zogliche Oberstudien Direction hat durch ein be⸗ sonderes Ausschreiben die Kreis⸗Schulcommissionen „angewiesen, wegen Verminderung der Insekten vertilgenden Vögel, sowie der Singvögel eine auf die Erfahrung der Thatsachen begründete Beleh⸗ rung über die Natur, Lebensweise und Thätigkeit der schädlichen Insekten und ihrer Feinde von der Schule ausgehen zu lassen. Dieselbe hofft, daß wesentlich zum Schutze dieser Thiere beigetragen werden könne, wenn durch die Volksschullehrer auch unter der ländlichen Jugend in dieser Be⸗ ziehung thunlichst naturgeschichtliche Kenntnisse ver⸗ breitet würden. a
* Gambach. Der Solmser Zweigverein der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung hält Mittwoch den 22. d. M. dahier sein Jahresfest. Fest⸗ Prediger ist Herr Decan Habicht von Grünberg. f
Aus dem Kreise Gießen. Nach einer Veröffentlichung des Großherzoglichen Kreisamtes ist in der Gemeinde Reiskirchen die Pocken⸗ krankheit unter den Schaafen ausgebrochen.
Preußen. Berlin. Das Herrenhaus ist durch ein Ministerialschreiben in Kenntniß ge⸗ setzt worden, daß die Verfassung des norddeutschen Bundes dem Hause erst nach der zweiten Lesung im Abgeordnetenhause vorgelegt werden wird.
— Der Berliner Arbeiter⸗Verein hat beschlossen, eine Adresse an das französische Volk in französischer Uebersetzung an Garnier Pagès und im Original an Ludwig Bamberger in Paris abgehen zu lassen.
— Am 10. ds. verschied plötzlich in Folge eines Schlagflusses der Veteran und Geschichtsschreiber der Freiheitskriege, der würdige Abgeordnete für Hamm ⸗Soest Major a. D. Dr. Beitzke. Er hatte noch am 9. der Sitzung des Abgeordneten hauses beigewohnt.
— Es gilt als feststehend, daß der König zusammen mit dem Kaiser von Rußland, welcher am 29. Mai von Petersburg nach Berlin abreisen wird, nach Paris geht.
— Das„Neue Allgemeine Volksblatt“ mel⸗ det:„Nach bestimmten, hier bereits gegebenen Andeutungen soll die Einstellung der französi⸗ schen Rüstungen nunmehr bevorstehen.“
Hanau. Im Auftrage der Regierung hat seit einigen Tagen der Oberfinanzrath Bersch von Kassel eine Rundreise durch das Land ange⸗ treten, um die Steuerbeamten, welchen die Ver⸗ anlagung der neuen Steuern obliegt, zu in⸗ struiren, und dafür zu sorgen, daß die Erhebung derselben spätestens mit dem 1. Juli erfolgen kann.
Sachsen. Leipzig. In einer am 9. ds. dahier abgehaltenen Volks⸗Versammlung wurde beschlossen, folgendes Telegramm an Garnier- Pagss, Volksvertreter in Paris, abzuschicken: „Nachstehende Erklärung wollen Sie gütigst in geeigneter Weise zur Kenntniß des französischen Volkes bringen: Tausende aus allen Theilen Deutschlands in Leipzig versammelte Männer brin⸗ gen dem französischen Volke ihren herzlichen Gruß, und fühlen sich zu der Erklärung gedrungen, daß sie mit tiefem Bedauern die Wohlfahrt zweier großen Nationen durch diplomatische Verwickelun⸗ gen bedroht sehen. Neben dem Verlangen, ihre Ehre und ihr nationales Recht geachtet zu sehen, kennen sie nur den einen Ehrgeiz, mit ihren Nach⸗ barn in dem ruhmvollen Kampfe für die Freiheit und Eintracht der Völker zu wetteifern. Möge Frankreich die deutsche Ehre achten, wie Deutsch⸗ land die französische, so werden sich die Schreck⸗ nisse vergangener Zeiten nicht wiederholen.“
otha. Die Rinderpest macht so be⸗ denkliche Fortschritte, daß zwei Compagnien Mili⸗ tär von hier ausrückten, um die südwestlichen Grenzen des Landes abzusperren. Zugleich er⸗ schien eine Ministerial⸗ Verordnung, welche alle Viehmärkte im hiesigen Lande bis auf Weiteres einstellt, den Handel mit Vieh im Umherziehen, so wie das Einbringen von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen bei 50 bis 100 Thaler Strafe verbietet, ingleichen die Einfuhr von thie— rischen Rohprodukten, Dünger, Heu, Stroh und gebrauchten Stallgeräthen.
