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— Der„Siecle“ berichtet:„Die der Regie; rung ergebenen Journale sagen, oaß dite Insur⸗ rection still steht und nahe daran ist, bewältigt zu werden; unsere speciellen Erkundigungen be⸗ zeugen dagegen, daß sie sich ausbreitet und auf dem Punkte steht, zu triumphiren.“
Belgien. Brüssel. Das zwischen dem Sohne des Ministers Baroche und Rochefort, dem Herausgeber der„Lanterne“, erwartete Duell hat in Seeland wirklich stattgefunden. Rochefort trug eine leichte Verletzung am Arm, Baroche drei Wunden auf der Brust, in der Seite und am Beine davon.
Großbritannien. London. Wie vor Kurzem über die österreichischen Manöver in Bruck, läßt die„Times“ sich jetzt über die preußischen in den Rheinlanden Bericht erssatten. Er findet sie in jeder Beziehung überaus praktisch und hebt besonders den Ernst hervor, mit dem Offiiere und Mannschaften an die Arbeit gehen und nicht minder das freundliche Zusammenwirken der Artillerie, Infanterie und Cavallerie bei der Ausführung der ihnen gestellten Aufgabe.
— Nach einem aus Gibraltar datirten Briefe der„Times“ hat General Prim Southampton am 17. Sept auf einem nach Spanien fahrenden Dampfer in der Verkleidung eines Kammerdieners eines schwedischen Grasen verlassen.
Spanien. Während das spanische Volk ziemlich einig ist in dem, was man nicht mehr will, scheint dies leider weniger der Fall zu sein in Betracht dessen, was geschaffen werden soll, nachdem der Aufstand wird niedergerissen haben. Schon zeigen sich die Spuren der Un⸗ einigkeit zwischen den Führern der Erhebung. Wenn irgend Etwas, so könnte dieser Umstand ein Stützpunkt werden für die Hoffnungen des „verfaulten Thrones der Bourbonen“, wie ihn eine Kundgebung aus Barcelona nennt. Die so kräftig begonnene Bewegung würde dann in einen
langwierigen, das Fleisch des unglücklichen Volkes
noch mehr zerwühlenden Bürgerkrieg übergehen.
Madrid. Die Bewegung greift immer weiter um sich und scheint der Sieg der Sache des Volkes nach allen bis jetzt vorliegenden Nach⸗ richten nicht mehr zweifelhaft zu sein. Herzog Torre steht mit 10,000 Mann Insurgenten nahe bei Cordova. In Andalusien werden zur Unter⸗ stützung des Aufstandes 25,000 Mann National- garde organisirt.— Die Insurgenten, welche strenge auf Disciplin halten, haben in Anteguera acht von ihren Leuten erschossen, die sich der Haus⸗ plünderung schuldig gemacht hatten.— Madrid hat sich bis jetzt noch nicht erhoben, jedoch muß man den Ausbruch daselbst als gewiß ansehen und jeden Tag erwarten.
Sevilla. Eine hier veröffentlichte Procla mation Prim's vom 20. Sept. empfiehlt allge⸗ meines Stimmrecht, absolute Preßfreiheit, Freiheit des Unterrichts, des Cultus, des Handels und der Industrie, und eine weise liberale Reform aller Gesetze. Das Manifest schließt:„Es lebe die Freiheit, es lebe die Vollssouveränetät, nieder mit der Dynastie!“
Asien. In Calcutta ist an mehreren Stellen die Cholera ausgebrochen und in Ahme⸗ dabad haben gewaltige Regengüsse viele tausend Häuser der Eingebornen schwer beschädigt oder ganz zerstört. Andererseits klagt man in den nordwestlichen Distrikten sehr über Mangel an Regen, der für die Indigo⸗Ernte sehr nothwendig wäre.
Gießen. Die biesige Dahnhofofrage soll nun end⸗ gültig dahin entschieden sein, daß der neue Bahnhof mit demi seitherigen vereinigt wird und die nach Oslen führenden neuen Bahnlinien mittelst einer Curve an der katholischen Kirche vorbelgeführt werden.
