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Regierung abzugeben. Er glaube jedoch auch hier im Sinne seines hohen Gouvernements zu handeln, wenn er sich mit der Vorlage der betreffenden Theile des Entwurfs an den demnächst zusammen⸗ tretenden Reichskag unter der Voraussetzung ein⸗ verstanden erkläre, daß 1) bei Aufrechnung der Posterträgnisse auf die Beiträge zu den Bundes- lasten in einer Weise wird verfahren werden, welche die materiellen Interessen derjenigen Bundes staaten, in denen das Taxis'sche Postwesen be— stand, nicht beeinträchtigt und 2) über die Art, wie das großberzoglich hessische Contingent zum norddeutschen Bund zu stellen ist, eine besondere Vereinbarung zwischen der großherzogl. hessischen und der königl. preußischen Regierung zu Stande komme. In diesem Sinne erklärte sich der großherzog— lich hessische Bevollmächtigte, unter Vorbehalt der Genehmigung seiner Regierung, zur Unterzeichnung des dritten Protocolls bereit.
— Die Abreise des Großherzogs nach Mün— chen, wo derselbe einen längeren Aufenthalt. zu nehmen gedenkt, ist vorläufig verschoben worden wegen Ablebens der Herzogin Karl Theodor in Bayern.
— Die Taxis'schen Postbeamten genießen für alle ankommenden und abgehenden Briefpostsen⸗ dungen sowohl für sich, als ihre noch nicht selbst⸗ ständigen Familienglieder vollständige Porto- freiheit. Dieses Recht ist ihnen förmlich garan⸗ tirt und wird factisch auch auf Fahrpostsendungen ausgedehnt. Die hierdurch erzielten Ersparungen sind natürlich gar nicht so unbeträchtlich. Die preußische Postverwaltung soll fest entschlossen sein, dieses Privilegium in den neuerworbenen Post⸗ bezirken demnächst aufzuheben. Außerdem ver⸗ lautet, die Vorschriften der preußischen Dienstgesetze würden auf diejenigen Postbeamten im Groß⸗ herzogthum demnächst in Anwendung kommen, welche sich noch im sogenannten Quinquennium befinden, d. h. die ersten 5 Jahre der definitiven Anstellung noch nicht zurückgelegt haben. Es sollen dieselben noch ein Mal zur Prüfung heran⸗ gezogen werden. Ebenso soll eine andere Gehalts- regulirung für diese Kategorie beabsichtigt sein.
Friedberg. Wie den Hess. Volks⸗ blättern aus Worms berichtet wird, ist der Groß⸗ herzogliche Schulinspector Olff zum Lehrer an dem Gymnasium daselbst ernannt worden. Schul- inspector Olff war, wie bekannt, früher an hiesiger Realschule angestellt; seine Stelle wurde aber nach seinem Weggange von hier nicht defini⸗ tiv besetzt, da sich Herr Olff, wenn wir recht be⸗ richtet sind, den Rücktritt in seine frühere Stellung vorbehalten hatte, was darin seinen Grund haben soll, daß die Schulinspectorstelle zu Worms nicht in die Civilstaatsdiener⸗Wittwenkasse aufgenommen ist. Seit ungefähr 10 Jahren also ist Herr Olff Schulinspector in Worms, während er noch im Staatshandbuch pro 1866 als Lehrer an der Realschule dahier aufgeführt wird, die betreffende Lehrerstelle bis daher aber von einem Vicare ver⸗ sehen werden mußte, was mehrfachen unvermeid⸗ lichen Wechsel des Lehrers, gewiß nicht zum Vortheile unserer Realschule, zur Folge hatte. Unter ven nunmehr veränderten Verhältnissen wird wohl auch die Großh. Staatsregierung in der Lage sein, die seither vicarirte Lehrerstelle an der hiesigen Realschule baldigst definitiv zu besetzen und damit einem schon mehrfach kundgegebenen Wunsche des Stadtvorstandes entgegenzukommen.
Preußen. Berlin. Ministerpräsident v. Bismarck hat dem Präsidium des Reichstags die Liste der Commissarien übersandt, welche von nach⸗ stehenden Bundes regierungen ernannt sind, um in Gemeinschast mit den preußischerseits ernannten Bevollmächtigten theils für die Dauer, thei's nach dem momentanen Bedürfnisse sich an der Vertre⸗ tung des Verfassungsentwurss zu betheiligen: von Bremen Senator Gildemeister; von Mecklenburg⸗ Schwerin der Staatsminister v. Oertzen und Staatsrath Dr. Wetzell; von Hessen der außer⸗ ordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Geheimer Legationsrath Hofmann; von Lübeck der Senater Dr. jur. Curtius; von Altenburg und von Anhalt der Wirkliche Geh. Rath und Minister⸗Resident Graf v. Beust; von Schaum⸗
burg⸗Lippe der Präsident der Landesregierung Freiherr v. Lauer-Münchhofen; von Sachsen— Meiningen Staatsminister Wirkliche Geh. Rath Freiherr v. Krosigk; von Sachsen Staatsminister der Finanzen und des Auswärligen Freiherr v. Friesen, Oberst v. Brandenstein und Geh. Finanz- rath v. Thümmel; von Waldeck der Geh. Re— gierungsrath Klapp; von Mecklenburg ⸗Strelitz Staatsminister v. Bülowz von Hamburg Senator Dr. jur. Kirchenpauer; von Reuß jüngere Linie Staatsminister v. Harbou; von Braunschweig Geh. Rath Minister-Resident v. Liebe.
