— In Betreff der Beurlaubung von 12,000 Mann in der Landarmee ist die„Prov.⸗Corresp.“ der Ansicht, die Regierung gebe hierdurch einen Beweis ihrer friedlichen Absichten und des Ver- trauens in die gleichen Gesinnungen der fremden Mächte und könne man die Hoffnung hegen, daß dies Beispiel bei anderen Staaten bereitwillige Würdigung und Nachfolge finden werde.
— Der Criminalsenat des Obertribunals hat die von dem Stadtgerichtsrath Twesten eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde gegen seine zweitinstanzliche Verurtheilung zu 300 Thaler Geldstrafe wegen der im Abgeordnetenhause gehaltenen Reden zurückgewiesen.
Bayern. München. Die„Süddeutsche Presse“ widmet der Zollparlaments- Thronrede einen sehr anerkennenden Artikel, worin sie den Gang, welchen die nationalen Angelegenheiten zu nehmen bestimmt sind, als durch den Charakter, welchen die Eröffnung des Zollparlaments erhielt, gesichert betrachtet, und schließlich dem Jahre 1866 das hohe Verdienst zuweist, uns auf den so lange gesuchten Weg der Realität gebracht zu haben.
— Abgeordnetenkammer. Die Regierungs- vorlage auf Anschaffung von 15,000 Stück neuen Hinterladern wird abgelehnt, weil deren System noch unentschieden ist, hingegen die Anschaffung von 1000 Stück zu Waffenversuchen genehmigt. Nach der persönlichen Ansicht des Kriegsministers ist die baldige Einführung eines guten Gewehrs einheimischer Fabrikation vorzuziehen.
Augsburg. Die„Allg. Ztg.“ enthält die Nachricht aus Paris, daß die französische Regie⸗ rung im Begriffe stehe, eine„Mainzer Frage“ aufzuwersen, da Preußen kein Recht habe, eine Besatzung in Mainz zu halten.(7)
Oesterreich. Wien. In der Sitzung des Unterhauses des Reichsrathes vom 28. April machte der Präsident Mittheilung über den Empfang der Deputation des Reichstages durch den Kaiser. Auf die Ansprache des Präsidenten erwiderte der Kaiser: Ich bin von der treuen Gesinnung und der Theilnahme überzeugt, welche das Abgeord⸗ netenhaus stets der kaiserlichen Familie bewiesen hat. Lassen Sie uns auf der betretenen Bahn rasch und entschieden fortschreiten, damit wir wo möglich bald zu gedeihlichen Resultaten gelangen. Die Versammlung erhob sich nach dieser Mit⸗ theilung zu dreimaligem stürmischem Hoch auf den Kaiser.
— Herrenhaus. Das Gesetz, die unbedingte Aufhebung der Schuldhaft betreffend, wurde auf Befürwortung des Justizministers in der Fassung des Abgeordnetenhanses angenommen.
— Das Comite zur Errichtung eines Schiller⸗ Denkmals in Wien hat aus der Privatkasse des Kaisers 1000 Gulden erhalten. Man hofft noch in diesem Jahre die nöthige Summe zusammen⸗ zubringen, um dem großen Dichter ein würdiges Monument zu setzen.
