Ausgabe 
12.11.1867
 
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Zwei Opfer des Duells. Vor einigen Tagen bat in Berlin ein Duell zwischen zwei Offizieren statt⸗ gefunden, von welchen der eine dem früher kurhessischen Militär angehörte. Der Letztere bat seinen Gegner, einen pteußischen Premier- Lieutenant, erschossen und zwar, wie man wissen will, unter Verletzung der vereinbarten und berkömmlichen Regeln des Zweikampfes, so daß der§. 171 bes Strafgesetzbuchs gegen ihn in Anwendung kommen bürfte. Auch aus Düsseldorf wird von einem Duell wischen zwei Offizieren, welches den Tod des Einen zur 5 hatte, berichtet. Derselbe batte im vorigen Jahre ile Feldzüge in der Rheinarmee mitgemacht, ohne verletzt u werden. Er hieß Max Dzrobeck, und war in Köln geboren, wo sein verstorbener Vater Hauptmann der In genieure war. Die Leiche wurde am 5. mit großen kilitärischen Ehrenbezeugungen und unter zahlreicher Be⸗ sheiligung auch von Seiten der Bürgerschaft zur Erde destattet.

Kaffeebohnen-Fälschung. Gebrüder Jörg u. Comp. in Mainz nehmen in einer öffentlichen Er⸗ llärung für sich das Verdienst in Anspruch, Fabrikanten bieser künstlichen Kaffeebohnen zu sein, indem sie dazu be merken, daß sie es sich zur Aufgabe gemacht, für weniger Bemittelte einen künstlichen Kaffee herzustellen, der für die Gesundheit nichts zu wünschen- übrig lasse. Sie be⸗ zweckten mit diesem Kaffee durchaus keine Fälschung von Nahrungsmitteln, da er aus den gesundesten Rohproducten, namentlich Eicheln, bestehe. Werde derselbe aber von Händlern unter indischen Kaffee gemischt, so könne den fabrikanten keine Schuld zugemessen werden. Auffallend st und bleibt indeß der Umstand, daß diesem Fabrikat die form der ächten Waare gegeben und dadurch den Händ krn der Betrug erleichtert wird. Warum wohl?

Eine neue Art Reclame ist solgende. Vor einigen Wochen konnte man keine Zeitung in die Hand gehmen, ohne einem großen, schwarz umränderten Quadrat zu begegnen, in dem blos die Worte standenDer Salon. Die Neugierde des Publicums wurde aufs tiesste erregt. Was ist der Salon? hieß es allerwärts; eine gesellige Ver einigung, eine Zeitschrift? Manche dachten sogar an etwas Verfängliches. Später wurde die Annonce dahin ergänzt: Der Salon erscheint am 1. Dezbr. Heute lesen wir: der Salon für Literatur Kunst und Gesellschaft. Heraus⸗ gegeben von Ernst Dohm und Julius Rodenberg erscheint am 1. Dezember.

5 Lloyd's statistisches Comité in London veröffentlicht iber die Schiffsunglücke des ersten Halbjahres 1867 seine Tabelle. Wir finden 5525 Segelschiffe und 500 Dampfer don Unfällen beimgesucht. Vermißt werden 67 Segel- hiffe und 7 Dampfer. Verlassen wurden 228 Segelschiffe und 5 Dampfer, 190 von diesen Schiffen gingen gänzlich berloren. Die Zahl der Collisionen finden wir mil 808 di Segelschiffen und 147 bei Dampfern verzeichnet. Von ber Totalsumme sanken 85. Es strandeten 1483 Segel sciffe und 126 Dampfer und 3 Schiffe wurden von See⸗ tubern weggenommen. 65 Schiffe und 5 Dampfer ver dannten. Im Ganzen gingen 1072 Segelschifse und 7 Dampfer ganz zu Grunde und von 29 dieser Schiffe teilte die Mannschaft das Schicksal, ein Grab in der Refe. Die Zahl der verlorenen Menschenleben beläuft sch auf 687.

Binnen Jahresfrist hat die Zahl der deutschen zus wanderer nach Amerika 108,000 betragen. Eine Fückwanderung findet auch statt. Viele Amerikaner heben gefunden, daß das Leben und die Erziehung in Teutschland viel wohlfeiler sind als in ametikanischen Elädten, sie lassen sich daher in vielen Städten Europa's neber.

