Ausgabe 
6.8.1868
 
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staunenswerthen Enthüllungen. Der ehemalige italienische Ministerpräsident, Lamarmora, hat Kenntniß von diesen Verhandlungen; in Salzburg erhielt Herr v. Beust die erste vollständige Einsicht in dieselben.Wenn sich die Nachricht bestätigt, sagt das Blatt,dann können wir uns die schlaflosen Nächte des Einsiedlers von Varzin erklären.

Sachsen. Dresden. König Johann von Sachsen macht politische Studien. Bei einer neulichen Rundreise durch das sächsische Voigtland hatte er zu einem Diner, das er im Bade Elster gab, den Bürgermeister Hitzschold von Adorf, einen Mann, der lange Jahre als Flüchtling in der Schweiz lebte, ferner den Postmeister Lieutenant v. Schweinitz in Elster, einen ehemaligen Mai- gefangenen, und den Diakonus Pfeilschmidt aus Dresden, einen Rationalisten und Redner bei der Gedächtnißfeier für Robert Blum 1848, geladen.

Bayern. Speyer. Beim Jahressest des pfälzischen Hauptvereins der Gustav-Adolfstiftung vom 4.6. August zu St. Ingbert werden die Herren Prälat Dr. Zimmermann aus Darmstadt, Pfarrer und Professor Baum aus Straßburg und Pfarrer Schlickum aus Kirchberg die Fest⸗ reden halten.

Kaiserslautern. Am 1. August haben die Freunde der unirten Kirche der Pfalz ein Fest gefeiert, wie selten die alte Barbarossa⸗Stadt eines geschaut. Die fünfzigjährige Jubelfeier der pfölzischen Union hat aus allen Theilen der Pfalz viele Tausende von Theilnehmern herbeigeführt. Sechs bis acht Tausend Protestanten hatten sich in dem prachtvollen Fruchthalle⸗Saal versammelt. Die Festrede hielt Herr Pfarrer Gelbert aus Landau. Unter den anderen Rednern sind die Herren Bluntschli und Schenkel aus Heidelberg zu nennen. Der Erstere vertrat den Ausschug des deutschen Protestantentages, der Zweite die theologische Fakultät der Universität Heidelberg.

Oesterreich. Wien. In eirer Zuschrift an den Obmann des Schützenfestcomite's machte der Minister Graf Taaffe kund, daß der Kaiser ihn beauftragt habe, dem Schützencomite die Mit⸗ theilung zu machen, daß die Kaiserinfür das ihr gespendete Blumenbouquet herzlich danke. Die Mittheilung der Wiener Blätter, daß Michael Feßler aus Bregenz die erste Festgabe(das Steinway'sche Clavier) herausgeschossen habe, erweist sich als irrig; der Genannte hat nur den ersten Preis für die Feld⸗Industriescheibe(eine Casette mit 150 fl.) davongetragen. Das vom Festcomite des dritten nordamerikanischen Bundes- schießens gespendete, auf 3000 fl. geschätzte Prachtclavier, wird auf der Standfestscheibe München ausgeschossen. Die Wiener Festgabe von 1000 Vereinsthalern kommt auf die Feld⸗ fesischeibeDeutschland, die zweite Wiener Fest⸗ gabe, 300 Ducaten, auf die Standfestscheibe Heimath.

Peinliches Aufsehen erregte, wie diePresse meldet, dieser Tage ein Diebstahl in der Schieß⸗ halle. Ein Professor aus Pest hatte einen Becher gewonnen und denselben, in Papier gehüllt, auf den Stand hinter sich gestellt. Nach einigen Augenblicken war der Becher verschwunden. Comite⸗ mitglied Ramschak, der augenblicklich herbeikam, als er von dem Vorfalle hörte, stellte sogleich die eifrigsten Nachforschungen an und nahm sowohl die Mitwirkung des Sicherheitscomite's als der Sicherheitsbehörde in Anspruch. Der von dem Diebstahl Betroffene war höchst erregt und sehr unzufrieden, daß der Becher, den er durch sein gewandtes Schießen errungen, durch eigene Un vorsichtigkeit aber wieder verloren hatte, ihm nicht sofort zur Stelle geschasst werden konnte. Zornig verließ er die Amte stube und schlug die Thür so gewaltig hinter sich zu, daß eine Scheibe klirrend zu Boden fiel. Die Nachforschungen wurden eifrigst fortgesetzt, aber ergaben kein Resultat.

