Ausgabe 
30.7.1867
 
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* Friedberg, 29. Juli. Heute in der Mit⸗ tagsstunde unterlag Major Hannesse, bisher Commandeur unserer Garnison, seinen schweren Leiden. Wie wir hören, wird die Leiche nach Darmstadt verbracht und dort am Morgen des 31. d. M. zur Ruhe bestattet werden. Der Ver⸗ storbene war in unserer Stadt allgemein beliebt und geschätzt und bei seinen Untergebenen ein in hohem Grade verehrter Vorgesetzter.

Friedberg. DerRheinhessische Beobachter schreibt: Mehr wie zuvor wird wieder die Frage besprochen:Wird der Frieden erhalten bleiben oder nicht? Man erwägt dabei die politischen Verhältnisse Frankreichs, die nach der Mei⸗ nung des Einen und Andern entweder zur Frei⸗ heit oder zum Kriege führen müssen, und daß Napoleon eher zum Kriege sich entschließen werde, als zur Gewährung der Freiheit. Dann glaubt man von Oestreich, es strebe darnach, für die seit einer Reihe von Jahren erlittenen Niederlagen Genugthuung zu erlangen und das Verlorene wieder zu erwerben; es sammle sich im gegen wärtigen Augenblick, um für den kommenden ge⸗ rüstet zu sein. Als dritte Ursache, welche den Ausbruch des Kriegs befürchten lasse, bezeichnet man die Nothwendigkeit für Preußen, auf dem begonnenen Wege der Einigung Deutschlands auf Grundlage des Nationalitätsprincips, also selbst Deutsch-⸗Oesterreichs, fortzuschreiten, was den bei⸗ den andern Mächten ein willkommener Anlaß zur Bekämpfung biete. Diesen Beweisgründen ist nicht alle Wahrscheinlichkeit abzasprechen, allein man muß nicht vergessen, auch die Gründe abzuwä⸗ gen, welche selbst den Regierungen das Krieg⸗ führen als ein ungeheures, nicht blos für die Völker, sondern auch für sie verderbenbringendes Wagestück erscheinen lassen. Napoleon setzt in einem Kriege Alles aufs Spiel, denn der Sieg ist ihm keineswegs sicher; Oestreich würde sich sagen müssen, daß bei einer abermaligen Nieder- lage der Sieger nicht mehr so großmüthig handeln könnte wie im Jahre 1866, denn es hat nicht einen Fuß breit Landes an den Eroberer abzu⸗ geben brauchen. In beiden Ländern aber, wie nicht minder in Deutschland, sind die Geldver⸗ hältnisse derart, daß eine, wenn auch nur einiger maßen humane Siegierung ihnen jede Rücksicht schenkt und das Misere, wie es besteht, nicht noch verschlimmert, dadurch, daß sie die Ursache zum Krieg vom Zaune bricht. An das Volk werden immer größere Anforderungen gestellt, wer kann aber zahlen, wenn Alles ruinirt ist? Auf die freundschaftlichen Händedrücke, Umarmungen und Versicherungen geben auch wir nichts, desto⸗ mehr aber auf die mächtige Stimme der Völker, die sich nicht mehr gegenseitig zerfleischen wollen im Interesse des einen oder andern Machthabers. Die sranzösischen Rüstungen betrachten wir nicht gleichgültig, allein sie sind vielleicht mehr gegen das französische Volk selbst gerichtet, und das dürfte der von Napoleon, in der ihm gelassenen Wahl, erwählte Ausweg sein, daß er Krieg im Innern führt, da dieser ihm leichter werden würde als der gegen Deutschland. Zu unbeding⸗ ter Vertrauensseligkeit möchten wir mit diesem nicht verleiten, da die Verhältnisse wirklich sehr ernster Natur sind, allein man soll doch auch nicht vor jedem Schreckschuß schon allen Muth verlieren.

Gießen. Vor einigen Tagen war auch hier die in der vorigen Nummer d. Bl. erwähnte Militär ⸗Commission anwesend um die Räumlich

Pferd sprengten nach allen Richtungen hin. Nach- dem das Militär sich an seinen betreffenden Posten gesammelt, zog es theils unter Trommelschlag, theils unter den Klängen der Musik auf die Festungswerke, während von der Citadelle mehrere Kanonensalven gegeben wurden Der General stab, vom Palais des Gouverneurs aus reitend, begab sich nach verschiedenen Stellen der Festung. Das Manöver dauerte beinahe die ganze Nacht hindurch.

