Ausgabe 
12.2.1867
 
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Bundesconferenz, am 8. Vormittags die Schluß verhandlung und sodann ein Abschiedsdiner unter Theilnahme sämmtlicher Minister statt. Das Haus der Abgeordneten genehmigte den Gesetzentwurf über die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthsschaftgenossenschaften, wie derselbe aus dem Herrenhause amendirt herüber⸗ gekommen ist. Der Berichterstatter, Abg. Lasker, hebt die eminente Bedeutung hervor, welche darin liegt, daß dieses wichtige Gesetz endlich zu Stande gekommen sei, und der Abg. Schulze ⸗Delitzsch, der eigentliche Vater des Gesetzes, theilt mit, daß von den Genossenschaften in den neuen Landes- theilen viele Anfragen eingelaufen seien: ob nicht auch sie der Wohlthat dieses Gesetzes bald theil⸗ haftig würden? Er richte deßhalb an die Staats⸗ regierung die dringende Bitte, daß sie dieses Gesetz doch recht bald auch für die neuen Pro; vinzen publiziren möge. Nachdem das Gesetz angenommen ist, was fast mit Einstimmigkeit ge⸗ schieht, eilen viele Abgeordneten zu Hrn. Schulze, um ihn zu beglückwünschen. 1. Am 9. d. erfolgte im Staatsministerium die Unterzeichnung des Bundesvertrages. Auf den Wunsch Preußens kommen die Bevollmächtigten zur Eröffnung des Parlaments hierher. f Der König schloß am 9. d. die Session der Kammer mit einer Thronrede, die nach einem Telegramm des Frkf. Journ. im Wesentlichen lautet: Am Schlusse der inhaltsschweren Sitzungsperiode spreche ich Ihnen meinen Dank aus, daß Sie die Regierung bei Erfüllung der an die Session geknüpften Hoffnungen unterstützt baben. Durch die Indemnitäts⸗ Ertheilung haben Sie die Hand geboten zum Ausgleich des Principienstreites, welcher das Zusammenwirken der Regierung und der Landesvertretung früher gehemmt hatte. Ich hege die Zuverficht, daß die gewonnenen Erfahrungen und ein allseitig richtiges Verfländniß in Zukunft ähnliche Zuftände verhindern werden. Durch Bewilligung der Anleihe für die Armee und Marine haben Sie den Entschluß kund gegeden, das Errungene zu wahren. Die Feststellung des Staatshaushalts vor dem Etatsjahr verbürgt die weitere Befestigung ver⸗ fassungsmäßiger Zustände. Die Regierung hat Ihnen durch einftweiligen Verzicht auf einzelne Ausgabe⸗ a d. den neuen Beweis gegeben, welchen Werth e auf das Einverständniß mit der Landesvertretung legt, sie hofft sedoch auf künftige Anerkennung dieser Positionen. Mit lebhaftem Danke erkenne ich Ihre Bereitwilligkelt an zur Gewährung der Mittel für die Invaliden und für die Hinterbliebenen der Gefallenen. Nachdem die Landesvertretung die Ueberleitung der Zuftände der neuen Landestheile in die Gemeinschaft der ält eren Provinzen vertrauensvoll in meine Hände gelegt hat, darf ich zuversichtlich erwarten, daß die Bewohner sich im großen Gemeinwesen bald heimisch fühlen und an den Aufgaben desselben sich hingebend betheiligen werden. Die Deranziehung von deren Ver⸗ tretern zum preußlschen Landtage wird das Bewußtfein der Zusammengehörigkeit befeftigen und die gewissen⸗ hafte Pflege der öffentlichen Wohlfahrt wird die Segnungen der großen Gemeinschaft noch mehr empfinden lassen. Die Thronrede zäblt sodann die in dieser Sesfion zu Stande gekommenen Verbesserungsgesetze auf und etwähnt schließlich der Thatsache, daß der Verfassungsentwurf des norddeutschen Bundes von allen Regierungen angenommen sei, was zu der Zuversicht berechtige, daß auf Grundlage der einheitlichen Orga nisation, welche Deutschland in jahrhundertlangen Kämpfen vergeblich erstrebte, dem deutschen Volke die Segnungen erhalten werde, zu welchem es durch Macht und Gesittung berufen ist. Ich werde es als den höchsten Ruhm meiner Krone ansehen, wenn Gott mich berufen hat, die Kraft meines Volkes zur Herstellung dauernder Einigkeit der dentschen Stämme und Zünften zu ver⸗ werthen, und ich vertraue auf Gott, daß er uns dieses Ziel erreichen lasse. Frankfurt a. M. Nach einer Bekannt⸗ machung des Rechnei⸗ und Rentenamtes beginnt die diesjährige Odermesse für den Großhandel wie für den Kleinhandel om Mittwoch den 10. April und endigt mit Dienstag den 30. April. Das Auspacken der Waaren darf zwar am Montag den 8. und Dienstag den 9. April, jedoch vur in verschlossenen Läden, geschehen. Für Leder beginnt die Messe am Mittwoch den 17. April, an welchem Tage dit öffentlichen Waagen zum Verwiegen desselben geöffnet werden und endigt mit Dienstag den 30. April. Das Einlagern des Leders in die städtischen Magazine ist schon von Montag den 15. April an gestattet. Vom Zuchtpolizeigericht wurden wieder 4 Nummern auswärtiger Zeitungen, nämlich der Stuttgarter Beobachter Nr. 11 und 12, sowie die N. Bad. Loztg. Nr. 12 und 21 zur Unter⸗ drückung und Vernichtung verurtheilt. Die An⸗

