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Thatsache, daß mehr als dreihundert Gesuche um Anstellung beim Bundeskanzler-Amt eingegangen sind, darunter über hundert von existenzlosen Kauf— leuten und Oeconomen.
— Dem„Temps“ wird von Berlin gemeldet, daß die schon früher besprochene Zusammenkunft des Königs von Preußen mit den süddeutschen Souveränen, wenigstens den Königen von Bayern und Würtemberg und dem Großherzog von Ba— den, am 6. oder 8. September in Baden-Baden stattfinden solle und der Großherzog von Baden es übernommen habe, seine süddeutschen Nachbarn dafür zu gewinnen.
— Der Vertrag zwischen Preußen und Wal⸗ deck, durch welchen letzteres gleichsam seine Sou- veränität an Preußen abtreten wird, soll bereits am 1. October d. J. in Kraft treten unter nach⸗ träglicher Genehmigung des waldeckischen und reußischen Landtages. 105 9 5 r des Marineministeriums Ge⸗ neral Rieben, hat die nachgesuchte Dienstent⸗ lassung erhalten und ist mit Pension zur Dispo⸗ sition gestellt; einstweilen wird Contre-Admiral Jachmann sein Nachfolger. 5
— Wie verlautet, soll der Norddeutsche Reichstag spätestens am 15. September eröffnet werden.
— Die neuesten Blätter bringen von vielen Orten das Resultat der Wahlen zum Reichstag. Wir erwähnen von diesen nur die Wahlen von Berlin, welche alle im Sinne der Fortschritts⸗ partei ausgefallen sind. Es sind gewählt: Dr. Löwe(Calbe,) Waldeck, M. Wiggers, Runge, Franz Duncker und Schulze⸗Delitzsch.
Frankfurt. Die Frankfurter Zeitung wurde am 29. August in den öffentlichen Localen und auf der Post mit Beschlag belegt, auch die Form der Presse versiegelt. Das uns zugekom⸗ mene Exemplar enthält zwei anständige Censur⸗ lücken, wie sie weiland Anfangs der vierziger Jahre nichts Neues waren. Jetzt schreiben wir 1867.
Bayern. München. Nachrichten aus München bezeichnen als Hauptpunkt des neuen Militär gesetzentwurfes folgendes: die Wehr pflicht ist eine allgemeine, das Loos entscheidet nur über die Priorität in der Einübung der Waffen. Diejenigen, welche an unwesentlichen Gebrechen wie Satthals, Kurzsichtigkeit u. dergl. leiden, werden ihrer Wehrpflicht nicht entbunden, sondern haben in Kanzleien, Lazarethen und Werkstätten Dienste zu thun; nur absolute Krüppel, die Söhne der Standesherren, Geistliche und die Söhne solcher Eltern, die schon mehrere Söhne im Feld verloren haben, sind von der Dienstpflicht
ausgenommen. Im Falle eines Krieges wird alle streitbare Mannschaft bis zum 32. Lebensjahre aufgeboten.
— Der deutsche Juristentag hat sich mit Ein⸗ stimmigkeit für Aufhebung der Wuchergesetze ausgesprochen.
Baden. Die Universität Heidelberg hat eln neuer harter Schlag getroffen. Geheimerath Dr. Mittermaier ist am 28. August in dem hohen Alter von beinahe 81 Jahren verschieden. Der Verstorbene war 1787 in München geboren, wurde im Jahre 1811 Professor in Landshut, folgte 1819 einem Rufe nach Bonn und gehörte seit 1821 der Hochschule zu Heidelberg als eines der anerkanntesten und berühmtesten Mitglieder der juristischen Facultät an.
Oesterreich. Im Gemeinderath von Wien hat Joseph Huber folgenden Antrag in der Concordatsfrage eingebracht:„Der löbliche Ge⸗
meinderath wolle dem hohen Abgeordnetenhause
durch eine Adresse bekannt geben, daß die Ver⸗ treter der Stadt Wien den drei Gesetzentwürfen, vie der confessionelle Ausschuß am 19. v. M. dem hohen Hause vorlegte und von letzterm mit großer Majorität angenommen wurden, vollkommen beipflichten, und daß der hohe Reichsrath dahin wirken wolle, daß im allgemeinen Interesse des Reichs die gänzliche Beseitigung des Concordats durchgeführt werde.“ Der Antragsteller bezeichnet das Concordat als die Ursache der vaterländischen Misére in jeder Richtung und citirt zum Schlusse die Worte des frühern Erzbischofs Milde, der, als ihm das Concordat vorgelegt wurde, sagte: Diesen Vertrag empfehle ich nicht, das wäre ein Verrath an Kaiser und Vaterland. Baeck be⸗ zeichnet das Concordat als den Fluch, der auf Oesterreich lastet, es installire eine Regierung in der Regierung. Von einem Aufschwunge der Volksbildung könne nicht die Rede sein, so lange Oesterreich der Concordatsstaat bleibe. Steudel wünscht den Antrag dahin präcisirt,„der Gemeinde rath beschließe, es sei eine Petition an den Reichs; rath zu richten, um die gänzliche Beseitigung des Concordats zu erwirken, und die erste Section ist zu beauftragen, diese Petition binnen acht Tagen
vorzulegen.“ Dieser Antrag wurde fast einstim⸗ mig angenommen. Schweiz. Dem am 9. September d. 8.
