Ausgabe 
20.7.1867
 
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Das conservativeVolksblatt erklärt die

Eile, mit welcher die Regierung jetzt die Maß⸗

regeln für die neuen Provinzen veröffentlicht, in folgender Weise:Die Regierung will verhindern, daß irgend eine Einrichtung, die im Interesse der gesammten Verwaltung nothwendig ist, durch den Widerspruch des Landtags hintertrieben wird. ....Es ist der Regierung nicht zu ver⸗ argen, wenn sie die Verantwortlichkeit für die Zustimmung des Abgeordnetenhauses nicht über⸗ nehmen will, sondern sich lieber auf den Verord nungsweg verläßt, den ihr das Abgeordnetenhaus in einer glücklichen Stunde freigestellt hat.

Aachen. Die sogenannteHeiligthums fahrt(in Aachen sind die Reliquien ausgesetzt) zieht das Publikum so massenhaft an, daß man an Ort und Stelle berechnet hat, es seien am vori⸗ gen Freitage allein 68,000 Personen daselbst ein- getroffen.

Frankfurt. Wie verlautet, sind die Wah⸗ len für den nächsten norddeutschen Reichstag auf den 15. August d. J. hier festgesetzt. Die Wahllisten werden wohl bald aufgelegt werden.

Wiesbaden. Der König wird bei seiner Hierherkunft zu Ende dieses Monats im herzog lichen Schlosse absteigen. Es geschieht dieß mit Einwilligung des Herzogs, bei welchem dieserhalb zuvor angefragt worden sein soll. Die Bürger- schaft wird Alles aufbieten, um den Monarchen festlich zu empfangen.

Bayern. München. Der König wird am 20. ds. mit dem Abends abgehenden Schnell⸗ zuge nach Paris abreisen und Sonntag Abend daselbst eintreffen.

Oesterreich. Wien. Nach mehrstündiger Debatte hat das Unterhaus des österreichischen Reichsraths sich mit 79 gegen 56 Stimmen gegen die principielle Abschaffung der Todesstrafe aus- gesprochen.

Frankreich. Paris. In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers nahm Garnier; Pages das Wort, um über die große Beun⸗ ruhigung, welche betreffs der zukünftigen Beziehun- gen mit Deutschland herrsche, zu reden. Er dringt darauf, daß man diese schlimme Stimmung durch offene Erklärungen beseitigen möge. Er entwirft darauf eine Schilderung der gegenwärtigen Lage Deutschlands. Dieselbe ist nach ihm nicht sehr erfreulich. Und doch will Deutschland seine Ein⸗ heit haben, freilich durch die Freiheit und nicht durch die Dictatur. Will aber Frankreich diesem Einigungswerke entgegentreten, so ist die Einheit sofort da. Welchen Vortheil könnte Frankreich aus einem Kriege mit Deutschland ziehen? will es etwa seine ehemaligen Provinzen wiedererobern? Es kommt nicht darauf an, sie zu nehmen, son⸗ dern sie zu behalten. Wo werde, selbst oder viel. mehr gerade nach einem Sieg, das Ende sein? Die Kammer muß, nach der Ansicht des Redners, mit aller Macht darauf dringen, daß die Regie- rung jeder Mißstimmung und jedem Zerwürfniß mit Deutschland entgegenwirke; die Völker wollen sich nicht schlagen, und ein freies Deutschland wird nie eine Gefahr für Frankreich sein. In dersel⸗ ben Sitzung sprach Jules Favre über die Luxemburger Frage folgendermaßen: Die Luxem⸗ burger Frage sei mit strafbarem Leichtsinn herauf⸗ beschworen worden; die Völker wollen den Frieden und sollten ihre Angelegenheiten auch demgemäß ordnen, sonst könnte Frankreich ein neues Mexico an Europa finden. Staatsminister Rouher antwor⸗ tete darauf: Die gefährliche Seite der Luxemburger Frage habe nicht in Paris, sondern in Berlin gelegen; sie lag in den bekannten patriotischen Gelüsten und in militärischer Kriegslust. Wir haben durch Besonnenheit und Festigkeit vor der Londoner Conferenz gesiegt; die Luxemburger Frage habe nicht Zwietracht und Uneinigkeit zwischen Frankreich und Preußen hervorgerufen, sondern vielmehr ein Element der Verträglichkeit und Einigkeit geschaffen. Die deutsche Einheitsfrage werde von Frankreich ohne Bedauern für die Ver⸗ gangenheit und ohne Besorgniß für die Zukunft angesehen.

