Ausgabe 
12.11.1867
 
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irmelntt Zöllner.

Dienstag den 12. November.

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Anzeiger für Oberhessen.

Friedberger Zutelligenzblatt.

Euthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. ö 1

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

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Auf denAnzeiger kann man noch für die Monate November und Dezember bei den Poststellen des Großherzog thums mit 22 kr. und bei der Verlags-Expedition mit 20 kr. abonniren.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Verhandlungen des Bundesrathes des norddeutschen Bundes; hier die Steuerfreiheit

der Handelsreisenden.

Friedberg den 8. November 1867.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und die Großherzogliche Gendarmerie des Kreises.

Indem wir Sie auf die in einem der nächsten Regierungsblätter ers vom 25. v. Mts., den Gewerbebetrieb der Han Auftrag Großh. Ministeriums des Innern vom 29. October zu Nr. anzuweisen, daß die Handels reisenden aus Hamburg Gewerbe⸗Legitimationskarten versehen sind, in ihren au

zogthum nicht gehindert werden. Wir bemerken hierbei,

mationskarten die in dem Ausschreiben Großh. Ministeriums des Innern vom

daß das von Seiten der genannten freien Städte in

delsreisenden betreffend, zu Ihrem Bemessen aufmerksam machen, M. d. J 11,868, das Ihnen untergebene Polizeipersonal geeignet ordnungsmäßig von ihrer Heimathsbehörde ausgestellten

f Grund dieser Karten abgabenfrei zuzulassenden Gewerbehandlungen im Großher⸗

und Lübeck, welche mit

6. April 1864,

cheinende Bekanntmachung des Großh. Ministeriums der Finanzen

beauftragen wir Sie, im

Anwendung kommende Formular zu Gewerbe-Legiti Ihnen mitgetheilt durch unser Ausschreiben vom

21. April(Amtsblatt Nr. 4 v. 1864), erwähnte Abweichung der Bremen' schen Legitimationskarten von dem Inhalt der Karten der Zoll⸗

vereinsstaaten ebenfalls enthalten wird.

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Hessen. Darmstadt. Nach einer tele⸗ graphischen Nachricht desFr. J. hat sich des Großherzogs Königl. Hoheit für die Oden⸗ waldbahn in der Richtung Darmstadt-Reinheim (nach Vorschlag der Ludwigsbahn ⸗Gesellschaft) entschieden.

Aus Oberhessen bringt dasFr. J. folgende Mittheilung: In unserer Provinz ist die Frage aufgeworfen worden, ob Patrone im Groß- herzogthum Hessen, welche Patronatstellen in dem früher zu unserem Großerzogthum ge- hörigen sogenannten Hinterlande zu vergeben haben, das Recht besitzen, Candidaten aus unserer Provinz Oberhessen auf die nunmehr preußischen Pfarreien zu präsentiren? Unsere Provinz gehört zum norddeutschen Bunde. Die Bundesverfassung sagt ausdrücklich:Für den ganzen Umfang des Bundesgebietes besteht ein gemeinsames Indigenat, mit der Wirkung, daß der Angehörige eines jeden Bundesstaates in jedem anderen Bundesstaate zu öffentlichen Aemtern unter denselben Voraus- setzungen, wie der Einheimische, zuzulassen ist. Darnach scheint uns jene Frage unbedingt bejaht werden zu müssen, wobei sich von selbst versteht, daß die Patrone auch Candidaten aus dem Preu Zischen auf hessische Pfarreien präsentiren dürfen.

Preußen. In Berlin ist bei den letzten Wahlen zum Abgeordnetenhaus der National- liberalismus durch die Fortschrittspartei aus dem Felde geschlagen worden. Im ersten Wahl reis wurden Waldeck und Löwe, im zweiten Jakoby und Runge, im dritten Schulze Delitzsch und im vierten Eberty und Franz Dunker gewählt. Das statistische Resultat der bis jetzt bekannten 416 Wahlen ergibt nach hiesigen Blättern Folgendes: Es gehören von den Hewählten 167 den vereinigten conservativen Fractionen, 21 den Altliberalen, 115 den National- liberalen, 35 der Fortschritts- und 17 der katho⸗ lischen Partei, 19 dem linken Centrum an, 16 sind Particularisten, 16 Polen, 2 Dänen und von 8 Abgeordneten ist die Parteistellung noch unbekannt. L DerStaatsanzeiger meldet: Kürzlich fand im Bandeskanzleramt die Auswechslung der Ratiflcationen des Vertrages vom 8. Juli zwischen dem norddeutschen Bund, Bayern, Würtlemberg, Baden und Hessen über die Fortdauer des Zoll- vereins statt.

Eine Correspondenz desFr. J. aus Berlin sagt: Die neuesten Nachrichten aus

Italien haben hier sehr verstimmt. Man be trachtet jetzt die Selbstständigkeit des Königreichs Ilalien auf eine Reihe von Jahren hin als ver nichtet, und sieht sich so des einzigen natürlichen Bundesgenossen bei einem etwaigen Kriege mit Frankreich, der noch immer wie keine drohende Wolke an unserem politischen Horizonte hängt, beraubt. Ob die preußische Diplomatie in dieser Beziehung ein Vorwurf trifft, das wird erst eine spätere Zeit lehren.

