Ausgabe 
29.10.1867
 
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empfangen. Bei der Einfahrt in die Stadt waren alle Hauser mit österreichischen Fahnen geschmückt und eine ungeheure Menschenmasse wogte durch die Straßen, welche der Kaiser lebhaft begrüßte. Alsbald nachdem der Kaiser in seinem Palast an gekommen, begab er sich mit seinen Brüdern, den beiden Erzherzogen Ludwig und Ludwig Victor, zu den Gräbern der ehemaligen Herzoge von Lothringen und besuchte mehrere Kirchen. Abends wohnte er einer von der Stadt Naney veranstal⸗ teten musikalischen Soirée bei und reiste am Morgen des 23. nach Paris ab, wo er Nachmittags 3 Uhr anlangte. Kaiser Napoleon, der Prinz Napoleon, die Fürstin Metternich, das Personal der öster reichischen Gesandtschaft, die beiden Pariser Mar⸗ s bälle, die Minister, fast alle Gesandten, viele hochgestellte Beamten und Officiere, so wie eine große Anzahl österreichischer Officiere und Damen erwarteten den Kaiser im Innern des festlich ge⸗ schmückten Bahnhofes. Als der kaiserliche Eisen bahnzug am Bahnhofe einlief, ging der Kaiser Napoleon mit seinem Gefolge dem Kaiser Franz Joseph entgegen, um ihn zu begrüßen. Sie reichten sich die Hände und umarmten sich. Der Kaiser begrüßte dann die beiden Erzherzoge, worauf das übrige Gefolge seine Aufwartung machte. Nach dem Salon zurückgekehrt, fand eine kurze Vor⸗ stellung der dort anwesenden Personen Statt. Besonders freundlich begrüßte der Kaiser Franz Joseph die Fürstin Metternich. Etwa zehn Mi⸗ nuten nach der Ankunft des Kaisers von Oester⸗ reich fand die Abfahrt von der Eisenbahn Statt. Beim Erscheinen Ihrer Majestäten am Ausgange des Bahnhofes spielte das Musikcorps des Linien⸗ Regiments die österreichische Nationalhymne. Nach⸗ dem die beiden Kaiser mit ihrem Gefolge die bereit stehenden Wagen bestiegen, setzte sich der Zug in Bewegung. Die Menge, welche sich überall eingefunden hatte, war ungeheuer, größer als die beim Einzuge des Czaren. Besonders groß war der Zudrang in den Champs Elysces, wo schon um 2 Uhr das Gedränge so stark war, daß dort Niemand mehr Zulaß finden konnte. Unter den Klängen der österreichischen National⸗ hymne fuhren die beiden Kaiser um drei Uhr 35 Minuten in das Elysée ein. Dort hatte sich die Kaiserin eingestellt, um den hohen Gast zu begrüßen. Die Berichte fügen noch als wichtig und interessant die weitere Mittheilung bei, daß die Kaiserin von Kopf bis zu den Füßen ganz veilchenblau gekleidet war und daß die kanarien⸗ gelb gekleideten Kutscher und Lakaien der Fürstin Metternich bei der Volksmenge Aufsehen erregten.

Wie derMoniteur vom 25. d. meldet, hat am Abend des 22. October ein Aufstands⸗ versuch in Rom stattgefunden, welcher aber bald unterdrückt wurde. Die Bewegung entstand durch auswärtige Agitatoren, die Bevölkerung der Stadt blieb derselben fern. Etwa 50 Ausständische machten einen Angriff auf den Posten auf dem Capitol und gegen die Zuaven⸗Caserne in Borgo; nuovo. Das Resultat war das Zusammenstürzen einer Mauer in Folge einer Explosion und einige Stunden nachher war Alles ruhig.(2) In Venedig haben bei Gelegenheit der Jahresfeier der Einverleibung der Stadt ins Königreich Italien feindliche Demonstrationen gegen die rö⸗ mische Herrschaft des Papstes stattgefunden.

Der Kaiser Napoleon hat nach Berlin seine Anerkennung dafür ausdrücken lassen, daß Preußen während der französisch⸗italienischen Differenzen sich so ernstlich für die Erhaltung des Friedens bemüht und in diesem Sinne auf das Florentiner Cabinet eingewirkt habe.

