Ausgabe 
12.10.1867
 
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Preußen die Concession der Linie Gießen-Gelnhausen bis heute nicht ertheilt wurde. Es ist Suche der betheiligten Landestheile, in Darmstadt in dieser Richtung Schritte zu thun.

Die Königin Augusta von Preußen ist zum Besuche am Großherzoglichen Hofe dahier eingetroffen.

Gießen. Der großherzogl. Regierungsrath Pietsch dahier, seit einer Reihe von Jahren Rekrutirungs-Commissär in der Provinz Ober hessen, ist in den Pensionsstand versetzt worden. Regierungs⸗Accessist Groos wurde zum Kreis- Assessor dahier ernannt.

Preußen. Berlin, 8. October. In der heutigen Sitzung des Reichstags beantwortete der Ministerial-Director Delbrück die Inter pellation des Abg. Schulze⸗(Delitzsch) wegen Be⸗ seitigung der mecklenburgischen und lauenburgischen Transitzölle dahin: der Vertrag mit Frenkreich hindere vorläufig den Zollanschluß Mecklenburg's, es seien jedoch in Paris neuerdings Schritte hierfür geschehen, Lauenburg sei aber wegen seiner geographischen Lage don Mecklenburg nicht zu trennen. Hierauf folgte die Berathung des Staatshaushaltsgesetzes, wobei der Antrag auf rlvilrechtliche Verantwortlichkeit des Bundeskanzlers nach lebhafter Debatte abgelehnt, das Etatsgesetz dagegen angenommen wurde, womit die Vorbe rathung des Budgets erledigt ist. Hierauf folgte die Berathung über die Zollverträge, welche nach kurzer Debatte mit allen gegen zwei Stimmen genehmigt wurden. Auf eine Interpellation be treffs der Tabakssteuer erklärte Ministerial⸗Director Delbrück, daß hierüber noch keine Verhandlung stattgefunden habe. Man sei nur davon ausge gangen, daß Tabak ein sehr besteuerungsfähiger Gegenstand sei; das betreffende Gesetz werde dem Reichstag vorgelegt werden, was dieser damit mache, stehe dahin.

Die plötzliche Aenderung in dem Reiseplan des Königs, welcher nicht, wie ursprünglich festgesetzt war, von Weimar aus direct nach Berlin zurückkehrt, sondern vorher nach Baden Baden geht, wohin schon das Militär- und Civil⸗ Cabinet, sowie das sogenannte große Gefolge vorausgegangen ist, hat zu dem Gerüchte Veran- lassung gegeben, daß in Baden Baden eine Zu sammenkunft zwischen dem Könige von Preußen und dem Kaiser von Oesterreich, welcher sich in den nächsten Tagen nach Paris begibt, stattfinden werde.

DieProv.⸗Corr. sagt: Obwohl der Reise des Königs nach Süddeutschland jede politische Absicht fern lag, wird doch die persön liche freundschaftliche Berührung mit den Fürsten der süddeutschen Staaten und die lebhafte Kund⸗ gebung der süddeutschen Bevölkerung für die na⸗ tionale Verbindung mit dem norddeutschen Bunde dazu beitragen, die erfreuliche Gestaltung der

Der Schluß des Reichstages wird vor aussichtlich am 25. ds, stattfinden, die Urwablen sollen am 30. October und die Abgeordneten wahlen am 7. November vorgenommen werden.

Die Anberaumung der nächsten General-Ver⸗ sammlung des Nationalvereins auf den 20. d. M. ist(nach derHess. Morgenztg.) dahin abgeändert worden, daß die Versammlung erst nach Vollendung der Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause stattfinden wird. Der Tag soll demnächst festgesetzt und bekannt gemacht werden.

Wie dieNordd. Allg. Ztg. meldet, hat Preußen eine Einladung an Bayern, Württemberg, Baden, Luxemburg und Oesterreich wegen einer neuen Regelung des deutsch-österreichischen Postvereins gerichtet, die am 1. Januar 1868 in Kraft treten soll.

DieNordd. Allg. Ztg. bemerkt bei Be⸗ sprechung der Kammerrede des Fürsten Hohenlohe hinsichtlich der Ablehnung Bayerns dem norddeut schen Bunde sich anzuschließen, daß preußischerseits keine Anstrengungen gemacht werden sollen, diesen Entschluß zu ändern. Gegenüber der Bemerkung des bayerischen Ministers, daßein Staatenbund zwischen dem Nordbunde und den süddeutschen Staaten den ganzen Süden umfassen müsse und daß kein einzelner süddeutscher Staat eine nähere Verbindung mit dem Nordbunde suchen dürfe, betont dieNordd. Allg.: jeder süddeutsche Staat müsse frei und selbständig sich entschließzen.