Bayern München. Der zum Militär- Bevollmächtigten ernannte preußische General v.
Hartmann ist hier eingetroffen; die Ernennung eines bayerischen Bevollmächtigten in Berlin steht dem Vernehmen nach bevor.
Baden. Karlsruhe. Der„Karlsruher Zeitung“ zufolge ist kürzlich ein Abkommen zwi⸗ schen Preußen(als Vertreter der Staaten des norddeutschen Bundes) und den süddeutschen Staa⸗ ten wegen Einführung einer gemeinsamen Be- steuerung des Salzes unterzeichnet worden. Vom 1. Januar k. J. ab ist das in den meisten Staaten dermalen bestehende Salzmonopol, so wie das preußische Salzregal, aufgehoben und es wird gemeinsamer Grenzzoll von 2 Thaler per Centner, resp. eine Productionssteuer in gleicher Höhe eingeführt.
— Wie der„Schw. M.“ vernimmt, dürfte das System der allgemeinen Wehrpflicht in Baden nach preußischem Muster schon bald, und zwar im Wege eines provisorischen Gesetzes, ein- geführt werden.
Oesterreich. Von Wien wird gemeldet, die preußische Regierung habe dem österreichischen Cabinet den Dank für die aufrichtige Vermittlung in der Luxemburger Frage ausgesprochen.
Frankreich. Paris. Das„Memorial dipl.“ schreibt:„In hiesigen politischen Kreisen geht das Gerücht, daß der glückliche Ausgang der Conferenz das Resultat haben würde, die Zu- sammenkunft eines europäischen Congresses an⸗ zubahnen, worin die Repräsentanten aller Länder, vielleicht sogar die Herrscher selbst, die Grund— lagen des allgemeinen Einvernehmens feststellen würden, was geeignet wäre, den Frieden auf dem Continente und die Aufrechthaltung des europäi— schen Gleichgewichts in definitiver Weise zu ordnen.
Italien. Florenz. Der König hat auf den Bezug von 4 Millionen aus der Civil- liste Verzicht geleistet.
Großbritannien. London, 9. Mai. Reuter's Office meldet: Die Garantie der Groß— mächte für die Neutralisation Luxemburgs ist von allen Betheiligten angenommen worden. Der Vertrag wird morgen oder Samstag unterzeichnet werden.
— Im Oberhause hat Lord Derby heute Abend mitgetheilt: Die heutige Conferenzsitzung hat alle Schwierigkeiten beseitigt; obgleich noch nichts unterzeichnet ist, sei der Friede Europa's doch practisch sicher gestellt.— vm Unterhause erwiderte Lord Stanley auf die Interpellation Labouchere's: die heutige Conferenz hat ein sub⸗ stantielles Arrangement erzielt, und es bleibt, Dank der Mäßigung der Hauptbetheiligten, nur noch Formelles abzumachen. Die Garantie-Ueber⸗ nahme Seitens Englands vermehre nicht dessen bisherige Garantiepflichten, sondern limitire sie vielmehr. Der Schluß der Conferenz werde wahr⸗ scheinlich in wenigen Tagen erfolgen, dann werde er die Acten darüber dem Hause vorlegen.
— Dem„Globe“ zufolge ist der Erfolg der Conferenz gesichert: Luxemburg bleibt bei Hol⸗ land, wird neutralisirt und seine Neutralität durch die Großmächte garantirt; die Festung wird ge⸗ schleift, die Besetzung des Großherzogthums durch Truppen ist lediglich zur Wahrung der Ordnung gestattet.
