Marburg, 30. Juli. Vergangene Nacht ist der Consistorialrath und Professor der Theologie Dr. Vilmar dahier an den Folgen eines Schlag- flusses, 68 Jahre alt, gestorben. Derselbe war bekanntlich in der kurhessischen Reactionsperiode ein treuer Gefͤhrte Hassenpflugs, Hauptführer des Treubundes und des späteren Hessinvereins, wie auch bis an sein Ende das Haupk der ultra- orthodexen Partei Kurhessens. Durch seine „Deutsche Literaturgeschichte“ ist er weit über die Gränzen Deutschlands hinaus in rühmlichster Weise bekannt geworden.
Sachsen. Leipzig Die„Deutsche Allg. Ztg.“ vom 31. Juli berichtet:„Nicht das Prä⸗ sidium des deutschen Schützenbundes, wie die „Leipziger Nachrichten“ schreiben, hat beim hiesigen Stadtrath angefragt, ob die Stadt Leipzig bereit sei, das vierte deutsche Bundesschießen zu über⸗ nehmen, sondern Leipziger in Wien anwesende Schützen haben an den Rath telegraphirt: ob Leipzig als nächster Festort, wie in Wien viel⸗ seitig gewünscht worden, von ihnen angeboten werden solle? Der Rath hat diese Frage in einer Plenarsitzung berathen und in derselben(und zwar einstimmig) die telegraphische Antwort beschlossen: „„Die Uebernahme des nächsten deutschen Schützen- festes abzulehnen; der Ernst der Zeit erfordere ernste Arbeit, keine Feste 1% Wenn, wie es heißt, an mehrere Stadtverordnete ähnliche Anfragen ergangen sind, so steht zu erwarten, daß deren Antworten ähnlich gelautet haben werden.“
Oesterreich. Wien. Am 30. Juli wurden die Versammlungen des Gesammtausschusses des deutschen Schützenbundes eröffnet. Es waren achtzig Mitglieder anwesend. Justizrath Sterzing aus Gotha wurde mit Acclamation zum Vor- sitzenden gewählt; derselbe dankt und erklärt, das Ziel des Schützenbundes sei dessen Einwirkung auf die Geschicke des deutschen Volkes, die er auch wirklich ausübe; der Schützenbund vertrete die Zusammengehörigkeit aller deutschen Stämme.
— Am Nachmittage desselben Tages um 5 ½ Uhr fuhr der Kaiser in Begleitung des Hofmarschalls Hohenlohe in den Festplatz ein, wo er vom Statthalter, Bürgermeister Zelinka, und dem Fest⸗ Comite empfangen wurde. Das zahlreich an ⸗ wesende Publikum brach in stürmisches Hochrufen aus. Der Kaiser ließ sich vom Präsidenten des Centralcomites Dr. Kopp die Herren Schröder, Fabricius und Sterzing vorstellen, besichtigte als⸗ dann den Gabentempel, die Festhalle, die Schieß stände und die Küche, wo er überall mit begeisterten Hochrufen der Volksmenge begrüßt wurde. Der Kaiser that in der Schießhalle drei Schüsse und tank in der Festhalle unter jubelnden Zurufen der Anwtsenden auf das Wohl der Schützen. Nach anderthalbstündigem Verweilen verließ der Kaiser den Festplatz.— In der Versammlung des Gesammtausschusses des deutschen Schützenbundes wurde einstimmig beschlossen, Leipzig um Ueber⸗ nahme ves nächsten Bundesschießens zu ersuchen.
— Für Meisterschützen war manch' werthvolles Best zu holen. Es wird dem Leser von Interesse sein, einige der bedeutendsten namhaft gemacht zu sehen. Da waren zu erschießen: 1000 Stück Vereinsthaler, Ehrengabe der Stadt Wien; 300 Stück Dukaten, gleichfalls Ehrengabe der Stadt Wien; ein Pokal von Silber(Werth 600 fl.), Ehrengabe der Mainzer Schützengesellschaft; ein Jagtwagen. 400 fl. werth; eine Visitenkarten⸗ Tasse mit 8 Stück Dukaten, 500 fl. werth; ein Gewehrkasten, Werth 600 fl.; 600 fl. in Silber, vom Wiener Schützenverein; eine von einem Wiener Meerschaumdrecheler gespendete Meerschaum⸗ pfeife mit Silber, 150 fl.; ein Tafelaufsatz von 160 fl. Werth ꝛc. 1m. Im Ganzen waren es über 4000 Gaben, die einen Werth von weit über 50,000 fl. darstellen.
