Ausgabe 
24.1.1867
 
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gehörigen Gebietstheilen und den beiden außer · dalb dieses Bundes befindlichen Provinzen zu erhalten vermöge. So werde die Trennung zwischen Nord und Süd im engeren Vaterlande praktisch zu überwinden sein und damit zugleich die Brücke geschassen, auf der Nord- und Süd⸗ deutschland ihre Wiedervereinigung finden. Der Ausschuß entnimmt mit größter Beffiedigung, dasz er in der wichtigsten nationalen Frage mit der Ansicht des Greßberzogs(nach dessen Proclama- tion vom 17. Sept. v. J) als auch mit der des Ministeriums sich im Einklang befindet und ist in der glücklichen Lage, dem Wunsche des Landes.: herrn entgegen zu kommen, indem er auch seiner Seits dazu beiträgt, daß die Ausdehnung des norddeutschen Bundes auf das ganze, große Vaterland ermöglicht werde. Der Ausschuß be⸗ antragt daher einstimmig: die ständische Zustim⸗ mung nachträglich zu ertheilen.

Gießen. In der auf den 20. d. für den Wablkreis Gießen Grünberg Nidda berufenen Versammlung zur Besprechung über die bevor stehende Parlamentswahl wurde zunächst durch den Vorsigenden, Herrn Carl Gail, die nationale Bedeutung der an das deutsche Volk heran- getretenen Aufgabe in eindringlichen Worten ent⸗ wickelt und nach Eintreten in die heutige Tages- ordnung zur Diätenfrage die Erklärung be⸗ schlossen:Die Aufbringung der Diäten und eisekosten der Abgeordneten für Oberhessen ist eine gemeinsame Angelegenheit der Provinz, inso⸗ fern diese Frage nicht durch gesetzliche Regelung ihre Erledigung findet. Hierauf schlug Namens des Centralwahlcomite's Herr Hofgerichtsrath Völcker der Versammlung Herrn Adalbert v. Rabenau zu Friedelshausen als Candidaten vor, und nach dem dieser sein politisches Prograum vorgelegt hatte, wurde der Vorschlag, ihn als Abecordneten aufzustellen und zu empfehlen, einstimmig genehmigt

Mainz. Die dahier stattgehabte Versamm⸗ lung von Weinwirthen aus dem Großberzogtdum war von Betheiligten aus der Provinz Rhbeinhessen und Starkenburg zahlreich besucht. Die Ver⸗ sammlung bestelte sich ein ausführendes Büreau und beschloß einfach die Annahme des Antrags des Landtagsabgeordneten George von Büdesheim, betreffend die Aufhebung der bestehenden, die Wirthe stark belastenden und noch mehr contro⸗ lirenden Tranksteuer und Zapfgebühren auf Wein. Sie überläßt es den Ständekammern und der Regierung, Mittel und Wege zu finden, auf welchen der durch jene beabsichtigte Aenderung entstehende sehr bedeutende Einnahmkaus fall an indirekten Steuern ausreichend zu decken wäre.

Auf der hessischen Ludwigsbahn ist man einem wohlorganisirten Diebsgeschäfte, das von einigen Expeditionsgehülfen etablirt war, endlich

Schon vor 2 Jahren waren mehrere Colli vermißt worden und hatte man damals einen Bureauangestellten, der plötz lich Mainz verlassen, im Verdachte gehabt. Nun⸗ mehr aber bat man die wirklichen Diebe glücklich

auf die Spur gekommen.

ermittelt. Es sind zwei Brüder, die sich dem sauberen Handwerke ergeben hatten und welche nun, sammt ihren 2 bier wohnenden Schwestern. unter deren Theilhaberschaft das Unternehmen flott von Statten ging, hinter Schloß und Riegel sich befinden. Einer dritten in Leipzig wobnenden Schwister, die dasDepot unterhielt, indem man ihr Geld und Effekten zur Sicherstellung überantwortele, hat sich die hiesige Polizei tele- graphisch zu versichern versucht. Der jüngste der beiden Brüder soll, wie es heißt, bereits 5 Dieb- stähle eingestanden haben. Ueber die Anzahl der gestohlenen Colli und deren Werth lassen sich natürlich bis jetzt annähernde Angaben noch nicht machen, nur kann mitgetheilt werden, daß sich darunter ein Geldsack von 2300 fl., eine Kiste Brabanter Spitzen(die der jüngere Bruder seiner Geliebten zum Brautgeschenk gab) und ein Koffer mit Weißzeug und Kleidungsstücken im Werthe von 1000 fl.(bezüglich dessen die Verwaltung der Bahn dem Entdecker des Diebes unlängst eine Prämie von 100 fl. in öffentlichen Blättern zusicherte) befigden. Die Polizei laßt es an den eifrigsten Nachforschungen nicht fehlen, um weitere Betheiligte, deren Vorhandensein man mit Grund muthmaßt, zu ermitteln.