Frankfurt. Wie man vernimmt, beabsich tigt eine große Anzahl Hausbesitzer bei der Regierung in Berlin wegen der unverhältnißmä ßigen Höhe der hier veranlagten Gebäudesteuer vorstellig zu werden. Der Gesundheitszustand ist eben in hiesiger Stadt ein außerordentlich günstiger. Verflossene Woche verstarben dahier nur 17 Personen; darunter befinden sich einige, die nicht in Folge von Krankheit, sondern aus anderen Ursachen starben.

Sicherem Vernehmen nach sind nunmehr die zwischen dem Kurfürsten von Hessen und dem Herzoge von Nassau gepflogenen Unterhandlungen wegen Uebernahme des v. Rothschild'schen Palais zum Abschluß gekommen, wornach der Herzog dieses Palais demnächst beziehen wird.

DieFrankf. Ztg. schreibt: Der königl. Polizeipräsident, Herr v. Madai, hat die Aus- lieferung von sieben der früheren Frankfurter Gendarmerie gehörigen Pferden verlangt, der Senat dieselbe verweigert. Als nun der Herr Polizeipräsident vor einigen Tagen ungeachtet dieser Weigerung die Pferde übernehmen lassen wollte, klagte der Senat bei dem Stadtgerichte wegen Besitzstörung. Das Stadtgericht hat fol gendes Erkenntniß erlassen:Da der königliche Polizeipräsident bescheinigtermaßen eigenmächtig den Besitz der Pferde annehmen wolle, werde ihm hiermit bei einer aus seinem Privatvermögen zu zahlenden Geldstrafe von 100 fl. jede Besitzstörung

Wiesbaden. DerRhein. Kur. meldet: Nachdem vor einiger Zeit die noch im Besitze der Fürstin Schaumburg-Lippe gewesenen Actien der Kurhaus⸗Casse von der hiesigen Domänen Verwaltung angekauft worden waren, sind jetzt auch noch die letzten, bisher zum Schatullvermögen des Herzogs Adolph zu Nassau gehörigen Aectien angekauft worden, so daß nunmehr der königliche Fiscus sich in dem Besitze sämmtlicher Actien be findet und somit Eigenthümer des Kursaals, der beiden Colonnaden und sämmtlicher dazu gehörigen Anlagen geworden ist.

Mecklenburg. Schwerin. Auf Be⸗ fehl des Großherzogs ist die Dobberaner Spielbank aufgehoben worden.

Bayern. München. Bei der Vorlage über den Zollverein in der bayerischen Kammer gab Fürst Hohenlohe folgende ausführliche Darlegung über die Politik der Regierung: Die von ihm vertretene Politik habe keinen Augenblick geschwankt, die Herstellung einer verfassungsmäßi⸗ gen Einigung Deutschlands hoffe er auch jetzt noch zu erreichen. Dem Verlangen nach sofortigem Eintritt Bayerns in den Nordbund könne er nicht beistimmen. Die Entwickelung der Verfassung des Nordbundes werde sich dem Character des eigent⸗ lichen Bundesstaates mehr und mehr entfremden, Süddeutschland könne und wolle sich ihr nicht fügen. Die freie constitutionelle Entwickelung des süddeutschen Volkes gebe ihm das Recht und die Kraft, dessen sich zu weigern, und ein besonnener Staatsmann dürfe die realen Machtverhältnisse, die beim Abschlusse des Prager Friedens Berück⸗ sichtigung gefunden, ignoriren. Preußen dringe auch gar nicht auf eine Verbindung in der Form der Verfassung des norddeutschen Bundes, es be⸗ tone vielmehr die Gemeinsamkeit der materiellen Interessen und die Sicherung gegen eine feindliche Stellung des Südens. Die Vereinigung der süddeutschen Staaten zu einem in sich geschlossenen Bundesstaate und ein weiterer Bund desselben mit dem Nordbund sei wegen der Abneigung der Südstaaten und wegen der Schwerfälligkeit einer auf Dualismus beruhenden Form unmöglich. Eben so unmöglich sei aber auch die Vereinigung sämmtlicher deutscher Bundesstaaten nach der Form der früheren deutschen Bundesakte, weil Preußen die Früchte seiner vorjährigen Siege nicht auf⸗ geben könne; es bleibe also nur die Anbahnung

eines Staatenbundes zwischen dem Nordbunde und

den süddeutschen Staaten unter dem Präsidium Preußens und dabei die Allianz mit Oestreich. Der Minister entwickelte hierauf den Gang der diplomatischen Verhandlungen unter den süddeut⸗ schen Staaten über die Grundzüge einer Vereini⸗ gung mit dem Norden, welche schließlich zu einer Verständigung geführt haben. Indessen seien die Folgen der neuen Organisation des Zollvereins abzuwarten, um zu ermessen, in welcher Form neben demselben der beabsichtigte Staatenbund