Das Beste unter allen Besten war ein Pracht⸗ Clavier, im Werthe von 3000 fl. öst. W. von Steinway in Newyork, gespendet vom Festcomite des dritten amerikanischen Bundesschießen.(Mir wären die Dukaten lieber gewesen. Anmerk. des Setzers.) Der glückliche Gewinner desselben ist Michael Feßlar aus Bregenz am Bodensee; er wurde als Schützenkönig proklamirt.
Als starker Schlagschatten erwlesen sich bei dem Feste drei Fatalitäten: der in der Nacht von Mittwoch auf den Donnerstag eingetretene heftige Regen, der den Festplatz fast unzugänglich machte, die üble Wirthschaft bei den Festbanketten, wo die überhungrigen Mägen mit halb- oder ganz ungaren Speisen abgefertigt oder auch gar nicht abgefertigt wurden und endlich, um das Maß der Verwirrung voll zu machen, die Kellnerstrike. Den armen Burschen war freilich durch Vernach⸗ lässigung aller Sorge für ihre Kost und ihre Nachtruhe übel mitgespielt. Die meisten derselben mußten unter freiem Himmel schlafen, bekamen Nichts zu essen und täglich nur fl. Ueberhaupt hat sich das Comite durch seine Thätigkeit wenig Dank verdient. Ein Wiener Blatt macht den witzigen Vorschlag, es möge ein Cursus eröffnet werden zur Einübung von Festcomite⸗Mitgliedern.
— Wie die„Amtszeitung“ vem 2. August meldet, sind die bisberigen Statthalter: Chorinsky in Oberösterreich, Bach in Triest und Philippovich in Dalmatien, sowie der Landeschef Merkl in Schlesien ihrer Funktionen als Chefs der Ver⸗ waltungsbebörden enthoben; dagegen wurden er nannt: Feldmarschalllieutenant Möring zum Statt— halter in Triest, Beneralmajor Wagner zum Statthalter von Dalmatien, Frhr. v. Wüllersdorf zum Landeschef von Schlesien und Graf Hohen- warth zum Statthalter von Oberösterreich.
Frankreich. Paris. Die vom Kaiser so sehr gefürchtete Veröffentlichung seiner Corre- spondenz mit dem von ihm verführten Maximilian soll unmöglich gemacht sein. Wenigstens läßt sich das„Journal de Paris“ angeblich aus Wien, mittheilen, Kaiser Franz Joseph habe die ihm von seinem Bruder Maximilian übergebene Corre⸗ spondenz zwischen diesem und Louis Napoleon letzterem bei der Zusammenkunft in Salzburg aus⸗ gehändigt.
Friedberg. Am nächsten Sonntag und Montag findet in Hanau das sechste mittelrheinische Turnfest statt, welches nach dem bereits veröff nilichten Programm einen ausgezeichneten Verlauf zu ne men verspricht. Wie wir vernehmen, wird dasselde auch von Seiten des hiesigen Turnvereins beschick: werden und wäre sehr zu wünschen, wenn eine recht zahlreiche und lebhafte Betheiligung an dem Feste aus hiesiger Siadt sich ergeben würde, da zwischen Friedberg und Hanau von jeher sehr freundschaft⸗ liche Beziehungen herrschten, wie z. B. der erste hier be⸗ standene Turnverein im Juni 1845 einem zu diesem Zwecke besenders unternommen n Besuche der Hanauer und Offenvacher Turner seine Enistehung verdankt, wie vielen Mitgliedern jenes Vereins noch in freudiger Er⸗ innerung stehen wird. Da die Festgäste in Hanau auf die herzlichste Aufnahme und die größte Gastfreundlichleit rechnen können, auch die Reisekosten von keiner Erbeblich⸗ keit sind, so hoffen wir, daß die Mitglieder des Turnver⸗ eins, namenllich auch die älteren Herren, welche schon Mitglieder des früheren Turnvereins waren, das mittel⸗ rheinische Turnfest, zu dem wir von unserer Nachbarstadt, mit der uns boffentlich recht bald eine directe Eisenbahn noch näher verbinden wird, so herzlich eingeladen sind, in möglichst großer, unsere Stadt würdig kepräsen irenden Anzahl besuchen werden. Die Abreise findet Sonntag früh mit dem Bahnzug 6 Uyr 21 Minuten stait und soll der Weg von Vilbel nach der Mainkur zu Fuß gemacht werden.