— 11. März. Reichstag. Die Ver⸗ handlung über den Entwurf der Bundesverfassung wird fortgesetzt, nachdem einige geschäftliche Mit— theilungen durch den Präsidenten erfolgt sind. Zu⸗ erst spricht Abg. Dr. Köster(Cottbus). Derselbe wendet sich unter ziemlicher Unruhe des Hauses, da sein Vortrag unverständlich, gegen die Gegner der Vorlage. Der Verfassungsentwurf, wie er vorliege, mache der deutschen Zerrissenheit ein Ende und öffne dem Vaterland eine große Zukunft. Er bitte, den Verfassungsentwurf anzunehmen, wie er ist.— Abg. Lasker anerkennt die Vorzäge des Entwurfs, hinter ihm stehe ein festes Staatsganzes, die norddeutsche Flagge werde bald auf allen Meeren wehen. Wenn er auch erkläre, kein deut sches Dorf dürfe aus dem Bunde gelassen werden, welches in denselben gezogen werden könne, so wolle er doch nicht einen sofortigen Anschluß Süd— deutschlands fordern. Gemeinsamkeit in den Ver— kehrsverhältnissen und gemeinsame Verbindung zu militärischem Schutz genügten vorläufig vollkommen. Er vermisse in dem Entwurf jedoch die Haupt- sache: eine verantwortliche Regierung, eine gerechte Abwägung der Lasten; von einem Einnahmebewilligungsrecht sei im Entwurfe gar nichts gesagt. Er fürchte, in einem schwachen Reichstage liege der Keim zu Conflicten.— Abg. Braun(Wiesbaden) ist für den Entwurf. Sage man, man könne demselben nicht beistimmen, mit Rücksicht auf die preußische Verfassung, so heiße das nur, daß man überhaupt keine Reichsverfassung wolle. Wolle man die Einheit, so müßten die Einzel⸗Landtage Opfer bringen. Was uns jetzt an Einheit geboten werde, dürften wir nicht ent schlüpfen lassen. Redner mahnt schließlich zur Einigkeit im gegenwärtigen großen Augenblicke, man solle das große Ganze im Auge haben und nicht mit kleinen Bedenken kommen, damit die Welt nicht wieder sage, daß wir Deutschen ein Volk von Dichtern und Träumern seien.— Abgeordnete Groote spricht gegen den Ent⸗ wurs. Er bleibt dabei, das ganze Deutschland soll es sein; er wolle keine Einheit ohne die Frei⸗ heit und die Einheit sehe er nur im ganzen Deutschland.— Präsident der Bundescommissarien Graf Bismarck. Man frage nach den Moti- ven zu der Vorlage. Die Arbeit sei umfangreich und die Zeit zu kurz gewesen. Hätte man wegen der Motive die 22 Regierungen hören wollen, so säße man wohl heute noch nicht hier. Ob man die Vorlage eine Verfassung nennen wolle oder nicht, das sei gleichgültig; sie breche jedenfalls Bahn und zu dem Genius unseres Volkes dürften wir das Vertrauen hegen, daß auf dieser Bahn auch das Ziel erreicht werde. Die unitaristischen Gegner vermißten ein verantwortliches Ministerium. Ein solches sei jedoch undenkbar ohne einheitliche Spitze, diese aber bedeute Mediatisirung und von einem Bundesverhältniß könne dann nicht mehr die Rede sein Man irre, wenn man glaube, durch ein verantwortliches Ministerium Süddeutsch— land zu gewinnen. Sei unsere Verfassung fertig, so könnten wir Süddeutschland einladen, mit uns zu verhandeln. Was die militärische Vereinigung von Nort⸗ und Süddeutschland zu gegenseitigem Schutz nach Außen betreffe, so sei dieselbe gesichert. Erledigen Sie Ihre Arbeit nur rasch, setzen wir Deutschland nur in den Sattel, reiten wird es schon können.— Abg. bv. Gottberg hat Be⸗ denken gegen das Wahlgesetz und wünscht Ga⸗ rantien dagegen. Im Uebrigen spricht er für die Vorlage.— Abg. v. Münchhausen(Hanno⸗ ver), Der alte Bund sei unhaltbar gewesen, an seine Stelle müsse etwas Neues gesetzt werden,
und wenn der norddeutsche Bund fürs erste auch nur ein Anfang sei, so werde das Weitere sich aus demselben wohl schon entwickeln. Dabei kommt Redner auf die Zustände in Hannover zu sprechen, die er in düsteren Farben malt. Von