DerStaatsanzeiger enthält die k. Ver- ordnung, wodurch der Landtag auf den 15. No- vember einberufen wird. Derselbe publieirt gleich- falls die Gesetze, betreffend das Postwesen und das Posttaxwesen im norddeutschen Bunde.

Die Schwierigkeiten, welche sich der in Berlin tagenden Postconferenz bei Lösung ihrer Aufgabe entgegenstellen, scheinen trotz aller offi⸗ ciösen Angaben über den guten Fortgang der Verhandlungen sehr erheblicher Natur zu sein. Nachdem schon Ende der Vorwoche eine Vertagung der Conferenz bis zum 6. d. M. angeblich wegen nothwendiger Dienstreisen einiger Mitglieder ein- getreten war, hat auch an dem ebengenannten Termin die Conferenz ihre Arbeiten nicht weiter fortsetzen können, da die erwarteten Instructionen des badischen Commissärs noch nicht eingetroffen sind. Ueber die Verhandlungen selbst erfährt man, daß die Einführung des Groschenportos für das ganze Gebiet gesichert sei. Schwierigkeiten bestehen noch wegen der Transitsätge durch Bapern und Baden vornehmlich für die schweizerische und italienische Correspondenz. Württemberg und Bayern lehnen es ab, das Recht der selbsiständigen Vertrags- schließung in postalischen Angelegenheiten mit fremden Staaten aufzugeben. Preußen widerstrebt den auf möglichste Herabsetzung des Werth- und Packetportos, sowie der Zeitungsprovision ge⸗ richteten Forderungen der süddeutschen Vertreter.

DieRordd. Allg. Zig. glaubt, daß die Verhandlungen mit den deutschen Südstaaten in Betreff ihres Verhältnisses zum Nordbunde gegenwärtig wieder aufgenommen werden. Das⸗ selbe Blatt constatirt die Sympathien der badischen und hessischen Bevölkerung für den Eintritt in den norddeutschen Bund; es hält jedoch bezüglich Bayerns und Württembergs die Bildung eines weiteren Bundes für wünschenswerther, wobei die im Artikel 4 des Bundesverfassungsentwurfs ge-

gebung zu unterstellen seien, deren Organ das Zollparlament wäre.

Bayern. München. Die vom bayerischen Episcopat an den König gerichtete Vorstellung, den Schulgesetz-Entwurf dem Landtage nicht vorlegen zu lassen, ist auf Befehl des Königs von dem Cultusministerium abschläglich be⸗ schieden worden. Der Bescheid sagt, daß eine Reform des Volkeschulwesens Bedürfniß, und daß eine Remonstration, noch ehe die Vorlage gemacht, voreilig sei, und die Veröffentlichung derselben nur die Agitation vergrößern müsse, die Befürch⸗ tungen der Bischöfe seien unbegründet, denn dem Religionsunterricht sei die gebührende Stellung gewahrt, ebenso die Mitwirkung der Kirche bei der Schulaufsicht Indem sich die Regierung freie Wahl der Personen für die technische Aufsicht vorbehalte, schließe dies nicht aus, daß sie tüchtige Geistliche dazu berufen könne.

Nach Berichten aus München hatte der Kaiser von Oesterreich jede Empfangsfeierlichkeit bei seiner Ankunft daselbst abgelehnt. Der Kaiser traf am 6. d., Morgens 3 Uhr, mit seinen beiden Brüdern hier ein und ist imBayerischen Hofe abgestiegen. Bereits um 8 Uhr begaben sich die Herrschaften zum Besuche nach Possenhofen, um dort einem Familienrathe beizuwohnen. Die Rückkehr erfolgte Abends um 6 Uhr. Gegen 7 Uhr fuhr der Kaiser mit unserem König in das Theater, wo er vom Publikum enthusiastisch begrüßt und durch Erheben von den Sitzen ge- ehrt wurde. Die Abreise nach Wien erfolgte am 7. d. früh 3 Uhr.

Baron Beust hatte nach seiner Ankunft dahier sofort eine längere Unterredung mit dem Minister Hohenlohe. Er reiste mit dem Kaiser nach Wien weitzer.

Oesterreich. Der Kaiser ist am 7. d., Nachmittags 4 Uhr, in Wien eingetroffen. Am Bahnhofe wurde er von den höchsten Civil- und Militär- Autoritäten, von Deputationen beider Häuser des Reichsraths, vom Bürgermeister und Gemeinde- rathe Wiens feierlich empfangen. Auf eive längere Ansprache des Bürgermeisters, in welcher derselbe den Kaiser freudig begrüßte und dabei betonte, daß die Worte, die der Kaiser in Paris gesprochen, den freudigsten Widerhall in ganz Oesterreich ge- funden hätten, denn nur durch inneren und äußeren Frieden und unter dem Schutze freisinniger und

nannten Gegenstände einer gemeinsamen Gesetz⸗ volks thümlicher Gesetze sei das Glück Oesterreichs