

II. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 25. August den seiiber im Engagement gestandenen Kapellmtister Nesvadba zum Hofkapellmeister zu ernennen; am W. November den früheten kurfürstlich bessischen Amtephysikus Pr. Bobe zum Kreisaizt des Kreiemedicinalamte Nauheim, den Kreisbauaufseher⸗ Aspiranten Schaum aus Klein⸗ inden zum Hausverwalter und Rechner bei der Landes⸗

rren⸗Anstalt, am 30. November den praktischen

terinärarzi Gebb zu Nieder⸗Wöllstadt zum Krets⸗ veterinärarzz des Kreisveterinäramtes Grünberg, an demselben Tage den Bataillonstambour im 3. Inf.⸗Reg. Allendorf von Heppenheim, den Corporal im 1. Inf.⸗Reg. Schröder von Ober⸗Lals, den Feldwebel im 1. Inf.⸗Reg. Gambe von Lengfeld, den Feldwebel im 1. Jäger⸗ Bataillon Kronenkerget von Hackenheim, den Musketier im 4. Inf.⸗Reg. Weber von Schlitz zu Bremsern dei der Main ⸗Weser⸗Eisenbahn und am 3. Dezember den

Inspektions⸗Assistenten bei der Station Gießen der Main Weser⸗Eisenbahn zu ernennen; am 6. Dezember den Ober⸗Domäanen Calculatoren 1. Klasse bei der Obersorst und Domänen ⸗Ditektion Blisch und Pisgen die S'uellen von Registratoren bei dieser Fehörde, Ersterem mit dem

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verausgabte, welche gleiche Summen zu Dotatlonen für Gentrale verwenden konnte und an die de⸗ possedirten Fürsten entrichtete, daß eine Regierung, deren Verwaltung als die beste und durchgreisendste

Amtetitel als Oter⸗Domänen⸗Registrator und Letzter m gilt, deren Finanzen nach der eigenen Erklärung

mit dem Amtstitel als Ober ⸗Forst⸗Registrator zu über tragen; am 13. Dezember dem Salinen ⸗Rentmeister bei der Saline Theodorshalle Sasinen⸗Inspeklor Ziegler gleichzeitig die Stelle eines Rendanten bei dem, 1. Januar 1808 in Wirksamkeit tcetenden Salzsteueramte

auf der genannten Saline und dem Finanz⸗Accessisten Irhrn. Gedult v. Jungenseld aus Darmstadt die Stelle eines Einnehmers dei dem mit demselben Zeitpunkte in

Wirksamkein tretenden Salzsteueramte Wimpfen mit dem AmtetitelSalzsteueramts⸗Rendant zu übertragen.

II. Concurtenzeröffnung für die Distriktecinnehmetei[ aber von Seite

Groß ⸗Umstadt, wofür cine Diensicautien don 3000 fl. erfordert wird; concurtrenzsätzige Bewerber daben sich dinnen 14 Tagen anzumelden.

IV. Gestorben: am W. Februar der penstonitie Schul lehter Rühl zu Köddingen; am 28. Oktober der Schul⸗ lehret an der evang. Schule zu Mümlings⸗ Grumbach Wolf; am 29. Oktober der pensionirte Ministerial⸗ Kanzlist dei dem Mimisterium der Finanzen Kanzlei⸗ Secretär Gernert. 8

m Friedberg. Es ist in der That eine höchsß beklagenswerthe und betrübende Erscheinung, daß eine Regierung wie die preußische, die kaum erst ihre großartigsten Machtmittel auf das Ueber- raschendste der Welt entfaltet hat, welche in kür⸗ zester Frist Hunderttausende auf die Beine stellte, Millionen zu Kriegszwecken aufzubringen wußte und für Zündnadelgewehre und Gußstahlkanonen

mit dem

1 22 8 der Minister in blühendem Zustande sich befinden,

anschesnend nicht mit der nöthigen Energie die fu Hülfsmittel zu finden und die rettende Kraft zu entfalten weiß, um die Bewohner einer ihrer Provinzen vor dem Hungertode zu

schüzen, denn an dem ernsten und besten Willen, in ausgiebigster Weise Hülfe bringen zu wollen, dürfen und können wir nicht zweifeln. Was