Preußen. Berlin. Berliner Blätter ent- halten einige Mittheilungen über den Inhalt der jüngsten Note, welche der dänische Gesandte dem dortigen Cabinette überreicht hat als Antwort auf die preußischen Propositlonen in der nordschles⸗ wig'schen Angelegenheit. Hiernach soll der Ein⸗ gang der qu. Note die Erklärung der Kopenhagener Regierung enthalten, daß die dänische Regierung in Betreff der Garantiefrage ihren bisher einge- nommenen Standpunkt nicht verlassen könne. Die dänischen Gesetze, die bekanntlich durchaus liberal seien und allen Staatsangehörigen ohne Unterschied die gleichen Rechte sicherten, gewährten auch den Deutschen völlig ausreichenden Schutz und es seien daher keinerlei specielle Garantien für die Deutschen Nordschleswigs erforderlich. Was die in der preußischen Depesche berührte Mitwirkung Dänemarks an der Feststellung der Grenzen für die Retrocession Nordschleswigs betreffe, so sei Dänemark von dieser Feststellung durch die be treffende Bestimmung des Prager Friedensvertrages ausgeschlossen, und es müsse daher lediglich erwar ten, welche Vorschläge Preußen in dieser Ange legenheit machen werde. Schließlich spricht die Note die Bereitwilligkeit aus, über die weiteren preußischen Vorschläge mit dem Berliner Cabinet in Unterhandlung zu treten.

DerStaats-Anzeiger meldet, daß der König den Marschällen Canrobert und Regnault und dem Minister v. Moustier den schwarzen Adlerorden verliehen.

Wie dieNational-Zeitung versichert, hat die französische Regierung im Betreff der nord⸗ schleswigschen Frage eine Interpellation hieher gerichtet, in welcher zugleich das Recht beansprucht wird, in dieser Frage mitzusprechen.

DieNord. Allg. Zig. bestätigt den Ein⸗ gang einer französischen Note über die nord- schleswig'sche Frage, will sich aber vorerst eines Urtheils darüber enthalten, indem sie anführt, dieNat.⸗Ztg. betrachte die Note als eine Ein⸗ mischung.

DieKreuzztg. sagt: die dänische Note enthalte nichts, was irgend eine bestimmte Beant⸗ wortung erfordere, und soll vielmehr einen voll⸗ kommen conciliatorischen Charakter haben.

Hannover. Die Königin Marie hat am 28. d. M. das Land Hannover verlassen. Der Augsb. A. Ztg. schreibt man von hier über die Abreise derselben:Die Königin Marie bestieg gestern Morgen mit dem ersten Donnerschlag eines furchtbaren Gewitters, welches sich über das ganze Land ausgedehnt zu haben scheint, auf der Station Nordstemmen den Bahnzug, der sie aus dem Lande führte, in welchem sie, wie sie oft gesagt, das reichste Glück, aber schließlich auch das schwerste Leid erfahren. Trotz des schlechten Wetters hatten sich auf allen Stationen, an denen der Zug hielt, die Umwohner in großer Zahl versammelt, um ihrer Königin dus letzte Lebewohl zu sagen. In Göt⸗ tingen zeigte sich die Theilnahme am lebhaftesten.

keiten zu inspiciren, in denen Infanterie, welches dom 1. October an die Gar⸗ nison in Gießen bilden wird, untergebracht werden könnte. Wenn auch vorläufig das Zeughaus, das gegenwärtig hauptsächlich als Lagerstätte für das Zollamt benutzt wird, dazu in Aussicht genommen und hergerichtet wird, wie thatsächlich die Mieth⸗ verträge bereits gekündigt sind, so dürfte doch der Neubau einer allen Erferdernissen genügenden Caserne nicht zu umgehen sein.

Mainz. Am 26. fand ein großes Festungs⸗ manbver hier statt. Gegen Uhr wurde General- marsch geschlagen, welcher gegen 6 Uhr wiederholt wurde. Das Militär eilte, bewaffnet mit Sack

ein Pataillon

Halberstadt. Einer Bekanntmachung der

Polizeiverwaltung von Halberstadt über den Ver⸗

lauf der Trichinenkrankheit entnehmen wir Folgendes: Die Zahl der biesigen erkrankten Einwohner beläuft sich auf 197, die der Verstorbenen auf 30. Außer⸗ dem sind in Folge des Geuusses von hier gekauftem Schweinefleisch etwa 30 Personen auf dem Lande erkrankt und etwa 40 wandernde Handwerksgesellen haben hier auf der Durchreise vermuthlich trichinöses Schweinefleisch gegessen und sind daher wahrschein⸗ lich ebenfalls von der Krankheit ergriffen. Bei

Weitem der größte Theil der Erkrankungen rührt von einem bei Pickert auf der Woort geschlachteten Schweine her, ein sehr geringer Theil scheint von

und Pack, durch die Straßen, und Offiziere zu Fleisch herzurühren, welches aus einem andern

Geschäfte entnommen war. Die Voruntersuchung gegen den Fleischer Pickert ist von Seiten des Kreisgerichts auf Antrag der Oberstaatsanwaltschaft eröffnet, der Angeschuldigte befindet sich in gericht⸗ licher Haft.

