Ausgabe 
1.8.1868
 
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von ihm geleisteten Ordinationseide in Einklang bringen könne. Der Protestantenverein ver- öffentlicht eineErklärung in Betreff dieser An⸗ gelegenheit, die mit den Worten schließt:Jede Verurtheilung, jede Maßregelung in dieser Sache erhalten wir für unbegründet, mit dem christlichen Geiste streitend, und vertrauen mit Zuversicht, daß keine Verfügung in anderem als der Gewissens⸗ freiheit günstigem Sinne erfolgen werde.

Preußen. Berlin. Die Verhandlungen über den Anschluß Lübecks an den Zollverein, sind sicherem Vernehmen nach zum Abschluß gelangt. Der Bundeerath des Zollvereins und Nordbundes wird nächstens auseinandergehen.

Die BerlinerGerichtszeitung schreibt, wie es scheint, officiös:Sowohl der verstorbene König, wie König Wilhelm I. hatten stets, na; mentlich wenn sie sich auf längere Reisen begaben, oder an einem Orte außerhalb ihrer Residenzen längeren Aufenthalt nahmen, einen höheren Polizei- beamten des hiesigen Poliztipräsidiums und zwei Schutzleute in ihrer Begleikung, welche sich, wenn auch möplichst unbemerkt, in der unmittelbarsten Nähe der königl. Herrschaften aufzuhalten hatten. In diesem Jahre ist zum ersten Male kein Beamter des biesigen Polizeipräsidiums mit unserem König nach Ems gegangen. Ob dies auf allerhöchsten Befehl geschehen, oder ob, wie anderweit behauptet wird, die Centralpolizeistelle im auswärtigen Ministerium die Ueberwachung der persönlichen Sicherheit des Königs für sich beansprucht hat, ist nicht bekannt geworden. Der Polizeirath Goldheim, der bisher stets in der Begleitung des Königs war, ist in diesem Jahre in ein schlesisches Bad zur Herstellung seiner angegriffenen Gesund⸗ heit gegangen.

Das Zollparlament hat folgenden Antrag in Betreff des Einpfennigtarifs angenommen:den Bundesrath des Zollvereins zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der in Norddeutschland für Kohlen eingeführte Einpfennigtarif pro Centner und Meile auf den Transport aller Rohmaterialien und Erd⸗ produkte der Industrit, so wie der Schienen und des Stabeisens im Zollvereinsgebiete ausgedehnt und mit möglichster Beseitigung der Nebenkosten (Expeditionsgebühren) auf alle Entfernungen an⸗ gewendet werde. Der Ausschuß des Zollbundes⸗ raths glaubt sich in seinem Bericht darüber auf den Antrag beschränken zu müssen: Der Bundes- rath des Zollvereins wolle seinen Vorsitzenden ersuchen, den Beschluß des Zollparlaments zur Kenntniß der Contrahenten des Vertrages vom 8. Juli d. J. zu bringen.

Die Zahl der freisinnigen Richter mindert sich mehr und mehr. Außer dem Tribunalrath Frech(bekannt als Abgeordneter der Fortschritts⸗ partei) soll nach derZeidl. Corr. nunmchr auch der Geh. Justizrath Frentzel vom Kammer- gericht seinen Abschied zu nehmen beabsichtigen.

Nach der Glasbrenner'schenMontags⸗ Zeitung soll hier mit Beginn des Winters ein national ⸗demokratisches Blatt(auf gleichem poli⸗ tischen Standpunkt mit derBresl. Zig.) ins Leben treten. Als voraussichtlichen Redakteur nennt man Gustav Freitag.

Marburg. In Ausführung eines vom biesigen Stadtrath gefaßten Beschlusses reiste am 24. d. eine aus dem Landrath Mayer und zwei Stadtraths⸗Mitgliedern bestehende Deputation nach Ems, um den dort weilenden König zu einem Besuche hiesiger Stadt einzuladen. Der König hat diese Deputation sehr freundlich aufgenommen und seinen Besuch zugesagt.

Fulda. Wie der hiesigeAnzeiger meldet, wird der Chef des Generalstabes der Armee, General v. Moltke, am 16. August mit einem Gefolge von 16 Stabsoffizieren, 9 Hauptleuten, 2 Unteroffizieren, 32 Ordonnanzen und 62 Pferden eine dreiwöchentliche Uebungsreise antreten, welche von Salzungen aus beginnt, dann durch weimarisches uud preug. Gebiet südlich von Kassel weiter geht.