Bei Gelegenheit einer Feuersbrunst, welche vor Kurzem in der Vorstadt Josephstadt des Nachts ausbrach, war auch der Minister Giskra auf die Brandstätte geeilt. Er ermunterte eben die ihn nicht kennende Volksmasse zum Löschen, als auch einer der berittenen Ordonnanzpolizisten

sich übermäßig geschäftig zeigte, indem er unter der Menge herumcommandirte und mittelst des bekanntenDreinreiten Ordnung zu machen sich bemühte. Der Minister verwies dem Soldaten diese Manier und bemerkte: er solle doch weniger grob mit dem Volke verfahren. Da hatte er nun seine liebe Noth gegen sich selbst heraufbeschworen. Maul halten!Nix zu schaffen hier! ice. Höflichkeiten waren die ersten Erwiderungen, und als Dr. Giskra nun erst recht ernst einsprach, da waren gleich auch andere Polizisten zur Hand, die den vorlauten Civilisteneinführen wollten. Zur rechten Zeit bemerkte der commandirende Polkzeicommissaͤr die sich entwickelnde Affaire aus der Ferne; er eilte herbei, erkannte den Minister und das Uebrige, das Entsetzen der ordnungs- eifrigen Polizisten läßt sich eher begreifen als be⸗ schreiben. Es wird eine wahre Wohlthat sein für das Residenzpublikum, wenn diese Polizeiplage endlich einmal beseitigt sein wird.

Aus Wien wird officiös berichtet: Es ist von einer nach Berlin gerichteten Note die Rede gewesen, in welcher das österreichische Kabinet seine Stellung zu dem Schützenfest präcisirt habe. Eine solche Note existirt nicht, wohl aber eine bei sich darbietender Gelegenheit zu benützende Instruktion an den Gesandten in Berlin, im Wesentlichen des Inhalts, daß das Fest notorisch nicht aus der Initiative der Regierung hervorgegangen sei, daß aber die Regierung keinen Anlaß gehabt habe, dem nicht von ihr angeregten Feste entgegenzutreten, und daß sie, in Folge dieser ihrer Stellung, für die Festereignissekeine andere Verantwortlichkeit, als in rein polizeilicher Richtung übernehmen könne.

Holland. Luxemburg. Das Anheften Französischer Annerionsplacate in Luxemburg, das vor einigen Wochen Alarm hervorrief, ist Gegen stand einer zuchtpolizeigerichtlichen Verhandlung geworden. Beschuldigt wegen dieses Unfugs war der Buchdrucker Heintze. Wie dasLuxemb. Wort meldet, beschränkte sich die Selbstrecht⸗ fertigung des Beschuldigten, sowie auch die Ver- theidigungsrede seines Advocaten darauf, die ganze Sache als einen Witz ohne Zweck und Bedeutung darzustellen, und auch das Gericht nahm die Sache in diesem Sinne auf, indem es, sich dem Antrage des öffentlichen Ministeriums anschließend, nur auf eine Geldstrafe von 50 Franken erkannte.

Frankreich. Paris. DieFrance vom 1. d. bringt einen Artikel, in welchem sie die am 31. Juli von Herrn v. Girardin entwickelten Pläne bekämpft und zu der Schlußfolgerung kommt, man solle nicht unnöthigerweise die Calamitäten eines Krieges heraufbeschwören.

