Ausgabe 
12.11.1867
 
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gesichert, erwiederte der Kaiser:Ich danke sehr für den herzlichen Empfang, welchen die Bewohner der Residenzstadt mir bereitet. Die Sympathien, welche ich überall in Frankreich gefunden, beruhen hauptsächlich auf der Ueberzeugung, daß Oester⸗ reich, durch seine Einigung im Innern gestärkt, wieder jene Stellung einnehmen wird, welche ihm gebührt, daß es daher die Kräftigung Oesterreichs ist, welche wir in Frieden erstreben müssen. Diese Wahrnehmungen kön. en mich nur bestärken, auf der eingeschlagenen Bahn muthig vorwärts zu schreiten. Ich rechne dabei auf die Unterstützung aller Patrioten Oesterreichs. Die Erwiederung des Kaisers wurde jubelnd aufgenommen.

Am Jahrestage des Besuches des Kaisers in Chlum, 4. Nov., ist dort die feierliche Ent⸗ hüllung des den gefallenen österreichisch⸗sächsischen Kriegern errichteten Denkmals vorgenommen worden. Eine unübersehbare Volksmenge füllte die Höhe und die Kirche von Chlum und betheiligte sich bei der großartigen Feier.

Frankreich. Paris. Die Zuversicht in eine friedliche Lösung der römischen Krisis hat allgemein bedeutend zugenommen, seit zweifellos bekannt ist, daß Garibaldi nicht mehr in Berech- nung gezogen werden muß. Selbst die unter anderen Umständen bedeutungsvolle Frage, ob fran⸗ zösische Truppen bei der Vernichtung der Gari⸗ baldianischen Freischaaren mikbehülflich gewesen, wird augenblicklich von der Mehrzahl als nur nebensächlich behandelt. Man weiß und fühlt eben, daß die Gefahr eines Zusammenstoßes der französischen mit der italienischen Truppen jetzt so gut wie beseitigt ist, und baut nunmehr zuversicht⸗ lich darauf, daß die weiteren Schwierigkeiten sich ohne besondere Mühe auf diplematischem Wege würden ausgleichen lassen.

Am 5. d. fanden in einigen Stadttheilen von Paris nicht unbedeutende Unruhen statt. Große Haufen von Arbeitern durchzogen die Straßen, indem sie den Ruf nach Aufhebung des Octrois ertönen ließen und nach Brod schrieen. Der Ruf:Nieder mit der Intervention wurde nur selten gehört. Die Polizei war stark vertreten und suchte die Haufen auseinander zu sprengen. Hier und da wurde Widerstand geleistet, und es kam zu Schlägereien. Die Zahl der verhafteten Personen schätzt man auf 240. Die Aufregung in den Volksvierteln ist ziemlich bedeutend, doch kann man nicht annehmen, daß es zu ernsteren Conflikten kommen wird. Der Kaiser hat heute mehrere Fabrikanten, die ihre Werkstätten ge⸗ schlossen haben, zu sich beschieden. Selbstverständ⸗ lich handelt es sich darum, dieselben zu bestimwen, ihre Werkstätten wieder zu eröffnen. Diese wollen sich aber auf nichts einlassen, wenn die Octroi⸗ frage nicht zu ihren Gunsten regulirt wird. Die Vorsichtsmaßregeln, welche die Behörden getroffen, sind großartig. Die Pariser Garnison ist noch immer consignirt.

Nach den Berichten französischer Blätter war am 6. d. ein ernstlicher Aufruhr in Mailand ausgebrochen. Einzelheiten mangeln zwar noch; es scheint ber gewiß, daß Blut geflossen ist. Die Truppen, die sich den Befehlen der Behörden ge⸗ horsam zeigten, haben die revolutionäre Bewegung zurückgewiesen. Aehnliche Thatsachen sind in Pavia vorgefallen, sie waren aber weniger be⸗ deutend. Dieselben Depeschen sagen, die Ruhe sei in Florenz, Turin und Neapel nicht gestört.

DasPays sagt: Es ist fast sicher, daß französische Truppen an der Schlacht bei Tivoli Theil genommen haben; sie waren com- mandirt von General Pohlds. Ein Theil der Division uster Dumont kam zu spät, um am Kampfe Theil zu nehmen.

DerEpoque und derTemps sprechen sehr bestimmt von dem Rücktritt des Herrn v. Lavalette. Das Ministerium des Innern hat der Kaiser dem Herrn Rouher übertragen wollen; man glaube indessen, das Herr Oscar Picard der Nachfolger des Herrn v. Lavalette sein werde.

Der demnächst zusammentretenden Kammer werden wichtige diplomatische Aktenstücke durch das zu vertheilende Gelbe Buch vorgelegt

werden und werden sich dieselben vorzugsweise auf Italien und den Orient beziehen. ö

Man liest in derFrance: Die Päpst⸗ lichen mit einigen Abtheilungen Franzosen halten seit dem Rückzug der italienischen Truppen die Städte besetzt, welche jene besetzt hatten. Die römischen Staaten sind ruhig, aber auf einigen Punkten sind immer noch Aufwiegler, deren Um sturzanschläge zu überwachen immer nöthig ist. Die französischen Truppen haben bis jetzt noch keinen Befehl zum Rückzug nach Civita- Vecchia erhalten.

