mals gegen den begangenen Gewaltact und legen hiermit unser Mandat nieder.(Gelächter.) Prä⸗ sident Dr. Simson(entrüstet): Durch diese Mandatsniederlegung entziehen Sie sich einem Ordnungsrufe, der Sie sicherlich dafür getroffen haben würde, daß Sie es wagen, Beschlüsse die— ser hohen Versammlung Gewaltacte zu nennen. Es wird Ihnen nicht gelingen, die legalen Be⸗ schlüsse dieses Haus zu brandmarken. Ueber Ihren Protest wird die Geschichte zur Tagesordnung übergehen, ganz so, wie sie über alle Ihre bis- herigen Proteste zur Tagesordnung übergegangen ist.(Stürmisches Bravo!) Schluß der Sitzung. Nächste Sitzung morgen 10 Uhr. Tagesordnung: Entgegennahme von Mittheilungen Seitens der verbündeten Regierungen.
Berlin, 17. April. In der heutigen Sitzung des Reichstags theilte Graf Bismarck mit, daß die Bundesregierungen beschlossen haben, der Verfassung beizustimmen, er erklärt somit die nord⸗ deutsche Bundesverfassung durch den Reichstag und die Regierungen angenommen und verliest sodann eine königliche Botschaft, wonach der Schluß des Reichstags Mittags im weißen Saale durch den König erfolgen wird.
— Reichstagschluß. Der König verlas persönlich die Thronrede folgenden Inhalts: „Ich sehe Sie mit aufrichtiger Genugthuung wieder um mich versammelt. Die jüngst durch die Regierungen ausgesprochenen Hoffnungen sind durch Sie erfüllt worden. Sie haben im patrio— tischen Sinne Ihre große Aufgabe erfaßt, und mit freier Selbstbeherrschung die gemeinsamen Ziele im Auge behalten. Es ist darum gelungen, das Verfassungswerk auf sicherem Grunde auf— zurichten, dessen weitere Entwicklung wir zuversicht⸗ lich der Zukunft überlassen dürfen. Die Bundes gewalt ist mit Befugnissen ausgestattet, welche für die Bundeswohlfahrt und Bundesmacht unentbehr— lich und auch ausreichend d. Den Einzel⸗ staaten blieb unter Verbürguͤng ihrer Zukunft durch die Bundesgesammtheit die freie Bewegung auf allen Gebieten, die Mannigfaltigkeit ihrer Entwicklung und Selbständigkeit, und soweit es zulässig und ersprießlich, ist der Volksvertretung die Mitwirkung an der Verwirklichung der großen Nationalaufgabe gesichert, welche dem Geiste der bestehenden Landesverfassungen und den Bedürf— nissen der Regierungen entspricht. Um die Re⸗ gierungsthätigkeit vom Einverständnisse des deutschen Volkes getragen zu sehen, habe Alle, die an dem Zustandekemmen des Nationalwerks mitgewirkt, Regierungen wie Volksvertretungen, freiwillige Opfer ihrer Ansichten und Wünsche gebracht, in der Ueberzeugung, daß sie diese Opfer für Deutsch⸗ land bringen und unsere Einigung sie werth sind Im allseitigen Eutgegenkommen, durch Ausgleichung und Ueberwindung der Gegensätze liegt gleichzeitig die Bürgschaft, daß eine fruchtbare Bundesent- wicklung gewonnen ist Der Abschluß des Bundes
süddeutschen Brüdern gemeinsam sind, ihrer Er— füllung näher. Die Zeit ist herbeigekommen, wo das deutsche Vaterland durch seine Gesammtkraft seinen Frieden und sein Recht werde zu vertreten im Stande sein. Das durch den nationalen Reichs— tag zu erhebendem Ausdrucke gelangte Selbst— bewußtsein fand in allen deutschen Gauen den kräftigsten Wiederhall, nicht minder aber sind die deutschen Regierungen und das deutsche Volk darüber einig, daß die wiedergewonnene National- macht vor allem ihre Beveutung in der Sicher— stelung der Segnungen des Friedens zu bewähren bat. Das große Werk, woran mitzuwirken die Vorsehung uns gewürdigt, geht seiner Vollendung entgegen. Die Volksvertretungen der einzelnen Staaten werden Dem, was sie gemeinschaftlich mit den Regierungen geschaffen, ihre Anerkennung nicht versagen; der Geist, welcher die Aufgabe gelingen ließ, wird auch ihre Berathungen leiten. Der erste Reichstag des Nordbundes darf mit dem erhebenden Bewußtsein scheiden, daß der Dank des Vaterlandes ihn begleitet und daß das aufgerichtete Werk unter Gottes Beistand sich segensreich entwickeln werde für uns und die künftigen Geschlechter. Gott segne unser theures Vaterland.“
— Bezüglich behaupteter besonderer mili— tärischer Vorkehrungen von Seiten Preu— ßens wird authentisch versichert, daß lediglich die im Herbste begonnene Erweiterung der Organi— sation der Linie und Landwehr jetzt vollendet ist. Von den Gewehrfabriken wurden keine außer— ordentlichen Leistungen gefordert, da der vor— handene Vorrath an Zündnadelgewehren hin— reichend sei für die größere Verausgabung. Von der Armirung der rheinischen Festungen sei nichts dekannt.