Frankfurt. Die Aepfel sind, da viele Leute, welche sonst dieselben einkelterten, heuer davon aostehen und die meisten Producenten ihre Fässer gefüllt haben, im Preise erheblich gesunken. An den Thoren konnte man sie gestern und heute zu 2 fl. 15 kr. bis 2 fl. 42 kr. kaufen. Letz⸗ lerer Preis wurde nur sür ausgezeichnet schöne Waare gegeben; ein kleiner Posten wurde zu 1 fl. 45 kr. verkauft. Händler, welche mit gefallenem Obste, das sie gewaschen und auf diese Weise aufgefrischt hatten, zu Markt kamen, konnten, da man hierorts biese Pfiffe kennt, nichts ver⸗ kaufen.
S. Darmstadt, 29. Sept. Unsere Stadt ist gegen⸗ wärtig von Festen der verschiedensten Art förmlich durch⸗ wogt. Auf das Fest der Bienenwirthe, die Darmstädt mit hymettischem Honig begrüßten, sind in rascher Folge die Feste der Landwirthe mit ihren Maschinen, Geräthen und Produclen gefolgt; die Musiker, deutsche Mühlen⸗ besitzer und Nationalliberalen hatten sich gleichfalls zu ihren theils sehr schwärmerischen, theils auf dem Boden blassester Realität beruhenden Zwecken festlich vereinigt. Zu alledem gellen in unsren Ohren noch die Töne der Drehorgel, des Proklamators einer Mordgeschichte auf einem bezaubernden Gemälde dargestellt und die Stimme
des Verkäufers, der zur Verherrlichung der hiesigen Messe,
denn auch sie hat ihre Buden in dem sonst so friedlichen Darmathen aufgeschlagen, gleichfalls das Seinige beizu⸗ tragen gedenkt. Ueber so manichfaltigen Eindrücken ist es allerdings erklärlich, wenn auch die Ruhe der hiesigen Be⸗ wohner gestört und durch den Alles bedrohenden Strom von freudigen Ereignissen in offenbarste Aufregung umge⸗ wandelt wird. Ueber das landwirthschaftliche Fest und den Reichthum der Ausstellung an landwirthschaftlichen Maschinen und Geräthen, an Obst und Früchten aller Act, an allen Gattungen von Pferden, Rindvieh, Schwei⸗ nen und sogar Federvieh hat Ihr Blatt bereits referirt. tächst dem landwirthschaftlichen Feste, war es jedenfalls das sechste mittelrheinische Musikfest, welches mit Recht die größte Anziehungskraft selbst auf Laien ausübte. Die sinnige Inschrift an der Festkneipe:„Ewig bleiben treu die Alten, bis das letzte Lied verhallt“ scheint wirklich auf diese Feste, die sich immer durch das Einheitliche, durch die Harmonie ihres Verlaufs in allen Theilen aus⸗ zeichneten, ihre passendste Anwendung gefunden zu haben. Kein Umstand, welcher die allgemeine Festfreude zu trüben vermocht hätte, konnte sich hier geltend machen.„Alle für Einen“ so standen die Dirigenten der verschiedenen Vereine da, sich unbedingt dem Festdirigenten Herrn Hof⸗ musikdirektor Mangold in allen ihren so eifrigen Bestre⸗ bungen zur Verherrlichung des Festes stets unterordnend. — Von Alzey, Mainz, Gießen, Worms, Darmstadt und Wiesbaden waren im Ganzen 619 Sänger und Sängerin⸗ nen erschienen. Orchestermitglieder aus Darmstadt, Heidel⸗ berg, Gießen, Wiesbaden, Leipzig, Düren, Mainz, Mann⸗ heim, dessen Gesangverein, wie der Präsident des Fest⸗ comites Prosessor Felsing auf der Festkneipe zu wissen that, wegen der Hochzeitsreise seines Dirigenten nicht mit⸗ wirken konnte und endlich die Herren Peters(erste Vio⸗ line), Derckum(zweite Violine), Breuer(Contrabaß) aus Köln, in deren Anwesenheit sich der Festdirigent, wie er selbst geäußert, so fest fühlte, wie auf einem Fels im wogenden Meer, der allen Sturmeswellen Trotz bietet. Erwägen wir nun, daß zu diesen 619 Choristen und 128 Instrumentalpartieen noch fünf Soli kommen, Sopran durch Frau Peschkta⸗Leutner aus Leipzig vertreten, Alt durch Frl. Hausen aus Mannheim, Tenor durch Herrn Ruff aus Cöln, die