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1867.
Dienstag den 3. September.
2 104.
Anzeiger für Oberhessen.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Beureffend: Landwirihschaftlicher Unterricht, insbesondere die Ackerbauschule zu Friedberg.
Land wirthschaftlicher
Laubach den 29. August 1867.
Fa terri cht.
Nachdem der Ausschuß des landw. Vereins von Oberhessen im Büdget pro 1867 eine Summe von 1200 fl. zur Unterstützung landw. Unterrichts vorgesehen hat, aus der auch Stipendien an tüchtige, aber unbemittelte junge Landwirthe aus der Provinz, die den Winterkursus an der Ackerbauschule des Herrn Dr. Henkelmann zu Friedberg besuchen wollen, gewährt werden können, so bringe ich dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß, daß derartige Unterstützungsgesuche bis längstens zum 1. Oktober d. J. hierher zu richten sind. Der Präsident des landwirthschaftl. Vereins von Oberhessen.
Otto, Graf zu Solms-Laubach.
Hessen Darmstadt. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 35 enthält:
I. Gesetz, die Feststellung und Erhaltung der inneren Grenzen betreffend. 5
II. Gesetz, die Aufbringung der Keosten für das zur Erbauung von Eisenbahnen erforderliche Gelände betreffend.
III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern, Beitritt der Kaiserlich Russischen Regierung zur Genfer Convention betreffend.
IV. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums ber Finanzen, den Verkehr zwischen dem Großherzogthum zessen und den angrenzenden Vereinsstaaten mit steuer⸗ flichtigen Gegenständen betreffend.
V. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamtes Vorms, die Erhebung der Umlage für die israclitische Religionsgemeinde zu Worms für 1867 betreffend.
VI. Bekanntmachung Großberzoglichen Kreisamts Schotten, die Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse ür die israelilische Religionsgemeinde zu Crainfeld, im Areise Lauterbach, für 1867 belreffend.
VII. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Froßherzog haben allergnädigst geruht: am 12. Juli den JegierungsAccessisten Orth aus Griesheim— und den degierungs-Accessisten Spamer aus Wimpfen zu Kreis⸗ Tsessoren,— am 16. Juli den evang. Pfarrer zu Rein⸗ im Bernbard zum Decan des evang. Decanats Reinheim zr die Zeit bis zu Ende des Jahres 1870,— zu er⸗ knnen: am 20. Juli den Obersteuer⸗Protocollisten Jost segleich zum Secretär bei der Cabinetsgüter⸗Direction mit zm Amtstitel„Cabineisgüter-Secretär“ in dieser seiner (igenschaft zu ernennen;— am 26. Juli dem Schul⸗ drits⸗Aspiranten Aubel aus Wieseck die evang. Schulstelle u Albach zu übertragen; an demselben Tage den Feld⸗ bel im 4. Inf.⸗Reg. Möckel aus Darmstadt zum zweiten Endgerichtsdiener bei dem Landgerichte Ortenberg zu mennen;— am 28. Juli den von dem Hrn. Fürsten 1 Solms ⸗Braunfels auf die erste evang. Schulstelle zu Rünzenberg präsentirten Lehrer an der zweuen evang. Schulstelle daselbst, Metzler, für diese Stelle— und den un dem Hrn. Grafen zu Erbach-Fürstenau auf dte evang. echulstelle zu Ober⸗Fintenbach präsentirten Lehrer an der gang. Schule zu Hebstahl, Saal, für diese Stelle zu tätigen; am 30. Juli den Kanzlisten bei dem Hof⸗ drichie der Provinz Starkenburg Paul zum Kanzlei⸗ Mspector bei dem genannten Hofgerichte,— den Perquet⸗
hülsen des Ober⸗Staals-Anwalis bei dem Hofgericht or Provinz Starkenburg Paul aus Darmstadt zum sanzlisten bei dem Hofgericht der Provinz Starkenburg ernennen;— am 4 August den von sämmilichen Aeebescl Freiherrn zu Eisenbach auf die evang. Pfarrstelle „ Udenhonusen präsentirten Pfarramts⸗Candibalen Schufter n Lauterbach für diese Stelle zu bestäligen;— am 7 legust den Gerichte-Accessisten v. Zangen zu Darmstadi ann Megistrator bei dem Oberappellallons⸗ und Cassations⸗ Klichte zu ernennen.
