1868.
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Donnerstag den 2. Januar.
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Anzeiger fur Oberhessen.
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ubalt die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Jutelligenzblatt.
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Derselbe bringt die kreisamtlichen Crlasse, landwirthschaftliche und gewerbliche Mittheilungen,
r Oberhessen, welcher auch ferner wöchentlich sod ann eine kurze Uebersicht der interessantesten
geschäst liche außerdem wöchentlich einmal in dem beigegebenen Bilderräthsel 1c. Die stets wachsende Zahl der eingehaltenen Weise fortzuführen.
us 1 fl. 6 fr.
belliebe man baldigst zu machen, damit in der Zusendung des Blattes keine
Stadt werden wir das Blatt auch für das neue Halbjahr zusenden, wenn nicht ausdrücklich
Die Redaktion.
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Hans Georg Ambrostus aus
Amtlicher Theil.
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wolle sofort sestgenommen und
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4 Mons hausen bei Gladenbach, welcher der Brandstistung dringend verdächtig ist und wahrscheinlich ü der Wetterau als Knecht oder Taglöhner im Dieusie steht, Friedberg den 22. Dezember 1867.
an uns abgeliefert werden.
Großherzogliches Landgericht Friedberg
Reitz, Steinberger, Landrichter. Landgerichts- Assessor. OFtiedberg am 31. Dezember 1867. Die] die Bemerkung auf, daß dasselbe, obwohl ein] besorgt machen mußte, ausschließlich auf Rechnung
aten Römer hatten einen Gott, Janus, den Gott rs Zeitenwechsels, den stellten sie dar mit doppeltem lage, mit dem einen fach rückwärts, dem indern nach vorwärts schauend. Es will uns sedünken, als müsse der Leitartikel eines öffent⸗ ichen Blattes am Ende eines Jahres auch selch' en doppeltes Angesicht haben, damit er jurück⸗ llicke auf den Zeitabschnitt, der mit dem heutigen tag seinen Abschluß findet und sich zugleich der ukunft zuwende, der wir in dem neuen Jahr nntgegengehen. Denn gleich dem Wanderer, der, tuf einer Höhe angelangt, stille steht und aus- muhend den zurückgelegten Weg noch einmal über- baut und dann erst den Gefilden sich zuwendet, tie jenseits der Höbe sein m Blick sich oͤffnen, ist e dem Menschen Bedürfniß, von Zeit zu Zeit kine zu stehen und durch einen prüfenden Rück⸗ slick auf die Vergangenheit die nöthige Samm- ung zu gewinnen zum Welterwandern in die kunft hinein. Der Jahreswechsel fordert hierzu sanz besonders auf 4 Ein Jahr, 365 Tage, der Jugend, die be; timmten, aus der Ferne lächelnden Zielen ent- zegensehnt, eine kleine Ewigkeit, dem vorgerückteren, nit dem Leben allmählig abschließenden Alter eine urze Spanne Daseln, dem Weisen ein Tropfen uin dem Meer der Zeiten, welche Fülle von Er⸗ 5 bnissen gebiert es dennoch aus seinem Schooß! Der Blick verliert sich in's Weite, ein wirres, sast beängstigendes Gefühl überkömmt uns, ge⸗ tenken wir für einen Augenblick der millionenfach herschlungenen Lebenspfade der staubgeborenen Erdenwaller mit all' der Wonne, die sie umgaukelt und all' dem Weh, das sie umlagert. Eilig lächeen wir zurück aue diesem Labyrinth; nur tin höberes als das blöde Menschenauge schaut far in dem Gewühle, sieht Zweck und Bedeutung, Richtung und Ziel, wo uns nur ein betrübendes Wirrsal entgegentritt. Wir müssen uns damit begnügen, die Zustände und Ereignisse ganzer Länder und Völker im Großen und Allgemeinen une zu vergegenwärtigen und eine Uebersicht varüber zu gewinnen.*
a so einen kurzen Rückblick hun auf das v ene Jahr, drängt sich vor Allem
