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Beilage zum Anzeiger für Oberhessen. u 4.
Friedberg. Die am 8. d. M. von hier aus nach Berlin abgegangene Adresse lautet fol— gender Maßen: ö An den Beichstag des Norddeutschen Bundes ehrerbietige Adresse des Friedberger Wahlcomitsés. goher Reichstag des Morddeutschen Bundes! Als vor Kurzem in öffentlichen Blättern die Nachricht von dem Verkauf des zum früheren deut— schen Bunde gehörigen Großherzogthums Luxem—
burg an die Krone Frankreich auftauchte, da durchzuckte uns und mit uns— das sind wir überzeugt— Millionen deutscher Herzen ein Ge—
fühl der Indignation und des Zornes, wie wir
es noch selten empfunden haben. Es regten sich unwillkürlich die bitteren Erinnerungen an all die Schädigung, die wir in den letzten drei Jahr- hunderten an unserer Westgrenze erlitten haben, an all die Hinterlist und Schmach, unter welcher diese Schädigung vollbracht worden ist. Um so freudiger hob sich bald darauf unsere Brust, als wir das kapfere und stolze Manneswort vernah— men, das der Abg. v. Bennigsen in den projee— tirten Länderhandel hineindonnerte, und uns die Kunde ward von dem enthusiastischen Beifall, den seine Worte in der Reichstags versammlung ge— funden hatten. Inzwischen hat uns die Erklärung des Grafen Bismarck belehrt, daß bis jetzt in der beregten Sache noch keine gültige Abmachung erfolgt ist, und die öffentlichen Blätter berichten von Holland und von Frankreich her, daß das Kaufproject überhaupt aufgegeben sei.
Wie wir indessen die Situation überblicken, scheinen uns alle augenblicklich in die Oeffentlich— keit geworfenen Erklärungen nur darauf berechnet zu sein, die Aufmerksamkeit diesseits des Rheins von der absichtlich als ganz barmlos hingestellten Frage abzulenken, während man einen günstigeren Zeitpunkt abzuwarten gedenkt, um mit derselben auf's Neue hervorzutreten.
Ganz in ähnlicher Weise, so lehrt uns die vaterländische Geschichte auf ihren beschämendsten Blättern, hat Frankreich jedesmal, wenn es vorhatte, Stücke der deutschen Grenze abzubröckeln, Anfangs einen kecken Anlauf genommen, dann scheinbar seine Ansprüche zurückgezogen und wenn die zuvor aufgeschreckten Gemüther unseres arg— losen Volkes sich beruhigt, ganz geräuschlos und ohne Mühe seine Ansprüche durchgesetzt.
Im Hinblick auf diese uns nur zu wohlbe— kannten Antecedentien und im vollen Bewußtsein der ungeheueren Tragweite der vorliegenden Frage halten wir Unterzeichnete, Männer der ruhigsten Ueberlegung und der verschiedensten Lebensstellungen, die wir, als in öffentlicher Volksversammlung er— nanntes Wahlcomité des II. oberhessischen Wahl— kreises für den norddeutschen Reichstag mit dem Vertrauen unserer Mitbürger beehrt und durch dasselbe getragen sind, uns so berechtigt, als ver— pflichtet, unsere Stimme über die Luxemburger Frage zu erheben und Hohem Reichstag gegen— über, indem wir Hochdessen bisherigem Verhalten in der Sache unsern vollsten Beifall schenken, Fol gendes zu erklären:
Wir sind Freunde, aufrichtige Freunde des Friedens und verwerfen, ja verabscheuen jeden Krieg, der aus ehrgeizigen Gründen und zu selbst— süchtigen Zwecken unternommen wird. Auch hal— ten wir die Civilisation in Deutschland für viel zu weit fortgeschritten, um vermuthen zu können, daß irgend einem vernünftigen Bürger desselben damit gedient wäre, wenn man, um einen Fetzen fremden Gebiets zu erwerben, die Blüthe der Nation zur Schlachtbank führen und das Blut von Tausenden der hoffnungsvollsten Söhne des Vaterlandes, die ihre Kräfte für höhere und edlere Zwecke des Lebens verwerthen könnten, da— hinopfern wollte. Namentlich wünschen wir von ganzem Herzen, daß Fraykreich und Deutschland den 1000jährigen Hader endlich einmal vergessen und fortan nur noch in edlem Wettstreit um die Palme des Sieges in den Bestrebungen des Frie— dens kämpfen möchten, um den Fortschritt in Wissenschaft und Kunst, in Handel und Industrie, kurz in allem Demjenigen anzubahnen, was die wahre Freiheit und das Glück der Völker dauernd verbürgt. Darum versichern wir gern, daß Nie— mand in Deutschland daran denkt. Frankreich an seinen Grenzen zu bedrohen oder ihm von seinem bisherigen Gebiete, mag auch die Erinnerung an die Erwerbungsweise einzelner Theile desselben bittere und schwer zu verwindende Gefühle in uns wachrufen, Etwas abzusprechen.
