Mai.
In der heutigen Sitzung des Zollparlaments wurde zur
Preußen. Berlin, 1.
Vornahme von Wahlprüfungen geschritten. Der Referent der dritten Abtheilung, Harnier, verliest den Protest gegen die württembergischen Wahlen. Die Abtheilung beantragt, der Vorsitzende des Bundesrathes möge die Uebereinstimmung des norddeutschen mit dem württembergischen Wahl— gesetze herstellen. Die übrigen Abtheilungen stellen ähnliche Anträge. Mittnacht rechtfertigt das Ver fahren. Auch der Nordbund mache das aktive Wahlrecht von der Staatsangehörigkeit abhängig. Der Wahlprotest hätte sich gegen bestimmte Wahlen, nicht generell gegen alle richten müssen. Braun(Wiesbaden) sucht den Protest zu recht— fertigen und wünscht die Prüfung sämmtlicher Beschwerden wegen Wahlbeeinflussungen, damit Wiederholungsfällen vorgebeugt werde. In dem weiteren Verlauf der Verhandlung tadelt Graf Bethusy⸗Hue den heftigen Ton des Dr. Braun und empfiehlt den sehr allgemein gehaltenen Antrag der vierten Abtheilung: der Vorstand des Bundes— raths wolle darauf hinwirken, daß das württem⸗ bergische Wahlgesetz mit dem Zollvertrag in Ein— klang gebracht werde. Braun zieht seinen Antrag zurück. Metz tadelt die Verbindung der Regie— rungspartei mit der demokratischen Partei, welche die Einigung Deutschlands bekämpfe. Er empfiehlt die Abtheilungsanträge. Nach erregter Debatte, wobei die Herren v. Linden und Varnbüler das Verfahren der württembergischen Regierung ver⸗— theidigten, wird der Antrag der vierten Abtheilung mit 162 gegen 105 Stimmen angenommen, welcher den Bundeskanzler auffordert, auf eine dem Zoll⸗ vertrage homogene Ausführung der Wahlen in Württemberg hinzuwirken.
— 2. Mai. Zollparlament. Für die Behandlung des Vertrages des Zollvereins mit Oesterreich wird Vorberathung in Pleno beschlossen. Die Behandlung des Adressen-Entwurfs, wie die Behandlung des Antrags von Stumm auf Be— seitigung der Ausfuhrvergütung, welche Frankreich gegen die Vorschrift des Handelsvertrags seiner Eisenindustrie durch mißbräuchliche Handhabung der Rückvergütung des Betrags des Importzolls gewährt, wird in der Schlußberathung erledigt werden. Von Wahlprüfungen liegt nur noch eine dem Hause vor.
— Eine Correspondenz des„Fr. J.“ schreibt: Es sind große, schwere Gegensätze im Zollparlament vorhanden, unversönlicher noch, als sich das Haus selbst vorgestellt haben mag. Die heutige Debatte über die württembergischen Wahlen sprach für den Riß zwischen Nord und Süd nur zu deutlich. Es ist immer gut, wenn die Geister, die nicht zu einander gehören, auf einander platzen, man weiß dann besser, woran man ist, und auch nur darum haben wir nichts dagegen zu sagen, daß Braun (Wiesbaden) seinem Herzen Luft machte und seinen ganzen Groll über Varnbüler und Mittnacht aus⸗ schüttete. Nur hielt sich Braun so tacetlos und ungeschickt in seinen Angriffen, so kleinlich und preußisch partikularisch in seiner Befehdung der südstaatlichen Politik, daß sich nicht einmal in seiner eigenen Fraction Jemand fand, der ihn in Schutz nahm. Er vergriff sich in den Mitteln so sehr, daß er statt zu sachlicher Polemik seine Zuflucht zu Ungezogenheiten nahm und dafür sich gefallen lassen mußte, daß ihn Mittnacht, eine bedeutende rednerische Kraft, ad absurdum führte, nachdem schon vorher Graf Bethusy die Braun'sche Manier des Nörgelns und Verdächtigens scharf gerügt hatte. Auch Frhr. v. Varnbüler that sich als Redner auf, um seine württembergische Politik zu rechtfertigen. Damit machte er nun freilich wenig Glück, aber er fesselte doch die Versammlung mit seiner energischen, ruhigen Sprachweise eine volle Stunde lang und verstand es, Diejenigen geschickt zu rectificiren, die den Splitter Anderer, aber nicht den Balken im eigenen Auge gewahren. Insofern ist die heutige Discussion sehr lehrreich, sehr anziehend gewesen. Lasker sprach, ohne Ein⸗ druck zu machen, obwohl das Haus ihm mit Auf⸗ merksamkeit folgte. Die Conservativen stimmten mit den Süddeutschen, wenngleich aus grundver⸗ schiedenen Motiven. Sie werden mit den Süd⸗
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deutschen zusammen auch gegen jeden Adreßent⸗ wurf stimmen.