Darmstadt. Das Großherzogl. Finanzministerium soll gegenwärnig die Frage erörtern, ob nicht auch für das Einkommen unter 800 fl. eine andere Besteuerung statt der Personalsteuer anzuordnen sei. Es sind zu diesem Be⸗ hufe schon Probeabschätzungen für die ganzen Steuer⸗ Commissariate Michelstadt, Hungen. Lauterbach, Oppen⸗ heim, sowie die Städe Darmstadt, Offenbach, Gießen und Mainz angeordnet worden.
Darmstadt. In Vollziehung des Beschlusses der 14. Wanderversammlung deu:scher Bie nen wirthe zu Brünn findet die diesjährige Versammlung, vom 8. bis 10. Sepiember dahier statt. Es ist hiermit eine Aus⸗ stellung, Prämiirung und Verleosung von Vienenzucht⸗ gegensiänden verbunden. Nach Maßgabe des Programms haben Theilnehmer, welche zeitig ihre Anmeleungen nach hier gelangen lassen, die übliche Ermäßigung der Eisen⸗ bahn⸗Fahrpreise zu erwarten. Donnersiag den 10. September findet ein Aueflug per Eisenbaun in die Bergstraße mit freier Fihrt für die Mitglieder statt.
Darmstadt. Zu dem den 24.—28. September l. J. dahier stattfindenden landwirihschaftlichen Feste werden die großartigsten Vorbereitungen getroffen und ver⸗ spricht dasselbe alle derartigen bis jetzt in Hessen ge⸗ feierten landw. Feste weit hinter sich zu lassen.
Darmstadt. Hier hat sich aus Anlaß der theuren Brodpreise eine Aktienbäckerei constiir!. Auch der Con⸗ sumverein in unserer Stadt wiro eine eigene Bäckerei errichten. Die Concurrenz dürfte sonach eine bedeutende
etwas könnte auch in Friedberg nichts schaden: Anmerkg. des Setzers.)
Aus Heilbronn Sehr selten hat man erlebt, wie in diesem Jahre.
schreibt man dem„Schw. M.“: hier vom 1. Mai an solche Hitze Unter 88 Tagen gab es 60 Sommertage. Der heißeste Tag bis jetzt, mit 27—28 Graden, war der 23. Juli, an welchem hier zwei Schnitterinnen auf dem Felde am Sounenstiche starben. Solche heiße Sommer bringen uns auch große Schwärme spanischer Fliegen(Panthariden) auf unsere Eschen, und im August eutisteigen Millionen Eintagefliegen unserem Neckar. Im Juli 1857 halte man auch den seltenen An⸗ blick des Oleander-Schmelterlings. Man sollte daher jetzt recht aufmerksam auf soiche Fremdlinge sein. Auch in diesem Juni sah man hier, in Bennigheim u. s. w. einen unserer seltenen Gäste, die Sing⸗Cicade(Cicada haematodes. Linn). Das Männchen bringt Töne hervor, welche unge⸗ fähr wie feine Töne einer Maultrommel klingen. Der Körper ist vom Kopf bis zur Schwanzspitze 9 Württemb. Dec.⸗Linien lang, die größeren der vier pergamentähnlichen durchsichtigen Flügel mit orangefarbigen Adern sind 9 Linien lang, das Insect vom Kopf an bis zum Ende der Flügel 12 Linien. Der Körper ist schwarzbraun, mit röthlichen Einfassungen der Ringe. Die Cicade bleibt Säugling. Sie hat keine Freßwerkzeuge, aber einen Saugrüssel, um Säfte aus Eschen und anderen Pflanzen einzufangen. Hier wird sie„Weinvogel“ genannt, weil sie nur in heißen Jahren vorkoamt und cinen ausge⸗ zeichneten Wein ankündigl. Diese große Art von Grillen ist in Griechenland, Jialien, und im südlichen Frankreich sehr verbreitet, wurde im Alterthum sehr verehrt und von Anakrecon, Virgil und anderen klassischen Dichtern besungen.
e Den Sonnenstich belommt man nicht blos davon, daß einem die Sonne auf den bloßen Kopf brennt, son⸗ dern auch dann, wenn das Blut durchs starke Schwitzen zu viel Wasser verloren hat. Wer sich also großer Hitze aussetzen muß, soll nicht nur den Kopf verwahren, son⸗ dern auch fleißig trinken. Die Furcht vor dem kalten Trunk ist übertrieben, man trinke nur nicht zu rasch und nicht zu viel auf einmal und mache sich gleich darauf wieder Bewegung.