der Regierung bis jetzt zur Lin⸗ derung der entsetzlichen Noth geschehen, erweist sich, Zeitungsberechten zufolge, als vollständig un⸗ genügend und unzureichend, denn wahrhaft berz⸗ zerreißend lauten die Nachrichten, welche den Nothstand in Ostpreußen als von Tag zu Tag in stets wachsendem Maße schildern. Dazu ist nun noch die mit so großer Strenge dort herr schende Kälte getreten, welche bedauerlicherweise das Elend zum Aeußersten steigert und den armen darbenden Bewohnern einen lauten Hülferuf und Notbschrei der Verzweiflung nach dem andern aus dem befümmerten Busen preßt. Die Mittel und Kräfte der Regierung erweisen sich nach den vorliegenden Thatsachen diesem großen Nothstande gigenüber als uicht gewachsen und nicht ausreichend

Bauaccessistlen Otto von Lauterbach zum Bahnhofs⸗

Die Nilguellen.

Non Dr. Curtman.

iin g.

Stit uralten Zeiten hat man nach den Quellen dee ägypptischen Stromes, des Nils gesorscht, aber dennoch vergeblich. Erst unserer Zeit war es vorbehalten, ihre Forschungen bis ins Innerste von Afrika aus- udehnen, und das so lange Gesuchte zu finden. Das wußte man wobl

on längst, daß der ägpptische Fluß, aus zwei Zweigströmen entstehe, denen man auch besondere Namen beilegte. Den östlichen nannte man nämlich den Blauen Fluß(Bahr el Azrek), den westlichen, größeren, den Weißen Fluß(Bahr el Abiad), und über dessen Ursprung datte man bloße Bermuthungen, während man die Entstehung des Blauen auf den abessinischen Gebirgen hinreichend sicher erkannt hatte. Um endlich auch über den Ursprung des Weißen Flusses, also des eigentlichen Nils, Auf-

Härung zu erhalten, unternahmen zwei Engländer, Speke und Grant,

tine neue Reise, aber diese nicht von Norden her durch Aegypten, sondern von Südosten, von der Küste Zanzibar. Wirklich gelang es ihnen, bis zu einem sehr großen Landsee vorzudringen, welchen sie der Königin von England zu Ehren Victoria Npanza nannten, und dessen Ausfluß sie vor länsg ale den Ursprung des Nilstroms ansahen. Dech hörten sie auch von einem zweiten Ste, in welchem der Fluß sich noch verstärke; doch konnten sie denselben nicht selbst besuchen. Als sie auf ihrer Rückreise, bhalbkrank und zerlumpt an der ägyptischen Gränze ankamen(1864), wurden sie durch das Zusammentressen mit tinem anderen entlischen Nil-

Reisenden überrascht, mit dem Reisenden Baker, der seine Frau zur Begleitecin hatte. Anfangs wollte Baker mit ihnen umkehren, weil er

meinte, es sei nun Alles erforscht, und seine M. he werde vergeblich auf⸗ gewendet werden. Als er aber hörte, daß jenen beiden Reisenden der eine See ganz, und auch manche sonstigen Nebenumstände der Entstehung des Stromes unbekannt geblieben wären, entschlossen sich der wackere Baker und sein beldenmüthiges Weib dennoch ihre Reise fortzusetzen, und es ist ihnen gelungen, ihr Ziel zu erreichen. Daß wir bier wirklich der muthvollen Frau viel zu danken haben, geht aus soltender Stelle von Bakers Tagebuch hervor.Das Fehlschlagen aller früheren Unter- nehmungen kann nicht in Erstaunen setzey, da die Expeditionen aus Gesell⸗ schaften bestanden, die sobald Schwierigkeiten eintraten, in Zwist geriethen und endlich umkehrten. Seine Frau dagegen ließ sich auf keine Weise bestimmen, in England zu bleiben, und wiese alle Vorstellungen mit den Worten Ruths zurück:Rede mir nicht darein, daß ich dich verlassen sollte, und von dir umkehren. Wo du bingebst, da will ich auch hin⸗ gehen, wo du bleibst, da bleide ich auch. Frau Baler hat wirklich mit ihrem Manne alle Mühen und Gefahren getheilt, und ist in Krankheiten seint treue Pflegerin gewesen, und bat sich dadurch um die Entdeckung wesentliche Verdienste erworben.

II. Abdessin tier.

Während der englische Reisende Baker an der Gränze von Aegppten noch auf die Rückkehr der andern Reisegesellschaft(Speke und Grant) aus