% Julius Mosen's Leiden. Es dürfte den Lesern nicht uninteressant sein, etwas Näheres über die furchtbaren Leiden zu vernehmen, welche der am 10. Okt. d. J. in Oldenburg verstorbene Dichtet Julius Mosen zu erdulden gehabt. Wie Scarron, Voltaire und Heinrich Heine ist er reichlich 20 Jahre hindurch gestorben; benn so lange ist es her, daß eine fortschreitende Lähmung ihn an das Siechenbett fesselte. In welchem Grade sich sein Zustand verschlimmerte, mögen nachstehende Miltheilungen ahnen lassen. Vor 10 Jahren etwa meldete das Familien Journal von dem Poeten:Er, der sonst so gern durch Feld und Flur, namentlich aber durch die Wälder schweifte, um sich dort seine herrlichsten Lieder in die Seele rauschen und wehen zu lassen, er hat seit lange das Gehen und Stehen, fast den Gebrauch seiner sämmtlichen Glieder verlernt. Aber damit ist noch keineswegs genug. Seine Stimme, die einst mit Begeisterung seine eigenen und die Dramen anderer Dichter vorlas, ist dem Kranken beinahe völlig und so sehr erloschen, daß die ihn treu pflegende Gattin ihr Ohr ganz dicht an seine Lippen legen mußte, um den leisen Hauch seiner Worte zu erlauschen. Im Jahre 1863 schrieb ein Freund von ihm:Ich war wohl eine Stunde im Krankenzimmer des unglücklichen Mosen, Die Schrecklichkeit des Eindrucks, den ich empfangen, bin ich außer Stande zu schildern. Denke man sich ein mit Haut überzogenes, schlotterndes menschliches Gerippe, das uns mit zwei tiefen, dunklen Augen anstarrt, sonst aber regungslos und mit weitgeöffnetem, röchelndem Munde vor uns liegt. Keiner Bewegung fähig, wird er, wie ein Kind, nein, schlimmer, wie ein lebloser Gegenstand, wie eine Sache gehoben und getragen. Im Anfange dieses Jahres lautet eine Nachricht so:Mosen's Lage ist grauen⸗ erregend. Von Stimme besitzt er keine Spur mehr, sein Interkiefer ist ganz kraftlos, man möchte sagen: aus dem Scharnier; wenn sein Kopf in die Höhe gerichtet wird, fällt jener klaffend zurück und zeigt einen offenen Rachen mit großen Zähnen. Nahrung wird ihm künstlich und nothdürftig eingeflößt. Seine Scele wohnt eigentlich nur noch in seinen schönen, ausdrucksvollen Augen; der übrige Körper ist eine leere Ruine.

4* Miltel gegen das Wundreiben der Hände beim Waschen. Einige Tage vor Anfang der Wäsche reibe man sich die obern Theile(die am meisten der Ge fahr ausgesetzt find) mit einer schwächen alkohol'schen Schellacklösung, wie sie jeder Schreiner zum Poliren der Möbel gebraucht, ein.

Landwirthschaftliches und Gewerbliches.

2 DieM. 3. bringt folgenden Bericht über das Ergebniß der Weinlese, die nun größtentheils beendigt ist: Vom Haardtgebirge spricht man sich hinsichtlich der Qualität immerhin noch günstiger aus, dagegen ist der Ertrag quantitativ gering. Im Rheingau ist die Lese noch nicht vollendet. Man hofft, selbst auf die Gefahr hin, daß die bereits eingetretene Fäule noch weiter fort schreiten solliee, auf eine Reihe guter Tage, die der Qua lität zu Statten kommen. Am* fahren in diesem Jihre diejenigen, welche gut mit frühtragenden Trauben sorten vorgesehen sind. In Rheinhessen ergibt sich noch ein besserer Herbst, als man ihn glaubte erwarten zu dürfen. Die Quantität fällt recht gut aus, wiewohl die Beeren verhälmnißmäßig klein geblieben sind. Zu be dauern ist nur, daß das Rebholz nicht nach Wunsch ge reift ist. Von der Mosel lauten die Nachrichten außer⸗ ordentlich widersprechend. Während in einzelnen Lagen befriedigende Resultate sich ergeben, klagt man in anderen

Ein gesandt. Geehrtester Herr Rebacteur!

Im Verlaufe dieses Sommers brachten Sie in Ihrem geschätzten Blalteein Wort von Göthe. Allen Anzeichen nach ward es mehrorts beachtet, denn auf meinen kleinen Wanderungen durch den Kreis Friedberg gewahrte ich mit Freuden, wie man in Stadt und Land sich angelegen sein läßt, öffentlichen und Privat-Gebäubenben schon lang erwarteten Anstrich zu geben. In unserer Wetterau herrscht bekanntlich Wohlstand; diesem entsprechend dürfte es auf Straßen, außer- und innerhalb der Hofraithen, der öffentlichen Gebäude doch viel reinlicher, freundlicher, geschmackvoller aussehen. Vielleicht haben manche der be treffenden Bewohner undRegierer obiges Wort übersehen, wie wäre es, wenn Sie dasselbe noch einmal in kräftigen Lettern wieberholen würden?*)

Ein Wort von Göthe.

Sieht man am Hause doch gleich so deutlich, weß Sinnes der Herr sei, Wie man, das Dörfchen betretend, die Obrigkeiten beurtheilt. Denn wo die Thürme verfallen und Mauern, wo in den Gräben Unrath sich häufet, und Unrath auf allen Gassen herumliegt, Wo der Stein aus der Fuge sich rückt, und nicht wieder gesetzt wird, Balken verfault, und das Haus vergeblich den neuen schon erwartet, regieret. Denn wo nicht immer von Oben die Ordnung und Reinlichkeit wirket, Da gewöhnt sich leicht der Bürger zu schmutzigem Haushalt, Wie der Bettler sich auch an lumpige Kleider gewöhnet.