dem alten Landesrechte sei nicht die Rede mehr,
es herrsche die reine Willkür, wie es sich in den Abführungen nach Minden thatsaͤchlich zeigte. Die Capitulation von Langensalza sei nicht gehalten worden, man nehme dem König Georg sein Privat— vermögen.— Graf Bismarck: Er könne es dem Vorredner nicht verargen, wenn er ein An—
hänger der gestürzten Dyvastie sei, aber er hätte
erwartet, daß er sich solcher Anklagen gegen die preußische Regierung enthalten hätte, die auf un⸗ richtigen Thatsachen beruhen. Daß die preußische Regierung die Capitulation von Langensalza nicht gehalten, sei eine unwürdige Verläumdung. Die Capitulation sei kein Staatsvertrag, sondern nur ein Militärvertrag gewesen, der keinen andern Zweck gehabt, als dem Blutvergießen Einhalt zu thun. Redner geht dann auf die Haltung der ehemaligen hannoverschen Regierung im verflosse⸗ nen Jahre über und bemerkt, daß der preußische Minister, der nach dieser Haltung ein selbststän⸗ diges Hannover noch hätte bestehen lassen, ein Verräther an seinem eigenen Vaterland gewesen wäre. Man habe preußische Provinzen an sich reißen wollen und jetzt stelle man sich auf den Standpunct der Sentimentalität. Uebrigens trete in der Provinz Hannover mit dem 1. October die preußische Verfassung in Kraft; bis dahin herrsche der König dort jedoch absolut, was man sich merken wolle. Nach einigen persönlichen Be⸗ merkungen wird die Sitzung geschlossen.
— 12. März. Reichstag. Die General- discussion des Verfassungsentwurfs wird fort⸗ gesetzt. Für denselben sprachen: Zehmen, Michaelis, Vincke-Olbendorf, Bennigsen, Gebert, Galen. Gegen denselben in jetziger Gestalt Schulze-Delitzsch und Mallinkrodt, dessen Vorwurf über die von Seiten Preußens ausgegangene Provocation zum vorjährigen Kriege Graf Bismarck entschieden zurückwies; ferner Schleiden, Wigardt, Heubner.
Sachsen. Dresden. Die Leiche des seit dem 25. Febr. vermißten Advokaten Dr. Al⸗ bert Schelcher ist am 6. März in der Elbe ge⸗ funden worden. Die näheren Umstände sind noch nicht erörtert, und ist noch unentschieden, ob hier ein Mord oder ein Selbstmord vorliegt oder ob Schelcher das Unglück hatte, unfreiwillig in den Fluß zu stürzen. Die Leiche war nicht beraubt.
Holstein. Man erwartet auch bei uns die demnächstige Einführung des preußischen Preß⸗ gesetzes.
Wiesbaden. Aus Rumpenheim sind Pri⸗ vatnachrichten eingetroffen, welche wieder eine un⸗ günstige Wendung in dem Befinden der Herzogin Adelheid melden. Es hat sich abermals Er⸗ brechen eingestellt. Neuere Nachrichten lauten jedoch wieder günstiger, da der Rückfall nur vorübergehend war.
Baden. Karlsruhe. Eine Anzahl Offi⸗ ziere und Unteroffiziere wird nach Berlin gesandt werden, um sich dort die Fertigkeit anzueignen, die badischen Truppen im Gebrauch der Hinter- lader einüben zu können. Vorläufig wird die badische Regierung ihren Bedarf an Zündnadel⸗ gewehren von Preußen leihweise erhalten.
Oesterreich. Aus Prag wird gemeldet,
daß das Oberlandesgericht das Urtheil über den angeblichen Attentäter Pu st gesprochen hat und daß dasselbe auf Freisprechung laute. Pust soll eine Entschädigungsklage gegen seinen Denuncian⸗ ten Palmer eingereicht haben.
Großbritannien. London. Kürzlich er⸗
eignete sich zwischen Heedderssield und Bradford ein schreckliches Eisenbahnunglück: Der Zug nach Heeddersfield kam unweit Bradford in einem Tun⸗ nel plötzlich zum Stillstand. Der Locomotiv-
führer, der sich die Ursache nicht erklären konnte, stieg ab und ging unter die Maschine, um sich zu überzeugen, was wohl die Stockung veranlaßt haben konne. In der Zwischenzeit kam mit gro⸗ ßer Schnelligkeit ein anderer Zug von Ledes heran und fuhr mit großer Gewalt in den Tunnel und
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