Worms, 16. Jan. Der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstages hat ein Rundschreiben an alle Mitglieder des Handelstages erlassen, worin er mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen in das norddeutsche Parlament alle seine Mitglieder daran erinneit, daß sie bei der Wahl eines Abgeordneten neben der politischen Parteistellung auch auf die Befähi⸗ gung sehen, bei der Gesetzgebung auf dem Gebiete der Gewerbs⸗Interessen diejenigen Grundsätze zu vertreten, welche der Deutsche Handelstag seit einer Reihe von Jahren als die unerläßliche Vor⸗ bedingung aller Reformen aufgestellt hat. Dann sagt das Circular weiter: Nicht allen denjenigen, für weiche es sich darum handelt, ist es vergönnt, selbst:dätig an der neuen Schöpfung mitzuarbeiten; nicht alle Mitglieder aus dem Zollverein wählen für das norddcutsche Parlament, welchem die Auf⸗ gabe zufällt, diesen Zollverein neu zu constatiren. Und so wird es unsere Aufgabe sein müssen, so zu wählen, daß auch die Rechte dieser unserer Mit⸗ glieder, so weit es irgend möglich, in dem neuen Parlamente gewahrt werden. Wenn die Länder jenseits der Mainlinie davon ausgeschlossen find, so haben ihre Verkehrs- und Handelsgenossen in Norddeutschland dafür in erster Reihe zu sorgen,

daß das neue Gebäude so ausfalle, als ob Süd⸗ deutschland selber werkthätig daran mitgeholfen habe, und daß demselben der Zutritt zu jeder Zeit möglich sei. Der deutsche Handelstag ver⸗ tritt nicht den norddeutschen Bund und nicht Süddeutschland alleinz auch Oesterreich gebört ihm zu und hat gerade in diesem Augenblicke, in welchem eine Revision des Handelsvertrages zwi⸗ schen ihm und dem Zollverein beginnt, Anspruch auf besondere Berücksichtigung. Der Handelstag muß sich heute mehr denn je als das Band be⸗ irachten, welches die durch politische Verhältnisse getrennten deutschen Glieder zu einem einzigen Arbeits-, Handels- und Verkehrskörper mit einan⸗ der verbindet.

Preußen. Berlin. Bei dem Ordens feste, wobei der König einen Toast auf das Wohl der Armee des gesammten Vaterlandes ausbracdte, erhieit der Oberbürgermtister Nebelthau zu Kassel den rothen Adlerorden dritter Klasse, der Oberst⸗ lieutenant Böing, Militärcommandant des ehe⸗ maligen Frankfurter Contingents, den Kronen⸗ orden dritter und der Bahnhofsvorstand Böcking zu Bockenheim den vierter Klasse. Die zählung der weiter verliehenen Decorationen füllt 13 Spalten desStaats⸗Anzeigers.

In Weimar und Mecklenburg ⸗Strelig sind die Wahlen für das Parlament auf den 12. Februar festgesetzt. Der Prinz und die Prinzessin Ludwig von Hessen sind hier einge⸗ troffen. Die Nachricht über eine bevorstehende Eintheilung der Provinz Hessen in Regierungs⸗ bezirke Kassel, Hanau und Wiesbaden wird von derKreuzzeitung als unbegründet bezeichnet.

Verschiedene Berliner Blätter erheben ihre Stimme für Constituirung eines Oberhauses neben dem Bundes parlament, welches abgesehen von den dort zu vertretenden Körperschaften und Verbänden, den regierenden Dynastieen Gelegen⸗ heit bieten würde, durch Deligirte oder durch persönliche Theilnahme ihrer Mitglieder bei der Gesetzgebung mitzuwirken.

Die Morgenblätter vom 22. melden über⸗ einstimmend, daß jetzt die Zustimmung der nord⸗ deutschen Bundesregierungen zu dem ganzen preu⸗ ßischen Verfassungsentrurf gewiß sei.

Das Central-Wahlcomite für die Wahlen zum Parlamente beschloß, den liberalen preußischen Mitgliedern des Parlaments Reisekosten und Diäten zu garantiren, und rechnet auf die Bes⸗ steuer der Parteigenossen in den großen Städten.

