Ausgabe 
3.9.1868
 
Einzelbild herunterladen

.

wurde. Die Wunde ist jetzt geheilt, die Kugel steckt jedoch in der Brust. Der Gerichtshof sprach beide Angeklagte schuldig und verurtheilte sie zu je dreirzonatlicher Einschließung.

Hamburg. Die Betheiligung an dem deutschen Juristentage, welcher vom 26. bis 29. August bier abgehalten wurde, war zwar nicht eine so lebhafte, wie in früheren Jahren, doch erreichten die anwesenden Mitglieder die Zahl 568, wozu Norddeutschland naturgemäß das stärkste Contingent gestellt hatte. Unter den Be- schlüssen, welche gefaßt wurden, sind folgende als die hauptsächlichsten hervorzuheben: Erstens, die Aufhebung des Instituts der beeidigten Handels- mäkler zu befürworten; zweitens, die Anfechtbar⸗ keit der Verträge wegen Verletzung über die Hälfte aus den deutschen Gesetzgebungen auszu- merzen; drittens, den Grundsatz festzustellen, daß Angeklagte, welche sich nicht in der Hauptver- handlung für schuldig erklären, nicht zu spezieller Einlassung oder Rechtfertigung auf die Anklage verpflichtet seien; viertens, daß die Erlassung einer Gesetzesbestimmung über die Beweiswirkung der Strafurtheile in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten nothwendig sei; fünftens, daß zur Ausübung der Advokatur jeder geprüfte Rechtsverständige nach zurückgelegter Vorbereitungspraxis berechtigt sein und die Ueberwachung der Advokaten durch eine Advokatenkammer geschehen solle; sechstens, daß die Außercourssetzung von Inhaberpapieren nicht zulässig sein sollte.

Prinz Napoleon ist auf seiner Jacht incognito hier angekommen. Nachdem er die Stadt gesehen, ist er nach Lübeck gegangen, wird jedoch hier zurückerwartet.

Mecklenburg⸗ Schwerin. Die Auf⸗ regung im Lande ergreift nach und nach alle Be⸗ völkerungsschichten, und fast bei allen sind es Geldfragen. Die Nachversteuerung ist in den Städten zu dem Unwillen über die Beibehaltung der Mahl-, Schlacht und Handelsclassensteuer trotz des Gesetzes über den Betrieb der stehenden Gewerbe hinzugetreten, die Domanialbauern werden unruhig, weil sich herausgestellt hat, daß. wo man die Verwandlung in Erbpacht in Angriff genommen hat, der jährliche Erbpachtscanon, trotz des zu zahlenden Kaufcapitals, sich höher stelli als der bisherige. Die Bauern fürchten, daß dabei in zweiter oder dritter Generation die Stelle ihrer Familie verloren gehen muß.

In dem Badeorte Dobberan ist diesen Sommer die öffentliche Spielbank aufgehoben worden. Die Frequenz dieses reizenden Seebades soll indeß keineswegs darunter gelitten haben, wie vielfach befürchtet worden war; im Gegentheil sei die Anzahl der Fremden daselbst größer als je, da eine Menge von Familien, welche Dobberan wegen des Spieles mieden, diesen herrlichen Aufenthalt nunmehr aufsuchten.

Baden. Karlsruhe. Das ungarische

er zu Zweifeln und Mißtrauen keine Veranlassung sehe.Wir werden mit der Verfassung vorwärts schreiten. Lassen Sie uns Vertrauen und Zuver⸗ sicht säen, und wir werden Vertrauen und Zu⸗ versicht ernten.

Die offiziös angekündigte Reise des Kaisers nach Galizien soll in der zweiten Hälfte des Monats September stattfinden. Bis dahin werden die in jenem Kronlande garnisonirenden Truppen in Lemberg concentrirt werden und der Kaiser wird Heerschau über dieselben halten.

Wie es gegenwärtig in Ungarn mit der Sicherheit der Person und des Eigenthums bestellt sein mag, geht daraus hervor, daß jeder Post⸗ wagen, welcher Werthsendungen enthält, von einer Sicherheitsescorte begleitet werden muß. Die Räuberbanden mehren sich und werden immer dreister. So hat die gefürchtete Bande des Räuberhauptmanns Juhaß sich das Vergnügen gemacht, die Justiz- und Polizeibehörden durch Zusendung ihrer Photographien zu überraschen. Mit Hülfe derselben wird man die Mitglieder der Bande leichter fangen können, hatte der Hauptmann beigefügt. Der in der Pußta von Szegedin hausende Räuberhauptmann Ba bap wurde in den Zeitungen als im Kampfe gefallen gemeldet. Vor einigen Tagen aber schickte er einem öfter von ihm heimgesuchten Gutsbesitzer die briefliche Aufforderung:Du wirst mit Ver- gnügen gelesen haben, daß ich gestorben bin; schicke mir deßhalb ohne Säumen 200 fl. als Beitrag zu den Kosten meines Begräbnisses!

