Ausgabe 
5.5.1868
 
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einer Quecksilberbeize silberfarbig überzogen hatten, für 6⸗ und 9⸗Kreuzer, Silbergroschen- und 18⸗Kreuzer⸗Stücke auszugeben. Diesem sauberen Geschaͤftchen kam man endlich auf die Spur und zwei noch junge Leute sind in Haft genommen. Eine Masse dieses Geldes ist durch die Polizei bei Verschtedenen in Beschlag genommen worden.

Coblenz. Die Matrosen des RemorqueursMühl⸗ heim haben bei Oberwesel eine Leiche gelandet, in der man, nach der Kleidung und Koͤrperbildung zu urtheilen, den bei Mainz verunglückten Banquier M. Mayer gefunden zu haben glaubt. Bis jetzt hatte man trotz aller eifrigen Nachforschungen noch keine Spuren von dem Verunglückten entdecken können.

aDie Ebergenyi wird, wie einst ihre Schicksals⸗ genossin Lafarge, schon bei Lebzeiten Gegenstand der tragischen Poesie. Im Volkstheater zu Ofen kommt in den nächsten Tagen ein Stück auf die Bühne, das ihren Namen als Titel trägt.

Darmstadt. Prozeß Keller. Unter großem Andrang des Publikums begannen am 30. April vor dem Schwurgerichte die Verhandlungen gegen Peter Keller, Bauer aus Büttelborn, 53 Jahre alt, wegen Kirchendiebstahl und widernatürlicher Unzucht, sowie gegen den Knecht des Vorgenannten, Wendel Helfmann, 18 Jahre alt, aus Griesheim, wegen des letzteren Verbrechens. Die Dieb⸗ stähle, welche Keller zur Last gelegt werden und welche er auch in der Voruntersuchung zum Theil zugestanden hatte mit der Motivirung, er habe die Krankheit seiner Frau und Tochter durch Auwendung sympathetischer Kuren heilen wollen, erstrecken sich auf Bücher, Agenden, Bibeln und Altardecken in den Kirchen zu Büttelborn, Dornheim, Großgerau, Goddelau, Trebur, Wolfskehlen und dem Schulhause zu Griesheim in den Jahren 1863, 64, 65, 66 und 67. Im Ganzen sind ihm 18 Diebstähle und resp. Diebstahlsversuche und zwar 5 in Büttelborn, 5 in Großgerau, je 1 in Dornheim, Trebur, Wolfskehlen und Goddelau(Kirchendiebstähle), 3 in Griesheim und 1 in Großgerau(Schuldiebstähle) zur Last gelegt jedoch nur 14 Diebstähle und 2 Versuche verwiesen. Die ersten In⸗ dicien gegen den Angeklagten ergaben sich, als Kinder am 10. Febr. 1867 während seiner Abwesenheit von Büttel⸗ born in seiner Scheuer spielten und dort unter dem Dache

