Ausgabe 
2.4.1868
 
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Anbeginn zu erwarten war, nachdem dieselben in beiden Häusern des Reichsraths zur endgültigen Erledigung gekommen. Alle gegentheiligen Gerüchte, insbesondere die Meldung, daß die Votirung dieser Gesetze nur als Pression auf Rom dienen sollte, ferner die angebliche Sendung des Erz bischofs Heynald nach Rom entbehren aller Be gründung.

Das Tagblatt meldet, es gehe das Gerücht, daß der cieltithanische Ackerbauminister, Graf Potocki, seine Entlassung eingereicht habe.

In Bezug auf die Verzögerung der kaiser lichen Sanetion des Ehegesetzes bringen die officiösen Blätter beschwichtigende Mittheilungen, welche jedoch die Thatsache, daß der Kaiser einen Auf schub in Aussicht gestellt hat, umgehen. Das offiziöse Organ des Erzbischofs von Wien gibt zu verstehen, daß der Kaiser wegen des nahe bevorstehenden Familienereignisses Bedenken tragen werde, gerade jetzt einen Conflikt mit der Kirche herbeizuführen. Die Linke des Abgeordnetenhauses wird darauf dringen, daß das interconfessionelle Gesetz, welches das Todesurtheil für das Con- cordat enthält, schon in der nächsten Zeit zur Er ledigung gelangt; man hofft, daß es bereits in der kommenden Woche auf die Tagesordnung gesetzt wird.

Herrenhaus. Bei der am 30. März begonnenen Debatte über das Schulgesetz, be antragte die Majorität des Ausschusses die An nahme des Gesetzes in der Fassung des Ab geordnetenhauses, ausgenommen einige Punkte, wodurch der Kirche die Leitung der religiös sittlichen Erziehung eingeräumt werde. Die Minorität des Ausschusses beantragt die Zurück weisung des Gesetzentwurfss behufs der Umarbei tung desselben unter Wahrung des Einflusses der Kirche auf die katholische Jugend und des con fessionellen Charakters der Volks- und Mittelschulen.

Am 31. wurde die Debatte fortgesetzt. Der Cultusminister Hasner bezeichnet die Ent wicklung des Volksunterrichts als dringend noth wendig und empfiehlt ein Eingehen in die Special debatte. Der Ministerpräsident ersucht im Hinblick auf die Wichtigkeit des Gegenstandes um Ent scheidung und bezeichnet die Annahme des Mino ritätsantrags als ein Mißtrauensvotum. Die Generaldebatte wird geschlossen und der Minoritäts⸗ antrag abgelehnt. In der Specialdebatte wurde das Gesetz mit unwesentlichen Modificationen in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen.

DieNeue Fr. Presse meldet: In der Versammlung der Majorität des Herrenhauses gab der Ministerpräsident Auersperg beruhigende Erklärungen über seine und des Cultusministers Berufung an das kaiserliche Hoflager in Pest ab. Der Ministerpräsident theilte mit, daß die frag liche Berufung zunächst durch falsche Alarm⸗ nachrichten veranlaßt worden sei, welche über die Vorfälle am 21. März an das kaiserl. Hoflager gesendet wurden. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Sanction der confessionellen Gesetze niemals fraglich gewesen und die Besorgnisse der Bevölke⸗ rung unbegründet seien. DiePresse meldet: Die römische Curie habe in einem Memorandum die Vorschläge der Regierung betreffs der Revision des Concordats abgelehnt.

e 4 10 25 Frankfurt. Bei der am 30. März stattgehabten Prämtirung der schönsten zu Markt gebrachten Pferde erhielt das Aecessit für leichte Zugpferde, zwei dunkelbraune Wallache, Herr F. Löwenthal in Bönstadt.

Darmstadt. Vor einigen Tagen wurde von Seiten des Großh. Gewerbvereins, in Gegenwart der Herren Ministerialrath Schleiermacher und Commerzienrath Fink und einer großen Anzahl Fachmänner in dem Ziegelofen des Herrn Haas ein von Hosschlosser Schnabel ge⸗ fertigter feuerfester Kassenschrank geprüft. Von Morgens 912 Uhr wurde gefeuert und eine solche Hitze en wickelt, daß das Eisen am Boden fast den Schmelzgrad erreicht hatte. Um 12 Uhr beseitigte man das Feuer und ließ den Schrank bis Abends Uhr stehen, wo er alsdann unter Aussicht obiger Herren geöffnet wurde. Es fanden sich in dem Schrank die eingelegten Gegenstände gut er⸗ halten und wurde die Construction des Schrankes all gemein als eine sehr gute anerkannt.

Darmstadt. DieH. V. erzählen: Das älteste Brauspaar in der hiesigen Stadt, vielleicht in ganz Deutschland, hat unlänast auf dem hiesigen Ortsgerichts⸗ bureau Ehepacten gemacht. Der Bräutigam erfreut sich des ansehnlichen Alters von 78 Jahren, während über die Braut 72 Lenze hingerauscht sind. Beide waren noch nicht verehelicht und wollen jetzt nachträglich noch den Segen der Kirche über ihren Bund aussprechen lassen.

