Ausgabe 
2.1.1868
 
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Völter des Kalserstaakes nur von segensreichen Folgen sein.

Daasselbe nationale Streben, das Deutschland beseelt und das, freilich in verschwommener, unklarer Gestalt, auch die slavischen Stämme erfaßte und den Panslavismus erzeugte, durchglüht auch die Bewohner der apenninischen Halbinsel. Unter Frankreichs Protektion und thatsächlicher Unter- stützung entwickelte sich dort die nationale Idee und nahm Fleisch und Blut an unter dem Namen Königreich Italien. Früher war man gewohnt zu vernehmen, daß Frankreich dem jungen Italien die helfende Hand gereicht als hochherziger Be schützer unterdrückter Nationalitäten. In der historisch denkwürdigen Sitzung vom 5. Dezember werden wir belehrt, daß dieß nur geschehen, um Oesterreich zu schwächen und aus Italien zu werfen. Dann war's jedenfalls nicht folgerichtig, einKönigreich Italien zu schaffen, das da reicht von der Poquelle bis zu dem Fuße des Aelna, denn dazu gehört Rom, und es kann diesem von Frankreich beschützten und großgesäugten Königreich Italien nicht sonderlich verdacht werden, wenn es die Hoffnung begte, Frankreich werde trotz aller Septemberverträge einer Er⸗ werbung Roms keine ernstlichen Schwierigkeiten vereiten. Daß die französische Regierung schließ⸗ lich, wie es scheint unter dem Einfluß heftiger Debatten, ihrniemals, niemals ausgesprochen, scheint der objektiven, parteilosen Anschauung der Sachlage nach in keinem Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit zu stehen. Wir sind weit davon entfernt, damit sagen zu wollen, Italien habe zu seiner Existenz Rom durchaus nöthig, wir degreisen im Gegentheil wohl die Aufregung, die die Gefährdung des päpstlichen Besitzes unter den Katholiken hervorgerufen; nur dünkt uns die Behauptung nicht stichhaltig, als sei damit die Wirksamkeit des Papstes als Oberhaupt der Kirche gefährdet. Das Papstthum hat Jahrhunderte lang eine über das ganze Abendland ausgedehnte Wirk⸗ samkeit entfaltet ohne den Besitz eines Fürstenthums, und diese Wirksamkeit hängt auch heutzutage von keiner Königskrone ab. Mit mehr Recht könnte vielleicht behauptet werden, die geistige Regierung der katholischen Kirche werde durch die weltlichen Angelegenheiten der Beherrschung eines Staates beeinträchtigt und erschwert. Sei dem, wie ihm wolle, wir, die wir den Frieden wollen, müssen uns auch damit zufrieden geben, daß dem Löwen von Caprera zu weiteren kühnen Sprüngen der Weg ver- legt ist; es gibt der brennenden Fragen noch genug in der Welt, wir haben kein Bedürfniß nach der

man, ein preußlsch⸗ russisches gegenüber treten. Sollte Oesterreich mitten in seiner Neugestaltung und trotz seiner mißlichen Finanzlage in einen über Sein oder Nichtsein entscheidenden Krieg sich stürzen 2 Auf welcher Seite würde Italien kämpfen? Auf französischer doch nur gegen Auslieferung Roms, und das ist vorderhand nicht denkbar. Sollte Preußen mir nichts, dir nichts mit Ruß- land durch Dick und Dünn auf dem Weg zur Gründung des geträumten Reiches aller Slaven⸗ stämme geben? Man sieht, noch manche Zweifel⸗ fragen sind gestattet, und widersinnig ist es nech nicht, an die Erhaltung des Friedens zu glauben. Daß doch heute Jemand auftreten und der Welt den Frieden verbürgen könnte für's kommende Jahr und für immer, daß Gerechtigkeit die Völker leitete und ihre Streitigkeiten schlichtete, damit das Vertrauen wiederkehrte, Handel und Wandel seine Schwingen wieder regte, das Schwert zur Pflugschar sich verwandelte und die Kraft der Jugend nur Verwendung fände zur Hebung des Wohlstandes und der Gesittung der Völker.