VIII. Versetzungen in den Ruhestand. Am W Juli er Portier auf der Station Bensheim der Main⸗Neckar⸗ enbahn Peter Hern,— am 3. August der Districts⸗ nehmer der Districtseinnehmerei: Fürth Hermann Aubolph wegen geschwächter Gesundheit temporär— und m 7. August der Registrator bei dem Oberappellations⸗ nd Cassationsgerichte L. Wittemann auf sein Nachsuchen.
IX. Concurtenzeröffnungen. Erledigt sind: die vongelische Pfarrstelle zu Kelsterbach mit einem jährlichen balte von 1110 fl.; die evangelische Pfarrstelle zu Illersheum mit einem jährlichen Gehalte von 9885 fl. * kr.) dem Herten Fürsten von Solms-Braunfels steht 4 Präsentatlonsrecht zu bieser Stelle zu; die evang.
ulstelle zu Hain⸗ Gründau mit einem Einkommen von (00 fl. und vier Stacken Holz zur Heizung des Schul⸗
Ao dem Herrn Fürsten zu Menburg- Büdingen steht a Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die zweite Umentar⸗Schulstelle zu Büdingen mit einem Gehalte
von 300 fl. und sieben Stecken Holz zur Heizung des Schullocals; dem Herrn Fürsten zu Ysenburg-Büdingen steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die evang. Pfarrstelle zu Erbach mit einem jährlichen Gehalte von 1082 fl. 39 kr.; dem Herrn Grafen zu Erbach⸗ Erbach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die evang. Schulstelle zu Beienheim mit einem Gehalte von 300 fl. nebst vier Stecken Holz zur Heizung des Schullocals; die evang. Schulstelle zu Zell mit einem Gehalte von 305 fl. 50 kr. und vier Stecken Holz zur Heizung des Schullocals; dem Herrn Grafen zu Erbach— Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die Stelle eines Districtseinnehmers der Districts⸗ einnehmerei Färth, wofür eine Dienstcaution von 3000 fl. erfordert wird; concurrenzfähige Bewerber haben sich binnen 14 Tagen anzumelden.
Darmstadt.
schiedentlich als Brechdurchfälle auf und führten auch in einigen Fällen zum Tode, jedoch betrafen diese meist kleine Kinder oder ältere kränkliche Personen. So waren bis zum 17. August 64 Personen erkrankt gewesen und davon 12 ge⸗ storben. Von da an stieg die Zahl der Er— krankungen etwas rascher, die der Todesfälle aber unverhältnißmäßig, so daß in der Woche vom 17. bis zum 25. August 10 und darunter kräftige, sonst gesunde Personen starben; in einzel- nen Fällen erfolgte der Tod sehr rasch, in einem sogar nach kaum Sstündigem Kranksein. Die Krankheit zeigte somit eine entschiedene Bösartig⸗
Laut Bekanntmachung des keit, Verlauf und Erscheinungen nahmen vollständig
Großherzoglichen Kreisamts Darmstadt vom 28. den Character der asiatischen Cholera an und auch ds., Vorsichtsmaßregeln gegen die Cho⸗ die Leichenerscheinungen boten das characteristische lera betreffend, hat sich die Zahl der Cholera- Bild dieser Krankheit dar. Im Ganzen find nun
Erkrankungen in Gernsheim seit vermehrt. und der zwischen derselben und der hiesigen Stadt bestehende vielfache Verkehr die Gefahr des Ein— schleppens der Krankheit von dorther sehr nahe legen, so sieht die genannte Behörde sich veranlaßt, die im verflossenen Jahre angeordnet gewesene Maßregel der Des infection der in den Häu— sern, beziehungsweise Wohnungen befindlichen Ab— tritte und Abtrittsgruben zu erneuern und die hiesigen Einwohner aufzufordern, sogleich mit dieser Desinfection zu beginnen und dieselbe von 8 zu 8 Tagen fortzusetzen. Zur Desinfection einer Grube von gewöhnlicher Größe sind ent— weder 12 Pfund Eisenvitriol, in 30 bis 35 Maas Wasser aufgelöst, oder 36— 40 Pfund Chlorür⸗ lauge zu nehmen.