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Friedensjahr, doch nicht eigentlich zu den glück lichen zu zählen ist. Wir wollen nicht undankbar sein; nicht allzu große Dürre, nicht übermäßiger Regen oder andere Naturereignisse baben unsre Erntehoffnungen vernichtet, die Fruchtbarkeit des Jahres 1867 ist in unsern Gegenden zumal eine mehr als mittelgute zu nennen. Aber es berrschte gräßliche Hungers noth in Schweden und in Finn- land, in Preußen nimmt die Noth in erschrecken⸗ der Weise überhand und überall, vornehmlich in größeren Städten, klopft der Mangel in Folge des Darniederliegens der Industrie und des Handels bei den unbemittelten Klassen bedenklich an die Thür. Dazu bat die Choltra wieder ihren unheimlichen Zug durch verschiedent Länder Europa's gehalten, und eine ungewöhnliche Anzahl der traurigsten Unglücksfälle auf Eisen⸗ bahnen und in Bergwerken, von bedeutenden Feuersbrünsten u. dgl. rersetzten die Oemütder in deängsiigende Aufregung.— Wir daben vorbir das Jahr 1867 ein Friedens jahr genannt und das mit Recht, denn mit Ausnahme des blutigen Aufstandes auf der Insel Kandia und der kleinen probe der französischen Chassepot-Geweore dei Mentana hat Europa im Laufe desselden leinen Kampf in offener Feldschlacht gesehen. Und den- noch konnten die Völker dieses Friedens nicht froh werden, da sein Bestand immer nur an einem Seidenfaden hing. Da wurde die Luxem- burger Frage angezettelt, und als es kaum ge- lungen war, dieselbe auf gütlichem Wege zu erledigen und man sich der Hoffnung bingeben zu dürfen glaubte, so Regierungen als Völker würden mit ausgesöhnten Herzen nur dem Gotte des Friedens opfern, dem in der Weltausstellung zu Paris ein so herrliches Fest gefeiert wurde, so folgten die beunruhigenden Kalserbesucht in Salzburg und Paris mit ihren Gerüchten von französisch ⸗oͤster. reichischer Allianz zum Zweck des Angriffs, und schließlich kamen die italienischen Wirren auf die Tagesordnung, der nun schon lange permanent den curopäischen Frieden bedrobenden orlentalischen Angelegenheiten gar nicht zu gedenken. Indessen nur eine oberflächliche Anschauung der Dinge könnte, was uns um die Erhaltung des Friedens
Proben um mer.
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frevelvoller Laune einzelner Persönlichkeiten setzen wollen. Es gibt Zeiten im Völkerleben, wo Ber⸗ bältnisse und Formen, die sich lange bingeschleppt daben, sich als unbrauchbar erweisen, und dann enistebt ein gewaltiges Drängen und Ringen nach neuen Gestaltungen. Wir leben in einer solchen Zeit, und die vorjährigen Ereignisse haben zu tiefgreifende Veranderungen dervorgerufen, als daß es uns Wunder nebmen dürfte, wenn wir den Ausbau derselden und die neue Ordnung der Dinge nicht ganz so sicher und schwankungslos vor sich geben seden, als die friedebedürstige Welt es wünscht.—
Große Ideen bewegen die Gegenwart. Die lang ersehnte und vielfach angestrebte Einheit der deulschen Nation hat, zum wenigsten für einen großen Theil derselben, im norddeutschen Bund lebenskräftige Pestalt gewonnen. Süddeutschland ist darum nicht isolirt, die Gefahr der trennenden Mainlinie darf als beseitigt angeseben werden. Zu Recht bestehende Verträge umschließen Nord und Süd, in dem demnächst zusammentretenden Zollparlament werden auch die Vertreter des Südens die materiellen Interessen von ganz Deuischland mitbtratden, und eine Form wird sich finden lassen, unter welcher alle deutschen Stämme ohne die dem germanischen Geiste widerstrebende mechanische Centrali⸗ satien zur lebendigen Einheit sich zusammeuthun. Das erniedrigende Schausptel einer zweiten Auflage des Rheinbundes wird dem deutschen Volk erspart bleiben, so sehr auch neidische oder irregeleitete Nachbarn ihre Hoffnungen darauf bauen.
Nicht minder bedeutungsvoll sind die Vorgange, die wir in Oesterreich sich entwickeln und voll⸗ ziehen sehen. Wenn auch die selbständige Stellung, die Ungarn in diesem Jahr errungen, für den Bestand des Ganzen und die Ueberwindung der finanziellen Schwierigkeiten ihre bedenkliche Seite daben mag,— der neue Geist, der seit dee Niederlage von Sadowa den alten Körper durch- dringt, und der in dem Reichstag zu Wien einen vielversprechenden Ausdruck gefunden, kann, falle es seinen verlüngenden Bestrebungen vergbnnt ist, einen kräftigen Ausschwung zu nedmen, für die
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