In Pariser Blättern liest man, die Thatlosigkeit der italienischen Regierung, oder vielmehr das Nichtvorhandensein irgend welcher Regierung, die Garibaldi gelassene Freiheit der Action, der Forthestand des revolutionären Co- mites in Florenz, dieses Alles zusammen sei wenig in Harmonie mit den Erklärungen, welche Frank⸗ reich am Dienstag erhalten habe und erwecke in den politischen Kreisen ernste Besorgnisse. Es habe deßhalb am 25, d. eine Ministerberathung im Beisein des Kaisers stattgehabt, welche sich wit den italienischen Angelegenheiten

beschäftigte und durch die wichtigen Depeschen, die aus Florenz und Rom eingetroffen waren, veranlaßt worden sei. DerPatrie zufolge melden Telegramme von der römischen Gränze, daß Garibaldi bereit ist, dieselbe zu überschreiten und daß die Corps Nicotera's und Menotti's einen Kern bilden, stark genug, die Offensive wieder zu orgreifen.

DerMoniteur berichtet vom 26. Oet.: Alle Anstrengungen der Garibaldianer, einen Auf⸗ stand in Rom zu organisiren, sind gescheitert. Der Deputirte Cairoli, welcher den Versuch machte, mit einigen Anhängern in Rom einzudringen, wurde getödtet und sein Bruder verwundet. Ga ribaldi ist mit ungefähr 4000 Freiwilligen auf dem Anmarsch nach Rom in der Richtung von Monte Rotendo Weiter sagt dasselbe Blatt: Angesichts der erneuerten Versuche der revolutio- nären Banden, in das päpstliche Gebiet einzufallen, hat der Kaiser den Befehl zurückgenommen, welchen er bezüglich der Einstellung der Einschiffung der in Toulon versammelten französischen Truppen erlassen hatte.

Die aus Florenz eingetroffenen Nach richten haben die französische Regierung veranlaßt, das Panzergeschwader vor Toulon am Morgen des 28. d. M. in See gehen zu lassen. Fünf Transportschiffe sind mit dem Panzer- geschwader abgegangen, andere sollten im Laufe des heurigen Tages nachfolgen. Bis zum Sonntag Abend wird dasselbe an der italienischen Küste vor Civitavechia angekommen sein.

Nach den in Paris eingetroffenen Nach richten wäre das Ministerium Cialdini dennoch gebildet und nur noch das Innere sei unbesetzt.

DiePatrie sagt: Sobald die Ruhe in Rom wiederhergestellt und das päpstliche Gebiet von den Eindringlingen befreit ist, werden unsere Truppen zurückkehren. Dieselbe Politik, welche unsere Truppen nach Italien schickt, appellirt an Europa, daß die Lösung der römischen Frage in einer Conferenz versucht werde.

Belgien. Brüssel. Die Rindervest ist wieder in Holland ausgebrochen. Die belgische Regierung thut Schritte bei den preußischen Be⸗ hörden, damit das am 1. Oct. im Regierungs- bezirke Aachen aufgehobene Ausfuhrverbot von Vieh nach der holläudischen Gränze wieder her gestellt werde.

Die Regierung legte der Kammer das Heeresgesetz vor, durch welches die Effectiv⸗ stärke des belgischen Heeres auf 100,000 Mann, die jährliche Aushebung auf 13,000 Mann und die Gesammtkosten auf 36 Millionen Franken festgesetzt werden.

Großbritannien. Man meldet aus Lon⸗ don, daß Lord Stanley Ende der vergangenen Woche eine Note an das Tuileriencabinet gesandt babe, worin er erkläre, die Majorität des eng- lischen Volkes werde nur mit Bedauern eine neue Besetzung Roms durch die Franzosen sehen. DieTimes befürwortet einen Congreß zur Ordnung der italienischen Angelegenheit.

Italien. Florenz. Wie bereits ge⸗ meldet, war Garibaldi von Livorno aus urplötzlich in Florenz aufgetaucht, wo er, ohne sich viel zu geniren, vor allem Volke eine feurige Rede hielt, in der er der heimischen wie der französischen Regierung ungescheut die härtesten Vorwürfe ins Gesicht schleuderte. Von Florenz aus, nachdem er unter endlosem Jubel gesprochen, bestieg er ruhig die Eisenbahn, um sich über Foligno nach Orte und so ins Römische zu begeben. In Foligno soll ihm nun bedeutet worden sein, daß er nicht weiter vorgehen dürfe, ohne seine noch⸗ malige Verhaftung zu riskiren. Andere Nach⸗ richten aus Florenz melden, es gehe das Gerücht, daß es Garibaldi geglückt sei, zu seinem Sohne Menotti zu gelangen.