in Genf zusammentretenden internationalen Friedene⸗ congreß werden folgende Fragen vorgelegt werden. 1) Ist die allgemeine Herstellung und Sicherung des Friedens, nach welchem die Menschheit sich sehnt, als nach dem Endziel der Civilisation,
vereinbar mit jenen großen Militärmonarchien, welche die Völker ihrer lebenskrästigßen, kost⸗
balten und darauf ausgehen, die kleinen Staaten
f* 8 94 75 1 4 barsten Freiheiten berauben, gewaltige Heere unter⸗
zu Gunsten despotischer Centralisationen zu unter⸗
drücken? Oder gibt es eine andere Lebensbedingung eines dauernden Friedens zwischen den Nationen als die Freiheit jedes einzelnen Volks und in ihren internationalen Beziehungen die Errichtung einer
Conföderation freier Demokratieen, welche die ver⸗
einigten Staaten Europas bilden? 2) Welches sind die Mittel, diese Conföderation der freien
Völker anzubahnen und zu beschleunigen? Wir müssen zurückkehren zu den großen Prinzipien der
Revolution, welche endlich zur Wahrheit werden sollen; wir müssen sämmtliche individuellen und politischen Freiheiten wiedererlangen, an jegliche sittliche Thatkraft appelliren, das Bewußtsein wecken, den Volksunterricht verbreiten; die Vorurtheile der Race, der Nationalität, der Sekte, des Militär⸗ geistes u. s. w. müssen zerstört, die stehenden Heere aufgehoben, die ökonomischen Interessen durch die Freiheit in Uebereinstimmung, die Politik mit der Moral in Einklang gebracht werden. 3) Welches möchten die besten Mittel sein, die Wirksamkeit des internationalen Friedescongresses permanent und durchgreifend zu machen? Organisation einer dauernden Association der Freunde der Demokratie und der Freiheit. Die Hauptaufgabe des Genfer Congresses wird sein, die Grundzüge dieser Asso⸗ ciation zu entwerfen und den Grund zu derselben zu legen.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Das „Amtsblatt“ veröffentlicht die Namen der Mit⸗ glieder des neuen Cabinets: Stephan Go⸗ lesco, Präsident und Inneres; Steene, Finanzen; Demeter Brationo, öffentliche Arbeiten; Teriakon, Aeußeres; Oberst Hadrian, Krieg; Anton Arion, Justiz.
Frankreich. Paris. Der„France“ zu⸗ folge wird der Kaiser von Oesterreich erst am 15. Oktober nach Paris kommen, da er vorher
den sterblichen Ueberresten seines unglücklichen
Bruders Maximilian, welche gegen den 1. Oktober in Wien anlangen können, die letzte Ehre er⸗ weisen wolle.
— Wie von Straßburg berichtet wird, hätte Napoleon bei seiner kürzlichen Anwesenheit
daselbst den um ihn versammelten Lehrern und
Lehrerinnen die Bemerkung gemacht, daß er wohl wisse, wie die Elsässer tüchtige Franzosen seien, daß sie aber als eine Gränzbevölkerung eine Rolle der Vermittlung zwischen zwei Nationen zu über ⸗ nehmen hätten und darum auf die Kenntniß des Deutschen nicht verzichten dürften u. s. w. Das wäre, wenn wirklich ernst gemeint, ein Wort zu seiner Zeit!