Italien. Ueber die Niederlage des Gari baldischen Freicorps, die nach Mentana(einem Orte zwischen Monte-Rotondo und Tivoli) be- nannt wird, wo der letzte Entscheidungskampf seinen Ausgang nahm, liegen jetzt einige weitere Einzelheiten vor. Hiernach ist die mehrfach be strittene Angabe, daß auch französische Truppen an dem Treffen sich betheiligt haben, nunmehr außer Zweifel. Nach derOpinione waren drei Infanterieregimenter(1., 59. und 80.) sowie ein Jägerbataillon und eine Batterie französischer seits zum Suceurs der Päpstlichen herbeigezogen. Daß Garibaldi den Anprall einer colossalen Uebermacht stundenlang mit unerschütterlichem Muthe ausgehalten und seine Niederlage haupt sächlich das Resultat der äußerst mangelhaften Armirung, Ausrüstung und Verpflegung seiner Truppen ist, scheint ebenfals unzweifelhaft. Während die Päpstlichen mit Chassepot gewehren versehen waren, sahen sich die Frei schaaren auf die von der italienischen National garde ihnen überlassenen und die sporadisch in früheren Gefechten auf dem Schlachtfelde auf gelesenen Gewehre angewiesen. Die Bekleidung der Meisten bestand nahezu aus Fetzen und die Ernährung der 6 7000 Mann, die Garibaldi bei Monte-Rotondo unter den Fahnen hatte, war in den unwirthbaren, verödeten Landstrichen mit Schwierigkeiten verknüpft, die sie dem Hunger und äußerstem Elende preisgaben.

Gerüchte besagen, daß die beiden Söhne Garibaldi's entkommen sind und daß man glaubt, sie hielten sich in der Umgegend von Florenz verborgen. Garibaldi selbst soll sich nicht ohne Widerstand haben verhaften lassen und sich sehr energisch zur Wehr gesetzt haben. Er soll sich auf seine Eigenschaft als amerikanischer Bürger berufen haben. Er hat sich auf den Boden ge worfen und vier Soldaten haben ihn mit Gewalt in einen Waggon packen müssen.

Die italienische Regierung hat soeben in ihrem officiellen Journale eine Note veröffentlicht, worin sie die Beweggründe angibt, welche sie veranlaßt haben, ihre Truppen aus dem päpst⸗ lichen Gebiete zurückzuberufen. Die Regierung schenkt den Erklärungen Frankreichs Glauben, daß es nämlich seine Truppen zurückziehen werde und hofft auf den Weg der Unterhandlung ein- gehen zu können mit der Absicht, die römische Frage endgültig zu lösen und zu versuchen, eine Lösung zu erlangen, welche die Wünsche Italiens mit den Interessen der katholischen Religion aus- gleichen und eine dauernde Ursache von Aufregung für Italien, für die Gewissen und für den Frieden Europa's beseitigen könne.

Von einem Offizier der Garibaldischen Freischaaren bringen italienische Blätter folgende Schilderungen über den Kampf bei Mentana: Die Deputirten Crispi, Corte und Sineo, sowie andere Freunde Garibaldi's waren nach Monte⸗ Rotondo gegangen, um ihn zu überreden, sich zurückzuziehen, damit ein nach Ankunft der Fran- zosen ganz nutzloses Blutvergießen vermieden werde. Garibaldi aber blieb urerschütterlich und sagte, er wolle unter den Mauern Roms sterben. Als er erfahren hatte, daß die Päpstlichen 10 bis 12,000 Mann stark aus Rom marschirt waren, während er nur an der Spitze von 3000, freilich entschlossenen, aber schlecht bewaffneten Leuten sich befand, denen es zudem an Munition und Pro- viaut fehlte, setzte er sich nach Tivoli in Bewegung. Es hieß, er wolle ich mit Nicotera vereinigen und sich gleichzeitig den italienischen Truppen

nähern, in der Hoffnung, nöthigenfalls Hülfe bei

ihnen zu finden. Wie dem nun auch sein mag, nachdem er sich kurze Zeit in Bewegung gesetzt hatte, wurde seine Colonne mit unbeschreiblichem Umgestüm von den Päpstlichen angegriffen. Der

erste Znsammenstoß brachte einige Verwirrung unter 4 Die Tapfern von ihnen jedoch blieben auf ihrem

die Freischärler, die zum Theil zersprengt wurden.

Posten und leisteten einen wahrhaft heldenmüthigen

Widerstand; es war nicht mehr ein regelmäßiger

Kampf mit den Feuerwaffen, sondern ein wahres Handgemenge. Ein verwundeter Päpstlicher hatte nicht weniger als 17 Bajonnetstiche erhalten. Die Garibaldianer hatten etwa 200 Todte und 400 Verwundete.