Die Nachrichten aus Rom lauten wider sprechend. Während wiederholt versichert wird, daß dort vollständige Ruhe herrsche, meldet der Corr. Italiano, daß am 22. d. in Rom ein Aufstandsversuch stattgefunden hat; die Insurrektion

scheine zwar nicht siegreich zu sein, aber es herrsche große Unruhe in der Stadt. Als militärische

Maßregel sind einige Stadtthore geschlossen, während andere vom Morgen bis zum Abend offen bleiben. DasGiornale di Roma berichtet über ein hart näckiges Gefecht, das zwischen Päpstlichen und Insurgenten bei Borghetto stattgefunden. Letztere verloren dabei 4 Todte und mehrere Verwundete; die Päpstlichen erlitten keinen Verlust.

Nachrichten vom 25. d. besagen, das Ministerium Cialdini sei installirt.

Florenz. Es bestätigt sich, daß Cialdini bei Bildung eines neuen Ministeriums auf Schwierig keiten gestoßen ist. Vom 25. wird gemeldet, daß das Ministerium noch nicht constituirt sei.

Neuere Nachrichten aus Florenz vom 25. d. lauten: Abends 9 Uhr. Wie die Jour- nale melden, hat Garibaldi mit den Corps Menotti's Passo-Corese und Monte-Maggiore besetzt und steht die vorderste Insurgentencolonne bei Monte-Rotondo; auch sollen die Insurgenten Bagnorea wiedererobert haben. In Rom so ll der Belagerungszustand erklärt sein.

11 Uhr 30 Minuten Nachts. In Civita⸗ Vecchia ist der Belagerungszustand erklärt worden; Rom war gestern Morgen ruhig. DasGiornale di Roma vom 23. Okt. sagt:Die insurrektionelle Bewegung, welche in Rom am 22. stattgefunden, habe auf dem Colonna-Platze mit dem Werfen einer Bombe begonnen, worauf durch die Ent⸗ zündung eines Pulverfasses unter einer Caserne eine Explosion entstand und mehrere Wachtposten angegriffen wurden. Die Angreifenden zogen allenthalben den Kürzeren und mußten sich mit Verlust von etwa 100 Gefangenen zurückziehen.

In Florenz, Livorno und anderen Städten Italiens werden begeisterte und energische Adressen an den König gerichtet, die nationale Sache Italiens zu verfechten zur Erhaltung der Ehre der Nation, deren Freiheit und Einheit.

Nach den neuesten telegraphischen Nach- richten vom 26. d. haben die Angelegenheiten in Italien unerwartet schnell eine den Garibaldianern günstigere Wendung genommen. Wir stellen das Neueste hier kurz zusammen. Cialdini, der vor

wenigen Tagen ernannte Minister, hat nach diesen

Berichten seine Entlassung als Ministerpräsident eingereicht, da die Bildung eines Ministeriums nicht gelingen wollte. Er soll ferner dem fran⸗ zösischen Gesandten in Florenz erklärt haben, daß die italienische Regierung ihre Ohnmacht erkenne, gegen die Bewegung anzukämpfen, ja daß sie ge nöthigt sein würde, selbst gegen Rom Truppen marschiren zu lassen. Die Regierung sehe voraus, daß dann Frankreich interveniren und Italien in Krieg mit demselben gerathen würde; dies wäre aber noch der beste Ausgang, denn es sei un⸗ möglich, gegen Garibaldi und Mazzini anzukämpfen, wobei der König unnöthigerweise seine Krone auf's Spiel setzen würde. Frankreich würde ein groß müthiger Feind sein und seine Vortheile nicht miß⸗ brauchen. Cialdini erklärte sich außer Stande, die September Convention zu vollziehen.

Aus Turin wird gemeldet, daß dort große Demonstrationen zu Gunsten Rom's statt⸗ gefunden.

Nachrichten aus Terni berichten, daß Garibaldi die Päpstlichen bei Monte rotondo ge schlagen und ihnen drei Kanonen abgenommen hat; dagegen unterlagen die Freischaaren beim Angriff auf Viterbo, wo sie 1000 Mann stark unter dem Befehle Ghirelli's kämpften und ein Stadtthor in Brand steckten. 0

Toretto steht nahe den Mauern Rom s.

Serbien hat wohl die blühendsten finanziellen Zustände in Europa. Der Ausweis des Finanz; ministers zeigt für das laufende Jahr einen Ueber⸗ schuß von 14½ Millionen Piaster. Der Kriegs. minister hat übrigens für dies schöne Sümmchen seine Verwendung angekündigt, indem er die über⸗ flüssigen Piaster für die Rüstungen beansprucht, welche wegen der angeblich immer drohenderen Haltung der Türkei und der Zunahme der Reibungen an der Grenze beschleunigt werden sollen

«Friedberg. Am Freitag Abend gingen, die Pferde des Herrn Wilhelm Kleeberger von Melbach auf der um die hiesige Burg führenden Chaussee durch, wobei

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