In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 22. kam die Frankfurter Kriegscontributions⸗ Angelegenheit zur Verhandlung. Zu dem Namens der Commission gestellten Antrage auf motivirte Tagesocdnung brachte Hoverbeck ein Umendement, welches gleichfalls die motivirte Tagesordnung

Das Sauerland.

Von Dr. Curtman.

Auf den kahlen Höben des Städtchens Winterberg in dem Sauer⸗

in dem sonst stillen Orte. und Trinken. Die Schulden der sparsamen Hausfrau werden redlich be⸗ zahlt, das Uebrige aber verjubelt. 1

Wochen lang dauert das Willkomm Sagen

Auf⸗

lande(dem hohen Weswhalen) und der benachbarten Dörfer lohnt sich der Ackerbau kaum und liefert den spärlichsten Ertrag. Von Gartenbau und Obstzucht ist daselbst gar keine Rede. Aber Winterberg hat die schönsten Biehheerden in ganz Westphalen ein eigner Schlag, der an⸗ derwärts nicht gedeiht, dankelbraune, schlanke, gestredte Rinder mit tief⸗ dangender Wamme, nur gewöhnt an die Alpenkräuter der Höhen. In⸗ dessen so schön sie find, so kann das allein ein Volk noch nicht nähren. Deßbalb durchziehen die Winterberger und ihre Nachbarn mit ihren Waa⸗ tenkasten hausirend die halbe Welt. Ja es gebt die Sage unter ihnen, einer ihrer alten Pastoren habe aus dem Kirchenbuche nachgtwiesen, daß Columbus, als er Amcrika entdeckte, daselbst schon Winterberger vorge⸗ funden habe, welche die NRothhäute mit Galanteriewaaren versaben. An dem Astenberg, nicht weit von Winterberg, beschäftigen sich dit Einwohner mit Holz- Drechseln und ⸗Ausstechen. Dort versertigt man hölzerne Schüs⸗ seln, Teller und Näpfe, Lössel und Buttersormen. Diese trägt man in iburmhohen Kiepen weit in das Land hinaus, namentlich nach Holland. Und die Holzwaarenhändler werden von einer anderen Art, den Seusen⸗ männern wieder gering geschätzt; ebenso auch die Ftuerschwamm- Händler, eine Waare, welche freilich durch die Streichfeuerzeuge ohnedies aus der Mode gekommen ist. Alle diese Handelsltute, wenn sie in der Fremde find, legen sich die schwersten Strapazzen und Entbedrungen auf, und schlafen Nachts auf der Herberge oder in einer Bauernscheune meist in itrem überall mitgetragenen Sacke. Wenn sit aber(gegen Pfingsten) heimkommen, so btingen sie volle Gelolatzen mit, und dann gibts Leben

Vertilgung der Flachs seide. Von Dr. Penkelmann.

Der Anbau des ewigen Klees(Luzerne) hat seit einigen Jahren einen lobenswerthen Aufschwung in unserem Kreise genommen. Pei aber hat die Flachsseide(Cuscuta europaea) im vergangenen Jahrt auf unseren so schönen Luzerrfeldern und an den mit Luzerne beytanzten Eisenbahnrainen solche Zerstörungen angerichtet, daß ein Einschteiten nothwendig erscheint. Unter allen Mitteln zur Vertilgung derselben haz sich bis jetzt keines besser bewährt, als den Samen vor den Sten auf einem feinen Messing- oder Haarsieb, das den Samen ber Seide, nicht aber den der Luzerne durchläßt, anhaltend, recht lange lüchtig zu sieben, und dadurch die Seide auszuscheiden. Auf Kleeschlägen dagegen, wo die Flacheseide sich schon eingenistet hat, empfiehlt sich das rasche und öfters Abschneiden des Futters, damit das Unkraut nicht zur Reife kommt und namentlich die Anwendung von Eise nvitriol.

Mau bringt zu diesem Zwecke ein Faß mit Wasser auf der Acker, in welchem man Eisenvitriol in dem Verhältniß auflößt, daß auf 10 Schoppen Wasser immer 1 Pfund Eisenvitriol kommt und be gießt mittelst einer Giestkanne das Unkraut so viel man davon bis zum Boden erreichen kann. Nach einigen Stunden sieht man nichts mehr von der Seide, als das Fasergerüste, die in der Flacheseide in großer Menge enthaltene Worbsäure hat sich in gerbsaures Eisen verwandelt, wo⸗ durch das Gewebe vollstänrig zerstönt wird, während der Klee nicht in geringsten darunter leitet.

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