Bässe durch die Herren Greger und Oppenheimer aus Darmstadt, so wird man glauben, daß selbst der Raum des Zeughauses für ein solches Zusammenwirken nicht zu groß war. — Nachdem der 1. Festiag, der 26. September, mit den üblichen Empfangs⸗ und Begrüßungsscenen der Gäste, einem Fesizug der Mitwirkenden und zwei Haupfproben, von schönem Weiter begünstigt, zu allgemeiner Befrie⸗ digung avgelaufen war, sollte uns der 27. Sepiember mit dem ersten Hauptconcert einen, in solcher Weise selbst von dem Kühnsten nicht geahnten Genuß verschaffen. Händels klassisches Oratorium»Samson,“ das ganz dem Character des Künstlers als dem Manne rascher aber bewußter künst⸗ lerischer That entspricht und in unmittelbarer überwäl⸗ ligender Kraft das Gemüth des Hörers ergreift, wurde unter der wärmsten Hingebung der Mitwirkenden und begeisterter Theilnahme der Festgenossen in jeder Beziehung vollendet wiedergegeben.— Das zweile Concert am 28. September brachte Beethovens herrliche Symphonie in A., bestehend in Introduction mit Vivace, Allegretlo, Scherzo und Finale, ferner die Sopranarie Gabriels„Auf starkem Fittige schwinget sich der Adler stolz“ aus Haydns Schöpfung, dann als drittes Stück Bachs Moiette„Lob und Ehre und Weisheit“ für achtstimmigen Chor und 4 Soli, deren Klarheit und einfache Größe zumal, als von vollem Chor und Orchester der Schlußchoral ertönte: „Wer faßt wie groß du Schöpfer bist“, alle Gemüther bis in den tiefsten Grund erfaßle um dann das majestätische Schweigen, welches die Größe, das Ueberwältigende des Eindrucks am Treffendsten charakterisirte, in einen wahren Sturm von Begeisterung und Beifall umzukehren.— Den würdigen Schluß des ganzen Festes bildete ein in der That klassisches Werk unseres hochverdienten C. A. Mangold, dessen Frithjof wenigstens zum größten Theil durch die gestrige Aufführung der Verborgenheit enttissen wurde. So war es denn der allgemeine Ausdruck aller Herzen, wenn dem Fesidirigenten, nachdem er zuletzt sein eignes großes Werk dirigirt hatte, der wohlderdiente Lorbeerkranz überreicht ward. Denn nur Mangolds Be⸗ mühungen war es gelungen in kurzer Frist eine solche Menge von Stimmen unter einen Hut zu bringen und die vereinigten Chöre mit sicherer, kunstgeübter Hand zu diri⸗ giren.— Der verschiedenen geselligen Zusammenkünfte der Festgenossen wollen wir vier nur noch vorübergehend ge⸗ denken, indem wir die Aufmerksamkeit besonders auf die Festkneipe in der Turnhalle hinlenken, wo die Gemüth⸗ lichkeit neben verschiedenen Toasten auch durch musikalische und musikalisch⸗humoristische Vorträge gewürzt wurde. Insbesondere sind wir der Mainzer Liedertafel und ihrem trefflichen Tenoristen Bleicher, sowie dem Bassisten Vohsen in dieser letzten Hinsicht zu großem Danke verpflichtet. Möge denn dieses so wohlgelungene Fest baldmöglichst wiederkehren!
Aus Herrieden, 27. Sept., schreibt man der„Fr.
Z.“: Während in Nordeuropa bei hohem Barometerstand das Thermometer Morgens 7 Uhr noch unser dem Ge⸗ frierpunkt steht und dort fast täglich Nordlichter zu sehen sind, bringen vom Hafen von Gascogne kommende Luft⸗ thäler für den Westen Regen, und bei uns mehr gemischtte Witterung, ohne das heitere Wetter auf die Dauer zu unterbrechen.
* Der Genuß von Pferdefleisch scheint in Osnabrück besondere Geschmackssache zu sein. Es wird nämlich von dort berichtet, daß, nachdem daselbst schon seit einigen Jahren zwei Pferdeschlachter mit gutem Erfolg thätig waren, jetzt von zwei Unternehmern eine dritte Pferdeschlachterei ins Leben gerufen worden sei. Bisher kostete dort ein Pfund knochensreies gutes Fleisch 2 Gr.