Verhältnisse Gesammt⸗Deutschlands zu fördern.

in Betreff der Pferde untersagt.

durchgeführt werden könne. Der Minister resumirte

Die Pfahlbauten in der Schweiz.

Von Dr. Curiman.

Im Winter 1853 auf 54 sank das Wasser des Züricher⸗See's so tief, als man es seit zwei Jahrhunderten nicht beobachtet hatte. An den Stellen, wo die Ufer sich allmählich abflachen, traten breite Gürtel von Schlamm oder Gerölle zu Tage, welche entweder durch Schutzwerk dem See für die Zukunft entrissen werden sollten, oder aber sogleich als Material für den Wegebau weggeschafft wurden. Bei solcher Arbeit in der Nähe des Dorfes Meilen stießen die Arbeiter auf eine dicke Lage torfartiger Erde. Als sie auch diese abhoben, fanden sie Gras, Laub, Binsen, Stroh, Baumäste, dazwischen sonderbar geformte Steine und Knochen in großer Menge. Besonders auffallend aber erschienen die gen zen Reihen regelmäßig vertheilter, fußdicker Pfähle, welche senkrecht in den Moder eingetrieben standen, freilich aber auch so vermorscht waren, daß sie sich mit dem Spaten durchstoßen ließen. Die Eigenthümlichkeit dieses Fundes in der vielleicht seit Jahrtausenden nicht angetasteten Tiefe veran⸗ laßte die Gesellschaft für Alterthümer in Zürich zu einer genaueren Unter suchung. Der Präsident derselben, Professor Keller, trieb diese mit sol⸗ chem Eifer und Erfolg, daß er mit Recht als der Entdecker der Pfahl⸗ bauten angesehen werden muß. Denn es stellte sich für sein geübtes Auge sofort heraus, daß hier der Grundbau einer größeren Ansiedlung offen ge legt worden sei, deren Gebäude auf Pfählen gestanden hatten, weit genug vom Ufer, um nur mittels eines Steges, oder einer Fähre zugänglich zu

sein. Nur auf diese Weise ließ sich die überaus große Menge von Ueber⸗ resten der mannigfaltigsten Art erklären. Dieser Fund erregte sofort allent⸗ halben Aufsehen, und weckte an den verschiedensten Orten den Forschereifer der Alterthumsfreunde. Man erinnerte sich da und dort, schon ähnliche Spuren gesehen zu haben. Den nächsten Pfahlbau entdeckte man in dem Bieler See. Diesem folgten eine Menge anderer kleiner und großer See'n, so daß in dem Zeitraume von kaum 10 Jahren allein in der Schweiz über 200 Pfahldörfer aufgefunden worden sind. Doch auch andere Länder blieben nicht zurück. Zunächst wurde die Kunde von Pallisaden-Inseln, die schon 1836 in Irland aufgefunden worden waren, wieder aufgefrischt. Dann lieferte Savoyen ähnliche Beispiele; Nord-Italien mit seinen Seen blieb ebenfalls nicht zurück; auch in Deutschland, vom Bodensee bis nach Mecklenburg, wurden immer neue Spuren solcher Ansiedlungen entdeckt. So zeigt sich also, daß ein großer Theil von Europa vor der geschicht⸗ lichen Zeit von einem Volke bewohnt gewesen ist, welches in ganz anderer Weise als die späteren Völker seine Wohnsitze aus wählte. Noch jetzt ver⸗ fehlen die Zeitschriften nicht, von derartigen Entdeckungen immer neue Nachrichten zu bringen. 8 b Wohnungen auf Pfählen, oder gar auf Bäumen, hat man auch in Südamerika gefunden, allein nur zur Sicherung gegen Ueberschwemmungen oder auch in Sümpfen. Aber die europäischen Pfahlbauten unterscheiden sich wesentlich von jenen. Ihre Lage war nicht an Strömen oder in aus gedehnten Sümpfen, sondern in sonnigen, vor Sturm gesicherten Buchten großer See'n, höchstens in sumpfigen Thalkesseln, wo nicht dichter Wald,

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