— 10. Mai. Im Unterhause fand heute Nacht eine lange und hitzige Debatte über die Reformbill statt und siegte schließlich die Regierung mit 322 gegen 256 Stimmen.
Neueste Nachrichten.
London, 10. Mai. Das Reuter'sche Tele⸗ graphenbureau meldet: In der heutigen Con⸗ ferenzsitzung konnte gewisser Formalitäten hal⸗ ber der Vertrag noch nicht unterzeichnet werden. Morgen Nachmittag um 5 Uhr findet wieder eine Sitzung statt und man hofft, daß dann die Unter⸗ zeichnung des Vertrags erfolgen werde.
— 11. Mai. Der Vertrag wegen Luxem-
burg ist heute unterzeichnet worden und soll spä⸗ testens in vier Wochen ratificirt werden. Preußen räumt die Festung nach Wegschaffung seiner Vor räthe und seines Kriegsmaterials. verbleibt im Zollverein.
Luxemburg
— 11. Mai. Der„Globe“ sagt: Bein
Schluß der Conferenz werde wahrscheinlich
England eine allgemeine Entwaffnung anrathen] J den oder formell vorschlagen, und daraus könnte der inne vac Congreß hervorgehen. r e lunes
— 11. Mai, 11 Uhr Abends. Die Unter ⸗ zeichnung des Vertrags über Luxemburg ist sof galten eben erfolgt. wer un
— 12. Mai. In der gestrigen Conferenz⸗ sitzung wurde der Tractat in Betreff Luxemburgs] unterzeichnet. Die Ratification desselben soll in⸗ nerhalb eines Monats erfolgen, worauf die Räu— mung der Festung Seitens Preußens sofort be— ginnt. Die Verbleibung Luxemburgs im Zollverein ist angenommen. 0 1
Paris, 10. Mai. Wie der„Etendard“] ade dee Mah meldet, enthält der Vertrag folgende Bestimmungen: Ei fir dae m.
Definitive Auflösung des zwischen Luxemburg und e ee Deutschland bestandenen Bandes, Räumung und 1 wich Schleifung der Festung durch Preußen, Souverä⸗ gase uus a
netät des Königs von Holland über Luxemburg, cl and dan f Neutralisation Luxemburgs unter der von den an sch dalkb Mächten übernommenen Garantie. Morgen werden en Scin die französischen Kammern wahrscheinlich Mit- o dale du
theilungen hierüber empfangen. 0 — 11. Mai. Aus sicherer Quelle verlautet, ang ur
daß der Vertrag über die Luxemburger An⸗ woche nic
g bag d, gelegenheit heute noch unterzeichnet werden] m ner Famil wird und daß die von Preußen verlangte Frist zu müssn d zur Räumung der Festung zugestanden worden ist.] Auch di duser
f N. Deastene der — 12. Mai. Der heutige„Moniteur“ mel- erden. det, daß der Vertrag, welcher die Frage be⸗ Nieder⸗L züglich Luxemburgs regelt, gestern Abend in] br. Henkel London unterzeichnet worden ist. Die kaiserliche] dor ane ge Regierung wird sich beeilen, den Kammern die] de l a
5 svorstand
betreffenden Vorlagen darüber zu machen. dan sormirt hatte. namentlich die verwichenm J. siattgefunden
die Anlegung Wiesen. Derse tationellen n Dewirthschaftunt und betonte ne ccc ende Gestüdtdan stand vermeh unserer Felde deigle die gro letzung dersel deren Vortht man die Ni andersetzung
ein großes 5 Kostrpinl. uns im rern ju ffaglichem wendet werben bis 1 die J an 0000 Gn . ein klei mmenlegun
egg te erammlung wil der gesp —