Von Corese aus hat Garibaldi folgende Proclamation, vom 3. d. Abends datirt, erlassen: An das italienische Volk! Die Inter⸗ vention Napoleons und Victor Emanuels auf römischem Boden raubt unserer Unternehmung ihren Zweck: die Befreiung Roms. Wir waren demzufolge im Begriffe, uns, auf die Appeninen gestutzt, vom Kriegsschauplatz zurückzuziehen, als die gesammte päpstliche Macht, einschließlich der römischen Garde, uns diesen Weg abschnitt. Wir waren gezwungen, den Kampf aufzunehmen, und es wird in Anbetracht unserer Lage nicht überraschen, wenn wir keinen neuen Triumpf unserer Sache zu verkünden haben. Die päpstlichen Truppen haben sich mit schweren Verlusten vom Schlachtfelde zurück gezogen, wir selbst haben sehr erheblich gelitten. Nunmehr bleiben wir Zuschauer der Lösung, welche die italienische und französische Armee der römischen Frage geben werden, und falls diese Lösung nicht den Wünschen der Nation entsprechen sollte, wird das Land neue Kräfte in sich selber finden, um die Initiative wieder zu ergreifen um diese Lebensfrage zu lösen. G. Garibaldi.

Amerika. Die großartigen Schwindeleien, die gelegentlich von Beamten des Zoll- und Steuerfaches der Union bekannt wurden, haben vielfach die Frage rege gemacht, wie der Cor- ruption unter diesen Staatsdienern zu steuern sei. Der kürzlich von seiner im Auftrage der Regie- rung nach Europa unternommenen Reise zurück · gekehrte Commissär Wells empfiehlt als bestes Abhülfsmittel die europäischen Einrichtungen; bestimmte Examen- Anforderungen und Beförde⸗ rungen nach dem Dienstalter und tüchtiger Führung.

Darmstadt. DieM.⸗Z. erzählt folgende ergötzliche Scene: Dieser Tage kehrte ein Gastwirth von dem Wein⸗ einkauf aus Lützelsachsen per Bahn zurück. Im Eisenbahnwaggon wollte er sich mil einem Odenwälder in Nalionalkostüm foppen, vertauschte dessen Dreimaster und langen Ueberrock mit Frack und Cylinder. Der Neu⸗ preuße, dem das althessische Gewand trefflich stand, schaute in Auerbach zum Fenster heraus, salutirte mit dem Drei⸗ master, gewahrte aber, als der Zug bereits im Gang war, das schadenfrohe Grüßen des biedern Odenwälders in Frack und Cylinder, der ausgestiegen war und auf dem Perron Posten genommen hatte.

Darmstadt. Im vergangenen Jahre wurden hier nicht weniger als 16223 Ohm Bier konsumirt. Den

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Hunger stillten 2547 hier geschlachtete Ochsen, Kühe

und Rinder, 9022 Schweine, 6862 Kälber, 2553 Hämmel u. s. w. Frisches Fleisch wurden 117593

Pjund, getrocknetes resp. geräuchertes 16101 Pfund ein⸗

geführt. Außerdem vertilgte die Einwohnerschaft der Residenz noch 4038 Haasen und 8616 Gänse. Erwärmt wurde Darmstadt durch 303,783 Ceniner Steinkohlen und 98704 Centner Torf. An Holz wurden über 16000 Stecken verbraucht, zum Feueranmachen mußten 19548 Malter Tannäpfel in Asche aufgehen.

Wiesbaden. Kürzlich standen dahier drei Ange⸗ klagte wegen an der Bank in Homburg verübten Be⸗ trugs vor Gericht. Dieselben hatten mit einem unbe⸗ kannten Vierten eine Spielmethode verabredet, miltelst deren sie an der Spielbank in Homburg fich den Gewinn sichern wollten. Unter Anderm hatten sie am 29. Juli b. J. im Roulette auf Nr. 25 ein Zweiguldenstück gesetzt und dasselbe, nachdem die Nummer gekommen und bereits ausgerufen war, durch ein Zwanzigfrankstück ersetzt, welche Manipulation dadurch unmerkbar gemacht werden sollte, daß einer der Spieler sich vorbeugte und mit dem Arme das Geld verdeckte. Die Bank hätte also statt 70 fl. 700 Francs zu zahlen gehabt, wenn der Betrug nicht

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bemerkt worden wäre. Ein gleicher Fall, der am 28. Juni

gespielt haben soll, konnte jedoch nicht erwiesen werden. Das Gericht erkannte die drei Angeklagten des versuchten Betrugs für schuldig und verurtheilte Jeden in eine Ge⸗ fängnißstrafe von einem Jahr, 100 Thlr. Geldbuße, Ver⸗

solidarisch in die Kosten.

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