Bayern. München. Die bayerische Staatsregierung weist den Vorwurf der Beschrän⸗ kung staatsbürgerlicher Rechte durch die Qualification des politischen Verhaltens der Geistlichen in der Corresp. Hoffmann zurück. Der Mißbrauch

staatsbürgerlicher Freiheit durch Entstellung und Herabwürdigung von Handlungen der Regierung könne jedoch im Interesse der staatlichen Ordnung bei den Bewerbern um Pfründen des landesherr⸗ lichen Patronates nicht geduldet werden. Baden. Freiburg. Auf der am 27. Juli hier stattgehabten Conferenz des mitteldeutschen Eisen⸗ bahnverbandes wurde die Auflösung des letzteren beschlossen und werden somit die gemeinschaftlichen Beziehungen mit dem Jahre 1868 ablaufen.

Oesterreich. Wien. Von den Reden und Toasten, die bei den verschiedenen Festlich- keiten während der Schützentage hageldicht fielen, wurden namentlich die Worte des Ministers Giskra bei dem Festbankette mit Begeisterung aufgenommen. So sagte er, nachdem Mittermaier seine Festrede mit einem Toastauf das freisinnige constitutionelle Ministerium Oesterreichs erwiedert hatte:Sie brachten ein tausendstimmiges Hoch den Männern, die gegenwärtig durch das Vertrauen des Kaisers geehrt und durch das Vertrauen des Volkes geboben(stürmischer Beifall), es übernommen haben, die Regierung zu führen. Diese Männer übernahmen es in der Zuversicht, daß das schwer gebeugte Oesterreich nicht am Ende seiner Tage sei(allgemeiner stürmischer Beifall), sie über nahmen es in der Ueberzeugung, daß der große Körper nur krank gemacht worden war(lebhafter Beifall) durch schlechte Regierungsmaximen(all- gemeiner Beifall); sie übernahmen es in der Ueberzeugung, daß Oesterreich ein Riese werden kann, wenn ihm die Arme frei werden, die Arme, die ihm geknebelt waren durch Unverstand und durch unglückselige Verträge.(Lange andauernder stürmischer Beifall) Sie übernahmen das Amt in der Ueberzeugung, daß die Lösung der Fesseln den kranken Körper mit neuen Riesenkräften stark machen werde(lauter Beifall), und sie wissen, daß nur durch Lösung der alten Bande der Ver⸗ kümmerung des geistigen, des wirthschaftlichen Lebens, der Beengung des socialen Lebens, nur auf dem Wege entschiedenen Fortschrittes Oester⸗ reich kräftig werden kann(allgemeiner stürmischer Beifall), und sie haben die Ueberzeugung, daß auf der freien Bahn des Fortschritts, und nur auf dieser, Oesterreich wieder gewaltig werden kann(stürmischer Beifall), und wie bis jetzt Oesterreich durch seine Staatsgrundgesetze, Dank dem Kaiser, der sie gegeben(lebhafter Beifall, Hochruft), zu den freiesten Staaten Europas gehört(lebhafte Rufe: Sehr wahr, sehr wahr!), so wird Oesterreich auf der Bahn des Fort⸗ schritts, welche die Männer der Regierung ver- treten, das werden, was Sie Alle wünschen. (Stürmische Beifallsrufe.) Und so trinke ich, der Zustimmung der Tausende gewärtig, auf die Zu⸗ kunft des auf den Bahnen des Fortschritts sich verjüngenden Oesterreichs!(Lebhafter, allgemeiner, stürmischer, nicht enden wollender Beifall.)

Frankreich. Paris. Girardin empfiehlt in seinerLiberie die Bamberger'sche Broschure über den Grafen Bismarck der Aufmerksamkeit des Herrn Rouher und kommt bei dieser Gelegen- heit wieder einmal zu dem Schluß, daßein Krieg unvermeidlich ist, nicht ein Krieg Deutsch⸗ lands gegen Frankreich, sondern Frankreichs gegen Deutschland.Dieses, fügt er hinzu,hat seinen Bismarck gehabt; es ist gewiß, daß Frank- reich auch den seinigen haben wird. Wann? Bald!

Nach derPatrie vertheilen sich die 429 Millionen, auf welche das Anlehen fesigesetzt ist, wie folgt: Kriegsministerium 131,922,000 Fr., und zwar Umwandlung der Bewaffnung 91,600,000 Fr., Artilleriematerial 2,500,000 Fr., Verbesse⸗ rung der Festungen 32,000,000 Fr., Militärtele⸗ graphen 200,000 Fr., Montirungen 5,622,000 Fr. Marineministerium 30,052,354 Fr., und zwar Artillerie und andere Waffen 21,500,000 Fr., römische Expedition 3,052,354 Fr., besondere Schiffsbauten 3,000,000 Fr., außerordentliche Löhnungen 2,500,000 Fr. Oeffentliche Arbeiten 83,419,646 F. und zwar Flußarbeiten 25,500,000 Fr., Canäle 14,500,000 Fr., Häfen 30,500,000

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Fr., gegen Ueberschwemmungen 9,275,000 Fr.,

Unbedeckter Rest von 1867 183,606,000 Fr., in Summa 429,000,000 Fr.