— Die süddeutsche Fraktion hat sich constituirt;
dieselbe zählt 57 Mitglieder. Vorsitzender ist Frhr. v. Thüngen. Daneben entsteht eine süddeutsche Fortschrittsfraktion(bayerische und badische Ab⸗ geordnete) 20 Mitglieder stark. Der„Elberf. Z.“ wird über die Vor⸗ stellnng der süddeutschen Abgeordneten bei dem Hoffeste im königlichen Schlosse u. A. folgendes geschrieben: Der König beehrte den Fabrikanten Kugler aus Offenbach mit einer Bemerkung über die blühende Industrie seines Ortes, entgegnete aber auf dessen Antwort, dieselbe bedürfe der Aufnahme in den Nordbund:„Da sprechen sie ein großes Wort gelassen aus!“ Von den Mecklen⸗ burgern wurde der Abgeordnete Wachenhusen nach Stand und Heimathsort befragt, dem Grafen Bassewitz die Hand gereicht, und das Brüderpaar Julius und Moritz Wiggers stumm vorbei gelassen. Die Königin zeigte sich wiederum ganz von der entgegenkommenden Liebenswürdigkeit, welche man an ihr kennt.
Bayern. München. Erst im Monate Juni wird der Prozeß des Grafen Chorinsky vor den hiesigen Assisen den Anfang nehmen.
Oesterreich. Wien. Die Wiener„Abend⸗ post“ vernimmt, daß der rumänische Minister des Aeußern an sämmtliche Vertreter europäischer Mächte in Bukarest eine Note geschickt hat, worin er die Judenverfolgungen in Abrede stellt und auf die Thätigkeit des österreichischen General— consuls in Jassy tadelnd hinweist. Der öster— reichische Generalconsul in Bukarest richtete hier⸗ auf eine energische Note an Bratiano, worin er die Judenverfolgungen bestimmt constatirt, die Angriffe auf den österreichischen Generalconsul in Jassy zurückweist and volle Entschädigung der Betroffenen fordert.
— In der vom Herren hause gewählten Commission zur Prüfung des interconfessionellen Gesetzes ist der Liberalismus durch die Grafen Auersperg(Anastasius Grün), Meran(Sohn des Erzherzogs Johann) und Hartig, sowie durch die Professoren Karajan und Miklosich und den Industriellen Klein vertreten. An der Spitze der clerical-feudalen Minorität der Commission steht Cardinal Rauscher; es ist aber zweifelhaft, ob er an den Berathungen Theil nehmen wird.
— Wiener Blätter bringen aus Gratz fol⸗ gende nicht uninteressante Notiz:„Der Landes- commandant Feldmarschall Lieutenant Maroicic hielt eine Ansprache an das Offiziercorps, welches sich ihm vorstellte. Der Landescommandant betonte, daß die Offiziere nie vergessen sollen, daß auch sie Bürger eines constitutionellen Staates seien. Sie sollen nie verrottete Sonder ⸗ Privilegien beanspruchen, da auch die Offiziere dem Volke entstammen.“
Schweiz. Das große Glarner Dorf Bilten ist seit dem 30. April von einem bedeutenden Bergsturz bedroht. Viele Familien flüchten sich. Hülfe ist unmöglich.
Großbritannien. London. Nach Be⸗ richten Londoner Blätter lassen sich erst jetzt die furchtbaren Folgen der Clerkenweller Explosion recht übersehen: Sechs Personen wurden auf der Stelle getödtet, sechs starben an den erhaltenen Verletzungen, fünf verdanken ihren Tod indirekt dieser Catastrophe; eine junge Frau befindet sich in einem Narrenhause, 40 Frauen wurden vor- zeitig entbunden und 20 dieser Frühgeburten starben in Folge der Wirkung der Explosion auf die Mütter, und andere von ihnen sind verkrüppelt oder ungesund. Eine Mutter verfiel in Tobsucht, 120 Personen wurden verwundet, 15 sind durch Verlust von Augen, Armen, Beinen u. s. w. auf die Dauer invalid. Der an Personen und Eigen- thum verübte Schaden wird auf 20,000 L. geschätzt.
Rußland. Petersburg. Das„Journal von St. Petersburg“ dementirt die von der Ber⸗ liner Correspondenz der„Times“ gebrachte Nach⸗ richt von der Weigerung Preußens, im Einver⸗ nehmen mit Rußlaud in den brientalischen An⸗ gelegenheiten zu handeln, und sagt, die Cabinette
von Berlin und Florenz seien mit dem Programm Rußlands einverstanden. f
Warschau. Von der Ehrlichkeit der russischen B amten meldet die„Bresl. Zeitung“ folgendes Exempel: In Piotrkow beschlossen mehrere junge Herren und Damen ein Schauspiel aufzuführen, dessen Ertrag sie zur Unterstützung armer Schüler verwenden wollten. Sie erhielten vom Gouverneur die Erlaubniß hierzu. Als aber die Billette sämmtlich verkauft waren, ließ der Gouverneur das Geld wegnehmen und schickte es nach Peters⸗ burg als Ertrag eines auf seinen Betrieb gespielten Schauspieles zu Gunsten der Nothleidenden in den Nord- Gouvernements. Die Theilnehmer wagten natürlich keinen Protest, der ihnen bei dem Kriegszustand, unter dessen schützenden Flügeln wir leben, nur eine kostenfreie Reise nach Sibirien zugezogen haben würde.