Bibeln und Kirchenbücher fanden. Der heutige Morgen wurde zum größten Theile mit Verlesung des Verweisungs⸗ Urtheils und Anklageaktes ausgefüllt. Angeborenes Talent, Halbbildung und Eitelkeit, sind nach dem Anklage Akte die Grundzüge seines Wesens. Zugleich wird er als Schwätzer, Lügner und Zänker, der sein Vergnügen an Verdächtigungen zur Evidenz bewiesen habe, dargestellt. Bei dieser Schilderung umspielt momentan ein pfiffiges Lächeln das Gesicht des Angeklagten. Schließlich vermag die Anklage nicht fixe Ideen zu erblicken, sondern erklärt die Handlungsweise des Augeschuldigten durch vollständige Verderbtheit des Charakters. Bei der hierauf folgenden Vernehmung nimmt Keller sein Geständ niß zurück, indem er unter großem Wortschwall erklärte, Christ zu sein, aber nicht Jesuft und Pietist. Er solle das Opfer des Jesui⸗ tismus werden. Er habe in der Voruntersuchung die ihm zur Last gelegten Diebstähle zugestanden, weil man ihm gesagt habe, daß er sonst noch Jahr und Tag sitzen werde. Bei seinen früheren Geständnissen äußerte ber Angeklagte: Wenn ich an einem Kirchhofe oder einer Kirche bei Nacht vorbei gehe, so packt es mich, ich muß hinein, und wenn ich heute frei würde, ich müßte es wieder thun. Gestanden will Keller nur haben, theils weil ihn der die Untersuchung führende Assessor Becker zum Geständniß verleitet habe, theils, weil er im Gefängniß krank geworden sei und er die Sache, die er auch durch Geld abmachen zu können geglaubt babe, zu einem rascheren Ende hätte führen wollen. Auf die Frage, warum er verschiedene Bücher, die er in seinem Garten gefunden haben will, nicht dem Gerichte abgeliefert habe, weiß der Inkulpat keine genügende Auskunft zu ertheilen. Nachdem hierauf die Augenscheins⸗ Protokolle über zwei Verstecke, das eine im Speicher, das andere über einem Stalle, in welchem die entwendeten Gegenstände aufgefunden wurden, verlesen worden, schreitet der Präsident zur Abhör der 81 geladenen Zeugen. Es sind dies in erster Reihe die Geistlichen, Glöckner und Lehrer der betreffenden Gemeinden, welche gestern Abend und heute Morgen vernommen wurden. Eine Reihe gewaltsamer Einbrüche wird durch sie festgestellt; gesehen wurde indessen der Angeklagte in keinem der Fälle. Dem Brigadier Bauer, der sich kürzlich entleibte, wird dabei das Zeugniß eines braven, kirchlichen mit seiner Familie

in glücklicher Ehe lebenden Mannes ausgestellt, welcher fich aus Trübsinn über den Tod seiner Frau den Tod

gegeben habe. Eine Erklärung der Vertheibigung, daß sie den objektiven Thatbestand der Diebstähle zugebe, also in dieser Hinsicht einer Vereinfachung des Beweis verfahrens gerne zustimmen würde, accepitirt der Präsibent und wird die weitere Zeugenvernehmung danach beschränken. Eine Reihe von Zeugen wird sodann vernommen, um zu con⸗ statiren, ob Keller zu der Zeit, als die Kirchendiebstähle stattfanden, an den betreffenden Orten war. Was den Diebstahl zu Trebur betrifft, so spricht zwar die Wahr⸗ scheinlichkeit für die That durch einen Ortsfremden, die Anwesenheit des Angeklagten kann jedoch nicht bestimmt nachgewiesen werden.(Fortsetzung folgt.)

Darmstadt, 3. Mai. Nach viertägiger Verhandlung erfolgte heute Abend nach einem glänzenden Plaidoyer des Vertheidigers, Hofgerichtsadvokat Emmerling II., die Freisprechung des P. Keller aus Büttelborn. Die Staats⸗ anwaltschaft zeigte jedoch sofort das Rechtsmittel der Nichtigkeit an, weßhalb der Beschuldigte der Haft noch nicht entlassen werden konnte.

Concert.

Der Vorstand des Frauen⸗Vereins der Gustav⸗ Adolf⸗Stiftung für Friedberg und Umgegend hat unter gütiger Mitwirkung von Freundinnen und Freunden des Gesangs und der Musik ꝛc. zu m Besten der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung auf

Samstag den 16. Ma i Abends Uhr ein Concert im großen Saale des Hotel Trapp dahier veranstaltet und ladet zu recht zahlreicher Theilnahme ein.

Einzelne Karten zu 18 kr., Familienkarten für 2 Personen zu 30 kr. und für mehr Personen zu 36 kr. sind in der Buchhandlung von Binder⸗ nagel& Schimpff, und Abends an der Kasse zu haben. Das Programm besagt das Nähere.

Friedberg, den 4. Mai 1868.