DerMoniteur veröffentlicht das An⸗ leihegesetz. Nach demselben beträgt der Emissions⸗ cours 60. 25 mit Zinsengenuß vom 1. Juli 1868 an. Ein Erlaß des Finanzministers bestimmt, daß die Subscription auf die Anleihe vom 6. bis 13. August incl. stattfinden soll. Zeichnungen unter 5 Francs Rente werden nicht angenommen. Die erste Einzahlung ist gleich dem jährlichen Zinsbetrag der gezeichneten Summe, somit hat man auf 5 Francs Rente als erste Einzahlung 5 Francs zu leisten.

Italien. Turin. Aus der Ravenna kommen die traurigsten Berichte über die dortigen Zustände, welche sich mit jedem Tage verschlimmern. Raub und Mord nehmen in der unglücklichen Provinz in immer größeren Verhältnissen überhand und die Uebelthäter bleiben ungestrast, da sie Behörden und Richter durch unausgesetzte Drohungen ein⸗ zuschüchtern wissen. Die Patrouillen unserer braven Truppen werden von ihnen aus dem Ver⸗ steck angegriffen und erleiden oft bedeutende Ver- luste. Vor einigen Tagen wurde hinter einem Gehege hervor auf eine Patrouille gefeuert, und ein Bersagliere, sowie ein Gendarme fielen tödtlich getroffen. Tags darauf wiederholte sich derselbe Fall an einem anderen Ort, und wieder wurde ein Gendarme getödtet und ein Soldat der Linie schwer verwundet. Die Patrouillen säumten freilich nicht, das Feuer zu erwiedern, aber den Bösewichtern gelang es, sich, geschützt durch das

dichte und hohe Gesträuch, ohne große Schwierig⸗ keit mit heiler Haut aus dem Staube zu machen.

Verschiedene Blätter berichten, daß sich vier italienische Kriegsschisfe mit 1300 Mann und etwa 50 Kanonen in den Gewässern von Caprera befinden. Menotti Garibaldi ist mit seiner jungen Frau bei seinem Vater eingetroffen. Rom. Man hält es hier allgemein für un⸗ wahrscheinlich, daß der kürzlich zum Bischof in partibus von Agatnopolis ernannte Msgr. Na⸗ mesanowski, als katholischer Feldbischof des Nordbundes, auch gleichzeitig zum päpstlichen Nuntius und Bischof in Berlin ernannt werden dürste. Als preußischer Unterthan könnte er in Preußen selbst nicht wohl eine auswärtige Macht vertreten; außerdem gebört Berlin auch zum Erz- bisthum Breslau. Es wäre aber nicht unmöglich, daß durch besondere Bewilligung des Papstes das Amt eines Oberalmoseniers der Armee allmählich bis zur regelmäßigen Nunciatur ausgebildet und gleichzeitig eine andere Eintheilung der Bisthümer vorgenommen würde. Donaufürstenthümer. Bukarest. Telegramme aus Rustschuk vom 2. August melden, daß zwischen bulgarischen Insurgenten und türkischen Truppen ein dreistündiges Gefecht stattgefunden hat, wobei 38 Insurgenten getödtet wurden; der Rest der Bande Dimisri's soll zwischen Kastanlik (2) und Schilkan(kleine Wallachei, südlich von Krajowa) von den Türken cernirt sein. Das Hauptquartier Midhad⸗Pascha's befindet sich zu Gabrowa. Bei Galatz wurde vom rumänischen Ufer aus auf ein türkisches Kanonboot gefeuert. In Ibraila sind von den rumänischen Behörden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Großbritannien. London. Die Morgen⸗ blätter enthalten eine Anzeige des Secretärs der anglo-amerikanischen Telegraphengesellschaft, wonach die Leitungsfähigkeit des im Jahre 1866 gelegten Kabels aufgehört habe. Die Ursachen dieser plötzlichen Störung seien noch unbekannt.

