Ausgabe 
20.4.1867
 
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Samstag den 20. April.

. 48.

Anzeiger

für Oberhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Artikel 218 und 214 des Polizeistrafgesetzes.

Das Großherzogliche Kreis amt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.

Da mit dem Wegfangen der Insekten vertilgenden Vogel fort- während großer Unfug getrieben wird, so schärfen wir hiermit im Auftrag Großh. Ministeriums des Innern den rt. 2 der Verordnung

vom 7. April 1837, dahin lautend:

Es ist ferner verboten das Einfangen und Tödten, sowie der Verkauf nachstehender Vogelarten: der Würger oder Neuntödter arten, der Kukuke, Spechte, Spechtmeisen, Wendelhälse, Baum Grasmüͤcken, Bachstelzen, Rothkelchen, Rothschwänzchen, sowie überhaupt aller

läufer, Wiedehopfe, Nachtigallen,

Sänger⸗, Meisen- und Schwalben-Arten,

sowie die Art. 213 und 214 des Poltzeistrafgesetzbuchs, dahin lautend: Arten, deren Einfangen, Töoͤdten und Verkauf durch Verordnung der Staatsregierung untersagt worden ist, einfängt, tödtet oder verkauft, ebenso derjenige, welcher Nester,

Wer VPoögel derjenigen

einen Gegenstand

Fliegenfänger,

stehenden Vorschriften

Friedberg den 17. April 1867.

Eier oder Nestbrut solcher Vögelarten außerhalb der Hofraithen aushebt oder zerstört, wird mit einer Geldbuße von einem bis fünf Gulden bestraft.

Das unbefugte Fangen und Tödten solcher Vögelarten

j welche des Jagdrechts ausmachen, sowie auch das

Ausheben oder Zerstören von Nestern, Eiern oder Nestbrut der selben, wird nach den desfalls bestehenden Vorschriften bestraft. Die bestehende Jagdberechtigung auf einzelne Vögelarten soll durch Artikel 213 nicht beschränkt werden. ein und werden Sie dem Aufsichtspersonal die Ueberwachung der be

und Anzeige etwaiger Contraventionen zur

strengsten Pflicht machen und uns von Nachlässigkeiten, Versäum⸗ nissen ꝛc. desselben sogleich Kenntniß geben.

Trapp.

Hessen. Darmstadt. DemFrankfurter Journal wird von hier berichtet, daß mit der Rückkehr des Obersten v. Grolman von Berlin ich die so lange erwartete Militär-Convention bewahrheitet habe und dieselbe jetzt dem Groß berzoge zur Bestätigung vorliege, worauf sie dann dem am 29. ds. zusammentretenden Land age vorgelegt werden wird. Die verschieden urtigsten Gerüchte über die Militär-Convention send in Stadt und Land im Umlauf, allein Zu derlässiges ist darüber noch wenig bekannt gewor den. Das scheint festzustehen, daß wir als zweite Division dem 11. Armeecorps zugetheilt sind und unsere eigene Verwaltung behalten. Damit ist jedoch keinenfalls der bundesmäßige Beitrag von 225 Thaler erlassen, da sich derselbe auf die ganze Bundesarmee erstreckt, die nach gleichmäßi⸗ zen Gesetzen einheitlich verwaltet, verpflegt und zusgerüstet wird. Der für einen kleinen Staat die Hessen kostspielige Verwaltungsapparat mit inem Kriegsministerium in drei Sectionen und ahllosen Rechnungs- und Kassen-Beamten wird jedenfalls sehr vereinfacht, auch dürfte endlich die Sucht nach neuen Reglements und Erfindungen ihr Ende erreicht haben, die dem Lande seither sedeutende Kosten unnöthig verursachten.

Das Kriegsministerium hat an die

Stände betreffs seiner Bedürfnisse für das lau fende und das nächste Jahr einen Voranschlag gelangen lassen, wonach das jährliche Bedürfniß des ordentlichen Etats im Belauf von 1,742,981 fl. sich noch erhöht um die Summe des außerordent lichen Etats von 10,328 fl. und für die über zähligen Cadres aus dem Feldzuge des Jahres 1866 um 111,191 fl., im Ganzen sonach 1.864,500 fl. angefordert werden. Hierbei wird jedoch erläutert, daß das Kriegsministerium nicht in der Lage sei, bis jetzt diejenigen Aenderungen zu bemessen, welche sich demnächst ergeben werden, und sich deßhalb vorbehalten müsse, eintretenden Falls weitere Anforderungen den Ständen vorzu legen. Außerdem werden noch bei den früheren Landtage zur Vorlage gebrachte, jedoch nicht zur Erledigung gekommene Anforderungen für Militär bedürfnisse, im Belauf von circa 40,000 fl., er- neuert, sowie in Aussicht gestellt, daß eine beson dere Vorlage betreffe der Kosten für Umänderung der vorhandenen Infanteriegewebre und Büchsen für Hinterladung, sowie für Anschaffung anderer Bedürfnisse erfolgen werde.

