wärtig einen Werth von mindestens einer Million Gulden repräsentirt. Einer Nachricht aus Frank furt zufolge, wäre indessen wenig Hoffnung vor handen, daß diese Forderung von der Liquidations Commission anerkannt würde.

Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat gelegentlich der Berathung über die Anforde rung der Regierung für die Schullehrer⸗Semina rien folgende prineipiell wichtige Anträge gestellt: die Regierung zu ersuchen, mit dem Jahr 1868 die Oeconomie an dem Seminar zu Bensheim ab⸗ zuschaffen und eine Verpflegungsweise der Semi- naristen ähnlich derjenigen in Friedberg einzu führen. Die Großherzogliche Regierung zu er mächtigen, einen dreijährigen Lehrkurs an den beiden Schullehrer-Seminarien einzuführen unter der Voraussetzung, daß 1) es gestattet sein solle, je nach Befähigung beim Eintritt oder je nach der Entwickelung nach dem Eintritte auch vor

blauf von drei Jahren die Anstalt zu absolvi ren;) es den Schülern auf Ansuchen durch den Director gestattet werden könne, auch außerhalb der Anstalt zu wohnen und daß dies, unbeschadet der Aussicht und Disciplin, als Regel gelten solle. Der Ausschuß der ersten Kamwer ist einverstanden, erachtet jedoch das Internat für die wünschens werthe Regel. Zwei Mitglieder des Ausschusses stellten den Antrag: das Schullehrer-Seminar zu Bensheim aufzuheben und das Seminar zu Fried berg, ohne Rücksicht auf confessionelle Scheidung, entsprechend zu erweitern und die Regierung zu ersuchen, noch auf diesem Landtage den Ständen Vorlage zu machen und die betreffenden Summen nur noch bis 1. Januar 1868 zu bewilligen, und ein anderes Mitglied beantragt: die Regierung zu ersuchen, die beiden Lehrer-Seminare zu einem einzigen, auf dem nur der Religionsunterricht ge trennt ertheilt werde, zu vereinigen.

Wie dieDarmst. Zeitg. berichtet, hat

die am 7. d. M. mit Preußen abgeschlossene

Militär⸗Convention am 17. d. M. die Genehmi⸗ gung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs erhalten und sind die desfallsigen Ratifications⸗ urkunden inzwischen umgetauscht worden.

DieMain⸗Ztig. schreibt, dem Vernehmen nach habe Preußen 10,000 Zündnadel⸗ gewehre zur Bewaffnung der hessischen Divi sion dem Großherzogthum überlassen und würden diese Gewehre demnächst dahier eintreffen.

S. Friedberg. Während Starkenburg und Rheinhessen in Bezug auf Eisenbahnen dem Ziel ihrer Wünsche immer näher rücken, ist bei uns Oberhessen wieder Stillstand eingetreten. Und doch sind unsere Bedürfnisse darin von gleicher Bedeutung, ja von vielleicht noch größerer, als jene. Denn die dort zu erbauenden Bahnen werden meist nur dem Lokalverkehr dienen, wäh⸗ rend es sich hier um das Interesse von ganz Deutschland handelt, besonders, wenn wir auf die Linien Gießen⸗Gemünden oder Schweinfurt

achten, welche die directe Verbindung zwischen der

Nordsee und dem schwarzen Meer, resp. der Donau herstellen würde.

Friedberg. In den nächsten Tagen sollen in den dem Großherzogthum neu zugetheil ten Orten die Wahlmänner zur Wahl eines Ab geordneten für den Landtag gewählt werden. Die Abgeordnetenwahl selbst wird dann, wie wir ren, ganz in der Kürze dahier stattfinden. Von Vorschlägen wegen des aufzustellenden Candidaten verlautet bis jetzt nichts.

Mainz. DieFrankf. Zeitg. meldet von hier: Die militärische Situation unserer Feseung hat sich plötzlich umgewandelt. Lange Züge von Wagen, mit Faschinen beladen, passiren die Stra ßen, um auf die Außenwerke gebracht zu werden, an denen sogar gestern, am Ostermontege, in aller Eile gearbeitet wurde. Bedeutende Proviant Lieferungsverträge sind abgeschlossen worden, man spricht für 3040,000 Mann, die in den Platz gelegt werden sollen.

Preußen. Berlin. Auch die neuesten Blätter bringen keine Nachricht von besonderer Bedeutung und irgend welcher Entscheidung in der Luxemburger Frage Die vermittelnden Mächte setzen ihre Bemühungen, eine friedliche Lösung herbeizuführen, eifrig fort. Mittlerweile lassen jedoch die Nachrichten aus Frankreich keinen Zwei fel mehr zu, daß man dort mit umfassenden stungen beschäftigt ist, wenngleich solche bis jetzt noch mehr oder weniger in Abrede gestellt werden. Die preußische Regierung wird unter diesen Um⸗ ständen mit Gegenrüstungen nicht mehr lange gern und so scheint denn die Hoffnung auf Er⸗ haltung des Friedens immer mehr zu schwinden und die Entscheidung den Waffen übergeben wer den zu sollen.