„ Eine Vogelspinne. Ein Schiffer, welcher Blauholz von Stettin nach Graudenz gebracht hatte, fand beim Ausschaufeln seiner Ladung im Holz eine amerikani⸗ sche Buschspinne oder Vogelspinne aus Brasilien noch le⸗ bend an. Das Insect, von dem wohl noch kein Exemplar lebend nach Europa gekommen sein mag, wurde der hie⸗ sigen Töchterschule übergeben. Es ist, nach einer von der „D. Z.“ gebrachten Beschreibung, rauhhaarig, rostfarben, mit Kiefern von fast einem Zoll Länge, und ist mit aus⸗ gestreckten Füßen handgroß; der Biß ist giftig, doch heilbar.
O Die Bourbonen.
Die Geschicke Spaniens sind für den Augen⸗ blick in den Vordergrund getreten. Die Zeitungs- Artikel, die uns Nachricht von der dortigen B. wegung bringen, werden mit Spannung gelesen, geographische Handbücher und Atlasse werden zur Hand genommen, um die sehr vernachlässigte Geographie dieses Landes aufzufrischen, Geschichts⸗ bücher werden durchblättert, um die spanische Ge⸗ schichte nachzulesen, die uns freilich in den meisten ihrer Kapitel„spanisch“ genug vorkommt. Woher aber das allgemeine Interesse? Spanien ist schon lange her ziemlich abgeschlossen von der lebendigen Völkerbewegung, direkte Beziehungen dahin haben wir blitzwenig.
In erster Linie ist es die Theilnahme mit dem Geschick eines Jahrhunderte hindurch miß handelten, geknechteten Volkes. Kein Wunder, meint mancher Leser, die Bourbonen herrschen ja da! In der That, die Bourbonen sind ein heruntergekommenes, entartetes Geschlecht. In Frankreich, in Neapel, in Spanien haben sie gleichmäßig ihre Unfähigkeit zu regieren bewiesen. Wie ein Fluch lastet's auf den Völkern, denen sie gebieten, alles Leben er⸗ stirbt unter ihren Händen. Nur den spanischen Thron hat die Familie noch inne; auf wie lange noch?
Die Bourbonen gelangten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Heinrich IV. auf den französischen Königsthron. Seltsames Geschick eines Hauses, das mit einem so glänzen ⸗ den Namen beginnt, um gänzlicher Entartung anheimzufallen. Der Name Heinrichs IV., der da wollte, daß auch der geringste seiner Unterthanen des Sonntags sein Huhn im Topfe habe, ist heute noch im Segen in Frankreich, und schon Ludwiz XIII., XIV., XV.? Ihr Despotismus und ihre Sittenlosigkeit, ihre Ueppigkeit und ihre gewissen⸗ lose Verschwendung haben die Saat der blutigen Revolution gereift, die den schwachen Ludwig XVI. für die Sünden seiner Väter auf das Schaffot führte. Die Restauration brachte zwar die Bour⸗ bonen in der Person des unfähigen Karl X. auf den Thron zurück, aber schon 1830 vertrieb die Julirevolution ihn und sein Haus— wohl für immer— vom französischen Herrschersitz.
Die spanische Krone kam in den Besitz der Bourbonen in Folge des Ausgangs des spanischen Erbfolgekrieges 1714. Der Enkel Ludwig XIV., Philipp, ist der erde Bourbon in Spanien. Seit der Zeit herrscht die Familie da mit wo möglich noch weniger Einsicht, als vorher die Nachkommen Karls V. Das Schreckensgericht der Inquisition, welches über 30,000 Menschen zur Ehre Gottes dem Feuertode überlieferte, die Hunderttausende ungerechnet, die zu andern schweren Strafen ver⸗ urtheilt wurden, schwang seine Geißel fort bis in die neuere Zeit herein, wo man aus Humanitäl anfing, sich mit Galeerenstrafen zu begnügen für die, die der Ketzerei beschuldigt waren oder vielleicht eine Bibel verbreitet hatten.— Der unwürdige Streit zwischen Ferdinand III. und seinem Vater lockte 1808 Napoleon in's Land, und als ein
Sei 1844 Lesern genug gibt davon Für den das Stepler e allerall von Afurstl der Jsabeler —
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