Wo der

Anstrich lang der Ort ist übel

*) Wir erfüllen gerne des geehrten Herrn Einsenders Wunsch, damit dies Wort auch Beherzigung finde an den Orten, wo es seiner Beobachtung nach noch noihthun möchte. Die Red.

Verloosungen.

Stockholm, 2. Nov.(10-Thlr.⸗Loose.) Bei der heutigen Zichung wurden folgende Hauptgewinne ge⸗ zogen: Nr. 187425 18,000 Thlr., Nr. 216189 1000 Thlr., Nr. 221442 500 Thlr., Nr. 112433, 158393, 172968 und 226719 150 Tylr., Nr. 663, 6002, 67046, 75552, 85671, 95824, 96722, 103783, 113068 und 178086 60 Thlr. Die Zahlung geschieht am 1. Februar 1868.

Für Musikliebhaber.

Bei einem Besuche in Bern batten wir kürzlich Ge⸗ legenbeit, das wahrhaft großartige Lager von Spiel⸗ dosen und Musikwerken des Herrn J. H. Heller daselbst zu bewundern.

Der Absatz dieses Fabrikanten, der in seinem Fache das Ausgezeichnetste leistet, soll ein fabelhaft großer sein und sich bis in die entferntesten Weltgegenden erstrecken. Bei den Erzeugnissen dieser Fabrik werden sowohl in musikalischer als decorativer Hinsicht alle Forischritte der Neuzeit sorgfältig berücksichtigt, es sollten demnach die Heller'schen Musikwerke in keinem Salon, in keiner Familie mehr fehlen.

Diese Werke eignen sich auch ganz besonders zu Weih⸗

Gegenden über sehr geringen und kaum verwerthbaren Ertrag

nachtsgeschenken.

Bekanntmachung.

2523 Bei der stattgebabten Werloosung der Partial⸗ Obligationen der Gemeinde Arms heim wurden die Nummern 39, 53, 54, 62, 63 und 71 zur Abtragung do 1867 gezogen, welches mit dem Anfügen bekanut gemacht wird, daß der Werth dafür vom 1. Januar 168 an, nur an der Gemeindekasse dahter in Empfang genommen werden kann und daß von diesem Tage an d Ztusfuß aufhört. Armsheim am 4. November 1867. Großherzogliche Bürgermeisterei Armshelm Zim lich.

C dic tal La dun g.

4 Der Nachlaß des Königlichen Polizeicommissärs 3 B. Glück ist von den Erben ausgeschlagen, weshalb tie Gläubiger aufgeforrert werden, ihre Ansprüche

im Termin den 27. d. M., bis 12 Uhr Mittags em Curator, Stadtsecretär Schäfer, gegenüber dahier anzumelden.

Zur Abwendung des Concurses wird zugleich die ät versucht und unterstellt werden, daß die Aus⸗ bleibenden, soweit ihre Rechte nicht bevorzugt oder ilunrgeflchert sind, dem Beschluß der Erschienenen zu

mmen. 5 Bockenheim am 4. November 1867. 1 Königliches Amtsgericht Reu l.

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Die durch Brand beschädigte Transmission ist eben falls abzugeben.

Büdesheim den 6. November 1867.

Die Dr. Bern a' sche Verwaltung.

Vergebung von Schuh macherarbeiten. 2654 Donnerstag den 21. d. Mts., Vormittags ½11 Uhr, werden auf dem Bureau des unterzeichneten Verwaltungsraths die im Jabr 1868 für die biesige Garnison erforderlich werdenden Schuhmacherarbeiten durch Summission in Accord gegeben.

Butzbach am 8. November 1867.

Großhberzoglicher Verwaltungsrath der vereinigten

Schwadronen der Relterbrigade

von Buseck, Mafsor.

Lieferung von verschiedenen Bedürfnissen.

2655 Donnerstag den 21. d. Mts., Vormittags 11 Uher, werden auf dem Bureau des unterzeichneten Verwaltungsrats nachfolgende Bedärfnisse für die biesige Garnison, als:

1) Brod,

2) Del, Petroleum, Stearin⸗ Lichter,§tsch⸗

thran und

3) Gerste, Waizenklete und Leinkuchen, auf das 1. Halbjahr 1888 durch Summisfion in Liefe- rung vergeben.

Butz bach den 8. November 1867.

Großberzoglicher Verwaltungsrath der vereinigten

Schwadronen der Reiterbrigade von Buseck, Major.

Ein Dienstmädchen,

2631 dos bürgerlich kochen kann, wird zum sofortigen Eintritt gesucht. Nileder-Wöllstadt den 6. November 1867.

Fresenius, med. Dr.

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