Preußen. Berlin, 16. April. Reichs tag. Wie bereits gemeldet, wurde in heutiger Sitzung die Schlußberathung des Verfassungs

Entwurfs fortgesetzt mit Artikel 60 und bis zu

Art. 78 zu Ende geführt. Es folgte sodann die General⸗-Abstimmung über den ganzen Verfassungs⸗Entwurf, wie derselbe in der Schlußberathung zur Annahme gelangt ist. Unter lautloser Stille des Hauses erfolgte der Namens aufruf, dessen Resultat die definitive An- nahme des Verfassungsentwurfs mit der ungeheu⸗ ren Majorität von 230 gegen 53 Stimmen ist. Präsident Dr. Simson ergriff nach geschehener Abstimmung das Wort und sprach: Mit dieser Ab- stimmung ist unser Werk beendigt. Meine Herren! Es ist sehr schwer, der tiefen Bewegung, in wel cher sich in diesem Augenblicke gewiß jedes Mit⸗ glied dieser hohen Versammlung befindet, einen Ausdruck zu geben. Versagen möchte ich mir aber nicht, der Würdigung einen Ausdruck zu geben, die unser Werk verdient, doch glaube ich auch in dieser Beziehung, dem Urtheile von einer andern, höhern Stelle nicht vorgreifen zu dürsen, und ich hosse, daß das Haus diese Rücksichten der Convenienz billigen wird.(Bravo!) Abg. Kantak: Nachdem wir in der Sitzung vom 8. März gegen die Einverleibung ehemals pol⸗ nischer Landestheile in den norddeutschen Bund protestirt haben, protestiren wir jetzt, nachdem wir bis zum letzten Augenblicke unsere Pflicht gethan und gegen die Verfassung gestimmt haben, noch-

(1) Noch einmal Trichinen!

Das war ein Wort zu seiner Zeit, die vomAnzeiger dieser Tage gebrachte Erinnerung an die Trichinen-Gefahr.

Ihre Wirkung zeigt sich bereits in dem wirklich anerkennenswerthen Vorgehen ber A. Vogt's Erben dahier mit der mikroskopischen Unter- suchung der geschlachteten Schweine; die Nachahmung wird hoffentlich richt ausbleiben.)

Uns war seit der Bekanntwerdung der letzten Offenbacher Vor kommnisse der Appetit nach Schweinefleisch ziemlich vergangen. Man denke koch nur: Wie viel Schweine werden in unserer Gegend, in unserer Stadt alljährlich, allwöchentlich geschlachtet und verzehrt! Wenn nun auch 1000 Stück gesund sind, wer in aller Welt bürgt uns denn dafür, daß nicht tas 1001 te trichinös ist? Dieses Eine Schwein, auf den Metzgerladen gusgehauen, wandert in 100 Stücken zu ebenso vielen Familien, um sie zu vergiften, allen eine schmerzliche Krankheit, den meisten davon einen tlenden Tod zu bringen. Gibt es denn irgendwo eine schrecklichere Lebens- gefahr, einen widerwärtigeren Tod?! Und dieser Gefahr segen wir uns sast täglich aus durch den Genuß nicht untersuchten Schweinefleisches, bedenken nicht, daß wir damit vielleicht einer unzähligen Menge zwar unsicht barer, aber leibhaftiger, verpuppter Ungeheuer den Gefallen thun, sie aus ) Hert K. F. Walz ist diesem Beispiele bereits gefolgt, indem er öffentlich ankündigt,

daß alle bel ihm geschlachteten Schweine mikroskopischer Untersuchung unter zogen werden. D. Red.

Kerkerbanden zu befreien und in das rechte Fahrwasser zu bringen. Denn im Magen lös't sich die kalkige Hülle, das Thier wird frei, findet sich bald in dem neuen Aufenthalte zurecht, windet sich mit wonnigem Behagen bis zu den Gedärmen hindurch und erreicht dort in kurzer Zeit, schon in wenigen Wochen, seine vollkommene Ausbildung. Nun beginnt das Geschäft der Zeugung, und ein einziges Trichinenpaar bringt es, wie man annähernd berechnet, bis zu 3000 Jungen. Aber die Schaar dieser liebens⸗ würdigen Nachkommenschast zeigt ausnehmende Wanderlust, alsbald durchbohrt sie die Darmwände, um in die verschiedenen Theile des Organismus für sie eine weite Welt hinauszuwandern. Dabei zeigen diese Wanderer für gewisse Gegenden eine ganz besondere Vorliebe, wie z. B. für die Zwerchfell, Kau-, Kehlkopf, Schulterblatt- und Lendenmuskeln. Dort nähren sie sich von Muskelsaft und lassen sich's wohl sein, während das unglückliche Opfer ihrer Jugendfreuden sich vielleicht in Schmerzen windet. Doch die Herrlichkeit hat vorläufig bald ein Ende. Nach kurzer Zeit ist dir erste Phase ihres Lebens durchgemacht, das Thier hat als Muskeltrichine seine Entwickelung erreicht, puppt sich nun in eine kalkige Schale ein und wartet der Dinge, die da kommen sollen. Uebersteht der Organismus diese Entwickelungsperiode seiner Insassen, so ist's gut, er ist dann mit einer schmerzvollen Krankheit davon gekommen; ihr Vorhandensein verursacht weiter keine Unbequemlichkeiten mehr, ja sie selbst verkalken allmählich und gehen völlig zu Grunde, freilich erst nach etwa 15 16 Jahren. Welch' schrecklichen Verlauf die Sache aber nehmen kann, das haben wir in Hettstädt und Hadersleben geseben.

Die nächste Nummer erscheint der Osterfeiertage wegen erst Donnerstag den 25. d. M.

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