Frankfurt. Herzog Adolf von Nasau und sein Halbbruder Prinz Nikolaus von Nas— sau haben als Mitglieder des Hauses Oranzen gegen die Abtretung Luxemburgs an Frankreich Verwahrung eingelegt.
Bayern. München. Wie der„Nürnb. K.“ meldet, ist Graf Taufkirchen in besonderer Mission nach Berlin gereist. Nach Berliner Nach- richten ist derselbe am 16. ds. von dem König von Preußen in einer Privataudienz empfangen worden und ist sofort nach Wien weiter gereist. — Der König hat durch ein Handschreiben an den k. Kriegswinister, Generalmajor Freiherrn v. Pranckh, unter dem erneuerten Ausdruck ganz besondern Vertrauens in dessen bewährte Tüchtigkeit und Hingebung das von demselben eingereichte Entlassungsgesuch definitiv ablehnend beschieden. a
Frankreich. Paris. Die liberale Presse spricht sich mehr und mehr im Allgemeinen sür Er⸗ haltung des Friedens aus. In diplomatischen Kreisen wäre man für eine Vereinigung Luxemburgs mit Belgien. Im größeren Publikum eirculiren die
rückt auch die Hoffnungen, welche uns mit unseren abenteuerlichsten Lesarten über eine mögliche Lösung
der Luxemburger Frage, von denen wir der Curlosität wegen nur die eine erwähnen: Luxem— burg werde an Frankreich fallen und dieses dafür die Ecke von Weisenburg bis Straßburg an 6 Deutschland zurückgeben.(!) Das klingt nun 1 freilich höchst unglaublich.— Die„Patrie“ ge. steht ein, daß die französische Regierung, als die Luxemburg- Frage einen bedrohlichen Charakter annahm, militärische Vorkehrungen getroffen habe, fügt aber hinzu, daß gegenwärtig aller Grund vorhanden sei, eine friedliche Lösung des Con- fliets zu hoffen.„Diesen Augenblick“, sagt sie,
„ist die politische Situation weit davon entfernt, das zu sein, was sie war oder was sie während eines Augenblicks zu sein schien. Die Luxemburg⸗ Frage ist in die diplomatische Phase getreten. Wer weiß, ob unsere entschiedene Haltung nicht ganz besonders dazu beigetragen hat? Auf alle Fälle
reiche B
hat Europa heute Grund zu hoffen, daß seint sücnn le ane n Ruhe nicht gestört werden wird.“ fil uin we
— Großes Aufsehen erregt eine Note, welche en die Her der General Changarnier über die Armee- ue die Damen
reform veröffentlicht hat. Diese Note des Generals,
welcher damit nach fünfzehn Jahren wieder in
Ktöhe Nollen Thealer tine w
*„**—„* 1 rebl⸗ die Oeffentlichkeit tritt, nähert sich dem Stand- Ibm Erle b punkte der Regierung so sehr, daß es beute all- des publibums gemein heißt, der General werde demnächst wiede
in activen Dienst treten und ein hervorragendes Commando erhalten. Natürlich verfehlt auch diese
dier Großen
Erscheinung nicht, in kriegerischem Sinne aus— 9 ber— gelegt zu werden.— Die„France“ widerspricht a0 lehr ud d
die Nachricht von der Verhaftung preußischer Offiziere.
Rußland. Petersburg. Trotz der Gegenversicherung der russischen Zeitungen sollen in Rußland Rüstungen in großartigem Maßstab stattfinden, natürlich in Bezug auf die orientalische Frage. Rußland treffe alle möglichen
e Muͤckzadlung
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Vorbereitungen zu einem bevorstehenden Kampfe 1000 Die und am Pruth seien bereits 60,000 Mann zu⸗ Brückengeld sammengezogen. Jedenfalls steigt im Orient ein wonach der schweres Gewitter auf. Kirche zur
der Strafp.