Aber diese Versicherung erfolgt nur unter der bestimmten Voraussetzung vollkommenster Gegen— seitigkeit und mit dem ausdrücklichen Verlangen, daß man in Frankreich endlich einmal das lächer— liche Gerede von den natürlichen, d. h. willkürlich erdachten Grenzen aufgiht. Diesem Verlangen aber wird im Augenblicke Hohn gesprochen durch die Verhandlungen der französischen Regierung mit dem Könige von Holland zum Zweck der Er— werbung von Luxemburg—
Das Großherzogthum Luxemburg gehört zu
Dieser Grundsatz ist völkerrechtlich anerkannt in der deuischen Bundesacte, durch welche dasselbe, wenn auch unter dem Scepter des Kö— nigs von Holland, dem vorhinigen deutschen Bunde eingefügt worden ist. Zwar ist die frühere Form dieses Bundes augenblicklich zerfallen, aber wir zweifeln nicht daran, daß bald eine andere gefun- den werden wird, welche die organische Zusam— mengehörigkeit der deutschen Stämme, soweit sie nicht bereits durch bindende Friedensschlüsse los— gegeben sind, dem Auslande gegenüber repräsen— tiren wird. In der Zwischenzeit gibt die Nation keinen Anspruch auf irgend ein Gebiet auf, das der frühere Bund ihr zuerkannt hat, und spricht
Deutschtand.
darum dem König von Holland das Recht ab,
einseitig über Luxemburg zu verfügen oder gar dasselbe zum Nachtheil Deutschlands an das Aus- land zu verkaufen, zumal die Zeit, da man Länder
und Völker wie Waaren für Geld verkaufte, unter civilisirten Nationen längst vorüber ist.
Grade aber, daß die alten Nergeleien Frank- reichs im gegenwärtigen Augenblick wieder auf- tauchen, wo der von Millionen Herzen längst ge⸗ hegte Wunsch es möge Deutschland einer Ver⸗ fassung theilhaftig werden, die es in den Stand
setzt, seine volksthümliche Eigenthümlichkeit je mehr und mehr zur Entfaltung zu bringen und seine nationalen Rechte gegen Jebermann kräftig zu wahren, seiner Erfüllung sich zu nahen scheint; daß es in demselben Moment, da wir eine deutsche Flagge auf dem Meere wehen und ein in Mannes— treue verbundenes, einheitlich gegliedertes Heer auf dem deutschen Boden erstehen zu sehen hoffen dürfen, der alte Reichsfeind versuchen darf, in kleinlicher Eifersucht unsere Westgrenze zu schmä⸗ lern und zu schwächen: das ist der schnöveste Hohn auf unsere nationalen Wünsche und Hoff⸗ nungen, der unsere tiefste Indignation und unse— ren flammendsten Zorn erweckt hat, und darum erklären wir in Uebereinstimmung mit dem nord deutschen Bundesreichstag:„Wir wollen nicht, daß man Frankreich in dieser Frage nachgebe!“
Inzwischen verlassen wir uns auf das Wort des tapferen Preußenkönigs, das er vor wenigen Jaheen sprach:„Keine Scholle Landes wird an Frankreich abgetreten“; wir vertrauen auf die Weisheit, den Patriotismus und die Thatkraft des Grafen Bismarck, daß er die Umgestaltung Deutschlands nicht mit einem Zurückweichen vor Frankreichs Prätensionen inauguriren werde. Beide Männer, die im Augenblicke an der Spitze der Nation gehen, mögen überzeugt sein, daß in die⸗ ser Frage kein Unterschied zwischen Nord⸗ und Süd“⸗Deutschland, zwischen Conservativen und Liberalen und wie all' die sonstigen Parteinamen heißen mögen, besteht, daß wir alle, alle in dem Verlangen einig sind, wo es die nationale Ehre gilt, da gürfe von ängstlicher Nachgiebigkeit nicht die Rede sein. Möge, wenn das Aeußerste nicht zu vermeiden sein sollte, König Wilhelm Vertrauen haben zum deutschen Volke, möge er sich, wie sein hochseeliger Vater im Jahre 1813 gethan, in der Stunde der Gefahr an die Nation wenden mit dem Worte:„Es giebt keinen anderen Ausweg, als einen ehrenvollen Frieden, oder einen ruhm— vollen Untergang.“ Und wir werden ihm ant— worten mit dem„Vorwärts“ von damals, wir werden die Kriegs- und Sieges-Lieder anstimmen, mit denen unsere Väter in den Kampf gegen Frankreich zogen, und zeigen, daß wir nicht un— werth sind, ihre Söhne zu heißen.
