benutzt, von der Einführung neuer Gesetze in Nordschleswig, welches„doch nicht mehr lange zu Deutschland gehören werde“, abzusthen. Dagegen erhoben sich der Abgeordnete für Hadersleben (die nördlichste Stadt Schleswigs) mit der Er- Hlärung, daß die Bevölkerung, die er vertrete, wünsche und zuversichtlich erwarte, für immer„bei Deutschland“ zu bleiben, und ihm schlossen sich mehrere Vertreter der nördlicheren Distrikte an.
Hannover. Die Versügung des Cultus- ministers wegen Einführung des famosen Flügge— schen Lesebuchs in den Volksschulen hatte Anlaß zu zahlreichen Petitionen gegen dieses Buch und zur deßfallsigen Verhandlung im Provinzial Landtag gegeben, welcher einstimmig beschloß, der Regierung die fraglichen Petitionen zur Berück⸗ sichligung zu übersenden, und sie dabei zu ersuchen, daß sie die Zurücknahme der Verfügung des Cultusministers bewirken möge.
Wiesbaden. Nach der„Mz. Ztg.“ cir- culiren im Regierungsbezirke Adressen an den preußischen Landtag, worin„im Namen des natür⸗ lichen und geschichtlichen Rechtes“ um Abschaffung der nassauischen Communalschulen und Einführung von Confessionsschulen gebeten wird. Dieselben finden zahlreiche Unterschriften. Gutem Vernehmen nach wird nach Schluß der Unterzeichnung Ge— neralvicar Msgr. Dr. Klein die Adressen auf den Tisch des Abgeordnetenhauses niederlegen, dessen Mitglied er ist.
Frankfurt. Nach dem hiesigen„Tageblatt“ hat der König zur Restauration des hiesigen Domes ein Geschenk von jährlich 20,000 fl. auf zehn Jahre von 1869 ab mit der Maßgabe be ⸗ willigt, daß der Bauplan noch näher festzustellen und die Ueberweisung der einzelnen Jahresraten davon abhängig bleibt, daß für jedes Jahr der Bauperiode vorab ein gleich hoher Beitrag von dem Dombau⸗Vereine anderweit beschafft und zur Verfügung gestellt wird.
Sachsen. Dresden. Am Reformations⸗ feste haben die hiesigen Geistlichen einer Art Protest gegen die päpstliche Aufforderung zur Rückkehr in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche von den Kanzeln herab Ausdruck gegeben. Weitere Veröffentlichungen in der Sache dürften bei der Stellung des sächsischen Hofes nicht zu erwarten sein.
Oesterreich. Wien. Das Herrenhaus nahm das Heeres Ergänzungs⸗Gesetz für 1869 und die Concursordnung in der Fassung des Ab⸗ geordnetenhauses an. Ferner genehmigt das Haus den Gränzregulirungsvertrag mit der Schweiz. Zehn Mitglieder des Herrenhauses darunter Car⸗ dinal Rauscher, haben ihr Mandat für die Reichs · raths⸗Delegation niedergelegt.
— Die„Neue freie Presse“ veröffentlicht ein Schreiben des Chefs der jungtürkischen Partei Zia Bey, worin er das Programm der Jung- türken skizzirt und diese Partei gegen die An⸗ schuldigung von Hochverrathstendenzen verwahrt. Das Schreiben macht die Umgebung des Sultans für den Verfall des Reiches verantwortlich und sagt, die jungtürkische Partei strebe Reformen auf gesetzlichem Wege an.
— Am Erinnerungetage für die Hingeschiedenen wurden die Friedhöfe Wiens und seiner Vororte von Hunderttausenden besucht. Die demokratischen Vereine hatten die Gräber der im Jahr 1848 gefallenen Freiheitsopfer reich geschmückt. Auch das Grab Mühlfelds war mit Kränzen bedeckt; auf den Bändern waren u. A. die Worte zu lesen:„Dem Mann des Lichtes! Dem Kämpfer für Freiheit und Volksrecht!“
Frankreich. Paris. Am Allerseelentage waren die Friedhöfe von Paris in herkömmlicher Weise von andächtigen Besuchern überfüllt. Vom Montmartre berichtet ein Augenzeuge, daß an dem Hauptthore des dortigen Gottesackers eine Compagnie von Pariser Gardisten und eine Un— zahl von Stadtsergeanten aufgestellt waren. Gegen 3 Uhr war der Andrang so groß, daß die Cir— culation nur mit ungeheurer Anstrengung aufiecht erhalten werden konnte. Die Gräber Cavaignacs und des im Dezember 1851 auf der Barrikade gefallenen Volksrepräsentanten Baudin waren mit
Kränzen bedeckt. Die Ruhe scheint den veröffent- lichten Berichten zufolge nirgends gestört worden u sein.