Den Petitionen der Gemeindevertretungen um gänzliche Beseitigung des Concordats und consequente Durchführung der Staatsgrundgesetze ist eine ernste Mahnung gefolgt, welche das Ministerium Auersperg-Giskra nicht überhören kann, denn sie enthält zugleich ein entschiedenes Mißtrauensvotum für die k. k. Behörden, deren Lauheit die Bischöfe zu immer gesteigerter Renitenz ermuthige. Diese Mahnung ist in die Form einer Interpellation gekleidet, welche von 23 Mitgliedern des Landtags von Oberbsterreich an die Regierung gerichtet wurde.

Der blödsinnige Haß des mit den Tschechen verbündeten Junkerthums gegen Alles, was deutsch ist, hat sich wieder in Bezug auf die demnächst in Wien stattfindende Wanderversammlung der deutschen Land- und Forstwirthe ausgesprochen. Der Ausschuß des böhmischen Forstvereins hat sich unter dem Präsidium der Fürsten Karl Schwarzenberg und Georg Lobkowitz gegen jede Betheiligung erklärt, mit dem Bedeuten, die deutschen Land- und Forstwirthe sollten ihre Ver⸗ sammlung in Deutschland halten und nicht in einem Lande,welches sein größtes Glück in der Lostrennung von Deutschland finde!

Dr. Giskra's neue Weisung an die Statt⸗ halter, die Beamten, welche den verfassungsfeind⸗ lichen Parteien Vorschub leisten, abzusetzen, wird

Justizministerium läßt Studien über das deutsche Gefängnißwesen machen. Es hat zu diesem Zwecke mehrer sachverständige Beamte nach dem Großh. Baden, ferner nach Preußen, Sachsen, Oldenburg, nei Bayern und die Schweiz entsendet, um da⸗ selbst nas System der Strafbäuser näher kennen zu lernen. In Baden sollen sich dieselben nament- lich von dem Zellengefängniß in Bruchsal genaue Kenntniß verschaffen.

Baden⸗Baden. Der berühmte Chemiker, Professor Schönbein aus Basel, ein geborner Württemberger, der Entdecker des Ozeon, Erfinder der Schießbaumwolle ꝛc., starb dahier am 29. Aug. an einer Karbunkel⸗Entzündung, 69 Jahre alt.

Oesterreich. Wien. Herr v. Beust sagte in einem auf dem von dem niederösterreichischen Landtagsmarschall den Abgeordneten gegebenen Bankette ausgebrachten Toast, Bezug nehmend auf seine beim Schützenfest gehaltene Rede, er könne nicht gelten lassen, daß man jene Worte für einen Dämpfer ansehe, den er der damaligen Stimmung aufgesetzt. Er wolle lieber der Puffer sein, wenn 2 Wagen aneinanderprallen. Wenn er aber damals allerdings ein Piano ein- gesetzt habe, so dränge es ihn, der vielleicht etwas gedrückten Stimmung ein Forte aufzusetzen, weil

von den unabhängigen Blättern scharf kritisirt. Sie fragen, warum dasVerfassungsministerium erst jetzt eine solche Weisung gebe, da es doch schon seit acht Monaten die Pflicht habe, die Verfassung und die übrigen Staats grundgesetze zur Ausführung zu bringen.

DieN fr. Pr. empfiehlt den Ministern und Deputirten folgende Beschwerde eines öster⸗ reichischen Offiziers, an die sich eine höchst beach⸗ tenswerthe Principienfrage knüpft:Ich babe eine protestantische Braut in Preußen. Trotz der Gesetze vom 25. Mai d. J. verlangt das Kriegs- Ministerium(apostolische Feld⸗Vicariat) den Revers von meiner Braut wegen Erziehung der Kinder in der katholischen Religion, da ich Katholik bin, und macht die Gültigkeit der Ehe von dem zu ertheilenden Dispens abhängig. Ich habe mich auf die consessionellen Gesetze berufen und die Erwiederung erhalten, diese haben auf die Armee keinen Bezug, da die Armee keine cisleithanische sei! In Ungarn besteht aber nun das Contordat auch nicht mehr; sollen wir Soldaten allein seine Segnungen nicht genießen und nicht einmal darin den Staatsbürgern gleich gehalten werdes?