— Am 28. und 29. August kam die Anklage wegen Gewaltthätigkeit, in dem Schlosse des Ritt— meisters v Dorth in Neckarsteinach, vor länger als Jahresfrist verübt, in der Appell⸗Instanz bei Groß— herzoglichem Hofgerichte zur öffentlichen Verhand- lung. Am ersten Tage füllte der Vortrag des Referenten den Vormittag aus, des Mittags wur⸗ den die Angeklagten vernommen. Am Vormittag des zweiten Tages wurden die Zeugen vernommen, um 11 Uhr begann das Plaidoyer, das bis 2 Uhr währte. Die Verkündigung des Urtheils wurde auf Freitag den 6. September vertagt.
— Ueber den Stand der Cholera in Gerns— heim berichtet die„Darmstädter Zeitung“: Be- kanntlich herrschte in Gernsheim im Frühjahre und theilweise im Sommer vorigen Jahres die Cholera und forderte unter 89 Kranken damals 8 Opfer. Im Herbste und Vorwinter schien die Krankheit erloschen, dagegen traten bereits in den ersten Monaten dieses Jahres gastrische Erkran— kungen, besonders Katarrh des Magens und Darm- kanals auf, die hier und da auch mit Erbrechen und Durchfall verbunden waren, jedoch gutartig verliefen. Im Anfang Juli nahmen diese gastri- schen Erscheinungen an Häufigkeit zu, traten ver-
5 it wenigen erkrankt gewesen 105 Personen, davon gestorben Tagen um 17 und die der Todesfälle um 122. Da die Nähe der Stadt Gernsheim die energischsten und umfassendsten Maßregeln er—
Den Bemühungen der Sanitätspolizei, die
griffen, wird es hoffentlich gelingen, eine größere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Möge der nächste Wochenbericht ein baldiges Erlöschen derselben erwarten lassen. Ob dieselbe durch eine neue Einschleppung hervorgerufen worden oder eine Fortdauer, beziehungsweise ein Wiederausbruch der vorjährigen Epidemie ist, deren Keime sich erst nach dem schnellen Sinken des monatelangen hohen Standes des Rheines und Grundwassers rasch zu entwickeln und geltend zu machen ver⸗ mochten, darüber fehlen bestimmte Anhaltspunkte, jedoch scheint die letztere Entstehungsweise nach den bis jetzt gemachten Wahrnehmungen die wahr— scheinlichere.
* Friedberg. Bei der am 31. August vorge⸗ nommenen Wahl eines Abgeordneten zum Reichstage gaben in hiesiger Stadt von 729 Wahlberechtigten 80 ihre Stimmen ab, sage achtzig, von welchen 79 auf A. Wendel von Butzbach fielen. Dr. Oppenheimer in Berlin hatte eine Stimme.
Preußen. Berlin. Der bekannte Sta⸗ tistiker Dr. Otto Hübner hat sich in einem Wahl- Programm über die augenblickliche Lage Preußens folgendermaßen ausgesprochen:„Das Volk ist bereits überlastet. Außer den Waffen- fabriken liegen beinahe alle Gewerbe darnieder, um jedes kleine Amt bewerben sich Hunderte von Hungrigen, in den Städten wächst die Zahl der leer stehenden Wohnungen und der Bewohner, welche keine Miethe bezahlen können. Güter und Häuser kommen massenhaft zur Subhastation, die Armenanstalten sind von verkrüppelten Siegern und Arbeitslosen belagert, das Vertrauen zu Ge— genwart und Zukunft fehlt überall, und in das Budget des Aermsten dringt die Wahrnehmung, daß er für die Dienste des Staats bereis mehr bezahlt, als sie werth sind.“ Das Alles paßt nun nicht allein auf Preußen, das paßt auf fast alle Länder Curopa's! Die offieiösen preußischen Blätter selbst bringen übrigens die bezeichnende