3 Seltene Todesursache. Aus Eppingen im Vabischen schreibt die„Heidelberger Zeitung“ vom 13. Juli:„Geslern wurde hier eine alte Frau beerdigt, deren Todesursache in unserer Zeit wohl zu den seltensten gehört. Am Freiiag ging dieselbe in den Wald, um dürres Holz zu sammeln. Da fand sie eine Pflanze mit schwarzen Beeren, wovon sie einige Zweiglein abrupfte. Einem Knaben, der ihr begegnete, bot sie auch davon an; dieser aber bemerkte ihr, daß diese Frucht giftig sei. Dem un⸗ geachtet verzehrte sie einige Beeren mit den Worten, daß sie recht süß seien und ihr nichis schaden würden. Als sie Abends nach Haufe kam, klagte sie über hesuige Leib⸗ schmerzen; ihre Tochter reichte ihr auf Verlangen etwas Branntwein und spätec Kaffe, den sie noch trank. Ader bald wurden die Schmerzen größer; auf furchibare Con⸗ vulsionen solgte Bewußtlosigkeit und schließlich der Tod. Bei der am solgenden Morgen vorgenommenen Section fand man bei ihr noch zwei ganze Beeren, sowie mehrere Saamen der Tollkirsche(Atrops Belladonna), deren Ge⸗ nuß die arme Frau mit dem Leben hatte bezahlen müssen.“
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2 Folterknechte im neunzehnten Jahr⸗ hundert. Ungarische Blätter melden aus Mohacs Folgendes: Der hiesige Richter G. war mit seinem Ge⸗ schwornen eben auf der Heimfahrt begriffen, als er in einem Wäldchen, an welchem ihn der Weg vorbeiführte, einen fernen Lichtschein bemerkte. Er stieg ab und ging in Begleining des Geschwornen in das Wäldchen. Als er an den Ort gelangte, von welchem der Lichischein aus⸗ gegangen war, sah er zahlreiche Bettler um ein Feuer herum sitzen, welche indeh, sobald sie seiner ansichtig wurden, auf einen in der Nähe stehenden Wagen sprangen und eitigst davon fuhren. Als der Richter näher trat, bot sich ihm ein enisetzlicher Anblick dar. An ein Bret fesigebunden, lag ein zwölfjähriger Knabe geknebelt da. In den Flammen aber lag ein glühendes Werkzeug aus Eisen, welches, wie auch aus den Auosagen des Knaben hervorging, dazu vor ⸗ bereitet schien, diesem die Augen auszubrennen. Der un⸗ glückuche Knabe ist aus Stuhlweisenvdurz und wohl im enischeidenden Augenblicke aus den Händen seiner Mörder gerettet worden. Die Letzteren hatten den Knaben auf dem Markte durch Geld verleckt, mit ihnen zu gehen. Nur durch den Zufall follte er vor einer grausamen Ver⸗ stümmlung vewahrt bleiben, durch welche ihn die Scheusale für ihr schändliches Gewerbe herrichten wollien.
„ Neuer Wein. Aus Schaibt berichtet man der „Pfälz. Zig.“:„Im Jahre 1811 hat der Vater des biesigen Posi⸗Expeditors, Herrn Peter Mohler, auf Jakobitag seinen Freunden neuen Wein vorgesetzt. Dieses Treigniß ist seither oft erzählt, aber nicht nachgeahmt worden. Heute nun, am Jakobitag 1863, also nach 57 Jahren, ift Herr Mobler so glücklich, wieder neuen Wein, wie anno 11, vorsetzen zu können.
Für die Wetterbeschädigten
in den Kreisen Grünberg und Schotten sind weiter fol⸗ gende Gaben eingegangen: Bei Professor Diegel von Hrn. Dekan Görtz in Florstadt 1 fl.; von Hrn. Taubstummen⸗ lehrer Schneider 1 fl.; von G. D. für einen besonderg bedürftigen alten Mann auf der Schmitte bei Selnrod 1 fl. 45 kr. Früherer Betrag 18 fl. 1 kr. Summa
21 fl. 46 kr. Um weitere Gaben wird gebeten.
werden und das Publikum am besten dabei fahren.(So
Der Vorstand des Hülfsvereins.
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