Hessen. Darmstadt. Der Wiederzusam⸗ mentritt der Kammer soll nunmehr für den 15. Januar bestimmt sein. Unter den neuen Vor- lagen wird in erster Linie ein Zusatzbudgetentwurf genannt, in welchem die durch die Militärcon- vention mit Preußen veranlaßten Mehrausgaben und die Mittel zu deren Deckung vorgesehen sind. Zur Aufbringung der legzteren ist dem Vernehmen nach u. A. auch die Einführung einer Einkommen- steuer beabsichtigt. Es steht überdieß die Beschluß⸗ fassung der Kammern über das Wahlgesetz zum Zollparlamente noch zurück, zu welchem die südlich des Mains gelegenen hessischen Gebietstheile im Ganzen 6 Abgeordnete zu wählen haben werden. DieHess. Ldeztg. bringt die Nachricht, daß dahier im Laufe dieser Woche, angeregt durch die preußische Regierung, eine durch die verschie⸗ denen Staaten des Norddeutschen Bundes beschickte Conferenz von Schulmännern zusammentritt. Zweck derselben ist es zunächst, eine allgemeine Norm festzustellen, welche den Bestimmungen über die Befähigung und Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Dienste zu Grunde gelegt werden soll. Auf preugischer Seite will man nur Denjenigen, welche das Gymnasium besucht, ohne weitere Prüfung die Berechtigung zum einjährigen frei- willigen Dienste zugestehen, wenn nicht die latei⸗ nische Sprache auch bei den sechsklassigen Real- schulen zum obligatorischen Unterrichtsgegenstande

römischen. Von hervorragender Wichtigkeit ist unser Verhältniß zu Frankreich. Dit Besorgnisse vor der Kriegslust der französischen Nation sind so allgemein, daß Viele der Meinung sind, über kurz oder lang werden wir doch von daher an- gefallen, der Kampf bleibe nicht aus. Haben sie wirklich recht?

Allem dem gegenüber, was zur Unterstützung dieser Ansicht angeführt werden kann, und dessen ernste Bedeutung nicht angezweifelt werden soll, darf wohl auch auf die Thatsache hingewiesen werden, daß das Jahr 1867 eine zahlreiche Partei in Frankreich hat entstehen sehen, die erhaben über nationale Eisersucht und krapkhaften Ehrgeiz, jene Chimäre, womit der unwissende Theil der Nation so leicht in Aufregung versetzt werden kann, als ob nämlich Frankreich von dem geeinigten Deutschland bedroht sei, belächelt und einen Krieg mit Deutschland, möge er ausfallen, wie er wolle, für ein nationales Unglück haͤlt. Daß jene Partei täglich an Einfluß gewinnt und daß ein merklicher Umschwung in der öffentlichen Meinung zu Gunsten Deutschlands allmäblich vor sich geht, ist sicher.

Wird sie, die jetzt freilich noch in der Minder heit ist, noch Zeit genug haben, den Chauvinis⸗ mus unschädlich zu machen, oder wird ein baldiger Krieg das angefangene Versöhnungewerk vernichten? Die Zeitungen weisen in den letzten Tagen wieder auf beunruhigende Symptome hin, und mit Spannung erwartet man die kaiserliche Neujahrs⸗ rede. Ist die Lage in der Tyat so ernst? Einem sranzösisch ⸗österreichischen Bündniß würde, sagt

erhoben wird. Die hessische Regierung wird bei dieser Conferenz durch Herrn Oberstudienrath Wagner vertreten, und ist derselbe, gutem Ver- nehmen nach, dahin instruirt, sein Votum im Sinne der im Großherzogthum Hessen als Prinzip angenommenen Lehr- und Lernfreiheit abzugeben; in diesem Sinne legt unsere Regierung daher keinen Werth darauf, wo die Kenntnisse, welche der einjährige Freiwillige besitzen muß, ob auf Gymnasien, Realschulen oder in Privatanstalten, erworben werden, und soll namentlich der Wir⸗ tungskreis der letzteren keine Beschränkungen erleiden.

Mainz. Als eine wesentliche Erleichterung in der Ableistung der Militärpflicht erscheint es, daß hessischen Militärpflichtigen, welche als ein⸗ jährige Freiwillige jener genügen wollen, der Eintritt in preußische Regimenter gestattet ist. Zwei Bürgerssöhnen in Mainz ist dieses, und zwar nicht als Ausnahme, sondern als eine selbst⸗ verständliche Folge der Militärconvention bewilligt worden.

Preußen. Berlin. DerStaatsanzeiger bringt eine Verordnung vom 29. Dezember, welche das preußische Militärstrafrecht im ganzen Gebiete des norddeutschen Bundes einführt.

Die Nachrichten aus Ostpreußen über den dert herrschenden Nothstand lauten täglich trauriger und trostloser. Ein in Tilsit erscheinendes Blatt

Bürger und Bauernfreund, also ein glaub · würdiger Augenzeuge vom Schauplatz des Elends selbst, enthält einen Aufruf, dem wir folgende bezeichnende Stellen entnebmen: Ein großes all gemeines Unglück hat unsere Provinz getroffen.