Großbritannien. London. Aus Abessy⸗ nien berichten die weiteren Telegramme, daß König Theodor am Charfreitag den 10. April den Kampf gegen die bis Magdala vorgerückten Eng⸗ länder selbst eröffnete, mit großem Verlust zurück⸗ geschlagen wurde und an den beiden folgenden Tagen sämmtliche europäische Gefangene, sechszig an der Zahl, ins britische Lager sandte, um den General Napier zu Unterhandlungen geneigt zu machen. Dieser aber forderte Uebergabt der Festung auf Gnade oder Ungnade, was Theodor verweigerte. Am 13. April fand deshalb der Sturm auf die Festung statt. Darüber wird folgendes berichtet: Der Sturm wurde bedeutend erleichtert durch die Muthlosigkeit, welche in Theo⸗ dor's Heer eingerissen. Das Fort Islamgie wurde von dem abessynischen Commandanten ohne Schwertstreich übergeben. Von der Haupt- festung, der Amba, aus leistete Theodor dennoch Widerstand und fuhr vor dem Thore fünf Kanonen gegen die anmarschirenden Engländer auf. Diese antworteten mit ihren Armstrong⸗Geschützen und der Raketen⸗Batterie. Drei Stunden dauerte das Bombardement, worauf Napier den Befehl zum Sturme gab. Nach Besiegung kräftigen Wider⸗
standes, den der König in Person leitete, drangen die Engländer in die Festung ein. Die Abessynier legten die Waffen nieder; ihren Herrscher aber fand man kodt hingestreckt: ein Schuß durch den Kopf, wie es scheint, von eigener Hand, hatte seinem Leben ein Ende gemacht. In Napier's Berichte heißt es:„Unser Verlust gering“; andere Depeschen geben ihn auf zehn, noch andere auf fünfzehn Verwundete an, wogegen der Feind 68 Todte und 200 Verwundete zählte. Unter den Gefangenen sind zwei Söhne Theodor's. Die eroberte Festung bot den Anblick barbarischer Pracht. Den Siegern fielen die goldenen Kronen, 20,000 Dollars, Tausend Stück Silbergeschirr, Juwelen, Gewehre, 10,000 Schilde, 10,000 Speere und 28 Kanonen zur Beute. Sir Robert Napier gab ohne Verzug den Befehl zur Rückkehr; die befreiten Gefangenen traten am 15. April den Weg zur Küste an. Das ist das Ende des abessynischen Krieges.
— Im Oberhause beantragte Malmesbury, im Unterhause Disraeli, Adressen an die Königin zu richten, um derselben den Abscheu über den gegen den Herzog von Edinburg gerichteten Mord⸗ versuch auszudrücken. Russell und Gladstone unterstützten diese Anträge, welche darauf ange- nommen wurden. Disraeli beglückwünschte das Land zu den Erfolgen der abessynischen Expedition. Er rühmte Napier und kündigt an, daß die eng- lischen Truppen sofort das Land verlassen werden, was die Lauterkeit der Absichten Englands darthue.
Darmstadt. Der hiesige Vorschuß verein, welcher seit seiner Gründung gegen mannigfache Vorurtheile an⸗ zukämpfen hatte, sieht jetzt einer gedeihlichen Entwickelung entgegen. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden an Vorschüssen 22,480 fl. gegeben und an Provision und Zinsen 438 fl. 20 kr. eingenommen. Die Verwaltungs⸗ kosten sind, äußerst gering, mit 24 fl. 48 kr. beziffert. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt 14,819 fl. einschließlich Reservefonds.
Erfurt. Ein furchtbares Unglück ereignete sich, wie die„Magdeb. Ztg.“ meldet, am 23. v. M. auf dem hiesigen Bahnhofe. Etwa um 5 Uhr Abends ist der Arbeiter Lerche damit beschäftigt, einen mit Coaks gefüllten Karren über einen Eisenbahnstrang zu transportiren, als eine Locomotive daher kam. In der Meinung, daß dieselbe, weil erst langsam sich bewegend, ihm den Uebergang noch gestatten werde, versuchte er diesen, wird aber von dem einen Puffer niedergeworfen und fällt so unglücklich, daß ihm die Räder der Locomotive in der Hüftengegend über den Leib gingen und ihn buchstäblich in zwei Hälften zerschnitten. Da bei dieser entsetzlichen Verletzung keine ärztliche Kunst Hülfe bringen konnte, so gab der Unglück⸗ liche, und zwar bei voller Besinnung, etwa schon nach einer Stunde seinen Geist auf.
Aus Herrieden, 27. April, schreibt man der„Fr. Z.“: Das europäische Luftmehr ist noch immer sehr bewegt, es wird daher auch das gegenwärtig schöne(7) Wetter wieder seine baldigen Unterbrechungen erleiden. Die abermals kühlere Temperatur rührt von erneuten Schneefällen in Schweden her.