Die Aufnahme der süddeutschen Kö⸗ nige ist hier eine besonders herzliche und aus⸗

zeichnende. Württemberg ist von den officiösen Journalen neu entdeckt worden und sie spenden seinem Schulwesen, seiner Industrie und was sonst in der Ausstellung vertreten, das wärmste Lob. Der König selbst, der bekanntlich vor eini gen Tagen hier eingetroffen, erfreut sich ausge⸗ suchter Aufmerksamkeiten von Seiten des Hofes. Eben so erschallen jetzt schon einige Trompetenstöße zu Ehren des demnächst erwarteten alten Königs Ludwig von Bayern. Man erinnert daran und diesmal ist es derTemps, der das thut daß der alte Herr eigentlich compatriote sei, sintemalen er in Straßburg geboren, sein Vater in einem französischen Regimente Commandeur und Ludwig XVI. sein Taufpathe, auch seine erste Matratze aus den Schnurrbärten der Grenadiere des väterlichen Regimentes gestopft war. Gründe zum Enthusiasmus genug.

Die Königin von Preußen hat am 17. ds. Nachmittags um 5 Uhr und der König von Württemberg um 7 Uhr Paris verlassen.

Prinz Napoleon reist in besonderer Mission nach Kopenhagen. Man bringt diese Reise mit der nordschleswig'schen Angelegenheit in Verbindung. In welcher Richtung sein Auftrag sich bewegt, läßt sich schwer errathen, wenn man nicht etwa annehmen will, daß die Anwesenheit der Königin Augusta in Paris dazu beigetragen hat, das Tuilerien-Cabinet zu einer vermittelnden Thätigkeit in der nordschleswig'schen Frage zu be⸗ stimmen.

Großbritannien. London. Die Köni⸗ gin hat bei Gelegenheit der Flottenrevue dem Sultan den Hosenbandorden verliehen. Der hef tige Sturm verhinderte die Manövers der Flotte und störte Abends die angeordnete Beleuchtung der Schiffe. Unfälle hat der Sturm nicht veranlaßt.

Rußland. Petersburg. Ein kaiser⸗ licher Ükas bestimmt, daß vom 1. September d. J. ab das öffentliche und mündliche Gerichts- verfahren bei den Militärbehörden eingeführt wer⸗ den soll, wie solches die Civilbehörden genießen, unter Uebereinstimmung mit den Forderungen der Disciplin und den Bedingungen des Kriegsdienstes.

Amerika. Die von den Zeitungen mehr mals als Gerücht gebrachte Nachricht, Rußland habe seine nordamerikanischen Besitzungen an die Vereinigten Staaten verkauft, hat sich nunmehr bestätigt. Es ist dies der Nordwestzipfel von Nordamerika, Ostsibirien gegenüber, und von die sem getrennt durch das Behringsmeer, den nörd⸗ lichsten Theil des stillen Oceans. Obgleich dem russischen Sibirien nicht ferne, hatten diese Be⸗ sitzungen für Rußland, das überdies Gebietser⸗ weiterungen ausschließlich nach der Südseite an⸗ zustreben scheint, nur des Pelzwildes wegen einigen Werth. In Paris erzählt man sich, der türkische Sultan wolle dem russischen Kaiser Jerusalem und Joppe verkaufen, um die Kosten für seine gegenwärtige Reise herauszuschlagen; nun die Kaufsumme, welche die Vereinigten Staaten für das russische Amerika bezahlen, würde schon hin⸗ reichen, um dafür mit dem Sultan ein derartiges Geschäft zu machen. Von allgemeinem In⸗ teresse ist obige Gebietsabtretung um deßwillen, weil daraus hervorgeht, daß die Politik der Ver⸗ einigten Staaten die allmähligste Einverleibung des ganzen Nordens nicht aus dem Auge verliert, wenn man vorerst auch vorzieht, ohne Rumor zu verfahren. Der durch die Goldsucher am Traser⸗ flusse in neuerer Zeit bekannt gewordene Küsten⸗ strich am stillen Ocean dürfte, nunmehr im Norden und Süden durch amerikanisches Gebiet eingeengt, alsbald in's Gedränge kommen.

* Friedberg. Am Morgen des 19. d. fand man in der Scheuer des Gastwirths J. Walz dahier die Leiche eines fremden Kirschenhändlers Derselbe hat, wie man vermuthet, am Abend dort eine Lagerstätte gesucht und sich in den daselbst befindlichen nassen Klee gebetiet; auf diesem liegend wuede er wenigstens aufgefunden.

Hungen. Von einer Anzahl Geschäftsleute hiesiger Stadt ist eine Eingabe an die Oberpostdireetion ergangen, daß die Personenpostverbindung, die zwischen Gießen und Lich und Nidda und Büdingen bhalsächlich besteht, auch auf die dazwischenliegende Strecke Lich-Hungen-Nidda aus⸗ gedehnt werde.

Frankfurt. Karl Gutzkow, welcher bisher in Kessel⸗ stadt vei Hanau wohnte, wird sein Domicil nun in unserer

nächsten Nachbarschaft nehmen. Derselbe hat sicherem Ver⸗ nehmen nach die früher Forsboom'sche Villa in Oberrad, jetzt Herrn Metzgermeister Seeger hier gehörig, für längere Zeit gemiethet.