Kassel. DieKasseler Zeitung schreibt: Sicheren Nachrichten zufolge werden überall, wo jetzt Justizämter ihren Sitz haben, bei der Ein⸗ führung der neuen Gerichtsorganisation Amts- gerichte ihren Sitz erhalten, so daß die viel-

als beseitigt angesehen werden können.

Im Herbste dieses Jahres, wahrscheinlich im October, werden die deutschen Bischöfe eine Versammlung in der Stadt Fulda abhalten, um sich über die Fragen und Ziele des im Jahre 1868 zu Rom auftretenden Coneils zu berathen.

Frankfurt. Die Einführung des ziemlich hohen Kartenstempels(5 Sgr.), so wie die durch das Gesetz vorgeschriebenen Einrichtungen in den Kartenfabriken und die damit verbundenen Ueberwachungen haben zwei der größten Kartenfabriken, welche circa 160 Arbeiter aus der Umgegend beschäftigen, bestimmt, ihre Etablissement von hier weg zu verlegen. Das eine kommt nach Offenbach. das andere nach Isenburg. Nach dem beireffenden Gesetz darf der Raum, in welchem die Karten aufbewahrt werden, nur einen Zugang haben; die Fenster müssen enge vergittert sein, so daß keine Karte hindurch kann; jeden Abend müssen die Karten unter Verschluß eines Beamten genemmen werden ꝛc. Das sind nur einige wenige Bestimmungen von den vielen.

Bayern. München. Der an den Masern erkrankte Exkönig Otto von Griechenland ist am Abend des 26. d. M. in Bamberg diesem Uebel erlegen. Derselbe war der zweite Sohn des Königs Ludwig I. von Bayern und geboren am 1. Juni 1815. Seine Wahl zum Beherrscher des durch die griechische Revolution geschaffenen und durch den Londoner Vertrag von 1827 an⸗ erkannten Hellenenstaates erfolgte im Jahre 1832. Im Februar des folgenden Jahres bestieg er den schwankenden Thron unter Vormundschaft einer Regentschaft, deren Wirksamkeit erst im Juni 1835 erlosch. Nach einer sturmvollen Regierung von fast drei Decennien mußte er in Folge einer der zahlreichen Revolutionen auf diesem Boden im October 1862 das Land für immer verlassen, unbeklagt von der Bevölkerung und schnell ver⸗ gessen von der winzigen Partei seiner Anhänger. Er lebte seitdem in seinem Heimathlande Bayern.

Würzburg, 25. Juli. des Denkmals zu Tauberbischofsheim wurde gestern mit großem Pomp vollzogen und waren trotz der regnerischen Witterung Tausende von Menschen aus der Umgebung zugegen. Zur Feier der Einweihung des Denkmals zu üettingen, welches morgen, als am Jahres- tage des Gefechtes, stattfindet, sind namhafte Vor⸗ bereitungen getroffen und wird die hiesige Garni⸗ son(Artillerie und Infanterie) heute acht dahin abmarschiren.

Oesterreich. Wien. In der Sitzung des Unterhauses vom 25. ds. bemerkte der Einanz⸗ minister nach der Verlesung des Berichts des Finanzausschusses: die Ziffer des Budgets sei noch nicht endgiltig festgestellt, die einzubringende Re⸗ gierungsvorlage werde die Deckung des Deficits ohne jede Gefährdung der Staatsgläubiger nach⸗ weisen.

wortlichkrit der Minister sanctionirt hat. Die Sitzung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Sultan ist hier eingetroffen und vom Kaiser und den Erzherzogen im Bahnhof empfangen worden. Die Kaisergarden und anderes Militär bildeten ein Paradespalier bis zum Lustschloß Schönbrunn, woselbst der Sultan ab⸗ stieg. Die hiesige altePresse erfährt über die Depesche Frankreichs an das Berliner Cabinet: Die Depesche lasse sich in zwei Puncte zusammenfassen. Erstlich führt sie aus, Frankreich habe ein Interesse, das Recht und Pflicht, sich

um die Ausführung des Prager Friedens zu kümmern; zweitens sei die preußischerseits für die

Abtretung Nordschleswigs gestellte Bedingung, daß

fachen in dieser Beziehung gehegten Besorgnisse

Die Einweihung

Der Reichskanzler theilte schließlich mit, daß die Regierung das Gesetz über die Verant⸗

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