DerWes.⸗Ztg. wird über die Verwen dungen, die Seitens der deutschen Regierungen im Laufe von funfzig Jahren auf Fortifikation, Armirung ꝛc. der Festung Luxemburg gemacht worden sind und deren Rückerstattung als eine Eventualität in der Luxemburger Augelegenheit auch ins Auge zu fassen sei, Folgendes geschrieben:

Für die Herstellung der Festung Luxemburg waren nach dem Vorschlage der Militär-Commission im Jahre 1819 von den Frankreich auferlegten Kriegskosten 2 Millionen Frances, außerdem zur gewöhnlichen jährlichen Instand⸗ haltung 50000 Francs bestimmt worden. Letztere Summe reichte jedenfalls bald nicht mehr aus. Im Jahre 1825, wo die Bundessestungen erst förmlich vom Bunde über⸗ nommen und ihre Beziehungen zu demselben ausführlich geregelt wurden(für Luxemburg trat dies definiuv noch später ein) wurde die lausende Dotatien für Luxemburg auf 38888 fl. fesigesetzt. Für 1865 finden wir z. B. die Dotation mii 65,310 fl. veranschlagt, und außerdem an außerordeutlichen Bewilligungen 505,297 fl., von denen im Jahre 1865 206,255 fl. zur Verwendung gekommen waren. Die Hauptsumme des Bedarfs betrug für 1866 309,396 fl mit der gewöhnlichen Dotation 370.299 fl. Wie die Bundes versamialung in den letzten Jahren viel⸗ ach ihre Aufmerksamkeit der erhöhten Vertheidigungsfähig⸗ keit der Bundesfestungen zug; wendet hat, so wurden denn auch in Luxemburg sowohl manche fortifikatorische Neu⸗ bauten, wie auch Umbauten⸗Werke vorgenommen. Man baute u. A. mehrere Lunetten und das Fort Rheinsheim um, führte ein Artillerie-Wagenhaus und eine bomben⸗

sichere Kaserne auf dem Rham aus, befestigte die Paif⸗ höhe, vollendete die Deckeng der Wege zu den Werk Ober- und Niedergrünewald und des Kricgspulvermagl⸗ zins Jost, sowie den Abschluß am Trierer Thor. Im Al⸗ gemeinen ist der Vertheidigungszustand der Festung dutch die in den letzten Jahren zur Ausführung gekommenen Bauten ohne Zweisel sehr, erböht worde wenn auch der Wirkung der gezogenen Geschütze noch nicht überall Rech⸗ nung getragen ist. Es dürfte dies aber überhaupt bei den älteren Fessungen vielfach noch nicht der Fall sein. DieProvinzial-Correspondenz erklärt

alle Mittheilungen über militärische Maß⸗ regeln Seitens Preußen für durchaus unbe⸗

gründet; ungeachtet der Nachrichten über militärische Vorkehrungen in Frankreich, welche anscheinend mit der Luxemburger Frage im Zusammenhange stehen, habe Preußen seither doch nichts gethan, was mit der Hoffnung der Erhaltung des Frie dens mit Frankreich im Widerspruch stände Graf Bismarck ist heute hierher zurückgekehrt und wird den Landtag im Auftrag des Königs eröffnen.

DieNordes Allg. Ztg. fagt:D Vermittlungs vorschläge betreffs der Luxembur⸗ ger Frage seien noch unbekannt und daher auch nicht discutirbar; doch stehe so viel fest, daß Preußen weder das Besatzungsrecht zu Gunsten der Vereinigung Luxemburgs mit Belgien, noch die bezüglichen Verträge mit Holland aufgegeben hat. Wie dieBörsenzeitung hört, seien die österreichischen Vermittlungs vorschläge am Charfreitag dahier übergeben worden.

Bayern. München. Das Infanterie⸗ Leibregiment hat 2500 in Hinterlader umgewan⸗ delte Podewils-Gewehre in Gebrauch genom men. Das hier garnisonirende Jäger-Bataillon exercirt seine Rekruten schon seit mehreren Tagen mit solchen Gewehren. Die Handgriffe beim La den sind auf vier reducirt, sie sind sehr einfach und die Aenderung im Exercier-Reglement sonach

nur eine geringe.. Die Nachricht, daß Bayern in den Norddeutschen Bund eingetreten sei, hat sich als eine Ecfindung erwiesen. Bayern will nicht unbedingt und nicht ohne vorherige vollt Verständigung mit Würtemberg, Baden und Hessen in den norddeutschen Staatenbund treten. Würtemberg. Stuttgart. Der König hat den Ankauf des nöthigen Geländes zur Er⸗ richtung eines Monuments für die in Tauber⸗ bischofsheim gefallenen Würtembeeger geneh- migt. Die Arbeiten müssen bis 24. Juni vollendet

sein. Die Enthüllung des Monuments wird wahr- scheinlich am Jahrestage der Schlacht(24. Juli) erfolgen. Das Monument wird ganz aus Stein bestehen und soll zu etwa 6000 fl. veranschlagt sein.