klage lautete auf Verletzung der Ehrfurcht gegen den König und auf strafbare Angriffe gegen die Regierung und deren Anordnungen.

Aus Rheinbaiern. Am Nachmittag des 6. nach 1 Uhr tobte in unseren Bergen ein fürch terliches Gewitter, welches von einem rasenden Sturme und Hagelwetter begleitet war. Der wilde Orkan hat hier und da nicht unerheblichen Scha- den angerichtet. Dächer wurden abgedeckt, Läden und Fensterscheiben zertrümmert, Obst⸗ und Wald bäume geknickt und entwurzelt. In Neustadt wur- den überdieß einem Manne durch ein einstürzendes Kamin beide Beine abgeschlagen. In unseren Bergen sind die Gewitter meistens furchtbar; allein in solcher Heftigkeit sind sie noch selten aufgetreten.

Baden. Karlsruhe. Der Großherzog von Baden hatte mit dem bahyerischen Minister Prästdenten, Fürsten Hohenlohe, zu Mühlacker eine Unterredung.

Bei Wies loch, bekannt durch seine Galmai gruben, haben neuerliche Nachforschungen aus reichende Petroleumquellen zu Tage gefördert, zu deren Ausbeutung bereits die nöthigen Schritte durch Private geschehen sind.

Mannheim. Die Heftigkeit des am Nachmit⸗ tag des 6. d. eingetretenen Sturmes nahm gegen Abend in einer Weise zu, daß die telegraphischen Verbindungen nach allen Richtungen unbrauchbar wurden. Ingleichen wurde ein Theil eines auf dem hiesigen Bahnhofe stehenden leeren Güterzugs von dem Winde auf die Bahn und dem der Station zufahrenden, von Basel kommenden Per⸗ sonenzug entgegengetrieben, so daß ein Zusammen⸗ stoß erfolgte, der zwei Güterwagen zertrümmerte und die Maschine des Personenzugs etwas deran- girte. Beschädigungen von Personen sind zum Glücke nicht zu beklagen.

Oesterreich. Wien. Die heutigeAmts- zeitung enthält ein kaiserliches Handschreiben an den Grafen Belcredi, welches demselben die nach gesuchte Enthebung bewilligt und ihm das Groß kreuz des Stephanordens verleiht. DieAmts- zeitung veröffentlicht die Ernennung v. Beust's zum Ministerpräsidenten und die einstweilige Ueber⸗ tragung der Leitung des Staats- und Polizei. ministeriums. Ein kaiserliches Patent vertagt die Eröffnung der Landtage bis zum 18. Febr. d. J.

Ein neues Prioritäts-Anlehen der öster⸗ reichisch⸗französischen Staatsbahn von 150,000 Obligationen, pr. Obligation à 225 Franken, wird am 11. und 12. Februar zu Wien und Paris zur Zeichnung aufgelegt.

Der Zustand des Schulwesens in Ungarn. Dr. Jul. Schwarz hat nach einer Mittheilung des Ausland in der ungarischen Academie der Wissen⸗ schaften zu Pest im Jahre 1866 zwei Vorträge über das Unterrichtswesen in Ungarn gehalten, welche viel zu denken geben. Von den 16,706 Gemeinden Ungarns sind 5000 gänzlich ohne Schule. Die Zahl der Volksschulen, Privatschulen mit inbegriffen, beläuft sich auf nur 13000, welche 800,000 Schüler unterrichten, während die Zahl der Kinder zwischen dem 6. und 12. Jahre auf 1,800,000 geschätzt wird. Von denjenigen, welche die Volksschulen besuchen, können 10 Procent nicht einmal lesen und schreiben, wenn sie die Schule verlassen, so daß es nicht Wunder zu nehmen braucht, wenn von den Rekruten nur 18 Procent lesen und noch weniger schreiben können. In ganz Ungarn gibt es nur 33 Bildungs- anstalten für Lehrer, und in diesen befinden sich 800 Zöglinge. Der höchste Gehalt, welchen der Lehrer einer Volksschule erhält, beträgt 60 Gulden. Hundert öffentliche Lehrer bekommen gar keinen Gehalt, mehrere hundert empfangen blos 16, 20, oder 30 Gulden jährlich, nebst einem erbärmlichen Wohnhause. Die meisten sind verabschiedete Sol⸗ daten oder alte Diener von Geistlichen. Sieben tausend römisch⸗katholische oder jüdische Volksschulen stehen unter Oberaufsicht von 5 Regierungsinspek⸗ toren; die Geistlichen, welche die kirchliche Auf⸗ sicht führen sollten, kümmern sich kaum zum zehnten Theil um die Schulen, so daß 700 Volksschulen weder von der Kirche noch von der Regierung beaufsichtigt werden. Die höheren Schulen be⸗ stehen aus 167 Gymnasien, 29 Realschulen und