S. Die Peutinger Tafel.
In der Erklärung der so viel besprochenen Peutinger Tafel scheint endlich der württembergische Finanzrath Paulus in einer darüber ver⸗ faßten Schrift das Die uns erhaltene Copie dieses räthselhaften römischen Kartenwerks dem Verfasser des bekannten Lebens der Jungfrau Maria, welcher jene Copie im Jahre 1190 von dem Original entnahm und der Bibliothek des Bene⸗ Aus dieser Bibliothek wußte sich ein gewisser Konrad Celtes die merkwürdige Karte zu verschaffen, die er dann dem berühmten Augsburger Gelehrten und Patrizier Konrad Peu⸗
Richtige getroffen zu haben. stammt von dem Mönche Werinher, nunmehr verschwundenen a diktinerklosters zu Tegernsee einverleibte.
tinger zur Veröffentlichung übergab; aber noch
starb Peutinger im Jahr 1547 und damit gerieth auch das kostbare Werk bis endlich Marx Welser im Jahr 1591 Bruchstücke desselben unter dem Titel„Fragmenta tabulae antiquae ex Peutinge- rorum bibliotheca“ zu Venedig bekannt machte. Karte vollständig unter Peutingers hinterlassenen 1753 Franz Christoph v. Anmerkungen und Erläuterungen in einem Folioband zu Wien heraus,
wieder in Vergessenheit,
dert entdeckte man die Handschriften und nun gab sie wohin nun auch die ursprüngliche Abschrift in gebracht wurde, in welcher sie sich zwar ein Facsimile von
Den Namen„Peutinger Tafel“
Diese tabula Peutingeriann sollte, zufolge, eigentlich einen Straßenstern darstellen, Meilensäule im alten Strahlen nach allen
noch befindet. Eine neue Ausgabe, und der ursprünglichen Copie dieser altrömischen Reise⸗ karte, erschien nebst einer Abhandlung darüber von Mannert in Leipzig 1824. hat man dem Werke gegeben, weil es zunächst aus Peutingers Papieren veröffentlicht wurve.
den neuesten Forschungen dessen Mittelpunkt die große Rom bildete und von welcher die Hauptstraßen wie Richtungen ausgingen. Hätte man aber diese stern⸗
förmige Anlage, wie von Rom selbst zeigt,
verlassen, Indeß büßte die Brauchbarkeit ein,
ehe diese erfolgen konnte, wurde, welch' letzterem zweier Orte mehr Zeit Erst im 18. Jahrhun⸗ Scheyb mit Ferner sind auf die kaiserliche Bibliothek Gebirgs-
an der Straße gelegenen Orte zu wissen. nun auf der Karte zwar äußerst ungenau gezeichnet, 5 scharfe Angabe derselben in Zahlen beigeschrieben, wobei stets berücksichtigt ob die Straße durch ebene oder gebirgige Gegenden führte, in Falle man natürlich auch bei kürzerer
ren Fall mithin eine Angabe, welche sich nach unseren„ n die Entfernungen meist nicht beigeschrieben sind, nur schwe⸗ ermitteln läßt.
schon in der Zeichnung angedeutet, war als die ganze Karte zc. Panoramen, Städte und Dörfer durch größere und kleinere
Alle diese auffallenden Erscheinungen hat der Verfasser des zu An: fang genannten Schrifichens, insbesondere an disch(Vindonissa] in der Schweiz g n. und an der von Pfin(ad ines.) gleichfalls in der Schweiz, nach Augsburg(Augusta Vindelicorum,) die er beide selbst bereist,, nachgewiesen und dadurch dunkelen Fragen Licht gebracht.
sie die Tafel in Wirklichkeit nur ganz in der Nähe für die ganze in ibrem weiteren Lauf nach dessen wirklicher Richtung einzeichnen wollen, so würde hierdurch eine allzugroßen davon lästige und unbrauchbare Karte entstanden sein. artiges dem Geist der praktischgesinnten Römer widerstrebte, die Straßenzüge gerade so dar, als ob dieselben, nachdem sie die Thore Roms nur nach zwei Karte dadurch für den denn ihm galt es, zunächst nur die Entfernungen der
Karte beibehalten und die Straßen Raum einnehmende und in Folge Da etwas Der⸗ so stellten sie
Seiten hin vom Straßenmittelpunkt ausliefen.
Römer in keinem Punkt ihre
Diese Entfernungen waren aber überall war eine
direkter Entfernung
braucht von einem Ort zum andern, als im erste · Karten, da ihnen
Peutinger Tafel die Steigungen der Straßen
was um so leichter zu bewerkstelligen
die Gegenden, welche sie A
in der Profilansicht bietet und auch wie diese Häuser kennzeichnet.
der
den Römerstraßen von Win nach Regensburg(Reginum)
in den größten Theil der bisher noch ganz
e darstellt, ähnlich unseren 11
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müssen.
Von det eben begonnene durchschnialch
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