5 65 Bekanntmachung Anze i e r 1055 Die Stadt Nan be im beabsich 2 1 der 5 e Stadt Nauheim beabfichtigt ein Kapital 2 2 2 8 1 5 * von 3000 fl. ganz oder getrennt, zu 20% Aae 1066 Den Bewohnern der Stadt Reichelsheim und Umgegend mache ich hiermit die Anzeige, den wer lehnsweise aufzunebmen. daß ich mich dahier als praktischer Arzt niedergelassen habe. und Deßfallsige Offerten wollen an unterzeichnete Bürger; Reichelsheim den 1. Mai 1868. krurn wert meisttrei eingefandt werden.

Nauheim am 30. April 1868. Groß herzogliche N Naubeim .d. B.: Der Beigeordnete Eu ser. vdt. Schutt. Obligations-Verloosung. 1054 Bet der dahier statigehabten Verloosung hlesiger Parttal- Obligationen ist die Nr. 56 und 67 je 100 fl. rückzahlbar geworden, was dem Inhaber derselben mit dem Anfügen mitgetheilt wird, daß der Betrag bis Ende Juli d. J.,(auch nach Wunsch alsbald), gegen Rück⸗ gabe der qufttirten Schuldverschreibung und der nicht fälligen Zinscouvons bet hbiefiger Gemeindekasse in Empfang zu nehmen ist, da eine weitere Berzinsung von jenem Termine an nicht mehr stattfindet. Ossenbeim am 30. April 1868. Großherzogliche Ossenheim a u l.

radu ne g.

867 Nachdem über das überschuldete Vermögen des

Pbiltpv Metzger von Ober⸗Rosbach der förmliche

Toncursprozeß erkaant worden ist, werden dessen Gläu⸗

biger aufgefordert

Mittwoch am 13. Mai l. J.,

Morgens 9 Uhr,

ihre Forderungen bei Meidung Ausschlusses von der

Masse dahier anzuzeigen und etwaige Vorzugsrechte zu

begründen.

In diesem Termine sellen Beschlüsse über Bestellung eines Wassecurators, Verfilberung der Masse gefaßt und ein Arrangement versucht werden, und wird von den ausbleibenden oder nicht gehörig vertresenen Gläubigern unterstellt, daß sie den desfallfigen Beschlüssen der Mehr⸗ heit der Gläubiger zustimmten.

zriedberg am 31. März 1868. a

Groß herzogliches Landgericht Friedberg Reltz, Hofmann, Landrichter. Landgerichts⸗Assessor.

Bekanntmachung.

1078 Den Steigerern der heute im Domanialwald Burg⸗ wald abgehaltenen Versieigerung von Reiserholz⸗Wellen und Ginstern wird hierdurch die Genehmigung dieser Versteigerung mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß die Absuhrscheine vom 7. d. M. an bei Großherzog lichem Rentamt Friedberg in Empfang genommen werden können. Ober ⸗Ros bach den 30. April 1868. Großherzogliche Oberförsteret Ober- Rosbach

Dr. meu. Fr. Moldenhauer.

Holz-Versteigerung in den Gräflich Solms ⸗Nödelheim'schen Waldungen.

1080 In dem Revier Einartshausen gelangen zur öffentlichen Versteigerung: 1) Donnerstag den 14. Mai l. J. in den Disirikten Waidhecken, Dickenstrauch, Häsels, Strutwald und Schotterberg: 54 Stecken Buchen⸗Scheitholz,

50 Prugelholz, 2 Eichen⸗ 7 110 Buchen⸗Stodholz, 16⁵ 4 Astreisholz, 9 Eichen- 100 Nadel⸗Durchforstungoreisholz(15 Fuß lang),

26 Stück Buchen Stämme und Stammabschnitte, von 12 bis 40 Fuß Länge, 18 bis 28 Zoll mittlerem Durchmesser= 2260 Cubikfuß.