Minister Freiherr v. Varnbüler hat sich nach Berlin begeben. Es heißt, es handle sich um den Eintritt der süddeutschen Staaten in den norddeutschen Bund, oder vielmehr um die Form des Anschlussrs oder der näheren Verbin⸗ dung mit dem norddeutschen Bunde; denn von einem förmlichen Eintritt in den norddeutschen

und in kleinen Städten viele dieser Geschäfte von einer Person besorgt und ist oft der Schenkwirth zugleich Specerei⸗, Eisen⸗ und Ellenwaaren⸗ händler. In volkreichen Städten gibt es Augen-, Gehör⸗, Zahnärzte ꝛc. ꝛc., während in kleineren Städten oder Dörfern ein Arzt dies Alles in einer Zur Zeit Philipp des Großmüthigen gab es in ganz Hessen nur zwei Apotheken, eine zu Kassel und eine zu Marburg, da die Aerzte damals zugleich auch die Apotheker machten. Nur in der Land⸗ wirthschaft läßt sich die Arbeitstheilung weniger durchführen, da man den geschicktesten Pflüger, Säemann ꝛc. ꝛc. nicht das ganze Jahr hindurch mit a Indeß trifft man auch in der Land⸗ wirthschaft Arbeitstheilung, namentlich in dem in dieser Beziehung hoch entwickelten England, wo man Acker- und Viehwirthe und unter letzteren wieder Rinder⸗ und Schafzüchter, Aufzüchter von Jung⸗ und Mastvieh,

Person besorgt.

derselben Arbeit beschäftigen kann.

Milchwirthe ꝛc. ꝛc. unterscheidet.

f Mit Recht sagt unser berühmter Nationalöconom Roscher: Je ent⸗ wickelter ein Volk ist, desto größer ist die Arbeitstheilung und nur bei sinkenden Nationen, deren Kapital und Markt abnehmen, nimmt auch die

Arbeitstheilung ab.

Die Franzosen im Rückschritt. (Aus dem Mecklenburgischen Volksblatt für Stadt und Land, Nr. 14, 1867.) . Und wohl die Franzosen nicht allein, sondern alle hochcivilisirte Völker find im Rückschritt. Das hat schon den Römern einer ihrer feinsten Dichter(Horaz) gesagt, der ihnen ein Verschen machte, worin er sich

entschieden.

Nun, da gibt's jämmerlich Volk.

bestand.

bitter beklagte, daß die weichlichen Väter und Mütter auch immer verweich⸗ lichteres Geschlecht liefern würden. Jetzt will nun Napoleon sein Kriegsheer auf eine Million bringen; aber man sieht, daß die Mannschaften in Frank⸗ reich immer jämmerlicher werden, das haben die Zahlmeister durch Zahlen Eine berühmte Zeitschrift(Revue des deux mondes) gibt folgende Nachricht über die Aushebung vom Jahre 1864. Da betrug die Stärke der Altersklasse 325,000 Mann und davon waren 110,000 Mann untauglich. Man sehe die Liste der Krüppel, Lahmen u. dgl.: Zu klein 18,106, schwache Constitution, Auszehrung u. s. w. 30,524, von Geburt an verstümmelt 15,988, bucklig, zu hohe Füße oder Plattfüße 9100, 6988, Stotterer 962, ohne Zähne 4108, an geheimen Krank- heiten leidend 5114, Kröpfe oder Serophulöse 5213, Gelähmte, Irrsinnige 2155, an diversen Gebrechen leidend 8236.

an Hautkrankheiten leidend 2520, blind oder taub

doch in der That in Frankreich ein groß Heer

n Unter den Negern in Afrika und unter den Baschkiren und Kosaken wird's wohl nicht so aussehen. In derselben französischen Zeitung, aus der Obiges entnommen, wird gesagt, daß es in Oesterreich noch schlechter aussähe, als in Frankreich. In Oesterreich soll die Alters- klasse von 1862 nicht im Stande gewesen sein, 90,000 Leute zu liefern, obgleich sie aus 358,000 Mann, Unter den 297,000 hätten sich, diesem Blatte zufolge, 207,000 zum Militärdienste untüchtige Leute befunden, und man hätte zurückgreifen müssen, um die nöthige Zaöl zu bekommen.

wovon 297,000 dienstpflichtig waren,

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