ö— Der Artikel„Krieg oder Friede“ im „Journ. de St. Petersb.“, welcher in Paris so großes Aufsehen und einige Aufregung hervorrief, liegt nun im Original vor und schrumpft zu einem Briefe zusammen, welchen ein Anonthmus auf eigene Verantwortlichkeit an das erwähnte Blatt gerichtet hat. Gleichwohl unterzieht ihn die „France“ einer eingehenden Kritik. Sie nimmt mit Befriedigung davon Act, daß auch dieser russische Politiker nirgends in den europäischen Verhältnissen eine unmittelbare Gefahr für den Frieden erblickt; dagegen verletzt es sie in ihrem Nationalgefühl, daß derselbe es sich zur Aufgabe stellt, gerade Frankreich klar zu machen, wie wenig es bei einem eventuellen Kriege zu gewinnen und wie viel es dabei zu verlieren hätte.
— Der große Tondichter Rossini, schon einige Tage leidend, ist so entkräftet, daß an seinem Aufkommen stark gezweifelt wird.
—„Wie wir vernehmen,“ schreibt die„Fran zösische Correspondenz,“„ist hier soeben aus Bukarest eine Note eingetroffen, in welcher die fürstliche Regierung nicht ohne Empfindlichkeit erklärt, es sei absolut unwahr, daß in der rumä— nischen Hauptstadt revolutionäre Comites bestünden, die, sei es Mazzinistischen oder russisch⸗bulgarischen Eingebungen gehorchten und in einer dieser beiden Richtungen agilirten.
— Der Kaiser empfing, wie man sagt, von der Mittheilung der preußischen Thronrede einen so befriedigenden Eindruck, daß er den Marquis de Moustier beaustragte, dem preuß. Geschäfts⸗ träger zu erklären, vaß Frankreich durchaus dem Standpunkte treu geblieben sei, welchen es in dem Lavaleiteschen Rundschreiben vom 16. Sept. 1866 bezeichnet habe. In demselben Sinne wurde auch Benedetti instruirt.
— Der„Arenir national“ und der„Reveil“ eröffnen eine Subscription zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren des Volksabgeordneten Baudin, der am 3. Dez. 1851 auf einer Barrikade im Faub. St. Antoine seinen Tod fand. Seine Grabstätte ist erst vor Kurzem entdeckt und am 2. ds., am großen Erinnerungstag der Todten, mit Immortellenkränzen überschütiet worden.
Holland. Während mehrerer Abende fanden in Rotterdam Volksaufläufe Statt, die haupt⸗ sächlich ihren Grund in der Unzufriedenheit eines Theils der niederen Volksklassen mit verschiedenen Maßregeln der Polizei hatten. Es kam zu einem Kampfe zwischen der Polizei und dem Pöbel und man sprach von Verwundeten und sogar von Todten.
Großbritannien. London. Auf den 11. November ist ein Meeting der Inhaber aller Arten ausländischer Bonde in die„London Tavern“ sestgesetzt. Der Zweck dieses Mectings soll die Wahl eines Comites für die Vertretung der ge⸗— meinsamen Interessen sein, welches unter anderem auch dahin wirken soll, daß den ausländischen Regierungen etwaige Aenderungen der einge— gangenen Verpflichtungen erschwert werden.
— In Santander ist eine Commission der Vereinigten Staaten angekommen und nach Madrid weiter gereist, welche von der Regierung der Ver⸗ einigten Staaten beauftragt ist, mit der provisori⸗ schen Regierung Spaniens über die Insel Cuba betreffende Fragen zu verhandeln.
Spanien. Ein Brief aus Madrid bezeich- net die Herren Serrano, Prim und Topete als Fürsprecher der Candidatur des Herzogs von Montpensier. Einen einflußreichen Gegner würden sie aber im entscheidenden Moment an Olozaga finden. Dieser, eine intriguante Natur bei großen Fähigkeiten und unter der biedersten Außenseite, trage einstweilen die vollkommenste Uebereinstim⸗ mung mit der provisorischen Regierung zur Schau, werde aber mit der Candidatar des Herzogs von Aosta(Sohn des Königs von Italien) hervor- treten, sobald die Minister sich mit der Candidatur Montpensiers vor dem In- und Auslande bloß⸗ gestellt hätten. Er handle dabei im Einverständniß
mit Napoleon, mit dem er schon früher durch Hrn. Rouher darüber konferirt habe.