27 Handelsschulen. Gymnastalschüler zählt das Königreich 30,000, Realschüler 2700, Handels- schüler 2057. Von den römisch⸗katholischen Gym⸗ nasien sind nur 15 Staatsanstalten, die übrigen gehören den Benediktinern, Franziskanern, Jesuiten u. s. w. Ungarn besitzt eine Universität in Pest, zwölf Schulen für Rechts wissenschaft, zwei medieinische Schulen, zwei Bergwerksschulen, eine Handelsacademie, eine Veterinärschule und eine polytechnische Schule, außerdem zahlreiche katho lische Seminarien. Die Hochschule zählt 3000 Studenten, ¼ Juristen. 111 Ungarn studiren auf auswärtigen Universitäten. Der Staat, (d. h. die österreichische Regierung) verwendet jährlich nur 14,096 Gulden auf den öffentlichen Unterricht des ganzen Königreichs, während er 100,000,000 Gulden Steuern aus Ungarn zieht und mehr als 4,000,000 Gulden jährlich auf Zucht und Abrichtung von Pferden für das Heer ausgibt. Vergleicht man, was regierungsseitig in Ungarn, Lippedetmold und den Sandwich-Inseln für den öffentlichen Unterricht verwendet wird, so ergibt sich, daß der Staat in Lippe ⸗Detmold 18,000 Thaler, auf den Sandwich-Inseln 22,000 Doller, in Ungarn dagegen nur 14,096 Gulden zu dem Unterrichte beisteuert.

Schweiz. Bern. Dem ergrauten General Dufour ist unter den ehrenvollsten Ausdrücken von Seiten des Bundesraths die nachgesuchte Dienst entlassung ertheilt worden.

Zürich. In Zürich hielten letzten Samstag gegen 400 Deutsche, denen sich eine Anzahl Schwei⸗ zer angeschlossen hatte, eine Todenfeier Rückert's. Professor Kinkel feierte den edlen Dichter in meister⸗ hafter Rede und Chorgesänge wechselten mit Toasten ab. Gegen 200 Franken wurden zum Rückert⸗ Denkmal gesteuert.

Italien. Florenz. Der neu ernannte österreichische Gesandte v. Rübeck ist dahier ein⸗ getroffen und hat sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

Frankreich. Paris. DerMoniteur bringt ein kaiserliches Decret, worin das Regle⸗ ment über die Beziehungen des Senats und ge⸗ setzgebenden Körpers zum Kaiser und Staatsrathe ungebildet und die durch das Januar-Decret nothwendig gewordenen Veränderungen aufgestellt werden.

Der Betrieb der Main⸗Weser⸗Eisen⸗ bahn im Jahre 1865.

Dem von der Central⸗Direction zu Cassel er- stattetenBericht über den Betrieb der Main Weser⸗Bahn im Jahre 1865 ent⸗ nehmen wir folgende Notizen:

Bau und Baukapital. Die im Jahre 1864 begonnene Herstellung des zweiten Geleises von Guntershausen bis Frankfurt wurde im Laufe des Jahres 1865 mit einem Aufwand von 1,6046608 Thaler vollendet.

Der Stand des gesammten Baukapitals be⸗ zifferte sich Ende 1865 auf 15,979819 Thaler oder ver Meile auf 591845 Thaler, wovon auf Kurhessen 9,520313 Thaler, auf das Großber⸗ zogthum Hessen 4,834658 Thaler und auf die Stadt Frankfurt 1624848 Thaler kommen. Nach den Voranschlägen war das Baucapital excl. der Kosten des zweiten Geleises zu 15,428000 Thlr. berechnet.

Betriebsmaterial. An solchem sind vor⸗ handen; 51 Locomotiven mit 41 Tendern, 112 Personen⸗, 656 Gepäck⸗ und Güterwagen und 34 Arbeitswagen.

Personen verkehr. Personen, wobei die seit Mitte des Jahres 1865 ausgegebenen Retour- billets doppelt, also für jede einzelne Fahrt ge zählt sind, wurden 930140 befördert mit einer Einnahme von 751702 Thaler, gegen das Vor⸗ jahr mehr 93035 Personen= 11,11 Procent 69864 Thaler= 10,25 Procent. Die Ge⸗

päckbeförderung betrug im Ganzen 89200 Centner mit einer Einnahme von 47757 Thaler, an Hunden wurden 3624 Stück mit 788 Thaler, an Equipagen 77 Stück mit 1141 Thaler Ein⸗ nahme befördert.

Der Güterverkehr belief sich auf 7,747044

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