st. Friedberg. Der in der vorigen Nummer dieses Blattes ausgesprochene Wunsch, es möge der hies. Schloß⸗ garten auch während des Sonntag-Vormittags, wie ehedem, geöffnet bleiben, hat mancherlei Gedanken und Erinne⸗ rungen in uns erweckt, die wir uns gedrungen fühlen unsern Mitbürgern zur Erwägung anheim zu geben.— Auch wir, die wir in früherer Zeit den Burgwall an gar manchem schönen Sonntagsmorgen besucht und uns an seinen duftenden Blüthen und seiner herrlichen Aussicht erfreut haben, haben es schon oft schmerzlich empfunden, daß derselbe neuerdings in der Frühe des Sonntags dem Publicum verschlossen bleibt. Wir befragten uns deshalb an competenter Stelle wiederholt nach den Gründen dieser Einrichtung und erfuhren, daß man leider den Burggarten nicht ohne beständige Aussicht lassen könne, weil die Jugend schon gar zu oft die schmählichsten Zerstörungen und Be⸗ sudelungen in demselben angerichtet habe, daß man aber doch dem Schloßgärtner und seiner Familie gestatten müsse, Sonntags auch einmal die Kirche zu besuchen, oder häusliche Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, und darum der Aussichtspflicht einige Stunden enthoben zu seinz so lange darum nicht von Seiien der Interessenten für einen anderweitigen Schutz des Gartens Vorkehrung getroffen sei, müsse derselbe seiner Erhaltung wegen am Sonntagmorgen, wo der Zudrang ehedem am stärksten gewesen, geschlossen bleiben. Wir konnten uns der Triftig⸗ keit dieser Gründe um so weniger verschließen, als wir selbst überall, wohin wir in unserer Stadt blicken, die traurigsten Spuren des wilden Zerstörungssinnes unsrer Jugend wahrnehmen. Lasse Einer sein Haus zur Freude aller Nachbarn und aller Vorübergehenden noch so schön 5 überwerfen und anstreichen: nach wenig Wochen ist es, e
soweit Bubenhände reichen, mit Kreide, Röthel, Kohle be— 1169 Nach schmiert, die schändlichsten Figucen darauf gekritzelt, des verfort schmutzige Worte dazu geschrieben; friedige Einer seinen em Zlause Garten ein: nach kurzer Zeit wird an den Latten geschnitten, J adterm heut gerüttelt, bis sie los, die Eisenstäbe verbogen, die Thür⸗ worden if,
schlösser zerrissen sind; errichte Einer eine Mauer um seine onder, m 1 Hofstäite: sofort wird an dem Sattel so lange gebohrt,
3 bis die Steine sich lockern und allmählich abbröckeln; be Join
kurz, wo Einer etwas Schönes mit Mühe und Kosten ductenach geschaffen hat, da wird es dem Besitzer bald geung durch den und ge den rohen Muthwillen wilder Zerstörungssucht verleidet, en Glan und wir Andern alle leiden mit unter diesen traurigen Mun Wam Vorkommnissen, weil uns Überall die Spuren solch greu⸗ N* lichen Unsugs vor die Augen treten. 00
Ob die hiesige Jugend in dieser Beziehung schlummer ist, als an andern Orten, diese Frage wollen wir vorerst unentschieden lassen; daß aber diese Zerstörungssucht ein trauriges Erbtheil aus früherer Zeit ist, wird Jeder zu⸗
geben, der sich an den Vandalismus erinnert, mit dem* ehedem unsre. herrliche Stadtkirche und das gesammte— Bauwesen der Burg behandelt worden ift. Daß außer
den herrlich gemalten Fenstern nicht auch die künstlerisch 0 vollendeten Säulen und Strebepfeiler unsrer Kirche, und 109 d. außer den mächtigen Umfassungsmauern der Burg nicht 0 f e S. auch das Burggrafiat selber eine Ruine geworden sind, bin f. n J verdanken wir wahrlich nicht dem Schönheits- und Er⸗ 9000 bel! haltungssinn unsrer Jugend, sondern dem Verdienste unsrer Idag
Vorfahren, die ihre Bauwerke so fest zu machen verstanden, 85