Paris. Ein Mr. Blondeau, Champagnerfabrikant in Rheims, eifersüchtig auf das großartige und gewinn⸗ reiche Geschäft des Champagnerhauses Veuve Cliquot, ging aus, suchte und fand eine Wiitwe Namens FCliquot, associrte sich selbige und etikettirte sodann seinen Cham⸗ pagner frischweg mit dem Namen Veuve Cliquet à Rheims. Das Patiser Handelsgericht(übrigens erst der Cassations⸗ hof) nahm an, es habe eine Uebereinkunft lediglich zum Zweck einer betrügerischen Concurrenz stattgefunden, und verurtheilte die Associes zu einer Entschldigung von 30,000 Fr. an das ältere Haus Cliquot.
„Großes Aufsehen erregte in Wien die dieser Tagt erfolgte Verhaftung des dem Bezirksgerichte in dem benach⸗ barten Baden zugetheilten Polizeicommissärs Lich tenecker in Folge einer Aussage der gefangenen Mörderin Nagel, die ihn als Mitschuldigen beim Morde der Doktorsgattin Treu bezeichnete. Die Nagel gab an, Lich tenecker habe ihr geholfen, die Leiche im Keller verscharren, und als bei einer Confrontation Lichtenecker jede Miischuld in Abrede flellte, rief die Mörderin wuthentbrannt:„Lüge nicht, Du haß auch den Oberlieutenant Kaiser vor zwei Jahren in Baden umgebracht, Du hast es mir einst selbst gestan⸗ NEN Der genannte Oberlieutenant wurde vor zwei Jahren in Baden, wo er militärischer Inspektor des Badehauses war, mit durchschnittenem Halse ermordet aufgefunden. Tiefes Gebeimniß lagerte damals über dem Thäter und es ware ein srappirendes Spiel des Zufalls, wenn jetzt zwei gleich verabscheuungswürdige Mord⸗ thaten in derselben Stadt zu gleicher Zeit ihre Enthüllung finden würden. Als damals der Oberlieutenant ermordet gesunden wurde, wurden zwei Soldaten als verdächtig eingezogen, sie starben Beide während der Untersuchung und auch auf dem Todtenbette wiederholten sie die Be⸗ theuerungen ihrer Unschuld. Wir bemerken noch, daß der Polizeicommissär Lich tenecker derselbe war, welcher vor wenigen Tagen die Verhaftung der Mörberin Nagel vor⸗ zunehmen hatte.
% Im Löwenzwinger. Im Circus Rice zu London unternahm diefer Tage der Sohn des Circus⸗ besitzers wie gewöhnlich eine Produclion im Käfige ber wilden Thiere; nur betrat er den Käfig nicht wie sonst im indischen Costüme, sondern in Folge einer Welte im Frack. Dies sollte ihm theuer zu stehen kommen. Kaum erblickte ihn sein Lieblingslöwe in der ungewohnten Kleidung, als er wüthend auf ihn losstürzte und ihm den einen Fuß furchtbar zerfleischte. Es mußte eine Ampu⸗ tation vorgenommen werden, die aber nichts half; der junge Rice erlag seiuen Wunden.
% Dem„Hamburger Gewerbeblatt“ entnehmen wir folgende Mittheilung: Originelle Rattenfalle. Man nehme eine 3 Fuß hohe, wasserdichte Tonne ohne Deckel, binde über dieselbe einen Bogen steifes Papier, leze ein Breit schräg an die Tonne, so daß es den Ratten leicht wird auf dieselbe hinzukommen. Auf das Papier setze man Lockspeise. In den ersten Tagen wird keine Ratte darauf gehen, aber nach Verlauf einiger Zeit fangen die Ratten an, dort ihre Mahlzeit zu halten. Sobalb man sieht, daß die Ratten ungenirt die Lockspeise ver⸗ zehren, füllt man die Tonne etwa 8—10 Zoll hoch mit Wasser und setzt einen Ziegelstein aufrecht in das Wasser; dann schneidet man den Bogen Papier kreuzweis ein und läßt übrigens Alles ruhig liegen. Sobald jetzt eine Ratte ihren gewöhnlichen Futterplatz besucht, fällt sie in die Tonne und da ihr jeder Ausweg abgeschnitten ist, setzt sie sich auf den Ziegelstein. Eine zweite Ratte wird bald der ersten folgen, und da auch sie sich auf den Stein retten will, der nur einen Platz bietet, so vergessen die beiden Gefangenen bald ihre Freundschaft und fangen an, tapfer um den rettenden Platz zu kämpfen, ein Kampf, bei dem viel Geschrei nicht fehlt. Nun ist die Ratte, wie bekannt, nicht nur ein sehr neugieriges, sondern auch ein sehr streitsüchtiges Thier, und kaum hört sie das bun te Kampfgeschrei ihrer Kameraden, so eilt sie, sich an dem⸗ selben zu betheiligen und stürzt in wahrer Kampfeswuth sich in die Tonne hinein. Jeder neue Theilnehmer ver⸗ mehrt das Kampfgetöse. Mir selbst ist es gelungen, auf einem Kornspeicher, wo die Ratten schon jahrelang ihr Spiel getrieben und wo jebes andere Mittel vergeblich angewandt war, 53 Ratten in einer Nacht zu fangen und damit dieselben total auszurstten.