Ja, wir geloben es zu Gott, wenn das Schwerste, das ein Volk treffen kann, wider un— ser Verhoffen und ohne unser Verschulden über uns hereinbrechen sollte, so wollen wir das Blut unserer Söhne, unser eigenes Leben, unser Hab und Gut freudig dahingeben, wenn nur die Ehre des Vaterlandes ungeschädigt bleibt!
Möge es dem Hohen Reichstag gefallen, diese unsere Erklärung als den Ausdruck Dessen, was unzählige unserer oberhessischen Mitbürger mit uns fühlen und denken, anzuseben und von der— selben jeden Gebrauch zu machen, der ihm zur Erreichung des angedeuteten Zweckes dienlich scheint.
Friedberg am 6. April 1867.
In Ehrerbietung verharrend: das Comits.
(Folgen 20 Unterschriften.)
(1) Zur Luxemburger Frage.
Es ist für die Entwickelung der europäischen Völkerverhältnisse eine recht betrübende Erscheinung, daß zwei Völker, gleich groß, gleich stark, gleich tüchtig und von der Vorsehung dazu bestimmt, in Wissenschaft und Kunst, in Handel und Wandel treu vereint in erster Reihe zu den Höhen mensch— licher Kultur emporzuklimmen, es bis jetzt noch nicht zu rechtem gegenseitigen Vertrauen und zu dauernd intimen Beziehungen zu einander haben bringen können. Wir meinen die Deutschen und die Franzosen. Selbst die letzten Jahrzehnte, in welchen durch Dampfschisse, Eisenbahnen und
Telegraphen die Völker sich näher gerückt sind, manche Scheidewand gefallen und manches nationale vorjährigen Compensationsansprüche und— an
Vorurtheil geschwunden ist, die uns einen segen— verheißenden Handelsvertrag zwischen Frankreich und Deutschland gebracht und so viele Verbin- dungen zwischen Hüben und Drüben geschaffen haben,— das rechte nachbarlich freundliche, neid— lose und auf gegenseitiges Vertrauen gegrändete Verhältniß haben sie trotzdem noch nicht zu Stande gebracht. Die Ursache dieser Erscheinung kennen wir Alle nur zu gut, es sind die nie aufhörenden Nörgelejien wegen der Grenze. Wir erianern nur an die Aufregung unserer Nachbaren zu Anfang der 40er Jahre, an ihr damaliges Feldgeschrei: Jusqu'au thin! und an die deutsche Antwort darauf:„Sie sollen ihn nicht haben“, an die
die kürzlich aufgetauchte Luxemburger Frage.— Tragen wir Deutschen die Schuld davon? Hat sich das deutsche Volk je eroberungssüchtig gezeigt, sieht es mit Mißgunst und Neid auf des Nach— bars Größe, steht es kampfgerüstet und die Frei- heit und Seloständigkeit des Nachbars bedrohend an dessen Grenzen? Nichts von dem Allem! Deutschland hat von Frankreich viel Bitteres im Laufe der Johrhanderte erfahren. Zeiten krauriger Zerrüttung im deutschen Reich hat man von den Machthabern in Paris in perfider Weise benützt, um ein Stück deutsches Land nach dem andern wegzureißen. Lothringen und den Elsaß hat man sich so angeeignet, Straßburg, die Krone deutschen Städte, wurde gegen alles Völkerrecht mitten im