2) Freitag den 15. Mai l. J. im Distrikt Dörnberg:

150 Stecken Buchen⸗Durchforstungsreisholz,

20 Nadel-Astreisholz.

Gegen vorschriftsmäßige Burgscheine wird Zahlungs-

frist bis 11. Novewber l. J. gestattet.

Zusammenlunft am ersten Tage Morgens präcis

9 Uhr im Distrikt Waidhecken auf dem vom Rupperts⸗ häuser Jägerhaus nach Einartshausen führenden Fuß pfad ohnweit der Kiliansherberge und am zweiten Tage Morgens präcis 9 Uhr im Distrikt Dörnberg.

Wickfladt den 30. April 1868.

Schal las, Gräflich Solms⸗Rödelheim'scher Obererförster.

Holzversteigerung.

1071 Die am 27. und 28. April in dem Fretherrlich von Franckenstein'schen WalddistrictKlappertannen und demStraßheimer Hübnerwalde abgehaltene Holz- versleigerung ist genehmigt worden.

Der erste Fahrtag wird auf Montag den 4. Mai anberaumt.

Ockstadt am 1. Mat 1868.

Wilbrand, Freiberrlich von Franckenstein'scher Oberförster.

Anzei nzeige.

1051 Butter und Handkäse, sowie alle Sorten Brannt- wein, in stets guter Waare, verkauft über die Straße

G. Schneider

in g mann.

neben Frau Krüger, dem Hötel Trapp gegenüber.

E diet a bla dug

1075 Nachdem die Emmrich Felix Fritz Eheleute in Friedberg mit Hinterlassung minderjähriger Kinder verstorben find, werden Alle, welche an den Nachlaß aus irgend einem Grunde Forderungen zu bilden haben, hiermit aufgefordert, dieselben binnen Frist von 14 Tagen sogewiß specisicirt dabter anzumelden, widrigen falls sie bet der Regulirung und Feststellung des Nach lasses außer Berückfichtigung bleiben. Zriedberg am 24. April 1868. Großberzogliches Landgericht Friedderg Reitz, Steinberger, Landrichter. Landgerichts ⸗Assessor.

Bekanntmachung.

1069 In der Insolvenzsache des vorbinigen Domänen⸗ pachters Baist von Batecsröderhof ist zur Fortsetzung des Giteversuchs behufs Abwendung des förmlichen Concarses, insbesondere zur Verhandlung und ent⸗ gültigen Erklärung der Cbirographar Gläubiger über den vorgeschlagenen Nachlaß⸗Vertrag Termin auf den 22. Mal d. J., Vormittags 10 Uhr, an hiesige Gerichtsstelle anberaumt worden, wozu alle Bethetligten bei Meidung der anzunehmenden Ge⸗ nehmigung des beabsfichtigten Nachlaß⸗ Vertrags hier durch geladen werden. Windecken am 24. Aprii 1868. Koͤnigliches Amtsgericht Schwarzenberg.

Arbeits⸗Versteigerung. 1079 Mittwoch den 6. Mai, Vormittags 9 Uhr, sollen zu Dornassenheim die bei Herstellung des sog. Heerdbrückelchens im Weg nach Leidhecken erforder⸗ lichen Arbeiten, als: 1) Maurerarbeit, veranschlagt zu 28 fl. kr. 3 Lieferung von 4 Bütten Kalk 8 3) Lieferung von 0,4 Cubikklafter Mauer- steinen 18 0 4) Lieferung von 0,2 Cubikklafter Mauer⸗ sand S8 N an die Wenigsinebmenden in Accord gegeben werden. Friedberg den 2. Mai 1868. Der Bezirls-⸗Bauaufseder Schneider.

Wagen zu verkaufen. . 1048 Mehrere gebrauchte Droschken, Ae Viktortawagen, Halbchatschen und Som⸗ 2 merwagen mit Verdeck, Rothhan, neu 5 Schlefingergasse 3, Frankfurt a. M.

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