Bis jetzt hat derConstitutionnel eine sehr günstige Meinung von dem Verlauf des großen

Wiener Schützenfestes. Hr. Ed. Simon schreibt hierüber in dem Tagesbericht Folgendes::. Indem die verschiedenen Redner freimüthig ihre Sympathien für Oesterreich an den Tag legten, vermieden sie Alles, was die preußischen Gäste hätte verletzen können, und bis jetzt wenigstens hat noch nicht der geringste Mißklang das Fest gestört, das ein wirklich moralischer Sieg des neugebornen Oesterreichs ist.

DerFigaro bringt die Nachricht, für welche wir ihm gerne die Verantwortlichkeit über- lassen, daß fünfzig Beamte des Kriegs ministeriums gestern nach den östlichen Departements abgeschickt worden sind, um genaue Erkundigungen über die dort vorhandenen, zum Unterhalt einer Armee nöthigen Vorräthe einzuziehen.

Der gesetzgebende Körper hat mit 223 gegen 16 Stimmen den Gesetzentwurf betreffs einer Anleihe von 440 Millionen angenommen. Die Kammersession wurde geschlossen. Die Depu⸗ tirten trennten sich mit dem Rufe:Es lebe der Kaiser!

Italien. Florenz. Man versichert, daß die Voraussetzung derAllg. Ztg., Kronprinz Humbert von Italien habe mit seiner Gemahlin, in Folge einer Mittheilung des italien. Cabinets, den König von Preußen in Ems nicht besucht, unrichtig sei. Ems habe nicht in der Reiseroute des prinzlichen Paares gelegen, welches sein Incognito aufrecht erhalten und die Rücksicht beobachten wollte, den König in seiner Zurück⸗ gezogenheit nicht zu stören.

Serbien. Belgrad, 28. Juli. Die vierzehn zum Tode Verurtheilten sind heute Mor- gen außerhalb der Stadt, am Ufer der Donau, in Anwesenheit einer großen Menschenmenge und zahlreicher Militärmacht erschossen worden.(Das Volk stieß gegen die Verbrecher Verwünschungen aus. Während der Exekution ist ein Unglück zu beklagen. Der commandirende Offizier, der un⸗ vorsichtigerweise sich in der Nähe einer der Gru⸗ ben für die Exequirten befand, wurde von einer Kugel, die von dem Pfahle, an dem der Delin⸗ quent gebunden stand, abprallte, in die Stirne getroffen und blieb sogleich todt.)

Türkei. Nach den neuesten officiellen Mit⸗ theilungen aus der Donauprovinz wären die meisten Banden, welche die Gränzen von der Wallachei aus überschritten haben, verwundet, getödtet oder gefangen genommen worden. Die Ergreifung der übrigen wird als nahe bevor⸗ stehend, und die Haltung der Provinzbevölkerung als ruhig geschildert.

Rußland. Petersburg. Ein Rund- schreiben des Fürsten Gortschakoff fordert die Mächte auf, ihre Meinungen über die von Preußen vorgeschlagene, in Petersburg abzuhaltende Con- ferenz wegen Abschaffung der Explosionskugeln zu äußern. Das Rundschreiben schlägt vor, daß die Conferenz erst am 13. Oktober zusammentrete, da der russische Kriegs minister gegenwärtig beurlaubt ist.

Afrika. Aus Alexandria wird der Tod von Oskar Becker berichtet, welcher den bekannten Mordversuch auf den König von Preußen gemacht hat. Becker wurde bekanntlich vor mehreren Jahren begnadigt und ging aus dem Zellengefängnisse in Bruchsal mit nicht unbedeutenden Mitteln, die für ihn deponirt waren, nach Belgien. Er starb im Diakonissenhospital in Altxandria.

Aus derselben Stadt meldet man vom 19. Juli: Ueber den hiesigen Aufenthalt Oskar Becker's ersährt man, daß derselbe mit seigem Projekte zusammenhing,den Orient zu reformiren. Um das Land zu studiren, glaubte er sich auf eine Stufe mit den Eingeborenen stellen zu müssen und eröffnete zu diesem Zwecke eine Schneider Werkstälte, in der er längere Zeit gearbeitet hat. Außerdem erbot er sich, Musikunterricht zu ertheilen. Sein Projekt, die Reform des Orients, hatte er

landwirthschaftliche Verbesserungen 3,644,646 Fr.

hier durch Anschläge in den Straßen bekannt gemacht.

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