Bensheim. Der hiesige Postverwalier Hallwachs hat kürzlich einen schönen Geburtstag gefeiert. Er empfing an diesem Tage sein Decret als Postmeister und als Ehrenbürger der Stadt Bensheim. Seine unablässigen, jetzt von dem gewünschten Erfolg gekrönten Bemühungen um die Herstellung einer Schienenverbindung zwischen Bensheim und Worms waren die Veranlassung der letzt⸗ genannten Auszeichnung.

Posen. In einem Städtchen unserer Provinz er- krankte vor mehrerrn Tagen eine arme Frau und ließ sich, da sie sich dem Tode nahe fühlte, den Geistlichen mit den Sterbesaceramenten kommen. Diesem gestand sie sodann in der Beichte, daß sie vor eirca 30 Jahren von einem Knaben entbunden, einen Dienst als Amme bei der Gräfin X. erhielt, die ebenfalls mit einem Knaben nieder⸗ gekommen war. Als sie nun eines Tages mit dem gräf⸗ lichen Kinde ihr eigenes besuchte, zog sie dem ersteren die Kleiderchen ihres Kindes und diesem wieder die des gräflichen Kindes an, und nahm ihr eigenes Kind in die gräfliche Familie und ließ das gräfliche Kind als ihr eigenes Kind zurück. Da weder die Pflegefrau ihres indes noch die gräfliche Familie ihren Tausch bemerkt bat, so hat auch Niemand bis auf den heutigen Tag da⸗ von etwas erfahren. Ihr Knade ist als junger Graf er⸗ zogen und hat sich als solcher auch bereits mit einer Dame aus alter gräflicher Familie verheirathet; der wirk lich gräfliche Sohn ist als armer Junge erzogen, hat ge⸗ dient und sich endlich verheirathet und wohnt gegenwärtig unweit seiner gräflichen Besitzungen Komornik mit einigen Kindern. Sie gestand, daß sie nicht sterben könne, ohne dies Geheimniß offenbart zu haben. Der Geistliche wandte sich sofort an seine vorgesetzte Behörde und erhielt von dieser die Weisung, nochmals zu der Frau zu geben und sie zu fragen, ob sie bei ihrem Geständnisse bleibe, und falls dies der Fall sein sollte, sofort davon Anzeige zu machen. Dies soll denn auch, da die Frau bei ihrer Aussage verharrte, geschehen sein. Die gerichtliche Unter⸗ suchung ist bereits eingeleitet.

Wiedertäufer. Vor etwa sechs Wochen wurden durch den Prediger der in Köln etwa 50 Mitglieder starken Baptistengemeinde vier Mannspersonen und vier Frauenzimmer an einem Abende, wo ein abscheuliches Schnee⸗ und Hagelwetter herrschte, unterhalb Deutz im hochangeschwollenen Rheine getauft. Von diesen Neu⸗ etauften ist ein erwachsenes Mädchen am 28. Februar egraben worden. Eine Erkältung, welche sie sich bei ihrem Taufacte zugezogen hatte, soll Schuld an ihrem Tode sein. Die Annahme der Baptisten, daß eine solche Taufhandlung keine Nachtheile für die Gesundheit herbei⸗ führen könne, ist hiernach wohl nicht ganz stichhaltig. Wir entnehmen derKöln. Ztg. nachfolgende Darstellung des Vorgangs am 25. Januar:Die vier weiblichen Täuflinge traten zum Zwecke der Umkleidung in eine Kammer des Zeltes(zwischen Deutz und Mühlheim liegt dasFischer⸗ zelt der Gebr. Waltler), die vier männlichen, der Täufer

(Prebiger der Gemeinde) und ein Diakon geschlossenen Netzschuppen, Täufer, in schwarzem Talare und rundem Hute, und die Täuflinge, bekleibet mit einem Hemd aus sogenanntem Biberstoffe, über welches sie einen weißen woklenen, mit leinenem Gürtel versehenen Mankel gewo fen hatten, in dessen Saum unten kleine Bleikugeln eingenäht sind. Die Fußbekleidung bestand aus Ueberschuhen. Die Täuflinge, sämmtlich im Alter von 1528 Jahren, traten alsdann in einen Kreis um den Täufer, um sie herum die Gemeinde⸗ mitglieder. Mit entblößtem Haupte sprach der Täufer ein auf die bevorstehende Handlung sich beziehendes, die Anwesenden sichtbar ergreifendes Gebet, welchem ein ein⸗ stimmigesAmen der Gemeinde folgte. Der Täufer nahm dann den ersten Täufling bei der Hand, stieg mit ihm das User hinab und muthig ins Wasser hinein, etwa zehn Schritte weit, so daß ihnen das Wasser bis an die Hüsten ging. Nun sprach der Täufer die in allen christ⸗ lichen Confessionen bekannte Taufformel und tauchte den Täufling vollständig unter Wasser. Inzwischen war der Diakon mit dem folgenden Täufling ins Wasser gefolgt, diesen dem Täufer zuführend. Hierauf geleitete er den zuerst Getauften bis ans Ufer, wo derselbe von einem andern Diakonen zur Ankleidekammer geführt wurde. Die weiblichen Täuflinge geleitete eine Diakonissin. In laut⸗ loser Stille verharrte die zuschauende Menge am Ufer. Nach Beendigung des Taufactes zog die Schaar, nachdem die Neugetauften von einem jeden einzelnen Mitgliede herzlich bewillkommt worden waren, fröhlich von dannen und ge⸗ langte, Psalmen singend, gegen 10 Uhr in Köln wieder an.