() Friedberg. Die im Bisitze des Heren Bäcker⸗ meisters Hengst dahier befindliche Ansicht der Stabt Friedberg, worauf man dieser Tage aufmerksam geworden, zeigt uns ein so merkwürdiges Bild unserer Stadt aus früherer Zeit(wir weisen nur hin auf das sog. Siechbaus im Vordergrunde, auf die bintere Burgpforte, beiläufig
Ich habe do bezablt hatte dur Auerkenn schuddig erde
an oer Stelle, wo jetzt das Häuschen des alten Seminar- Nan. dieners Weis steht, und auf den(vermuthlich Wart-) Thurm haben, auf in der Gegend des steinernen Kreuzes nach Ockstadt bin, oder an m von dem unsers Wissens die Chroniken und selbst die jetzt ab w „Geschichte der Stadt und Burg Friedberg von Professor li J Philipp Dieffen bach“ nichts erwähnen), sie läßt in igen sich Bezug auf Richtigkeit der perspectivischen Auffassung und Fri. . nnen der Ausführung alle uns bis
jetzt zu Gesicht gekommenen Ausichten aus früheren Jahr⸗— hunderten so weil hinter sich zarück, daß 1 4 uns 125 12
die photograpbische Vervielfältigung und öffentliche Aus⸗ stellung derselben aufrichtig gefreur haben. Selbst wenn ihr Alter nicht, wie wir übrigens vermuthen zu kürzen glauben, hinter die Reformationszeit zurückfiele, so bälse sich die photographische Anstalt von Trapp K Münch dahier durch die der Oeffentlichkeit übergebenen gelungenen
Photographien davon ein Verdienst um die Geschichte
Außerdem ist die Trichinenkrankheit in den letzten Jahren mit Sicher⸗ heit beobachtet worden in Dresden, Leipzig, Corbach, Detmold, Plauen, Heidelberg, Magdeburg, Blankenburg am Harz, Calbe a. d. Saale, Stoll⸗ berg am Harz, bei Dessau, auf der Insel Rügen, in Hamburg(durch ein Schwein aus Valparaiso) Calcutta ic.
Angesichts dieser furchtbaren Gesahr nicht die Mittel zu gebrauchen, welche die Wissenschaft an die Hand gibt, une zu schuützen, aus Bequem⸗ lichkeit oder aus Scheu vor ein paar Kreuzer Kosten— das wäre mehr als Gleichgültigkeit, es wäre Stumpfsinn!
Man spreche nur nicht mehr davon, daß in unseren Gegenden, bei unseren Schweinearten und unserer Fütterungsweise keine Trichinen vor kämen. Der Offenbacher Fall hat unwiderleglich das Gegentheil dar⸗ gethan. Die dort geschlachteten und als trichinös erkannten Schweine waren zwar im Rhöngebirg aufgekauft und in Großumstadt nur auf⸗ gefüttert, bez. gemästet worden; allein die Neuheit der vorgefundenen Ein⸗ kapselungen bewies zur Evidenz, daß sie die Krankheit nicht vom Rhön mitgebracht hatten, sondern in Groß umstadt angesteckt worden waren.— Die Uatersuchung der Schweine auf Trichinen ist übrigens, soll sie zuverlässig sein, keineswegs eine ganz eiafache Sache. Es gehören anatomische Kenntnisse dazu, um bei den mancherlei Erscheinungen, welche die unter das Mikroskop gebrachten Muskelfasern bieten, nicht irre geführt zu werden, und schon die richtige Behandlung des Instruments selbst erforderk einige physikalische Kenntnisse. Ueberall, wo es anginge, sollte darum die mikro⸗ stopische Untersuchung des Schweinefleisches einem Arzte übertragen werden.
— r. Alte Geschichten, so heiter zu lesen. (Ferts. von Nr. 21.) 1617. Den 1. Oct. Durch Ausschreiben des Churfürsten zu Sachsen, wach
11. Pr. ein Psalm.
— Sm hbahne 7 22
allhier und an allen ev. Orten, ein Jubelsest gehalten, so 3 Tage hochfelerlich begangen 2 worden. Das Dr M. Luther angefangen die reine ev. Religion an das Licht zn— 1 bringen und waren die Te xie in 90 Predigten folgende: 1. Pr. das 12. Cap. Daniels. 48 III. Pr. 2 Ep. an die Thes. 2. Cap. IV. Pr. 14. Cap, der 5 v. Pr. 87 Pf. 5 N 5%
Offenb. 2 1618 Den 29 Juli sind die ersten 3 Kreuzerstücke alhier in Friedberg ge⸗ münzet oder geschlagen worden. n N. B. Von der Kaiserl. Burg. Dann derselben Münze ehe dessen in ber, Stadt, an dem sogen. Freiheitsplatz gestanden.(Glasermeister Weckerling's Haus stobt jetzt au der Stelle.)„
f 1619. Den 3. Mai ist ein Malesieiant mit Namen Zilioks bis an den Galgen mit Ruthen gestrichen worden, alda er einen Eid schwören müssen auf 10 Meilen dieser Stod' nicht wieder zu kommen.(Wird au Fricdberg seln lebig gedacht haben). Der Scharfrichter har bekommen 3 fl.— Den 27. Juli ist der arg mächligste Fürst und Herr Ferdinandus II., Erzherzog zu Oesterreich und Könlg zu Böhmen, so der Churfürst zu Cöln, alhier durch die Stadt mit 212 Reisiger und
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Kusscherpferde nachber Nidda zu Ihre Fürstl. Gnaden Herrn Landgrafen zu Hessen⸗ tl Darmstadt auf die Jagd gezogen. Wu g 1 1620. If: den 10. Decht., Nachmittags um 3 Uhr, auf Jore Kalserl. Majestät W Begehren, eine Comp. zu Pferd und 2 Comp. zu Fuß spanisch Volk eingezogen und 906 0 quartirt worden. 5 Ve de 1620. Den 21. August ist die Betstunde alhier in der Pfarrkirche angefangen N 0 und zum Eingang das 20. Cap des 2. Buchs der Chronika genommen worden. 100 8