Alsfeld. Kürzlich waren die Eisenbahn⸗Comites von hier, Lauterbach, Grünberg und Schlitz(diejenigen von Fulda und Gießen hatten abgelehnt) hier versammelt, um in Gemeinschaft mit dem hiesigen Stabtvorstand wegen der Eisenbahn, für deren Erbauung sich eine auswärtige Gesellschaft bemühe, zu verhandeln. Die gefaßten Beschlüsse sind noch nicht bekannt geworden.

Mainz. Am Abend des 17. d. M. il Bischof Ketiler

von Rom zurückgekehrt. Er wurde an der Eisenbahn

abgeholt und in die Stadt geleitet, in welcher an vielen Häusern Fahnen wehten, bis zum hohen Dome nach der Marktseite hin, wo an dem Eingange zu der Hauptkirche ein Triumphbogen erbaut war. Vor demselben war eine Empfangscommission, welche den Herrn Bischof in den Dom geleitete. Bei seinem Eintritt in die Kirche stimmte man das Lied anGroßer Gott wir loben dich. Hierauf hielt der Bischof eine kurze Ansprache an die zahlreich versammelte Menge.

Bingen. Kürzlich fand dahier die feierliche Ein weihung einer Freimaurerloge statt, welcher eine große Anzah der angesehensten Bürger und Bewohner Bingens angehören. Mit dieser neubegründeten bestehen jetzt im Großherzogthum Hessen 8 Logen. Vor einigen Tagen fand man auf Bingerbrück einen Unbekannten, welcher in Saarbrücken den Courterzug bestiegen, in einem Coupee 2. Classe als Leiche.

Friedberg, 18. Juli. Wir könen Gottlob die Nachricht geben, daß unsere verbliebenen 9 Patienten nach Aussage des behandelnden Arztes Dr. Weckerling sämmtlich entweder in dem Stadium der Wiedergenesung bereits an gelangt sind, oder doch, wenn nicht alle Anzeichen trügen, demnächst in dasselbe eintreten werden.

Steinberger.

Das Pothtimer und Melbacher Bergwerk.

Wenn Einsender in Nr. 82 des Anzeigers für Oberhessen in den letzten 14 Jahren einen so großen Reingewinn von jährlich 25000 fl. vom Dorheimer Bergwerk annimmt, so muß dieser in der ersten Hälfte dieses Zeitraums ungleich bedeutender als jetzt gewesen sein, da nach den vor 2 Jahren stattgefundenen Kammerverhandlungen darüber die Ausbeute in der damaliger Prüfung vorliegenden Zjährigen Finanzperiode 45000 fl. also jährlich 15000 fl. betrug. Hieraus folgt, daß der Reingewinn im vorigen Jahrzehnt weit größer als die obige Durchschnittssumme sein, oder mit andern Worten der Kohlenverkauf an Privat⸗ personen, da der an die Saline Nauheim sich ziemlich gleich geblieben sein wird, bedeutend ab⸗ genommen haben muß. Da das Dorheimer Berg⸗ werk hauptsächlich Kohlen nach Friedberg, Nauheim und Umgegend absetzt, hier aber der Steinkohlen⸗ brand in den letzten Jahren mehr als irgendwo um sich gegriffen hat, so kann dieses sehr wohl möglich sein. Wenn man ferner erwägt, daß wie jeder weiß, der nur einigermaßen mit dem Rechnungswesen solcher Werke bekannt ist, daß bei Berechnung der Reinertragssummen die Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals ganz außer Acht gelassen werden und diese bei der Größe des Dorheimer Bergwerks, wo ein großer Complex von Grundstücken dazu angekauft und wo in letzter Zeit der Morgen Land 4 bis 500 fl. und mehr gekostet hat, überdem zur An⸗ schaffung des sehr werthvollen Inventars an Gebäuden, Maschinen und sonstigen vielen Gegen⸗ ständen bedeutende Summen verausgabt haben werden müssen, so kann man hierfär ganz gering genommen die Summe von 100 000 fl. annehmen. Die Zinsen hierron betragen jährlich 5000 fl., diese von dem Reingewinn von 15 000 fl. ab⸗ gezogen bleiben 10 000 fl. reiner Ueberschuß, wie stimmt dieses mit dem vom Einsender auf 25 000 fl. jährlich angegebenen Reinertrag? Daß Dorheim früher jährlich 350 000 Centner Kohlen verkauft hat, mag wohl richtig stehen, hiervon hat aber die Saline Nauheim jährlich circa 150 000 Ctr. bezogen und es würde jeden- falls sehr gewagt sein, wollte man für die Zu⸗ kunft auf diesen Absatz rechnen. Nach der in der Kürze stattfindenden Aufhebung des Salzmonopols fließt bekanntlich die neu einzuführende Steuer von 3 fl. 30 kr. von jedem Centner Salz nicht mehr in die Staats- sondern in die norddeutsche Bundeskasse, und steht es sehr zu bezweifeln, ob

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