Bekanntmachung.

Nachdem Herr Direktor Steinberger über den Er⸗ trag der von dem Hülfsvereins⸗Vorstande veranstalteten Sammlung für die Nothleidenden in Ostpreußen Rech⸗ nung abgelegt und nachgewiesen hat, daß die Gesammt⸗ summe der bei ihm und den übrigen Mitgliedern des Vorstandes vom 12. Jauuar bis zum 16. März d. J. eingegangenen Beiträge, einschließlich der bei der Expedition des Anzeiger für Oberhessen eingegangenen Summe, 1290 fl. 58 kr. beträgt, nun durch Vorlegung von 15 Quittungen den weiteren Nachweis geliefert hat, daß er dieselbe Summe von 1290 fl. 58 kr. vom 14. Januar bis zum 17. März d. J. an den Hülfsverein für Ost⸗ preußen in Berlin abgegeben hat, so erklären wir hier⸗ mit die fragliche Sammlung unsrerseits für geschlossen und sagen allen unsern verehrten Mitbürgern in Stadt und Land, die sich durch ihre Gaben daran bethelligt haben, unsern aufrichtigsten Dank. Zugleich entledigen wir uns eines von dem Berliner Hülfscomité empfangenen Auftrags, indem wir gleich aufrichtigen und warmen Dank auch in dessen Namen allen mildthätigen Gebern hiermit aussprechen. Endlich sagen wir auch der Redaktion und Expedition des Anzeiger für Oberhessen unsern ver⸗ bindlichen Dank dafür, daß sie ihr Blatt zur unentgelt⸗ lichen Veröffentlichung aller in Angelegenheiten unsrer Sammlung erschienener Artikel mit bereitwilligster Zuvor⸗ kommenheit zur Verfügung gestellt hat.

Friedberg am 28. März 1868. 5 Der Vorstand des Hülfsvereins und Namens desselben:

Baur, Vorsitzender.

Zur gef. Beachtung.

Zur Empfangnahme von Gaben für Ostpreußen und Weiterbeförderung derselben an den Ort ihrer Bestimmung erklärt sich auch ferner noch bereit, um Zusendung ge⸗ neigter Gaben freundlichst bittend,

Die Expedition des Anzeiger für Oberhessen.

Die Sammlung für Ostpreußen betreffend.

In der in Nr. 35 des Anzeiger vom 21. März b. J. veröffentlichten 16. Sammelliste ist ein Druckfehler unter⸗ laufen. Unter den bei Herrn Pfarrer Baur eingegangenen Beiträgen werden nämlich aufgeführt:Ungenannt 1 fl. 30%; es muß aber heißen: 3 fl. 30. In der Summirung ist der letztere Betrag richtig eingerechnet, und erleidet demnach die in jener Liste angegebene Untersumme, sowie die Haupt⸗ summe aller eingegangenen Beiträge keinerlei Aenderung.

Friedberg am W. März 1868. Steinberger.

Holzversteigerun

im Domanialwald der Oberförsterei Hoch⸗Weisel. 708 Montag den 6. April l. J., Vormittags ½10 Uhr beginnend, kommen im DisttetVorderer und Mittler Köppel, zur öffentlichen Versteigerung: 3 Stecken Buchen⸗Prügelholz, 10 Bucken⸗ und Nadelzockholz, 16250 Wellen Buchen⸗DDurchforstungs⸗Reisbolz, 600 Eichen. Aspen⸗ und Nadelbolz, Reis holz, 3 1 05 00 und Stangenholz. ahlungsfrist bis 1. October 1. J. Zusammenk Morgens 9 Uhr in Bodenrod. e Münster am 24. März 1868. Großherzogliche Oberförsterel Hoch⸗Weisel Sommer.

743 In ein seines Specereigeschäft wird ein

Lehrling

ohne Lehrgeld bei freier Kost und Wohnung gesucht. Franco Offerten sub M. M. poste restante Frankfurt a. M.

Friedrich

Kassel am 18. März 1868.

jede gewünschte Auskunft bereitwilligst.

Wilhelm,

Preußische Lebens- und Garantie-Versicherungs-Actien-Gesellschaft zu Berlin.

770 Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß wir Herrn Carl Kümmich in Friedberg eine Agentur unserer Gesellschaft übertragen haben.

Die Subdirection derFriedrich Wilhelm Emil Fräuckel.

Bezugnehmend auf obige Annonce empfehle ich mich bestens zum Abschluß von Lebens,, Aussteuer⸗ und Sterbekassen⸗Versicherungen und ertheile gratis Prospecte sowie

Der Agent derFriedrich Wilhelm Carl Kümmichen Friedberg.

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