Eine totale Mißernte, wie sie wohl noch nie vor⸗

gekommen, haben wir in, diesem Jahre erlebt, nachdem 1864 und 1865 sehr schlechte Ernten vorhergegangen. Durch politische mißliche Zu- stände, wohin wir vor Allem die Gränzsperre gegen Rußland und Polen rechnen, liegen schon lange Handel und Industrie in unserer Provinz darnieder, hat noch nie Capltalreichthum sich hier anhäufen können. So trifft uns, die wir nur vom Landbau leben, und auf ihn angewiesen sind, jede Mißernte doppelt hart. Das Leiden der Arbeiter und Armen ist auf's Höchste gestiegen, zumal der Winter sich auch mit für uns unge wohnter Strenge zu früh eingestellt hat. Schon jetzt im Dezember befinden sich in unserm Gum; binner Lazarethe einige am Hungertyphus dar⸗ niederliegende Kranke. Was soll bis zum Früh⸗ jahre, was bis zur nächsten Ernte werden? zumal, wenn von der zur Hülfe competentesten Seite diese Hülfe leicht eintreffen könnte, wenn es zu spät ist. Nun sind uns von befreundeter Seite aus Deutschland geradezu Aufforderungen zuge⸗ gangen, die Wohlthätigkeit unserer deutschen Brüder für unsere Armen in Anspruch zu nehmen Wir wissen, daß Privatwohlthätigkeit allein uns nicht helfen kann, aber auch nur die Leiden einiger Hungernden zu mildern, schnell zu mildern, ist ein gutes Werk. Helst uns Mitbürger, und einpfangt im Voraus unsern Dank.

Frankfurt. Die Oberpostdirektion hat nach; stehende Bekanntmachung erlassen, welche einen bedeutsamen Schritt zur faktischen Einführung der Thalerwährung in sich schließt:Vom 1. Januar k. J. ab soll es gestattet sein, bei den Postan⸗ stalten in Frankfurt a. M., Sachsenhausen, Vorn⸗ heim, Oberrad, Niederrad, Niederursel und Bonames den Betrag der baaren Einzahlungen auf den Post⸗Anweisungen sowohl in der preuß. Thalerwährung als in der südreutschen Gulden⸗ Währung anzugeben. Von demselben Termin ab werden die bezeichneten Postanstalten alle ein · gebenden Postanweisungen, welche in der Thaler Währung eingezahlt worden sind, auch in Münzen des Thalersußes auszahlen, die Auszahlungen von Postanweisungen dagegen, welche auf die Guldenwährung lauten, nach der Wahl des Adressaten, in Münzen des Gulden- oder in Münzen des Thalerfußee bewirken.

Württemberg. Stuttgart. Eine königliche Verordnung bestimmt die Einführung evangelischer Landessynoden und die Vertretung der Kirchengenossen gegenüber dem Kirchenregiment. Die Spuode wird aus 46 gewählten und 6 von Könige ernannten Mitgliedern besteher. Gegen⸗ stand der Berathung soll die Kirchenverfassung sein. Lehrstreitigkeiten sind ausgeschlossen. Oesterreich. Wien. Wie die Abend⸗ blätter vom 30. Dez. berichten, ist die Bildung des neuen Cabinets vollendet und habe der Kaiser die bezüglichen Ernennungen bereits vollzogen. Das cisleithanische Ministerium wird aus folgenden personen bestehen: Fürst Auersperg, Minister · Präsident; Graf Taaffe, Vicepräsident, Landes vertheidigung und Landespolizei; Dr. Giskra, Inneres; Herbst, Justiz; Brestl, Finanzen; Hasner, Cultus und Unterricht; Plener, Handel; Berger, ohne Portefeuille; Graf Alfred Potocki, Ackerbau. Frankreich. Paris. Man unterhält sich, schreibt diePresse, von einem merkwürdigen und bedeutenden Prozeß, welcher in Paris zur Verhandlung gelangen wird. Der Gesandte der Vereinigten Staaten General Dix klagt in Namen seiner Regierung gegen den Schiffsrheder Arman, den Banquier Erlanger und den Präsidenten der Handelskammer von Nantes Herrn Voruz auf Rückerstattung von 6 Mill. Dollars, die von den conföderirten Südstaaten für die Er⸗ bauung mehrerer Schiffe gezahlt worden waren, welche nicht abgeliefert und später an Preußen und andere Staaten verkauft wurden. Ferner verlangen die Vereinigten Staaten 2 Millionen Dollars für die Kosten der Ausrüstung von Kriegs schiffen, welche sie an die französischen Küsten schicken mußten, um die erwähnten Schiffe an der Abfahrt zu verhindern. N Großbritannien. London. Genauere

Untersuchungen des durch die neuliche Explosion

gerti

sundene