Landwirthschaftliches.
„ Vertilgung der Flachsseide auf Klee⸗ und Wickenfeldern. Man suche die von ihr über⸗ zogenen Flecken sorgfältig auf und breite so viel Stroh darüber, daß, nachdem man letzteres angezündet hat, alle Pflanzen darunter, der Klee mit inbegriffen, verkohlt sind. Der einmal von der Flachsseide ergriffene Klee geht ja doch zu Grunde. Je zeitiger man auf diese Weise ein, schreitet, desto geringer ist der Kleeverlust.
„ Mittel, die Raupen zu tödten. Ich lege glühende Kohlen in eine kleine tragbare Kohlenpfanne, werfe dann in die Gluth pulverisirtes Harz mit etwas Schwefelpulver vermischt. Rauch bringe ich unter Bäume, Sträucher, Weißkraut ꝛc., auf denen sich Raupen befinden. Die meisten fallen so⸗ gleich ab, und die darauf bleibenden sind tobt. Man muß aber wo möglich eine windstille Zeit wählen, damit der Rauch nicht zu sehr zerstreut wird. Seit mehreren Jahren wende ich dieses Mittel jedesmal mit Erfolg an.
Vorschuß- und Creditserein zu Friedberg. Geschäftsbericht pro April 1868.
Einnahme. Ausgabe. 4693 fl.— kr. Discontirte Wechsel 11221 fl. 31 kr. 3898„ 15„ Conto⸗Corrent 4810,—
1680„—, Depositen 230„— 2256„ 23„Darlehen⸗ und Spareinlagen 2570„ 52„ Miigliederzahl 445.
Prozeß Ebergenhi in Wien. (Fortsetzung.)
Der Mörder mußte unter jenen Personen ge⸗ sucht werden, zu welchen die Gräfin Chorinsky in nahen Beziehungen gestanden, und mit welchen sie erwiesenermaßen unmittelbar vor ihrem Tode zuletzt verkehrt hatte. Dit letztere Annahme führte zu dem dringenden Verdacht, daß die erwähnte fremde Dame aus Wien, in deren ausschließlicher Gesellschaft die Gräfin Chorinsky am Abend des 21. November sich bis zu jenem Moment befunden, welcher als der ihres Todes constatirt ist, diesem Tod und seiner Veranlassung nicht fremd gewesen sei. Die erwähnte fragliche Dame war als Baronin Marie Vay aus Wien am Morgen des 20. November mit dem Wiener Zug in München angekommen, im Hötel„Zu den vier Jahreszeiten“ abgestiegen, am Abend des 21. November gegen 7 Uhr unter sichtlicher Aufregung in das Hötel zurückgekehrt, und mit allen Zeichen der Ueberstürzung wieder am selben Abend abgereist. Während nun dieser muthmaßlichen Thäterin nachgeforscht wurde,
erschien am 25. November der Gatte der Er⸗ mordeten, Graf Gustav Chorinsky, in Gesellschaft seines gleichnamigen Vaters in München. Die
Den hierdurch entstehenden