Friedberg. Am 31. Juli hat Herr Postsekrctär Schreiner, welcher eine Reihe von Jahren an hiesigem Postamte tbätig war, unsere Stadt verlassen, um seinen neuen Dienst am Postamte zu Kassel anzutreten. Wir verlieren in dem Scheidenden einen gewissenhasten, treuen Beamten, einen lieden Freund, überhaupt eine Persönlich⸗ keit, deren Scheiden aus hiesiger Stadt allgemein bedauert wird. Freunde und Collegen, die sich zu Ehren des Hrn. Schreiner an zwei Abenden mit ihm im Hotel Trapp zu⸗ sammengefunden hatten, gaben ihren anhänglichen und herzlichen Gesinnungen in manch freundlichen, anerkennen⸗ dem Worte Ausdruck, insbesondere that dies auch sein seit⸗ heriger nächster Vorgesetzter. Möge Herr Schreiner auch in seinem neuen Wirkungskreise die allgemeine Auerken⸗ nung finden, die ihm hier geworden ist; uusere besten Wünsche begleiten ihn!

Nürnberg. Eine Pendeluhr aus Brot. Im Gasthausezum weißen Löwen ist eine Uhr aus Brot, ein Kunstweik der hervorragendsten Art, ausgestellt, wesches von einem ins Unglück gerathenen Cridatar während seiner 2jährigen Haft angefertigt wurde. Die Pendeluhr zeigt eine sehr gelungene Ornamentik; Räderwerk, Gehäuse, Ziffer⸗ blatt, Gewichte sind äußerst zierlich aus gelnetetem Roggen brot angeferligt. Die Uhr zeigt Stunke, Minute, Sekunde, Jahr, Monat und Tag mit größter Genaulgkeit an. Dem Verfertiger stand zur Construction dieses Meiflerwerks, wie legale Zeugnisse bestätigen, nur ein einfaches Brot messer zu Gebot.

Jena. Die in Jens erscheinendenBlätter für Rechirpflege in Thüringen enhalten in der neuesten Nummer einen Rechtsfall überfahrlässige Tödtung durch trichinenhalüges Schweinefleisch. Ein für den Hausbe⸗ darf geschlachtetes Schwein war gegen die bestehende Ver⸗ ordnung nicht mikroskopisch untersucht worden; als ver⸗ schiedene Personen, welche rohes Fleisch von diesem Schweine genossen hatten, eikrankten und zwei kräftige junge Männer sogar unter den Symptomen der Trichinose starden, ward eine Untersuchung eingelcitet, das Schwein in hohem Grade trichinenhallig befunden und auch an den beiden Leichen cine große Zabl von Trichinen nachgewiesen. Da der Eigenthümer sewohl wie der Metzger die mikroskeplsche Untersuchung aus Nachlässigkeit und Unvor⸗ sichtigteit unterlassen hatten, wurden Beide der Tödtung aus Fahrlässigkeit für schuldig erklärt und Jener zu zwei⸗ monallicher, Dieser zu viel monatlicher Gesängnißstrafe, auch Jeder in die Hälste der Kosten des Strafversahrens veiurtheilt. Dieser Ausgang verdient als warnendes Beispiel allgemein bekannt zu werden.

Paris.(Alles Laterne.) Die neusste hier gebräuchliche Form von Bonbonschachteln ist die einer Lazerne nach dem auf Rocheforts Wochenschrift abgebildeten Modell. Man sieht diese Schachteln in den Schaufenstern aller Zucker⸗ bäcker und Gewürzhändler ausgestellt. Rochefort, der sich sehr geschickt Neclame zu machen versteht, hatte einem Klempner den Gedanken eingegeben, wirkliche Laternen nach

diesem Muster anzufertigen, mit denen man am 15. August (Napolconstag) eine Art von Procession durch die liebe

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