Schweiz. Bern.

werden die schweizerischen Hülfsvereine in der

Seit einigen Tagen

Schweiz wieder sehr häufig Seitens Deserteure aus päpstlichem Dienste in Anspruch genommen und aus Luzern meldet man, daß neuerdings einzelne 8 bis 12 Mann starke Abtheilungen dieser Leute den St. Gotthardt passirt haben. Ihren Aussagen nach sollen noch größere Haufen folgen, da ganze Compagnieen zur Desertion bei der ersten besten Gelegenheit entscklossen seien. Der Nationalität nach sind die meisten Deutsche, resp. Würtemberger, Bahern und Badenser.

Frankreich. Parie. DasPays will sich bemühen, friedlich gesinnt zu werden, wenn Preußen, dasals eine bewaffnete Drohung über unseren Gränzen schwebt, sich zur Abrüstung bequemen will.Es muß vorangehen, dann wird Frankreich ihm nachfolgen. In diesem Falle würde Frankreich seine gerechten Forderungen in sein Herz zurückdrängen und dem allgemeinen Frieden ein Opfer bringen. Entwaffnet aber Preußen nicht, so muß der Sache einmal ein gründliches Ende gemacht werden. Frankreich wurde noch nie umsonst bedroht, und wahrlich unter Napoleon III. wird dieß nicht zum ersten Male geschehen.

Man schreibt derPatrie aus Konstan⸗ tinopel, daß die türkische Regierung dem Staats rath einen Entwurf von Zugeständnissen für Bul⸗ garien vorgelegt hat; dieselben sollen sich vorzugs weise auf religiöse Reformen beziehen, welche die Bevölkerung schon lange verlangt hat.

Der Appellhof hat das erstinstanzliche Erkenntniß, welches Rochefort auf Grund der ersten Confiscation derLanterne zu 1 Jahr Gefängniß und 10,000 Fr. Geldbuße verurtheilte, in seiner Sitzung bestätigt. Rochefort wurde nun außerdem wegen der Nummer 13 derLanterne zu dreizehn Monaten Gefängniß und 10,000 Fr. Geldstrafe verurtheilt. Derselbe hat jetzt im Ganzen zwei Jahre und fünf Monate Gefängniß zu verbüßen und 22,000 Fr. Geldstrafe zu leisten, scheint aber diesen Verbindlichkeiten nicht nach⸗ kommen zu wollen, da er sich neuerdings wieder nach Belgien begeben hat. meldet, habe der Herzog von Aumale dem Ver⸗

urtheilten eine Zufluchtsstätte in Twickenham an⸗

geboten. DasPays enthält folgende halbofftzielle Mittheilung:Es ist unsere Pflicht, auf förmliche

Weise Gerüchte zu dementiren, welche die Speculation

unter dem Säulengang der Böcse ausgebeckt hat und die über die Krankheit des Kaisers in Umlauf waren. Nichts ist unrichtiger. Die Gesundheit des Kaisers läßt nichts zu wünschen übrig und war niemals blühender.

Der preußische Geschäftsträger Graf Solms soll den Minister des Aeußern wegen der krieger. schen Artikel desPays officiös interpellirt und die Antwort erhalten haben, dasPays sei kein Organ der Regierung und diese müsse jede Ver⸗ antwortung für die Haltung dieses Blattes ab⸗ lehnen.

DerMoniteur de l' Armee erklärt die Behauptungen einer Pariser Correspondenz des Nord hinsichtlich angeblicher Aufträge zur An⸗

fertigung von Kriegsbedarf für falsch. Gleich-

zeitig bemerkt derMoniteur de l' Armee, daß niemals mehr Urlaubsbewilligungen ertheilt wur⸗ den als gegenwärtig, und erklärt: die einzigen dermalen stattfindenden Manöver seien im Laget zu Chalons, zu Lanne und Magan.

Großbritannien. London. DieTimes polemisirt scharf gegen den Gedanken einer fran⸗ zösisch ⸗belgisch-holländischen Zolleinigung, du Frankreich zu verfolgen scheine, obgleich es direllt Schritte vermeide. Die Großmächte würden ent⸗ schieden dagegen opponiren, weil die Unabhängig keit Belgiens dadurch bedroht würde.

Der DampferGreat Eastern ist zun Legung des französischen Kabels gechartert worden, Der Bau des Bassins, wo die Aufnahme det Kabels erfolgen soll, hat bereits begonnen un wird das Schiff zu diesem Zwecke Jersey wenigen Wochen verlassen.

7 Die Rathsversammlung in Cark nahn eine Adresse an, in welcher um Begnadigung alli verurtheilten Fenier gebeten wird. 0

Wie derGaulois

2