Madrid. Der bekannte Publicist Orellang veröffentlicht eine Formel für die Vollziehung der Sclavenemancipation. Nach ihr würde stipulirt werden, daß jeder für frei erklärte Sclave der Schuldner seines ehemaligen Herrn bleibt und den Preis seiner Freikaufung durch Arbeit ab⸗ verdienen muß. Ausgenommen von dieser Ver⸗ pflichtung sind nur die über 60 Jahr alten In⸗ divituen und die von Sclaven gebornen Kinder, die ohne weitere Bedingung alsbald nach Publi— cation des vorgeschlagenen Dekrets frei werden. Die durch Kauf erworbenen Sclaven unter 10 Jahren werden von Staatswegen losgekauft.
— Die spanischen Blätter berichten über eine
Demonstration, welche am letzten Sonntag in
Madrid stattgehabt hat und die sie die„Kund⸗ gebung gegen den Hunger“ nennen. Uebrigens begnügte sich die Menge, welche an derselben Theil nahm, damit, lärmend und mit Fahnen, auf welchen ihr Programm im Lapidarstyl formu⸗ lirt war, durch die Straßen zu ziehen. Auf eine dieser Fahnen waren die Worte geschrieben: „Friedliche, achtungsvolle, lediglich ökonomische Kundgebung an den General Prim wegen einer Hungerfrage. Es lebe unser General!“ Auf einer anderen Fahne las man die Worte:„Wa⸗ rum Frankreich nachahnen und nicht den Ver⸗ einigten Staaten?“
— Zur Erörterung der religiösen Frage und namentlich der Cultusfreiheit hat im Tratro del Recreo eine zahlreich besuchte Versammlung statt⸗ gefunden, in der die Studenten stark vertreten waren. Echegaray entwickelte in einer längeren Rede die Nothwendigkeit der religiösen Gleichbe⸗ rechtigung und fand den allseitigen Beifall. Nach ihm sprach unter Andern noch Chamorro, der die unseligen Folgen des Jesuitismus und der Inqui⸗ sition in den lebhaftesten Farben malte und ge⸗ radezu auf den wohlthätigen Einfluß hinwies, den in andern Staaten der Verkehr der Katholiken mit Juden und Protestanten auf die Civilisation und Gewissensfreiheit ausgeübt habe. Die Ver⸗ sammlung schloß mit der Resolution:„Unbedingte Cultusfreiheit ist die einzige der Revolution wür⸗ dige und für die Zukunft glückverheißende Lösung.“
Italien. Florenz. Der König ist in Florenz zurück. Eine Demonstration hat am 3. d. zum Jahrestag der Schlacht von Mentana statt⸗ gefunden. Sie ist ohne Unordnung und friedlich verlaufen.
Donaufürstenthümer. Die in mehreren Telegrammen enthaltene Behauptung, daß Bedes⸗ chino, der Schwager Menotti Garibaldi's, Werbungen in Bulgarien betreibe, wird als voll⸗ ständig unbegründet bezeichnet.
Amerika. 1 Newyork. Die Präsiden⸗ tenwahl ist vollzogen. Die republikanische Partei hat den Sieg davon getzagen, General Ulisses S. Grant ist zum Präsidenten, Colfax zum Vice⸗ Präsidenten gewählt. Namentlich waren es die Nordweststaaten Ohio, Indiana, Illinois, Jowa und Michigan, die in geschlossener Phalanx für Grant stimmten, während sein Gegner Seymour in den Mittel- und Südstaaten viele Stimmen bekam. Für die ruhige, kräftige Entwickelung der vereinigten Staaten und die Heilung der Schäden, die der Bürgerkrieg verursacht, ist die Entscheidung dieser Wahl von der glücklichsten Bedeutung. Sie zeigt den Triumph der Republikaner über die sogenannten Demokraten, d. h. der Partei, welche die Ordnung, die Herrschaft des Rechts, die Gleichheit der Racen vor dem Gesetz und die redliche Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen gegen die Staatsgläubiger will, im Gegensatz zu der Partei der Demokraten, welche dem Bestande der Union und der Sklavenemaneipation feindlich gesinnt immer noch eine Lostrennung des Südens im Schilde führt und eine bedenkliche Schädigung des öffentlichen Vertrauens durch allerlei Winkel⸗ züge gegen die Inhaber von Staatsobligationen anstrebt. In Deutschland wird man den Aus- gang ber Präsidentenwahl nicht blos im Interesse unscrer Landsleute in Amerika begrüßen. Grant
ist nicht allein ein tüchtiger General, sondern