* Friedberg. Am verflossenen Samstag, den 7. Mai, waren 25 Jahre vergangen, seitbem Herr Pfarrer Baur sein erstes Amt angetreten hat. Er war damals als Lehrer an der Musterschule und Hilfsprediger hier an⸗ gestellt worden und hat die ganzen 25 Jahre seither im Dienste der hiesigen Gemeinde zugebracht, nach einer nicht sehr langen Wirksamkeit an der Musterschule als Diakonus und sodann als Pfarrer. Die Mitglieder des Kirchen⸗ und Schulvorstandes und der Armencommission sowie des Gemeinderathes begaben sich daher an diesem Tage in Gesammtheit zu dem Jubilar, um ihm ihre Glückwünsche auszusprechen. Die Herren Bürgermeister Foucar und Professor Dr. Diegel gaben dem Gefühle allgemeiner Hochachtung und Verehrung Ausdruck, wobei namentlich auch der schwierigen und in das Wohl der Stadt so tief eingreifenden Thätigkeit des Jubilars als Vorsitzender des Kirchen- und Schulvorstandes und der Armencommission und der von ihm stets dabei bewährten großen Gewissen⸗ hafligkeit und Treue gedacht wurde. Vorher hatten be⸗ reits die Lehrer der Musterschule, zu welchen Hr. Pfarrer Baur als Schulinspector in näherer Beziehung steht, ihre Glückwünsche dargebracht, sowie dies auch von Seiten des Armenhauses geschehen war. Es ist ein erfreuliches Zeichen einen Geistlichen in so ungetheilter Weise, wie dies hier der Fall ist, der Achtung und des Vertrauens der Gemeinde sich erfreuen zu sehen. Hoffen wir, daß Herr Pfarrer Baur, welcher durch die ihm gewordenen Be⸗ weise der Verehrung sichtbar überrascht und ergriffen war, noch viele Jahre hindurch eine ungeschwächte Kraft und Gesundheit seinen verschiedenen Amtsthätigkeiten werde widmen können, und daß es seinen Freunden vergönnt sein werde ihm auch noch zum 50 jährigen Jubiläum Glück zu wünschen.
Die Nothleidenden Ostpreußens betreffend.
Durch Verfügungen der verschiedenen Bahndirectionen ist gegenwärtig der freie Versand von Kartoffeln und Früchten zu Gunsten der Nothleidenden Ostpreußens auf⸗ gehoben worden, indem mit dieser Vergünstigung in höchst verabscheuungswer ther Weise Mißbrauch getrieben worden ist.— Der Unterzeichnete ersucht daher Sammlungen von Kartoffeln und Früchten zu Gunsten der Nothleidenden Ostpreußens einzustellen, indem die zu zahlende Fracht den Werth des Objectes jedenfalls überstiege, und bittet etwaige weitere mildthätige Gaben nur noch in Kleidungsstücken und baarem Gelde zu machen.
Friedberg den 1. Mai 1868.
F. Stift, Verwalter der Friedberger Bergbangesellschaft.
Schwurgericht der Provinz Oberhessen. II. Quartal 1868. Urtheile:
Den 24. April wurde Conrad Schäfer aus Unter⸗ Widdersheim, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, in eine Correktionshausstrase von 2 Jahren verfällt.— Den 25. April wurde Louis Schenk, gewesener Briefträger aus Nidda, wegen Unterschlagung, in eine Correktions⸗ hausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurtheilt.— Den 27. April wurde Georg Scharmann aus Popenhausen, wegen ausgezeichneten Diebstahls, in eine Correktionshaus⸗
jedoch verordnet, daß 4 Monate unverschuldet erlittene Untersuchungshaft an jener Strafe in Abzug zu bringen set.— Den 28. April wurde Hans Georg Brosius aus Mornshausen, Königlich Preußischen Amtsgerichts Gladen⸗ bach, wegen Brandstistung, in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurtheilt.— Den 29. April wurde gegen Christiane Geiß von Ulrichstein, wegen Kindesmords, eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren erkannt.
Darmftadt⸗ Nach der„Mainztg.“ ist die in dem Giftmordprozeß Jacobi seiner Zeit viel genannte Dienst⸗ magd Marie Huber, deren Mitschuld damals nicht recht klar gestellt werden konnte, nun schon wieder bei einem ähnlichen Falle compromittirt, indem die Gattin eines Londoner Arztes, bei welchem Maria Huber gegen⸗ wärtig in Diensten steht, ebenfalls vergiftet wurde.
Die Geschäftsleute in Uffhofen(Rheinhessen), be⸗ sonders die Wirthe und Specereikrämer, wurden schon seit längerer Zeit und gewöhnlich des Abends mit falschem Gelde betrogen. Die Falschmünzer machten sich ein Geschäft daraus, Pfennigstücke, sowie österreichische und badische 1⸗Kreuzerstücke, nachdem sie vorher die Präge
durch möglichste Abreibung unklar gemacht und mittelst
strafe von 2 Jahren und 4 Monaten verurtheilt, dabei
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